Deutsche Bibelgesellschaft

Gefangenschaft

Zur »Befriedungspolitik« der altorientalischen Herrscher gehörte es seit dem 2. Jahrtausend v. Chr., die Oberschichten (→ Priester, Kaufleute, Handwerker) eroberter Provinzen aus ihrem Land zu führen und ggf. mit Angehörigen des Siegervolks auszutauschen. In der Bibel wird von zwei solcher Wegführungen berichtet:

(1) Die → assyrische Gefangenschaft: Im 8. Jh. v. Chr. eroberte der assyrische König Sargon II. Samaria und deportierte die Oberschicht des Nordreiches nach → Mesopotamien. Im Gegenzug ließ er Leute aus → Babylon und Elam ansiedeln (→ Samaritaner).

(2) Die babylonische Gefangenschaft: Im 6. Jh. v. Chr. eroberte der neubabylonische König Nebukadnezar II. Juda und deportierte 597, 586 und 582 v. Chr. ungefähr 4600 Angehörige der Oberschicht nach Babylonien (Jer 52,28-30), ohne eine neue Oberschicht in Juda anzusiedeln. Die nach Babylon Verbannten konnten in geschlossenen Siedlungen zusammenwohnen, sodass der nationale Zusammenhalt bewahrt blieb und sich die Hoffnung auf Rückkehr erhalten konnte. Die Einhaltung des → Sabbats und die → Beschneidung wurden in dieser Zeit zu wichtigen Identitätszeichen der Treue zum Gott Israels.

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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