Deutsche Bibelgesellschaft

Tempel

Der Tempel in Jerusalem ist (wie die → Stiftshütte) die Wohnung Gottes und damit der Ort der göttlichen Gegenwart (Jes 6,1; 8,18). In ihm wird der unsichtbar thronende Gott als anwesend vorgestellt, dessen Herrlichkeit den Tempel erfüllt (Priesterschrift; vgl. 1. Kön 8,10-11 mit 2. Mose 40,34-35). Gleicherweise wird der Tempel als die Stätte verstanden, die Gott erwählt hat, um dort seinen Namen wohnen zu lassen (Deuteronomismus; vgl. 5. Mose 12,5 u. ö.). Diese Konzeption erlaubt die Vorstellung, dass Gott im Himmel thront, zugleich aber in seinem Namen im Tempel anwesend ist und dort mit »HERR« angerufen werden kann.

Der von → Salomo erbaute Tempel (1. Kön 6), der auf dem Berg → Zion in Jerusalem gelegen ist, war ein Langhausbau, der kananäischen und syrischen Tempelbauten entspricht. Er bestand aus drei Teilen: Vorhalle, Heiliges und Allerheiligstes. Die Vorhalle und damit der Eingangsbereich wurde von zwei bronzenen Säulen flankiert (1. Kön 7,15-22). Das Heilige und damit der Innenraum enthielt den goldenen → Räucheraltar, den Tisch mit den → Schaubroten und die zweimal fünf Leuchter (vgl. 2. Mose 40,1-33). Das Allerheiligste war ein in den Innenraum eingebauter und aus Holz gefertigter Würfel von 10 m Kantenlänge, in dem sich die → Bundeslade befand. Nur der → Hohepriester durfte es einmal im Jahr am Versöhnungstag betreten (3. Mose 16,11-14; Hebr 9,7). Zwei Vorhöfe umgaben den Tempel: ein innerer, in dem der große Brandopferaltar stand, und ein äußerer, dessen Umfassungsmauer südlich des Tempels den Königspalast mit einbezog. Der salomonische Tempel bestand während der gesamten Königszeit und wurde von Nebukadnezar 586 v. Chr. zerstört.

Nach der Rückkehr der Juden aus der → Gefangenschaft wurde der zweite Tempel nach dem Vorbild des salomonischen Tempels mit den gleichen Abmessungen (Esra 6,3-5), aber in bescheidenerer Form wieder aufgebaut und 515 v. Chr. eingeweiht. Das Allerheiligste (ohne die Bundeslade; Jer 3,16) war jetzt durch einen Tempelvorhang vom Innenraum abgetrennt (2. Chr 3,14; vgl. Mk 15,38). Ein visionärer Entwurf des neuen und idealen Tempels liegt in Hes 40–43 vor. Der sog. zweite Tempel wurde 168 v. Chr. durch den seleukidischen König Antiochus IV. Epiphanes entweiht, der dort eine Kultstatue des Zeus Olympios errichten ließ (→ Gräuelbild der Verwüstung). Judas Makkabäus gelang es 164 v. Chr., diese Maßnahmen rückgängig zu machen, sodass der Tempel wieder genutzt werden konnte.

König → Herodes der Große renovierte den Tempel, vergrößerte das Tempelareal beträchtlich und umbaute es mit einer prachtvollen Säulenhalle. Auch die Vorhöfe wurden neu aufgeteilt: Der äußere Bezirk war für Nichtjuden zugänglich. In ihm darf man sich die Stände der Geldwechsler vorstellen und der Händler, die Opfertiere zum Kauf anboten (Mt 21,12). Der innere Bezirk, mit Warntafeln versehen, durfte nur von Jüdinnen und Juden betreten werden und gliederte sich nochmals in den Vorhof der Frauen, der Männer und der Priester. Der Herodianische Tempel bestand zur Zeit Jesu. Er wurde 70 n. Chr. von den Römern zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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