Deutsche Bibelgesellschaft

Geist Gottes, Heiliger Geist

Das hebräische Wort für Geist bedeutet ursprünglich »Wind, Luft, Hauch« und bezeichnet in 1. Mose 1,2 einen Wind, der das Urmeer bewegt und damit als göttliches Lebensprinzip am Anfang der Schöpfung steht. Im engeren Sinne bezeichnet es den von Gott seinen Geschöpfen verliehenen Lebensgeist (Pred 12,7). Luther übersetzt ihn mit dem Wort »Odem« und macht dadurch deutlich, dass es sich um den göttlichen Atem handelt, durch den Gott seine Geschöpfe zum Leben erweckt und am Leben erhält (1. Mose 2,7; Hiob 27,3; Ps 104,29-30). Vom Geist Gottes gehen auch besondere Wirkungen auf ausgewählte Menschen aus. So kommt er über die Heerführer der Richterzeit und treibt sie zu einer bestimmten Tat (Ri 3,10; 6,34; 13,25; 15,14). Er lässt Prophetengruppen in Ekstase geraten (1. Sam 10,10-12) und bewirkt bei den Propheten Visionen (Hes 8,3). Wenn der Geist Gottes ständig auf einem Menschen ruht wie bei → David (1. Sam 16,13) oder einer prophetischen Gestalt (Jes 42,1; 61,1), ist dies das Zeichen einer besonderen Verbundenheit mit Gott und der Beauftragung durch ihn. Auch auf dem künftigen Friedenskönig (→ Messias) ruht der Geist Gottes und bewirkt bei ihm Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis und Gottesfurcht (Jes 11,2). Für die Endzeit wird die Ausgießung des Geistes über das ganze Volk erwartet (Hes 36,26-27; Joel 3,1-5; vgl. Jes 44,2-3).

Im Neuen Testament beginnt die Wirkungszeit Jesu mit seiner Taufe, in der Gottes Geist auf ihn herabkommt (Mt 3,16-17; Mk 1,10-11). Besonders das Lukasevangelium betont, dass Jesus vom Heiligen Geist erfüllt ist, um die Botschaft vom Reich Gottes zu verkündigen und zu bewirken (Lk 4,14-21 mit Bezug auf Jes 61,1-2). Die Ausgießung des Heiligen Geistes, wie sie im Alten Testament verheißen wird, erfährt die christliche Urgemeinde an → Pfingsten. Sie wird dadurch befähigt, das Evangelium in den verschiedenen Sprachen der Welt zu bezeugen (Apg 2,1-11). Schon bald wird auch die → Taufe (im Hinblick auf Mk 1,8) als das Geschehen bestimmt, durch das alle Glaubenden die Gabe des Heiligen Geist empfangen (Apg 2,38; vgl. Apg 10,44-48). Der Heilige Geist macht frei (2. Kor 3,17; vgl. Phil 3,3) und befähigt Christinnen und Christen zu einem verantwortungsvollen Leben in Hoffnung und Gebet (Röm 8,14-27). Darüber hinaus kann sich der Geist in Gnadengaben (Charismen) äußern, zu denen auch natürliche Fähigkeiten des Menschen gehören können, die durch den Geist für die Sache Jesu Christi in Dienst genommen werden (1. Kor 12,1-31; → Zunge). In den Abschiedsreden Jesu deutet sich schließlich ein personales Verständnis des Heiligen Geistes an, indem Jesus seinen Jüngern bzw. den christlichen Gemeinden ankündigt, dass ihnen nach seinem Tod der Geist als → Tröster zur Seite stehen wird (Joh 14,26; 15,26; 16,7).

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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