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6.6.05. Der Prophet Jona (Jon)

Übersicht über das Jonabuch

1,1-3 Jonas Sendung und Flucht
1,4-2,1 Sturm, Jona wird ins Meer geworfen und gerettet
2,2-11 Dankpsalm Jonas
3,1-10 Zweite Sendung Jonas, Umkehr der Leute von Ninive
4,1-11 Zorn Jonas über Gott, Rizinusszene

Entstehung

Das Jonabüchlein ist – anders als die anderen Prophetenbücher – keine Sammlung von Einzelsprüchen, sondern eine Lehrerzählung in Form einer Novelle (vgl. die Josefsnovelle, Rut), die sich um die einzige Prophezeiung des Buches rankt, das Wort gegen Ninive in 3,4: „Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört“. Der Name Jona („Taube“) wurde wohl von dem in 2Kön 14,25 erwähnten Propheten entlehnt (was dann auch für die Einordnung vor das Michabuch verantwortlich sein wird), doch entstammt das Buch sicher einer deutlich späteren Zeit. Sprachliche (Verwendung aramäischer Sprachelemente) und inhaltliche Gründe weisen auf das 4.oder 3. Jh. v. Chr. Das ganze Buch wird am Versöhnungstag als Prophetenlesung (Haftara) in der Synagoge vorgetragen. In der christlichen Tradition gelten die drei Tage Jonas im Bauch des Fisches (2,1) als Präfiguration der Zeit Christi im Tod (1Kor 15,4).

Gliederung

Durch sprachliche Gliederungssignale (1,1-3/3,1-3) lässt sich das Buch in zwei Hauptteile gliedern. In beiden steht das Bekenntnis eines „Heiden“ zum Gott Jonas im Zentrum, dessen Namen sie aber nicht kennen. In 1,6 ist es der Kapitän des Schiffes, in 3,7-9 der König Ninives. Charakteristisch ist in beiden Fällen, dass sie Rettung von Jonas Gott erwarten; in 3,9 wird Gottes Reue trotz des angedrohten Gerichts erhofft.

Theologie

Dem Buch geht es also darum, dass das als unbedingt angesagte Unheil doch noch abgewendet werden kann; die Begnadigung Ninives ist gerechtfertigt (4,1-3.10f.). Gott ist in seinem Handeln souverän, größer, als Jona es begreifen kann.

Allerdings ist die Botschaft des Buches umstritten. Manche christlichen Exegeten haben in ihm eine Anklage gegen jüdischen Partikularismus sehen wollen, der von Gott selbst überwunden wird. Andere sehen das Thema der Umkehr als Mitte des Buches an. Im Judentum wird auch der Aspekt der Kritik an selbstgerechten Unheilspropheten und das Problem von wahrer und falscher Prophetie diskutiert. Jedenfalls sind in der Schrift implizit verschiedene Deutemöglichkeiten angelegt, die in der späteren Wirkungsgeschichte entfaltet wurden: Dass es auch außerhalb Israels gültigen Glauben an JHWH gibt, dass ein Einzelner aus dem Tod gerettet werden kann (Jona und der Fisch, vgl. Das „Zeichen Jonas“ in Mt 12,40f.), dass man sich vor Gottes Ratschluss nicht verbergen kann. Über allem steht die Aussage von der überragenden Barmherzigkeit Gottes mit allen Menschen, die sich an die Gnadenformel Ex 34,6 anlehnt: „ein gnädiger und barmherziger Gott, langmütig und reich an Huld“, 4,2.

Digitale Bibelkunde

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Die Texte auf dieser Seite sind mit freundlicher Genehmigung übernommen aus:

Cover der Bibelkunde des Alten Testaments von Martin Rösel

Rösel, Martin: Bibelkunde des Alten Testaments. Die kanonischen und apokryphen Schriften. Mit Lernübersichten von Dirk Schwiderski, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 11., veränd. Aufl. 2021.

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