Deutsche Bibelgesellschaft

Messias

Das Wort bedeutet »Gesalbter« (hebräisch maschiach) und bezeichnet im Alten Testament entweder den durch → Salbung eingesetzten König (2. Sam 2,4; 1. Kön 1,39) oder den Hohenpriester (2. Mose 29,7). Die Zusage Gottes an David, dass sein Königtum ewig Bestand haben wird (2. Sam 7), bildet in nachexilischer Zeit den Anknüpfungspunkt für die Hoffnung, dass aus dem Haus David ein neuer Herrscher hervorgehen wird, der das Königtum wiederherstellt, in Gerechtigkeit regiert und der Welt den Frieden bringt. Diese Erwartung eines messianischen Königs ist vielfältig bezeugt (Jes 7,14-16; 9,5-6; 11,1-5; Jer 23,5-6; 33,15-16; Mi 5,1-3; Sach 9,9-11). Daneben tritt die Erwartung eines priesterlichen Messias (Sach 4,11-14; 6,9-13; Qumran). Besondere Bedeutung gewinnt der messianisch gedeutete Ps 110, in dem beide Aspekte – der königliche und der priesterliche – in der Person des Priesterkönigs → Melchisedek zusammenfließen. Ps 110,1 ist der am häufigsten zitierte Psalmvers im Neuen Testament (z. B. Mt 22,44; Mk 12,36; Lk 20,42; Apg 2,34; 1. Kor 15,25; vgl. dazu Hebr 7).

Ob sich Jesus selbst als der Messias gesehen hat, ist in der Forschung umstritten. Dem Messiasbekenntnis des Petrus (Mt 16,16) hat er jedenfalls nicht widersprochen. Jedoch hat er das unter den → Zeloten verbreitete und auf die politische Macht verengte Messiasverständnis zurückgewiesen (Mk 12,13-17; Lk 13,1-3). Dennoch gelang es dem jüdischen Rat, Jesus beim römischen Statthalter als Messias im politisch-revolutionären Sinn zu verklagen und seine Hinrichtung als »König der Juden« zu erreichen (Mk 15,26). In der christlichen Gemeinde wurde schon bald der Gekreuzigte als der Messias verkündigt (1. Kor 1,22-25; Gal 6,12-16) und das vierte Gottesknechtslied (Jes 52,13–53,12) messianisch gedeutet (Apg 8,32-35). In der Folge ist der Messiastitel (griechisch christos) zum Bestandteil seines Namens »Jesus Christus« geworden.

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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