Deutsche Bibelgesellschaft

Gebet

Gebete begleiten die Geschichte des Gottesvolkes von Anfang an. So ruft → Abraham bei seinem Altarbau den → Namen Gottes an (1. Mose 12,8; 13,4); → Mose bittet Gott um Nachsicht mit seinem Volk (2. Mose 32,7-13); und Israel preist ihn für seine wunderbare Rettung beim Auszug aus Ägypten mit einem Hymnus (2. Mose 15,1-18; vgl. auch das Mirjamlied 2. Mose 15,20-21). Mit den → Psalmen enthält das Alte Testament sogar ein Gebetbuch, in dem Klage, Bitte, Vertrauen, Lob und Dank gegenüber Gott in großer Vielfalt zum Ausdruck gebracht werden.

Sprache und Theologie des Gebets im Neuen Testament sind alttestamentlich-jüdisch geprägt. So findet sich die Anrede Gottes als »Vater« (→ Abba) sowohl in jüdischen Gebeten als auch bei Jesus selbst. Dass Jesus betet (Mk 1,35), ist Ausdruck seiner Gottverbundenheit. Zentral für die Lehre Jesu ist das Vertrauen, dass Gott die Gebete erhört (Lk 11,5-8). Gleichzeitig ist das Gebet für Jesus auch der Ort, an dem er sich ganz dem Willen Gottes ergibt (Mk 14,36). Das Vaterunser (Mt 6,9-13; Lk 11,2-4) benennt in seiner zweiten Bitte (»dein Reich komme«) den Kern der Verkündigung Jesu, die Botschaft von der baldigen Durchsetzung der Herrschaft Gottes (→ Reich Gottes). Das Vaterunser galt schon sehr früh als das zentrale christliche Gebet, was sich in den neutestamentlichen Berichten widerspiegelt, wonach Jesus seine Jünger mit diesen Worten zu beten gelehrt hat.

Im Matthäusevangelium wird in der Erzählung von → Gethsemane die dritte Bitte Jesu (»dein Wille geschehe«; Mt 26,42) so umformuliert, dass sie wörtlich der Vaterunser-Bitte (Mt 6,10) entspricht. Lukas stellt heraus, wie Jesus und die Handlungsträger der Apostelgeschichte an entscheidenden Stationen aus betender Verbundenheit mit Gott heraus handeln (Lk 6,12-13; Apg 13,3). Auch im Johannesevangelium ist das Gebet Jesu Ausdruck der Einheit seines Willens mit dem des Vaters; in diese Einheit ist auch die Gemeinde hineingenommen (Joh 17).

Bei Paulus dominieren aufgrund seiner Beauftragung als Apostel Fürbitte und Danksagung mit Bezug auf das Wirken Gottes in den Gemeinden. Das Gebet der Gläubigen gilt ihm als Wirken des → Geistes in ihnen (Gal 4,6; Röm 8,15.26). Das Gebet im → Namen Jesu benennt diesen als Träger göttlicher Kraft, durch die man Gebetserhörung erwartet. Im Hebräerbrief wird der in seinem Leiden betende Jesus als Vorbild benannt (Hebr 5,7-10).

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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