Deutsche Bibelgesellschaft

Opfer

Das Opfer ist eine in Israel wie bei allen Völkern des Altertums verbreitete, besonders wichtige und feierliche Form des Gottesdienstes. In Israel wurde in der früheren Zeit an zahlreichen örtlichen Heiligtümern geopfert, später nach der Reform des Königs → Josia im Jahre 622 v. Chr. nur noch in → Jerusalem. Es gibt blutige und unblutige Opfer. Als unblutige Opfer wurden Früchte, Brot, Wein, Öl und → Weihrauch dargebracht, als blutige Opfer Rinder, Kälber, Schafe, Ziegen und Tauben.

Wichtigste Opferarten sind das Brandopfer, bei dem das ganze Tier auf dem Brandopferaltar verbrannt wurde (1. Mose 8,20; 3. Mose 1); das Schlachtopfer (5. Mose 12,27) und das Dankopfer (3. Mose 3; 7,11-21), bei denen der größte Teil des Opfertieres von den Opfernden verzehrt und dadurch der Gemeinschaft mit Gott und untereinander Ausdruck verliehen wurde; das Sündopfer und Schuldopfer, das → Sühne für unabsichtliche Vergehen bewirkt (3. Mose 4–5; → Blut); das freiwillig dargebrachte Speis- und Trankopfer, mit dem der Mensch Gott als den Geber aller Gaben ehrte (2. Mose 29,40; 3. Mose 2; 4. Mose 15); das Einsetzungsopfer bei der Priesterweihe (3. Mose 8; → Hebopfer und → Schwingopfer). Beim → Räucheropfer wurde eine besondere Mischung von Weihrauch und verschiedenen anderen Bestandteilen verbrannt (2. Mose 30,34-35).

Die alttestamentlichen Opfer haben unterschiedliche Funktionen: Neben der Sühne haben sie auch die Aufgabe, Gemeinschaft mit Gott zu stiften, können aber auch Dank zum Ausdruck bringen. Letztlich ist es aber immer Gott selbst, der die → Versöhnung und die Gemeinschaft gewährt und bereit ist, den Dank anzunehmen.

Der Vorstellung, dass es sich beim Opfer um eine einfache Speisung der Gottheit handelt, wird bereits in der biblischen Überlieferung widersprochen (Ps 50,13). Die Opferkritik der Propheten (so z. B. Am 5,21-24) zielt nicht prinzipiell auf das Opfern, sondern lediglich auf den Irrglauben, dass man sich durch das Opfern das Wohlgefallen und den → Segen Gottes sichern kann, ohne dass das alltägliche Leben durch Gottesfurcht, Frömmigkeit, Gerechtigkeit und Zuwendung zum Nächsten gekennzeichnet ist. Die Zerstörung des Jerusalemer → Tempels im Jahre 70 n. Chr. bedeutet das faktische Ende des Opferkults. Allerdings kennt die biblische Überlieferung auch den Gedanken, dass → Gebete und der Lobpreis Gottes das Wohlgefallen Gottes finden und so an die Stelle von Opfern treten können (Ps 19,15; 104,34). Diesem Gedanken kommt damit nach dem Verlust des Tempels eine ganz bedeutende Rolle zu.

Die christliche Gemeinde deutet den Tod von Jesus Christus als das einmalige, gültige Opfer, das weitere, von Menschen vollzogene Opfer unnötig macht (Hebr 9,26). Im übertragenen Sinn wurde das tätige Christenleben als Opfer verstanden (Röm 12,1; 1. Petr 2,5). Das Opfer ist hier Bild für die Bereitschaft zur uneingeschränkten Hingabe.

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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