Wer mit Gott im Gottesdienst oder im → Gebet in Verbindung tritt, muss sich nach dem → Gesetz des Mose in einem Zustand kultischer Reinheit befinden. Unreinheit entsteht, wenn man mit unreinen Dingen in Berührung kommt (z. B. Leichen, Götzenbilder, bestimmte Speisen, Tiere, Körperausscheidungen oder Krankheiten). Die Reinheitsvorschriften regeln auf der Grundlage von 3. Mose 11–15, wie sich kultische Unreinheit vermeiden und kultische Reinheit wiedererlangen lässt. Bei der Feststellung, was rein und unrein ist, kommt den → Priestern eine wichtige Funktion zu (3. Mose 10,10; Hag 2,11-13). Da sie in unmittelbarer Nähe des Heiligtums (→ Tempel) ihren Dienst tun, gelten für sie besondere Bestimmungen (3. Mose 21). Bereits im Alten Testament bleiben die Kategorien von rein und unrein nicht auf den kultischen Bereich beschränkt, sondern werden auf das rechte Verhalten im Alltag und die innere Einstellung bezogen (Hiob 17,9; Ps 24,4; Spr 20,9). Im Neuen Testament setzt Jesus diese Diskussion fort und betont dabei die »Reinheit des Herzens« (Mt 5,8). Nicht die von außen kommende Speise macht unrein, sondern die von innen kommenden bösen Gedanken (Mt 15,17-20; Mk 7,20-23). Die Wiederherstellung von Reinheit und damit von Gottesnähe vollzieht Jesus dadurch, dass er unreine Geister austreibt, Aussätzige heilt und Tischgemeinschaft mit Zöllnern und Sündern pflegt (Mk 1,23-28; 1,40-44; Lk 15,1-2). Dieses Wirken Jesu ist Zeichen dafür, dass das → Reich Gottes bereits angebrochen ist.