Deutsche Bibelgesellschaft

Schriftgelehrte

Der Stand der Schriftgelehrten setzt die Existenz von → Schriften voraus, denen man Autorität und Heiligkeit zuschreibt. Er hat sich nach dem Exil entwickelt, als man immer mehr danach fragte, wie das Alltagsleben auch im Einzelnen nach dem Willen Gottes zu gestalten ist, sodass Gottes Gebot (→ Gesetz) keinesfalls übertreten würde. Das große Vorbild war Esra (vgl. Esra 7), der die Tora öffentlich verliest und somit als Schriftgelehrter erscheint (Neh 8,13). Das Ideal des Schriftgelehrten wird dann in Sir 38,24–39,11 geschildert.

In den synoptischen Evangelien erscheinen Schriftgelehrte im ähnlichen Sinne neben → Pharisäern und → Sadduzäern als Gesetzeskundige, die auf der Grundlage biblischer Tradition Einzelfragen des alltäglichen Lebens von der Religion her bedachten und auch als Lehrer in der → Synagoge tätig waren. In der Forschung ist umstritten, ob sie außerdem offizielle Funktionen in dörflichen/städtischen Verwaltungen innehatten. Auch in manchen christlichen Gruppen gab es Schriftgelehrte (Mt 13,52; 23,34), die die fünf Bücher Mose im Lichte der Verkündigung Jesu auf Konsequenzen für das Alltagsleben hin bedachten.

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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