Deutsche Bibelgesellschaft

Blut

Das Blut gilt nach israelitischem Verständnis als Quelle und Sitz des Lebens (3. Mose 17,11). Da Gott der Lebensspender ist, ist Blutgenuss grundsätzlich verboten (→ Ersticktes). Das führt in Israel zu der Forderung, nur solches Fleisch zu essen, in dem keinerlei Blut zurückgeblieben ist (1. Mose 9,4), und damit zu einer Form des Schlachtens, bei der das gesamte Blut des Tieres ausfließt (Schächtung; 3. Mose 19,26; 1. Sam 14,32-33). Da bei verendeten oder gerissenen Tieren nicht gewährleistet ist, dass kein Blut mehr im Körper ist, wird auch ihr Genuss verboten (2. Mose 22,30; 5. Mose 14,21). Beim → Opfern im Kult wird das Blut der Opfertiere aufgefangen und an den Altar gegossen. Außerdem wird bei bestimmten Opferarten das Opferblut als Sühnemittel (→ Sühne) verwendet, um die verunreinigende Wirkung menschlicher Verfehlungen aufzuheben (3. Mose 4,16). Das Blut von Opfertieren kann aber auch zur Besiegelung des → Bundes zwischen Gott und seinem Volk dienen (2. Mose 24,6-8). Im Alten Testament wird das Blut (= Leben) des Menschen unter Gottes besonderen Schutz gestellt (1. Mose 9,6). Vergossenes Menschenblut schreit zum Himmel um → Rache (1. Mose 4,10), und wenn keine Sühne dafür geleistet wird, bringt es Unheil über das Land (5. Mose 21,1-9; 2. Sam 21,1-11).

Judenchristliche Gemeinden haben das Verbot des Blutgenusses weiterhin befolgt. Das Aposteldekret (Apg 15,20.29; 21,25) sieht vor, dass auch Heidenchristen sich an das Verbot halten, um für den Kontakt mit Judenchristen (z. B. bei gemeinsamen Mahlzeiten) ein Mindestmaß an kultischer → Reinheit aufrechtzuerhalten. Eine besondere Bedeutung besitzt das Blut Christi im Neuen Testament. Es bezieht sich auf den Tod Jesu am Kreuz und wird als Besiegelung des Bundes Gottes verstanden. Mit dem Ausdruck »Blut des Bundes« wird es in die Deuteworte des → Abendmahls aufgenommen (Mk 14,24; vgl. 2. Mose 24,6-8). Paulus bezieht sich auf den Blutritus beim Sühnopfer (3. Mose 16,14) und deutet so Jesu Tod als Opfertod, durch den ein für alle Mal → Versöhnung zwischen Gott und den Menschen gestiftet wird (Röm 3,25; vgl. Kol 1,20; Hebr 9,11-14).

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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