Deutsche Bibelgesellschaft

Gesetz

Mit »Gesetz« wird im Alten Testament der umfassendere hebräische Begriff torah wiedergegeben, der die mündliche Weisung durch Eltern, Lehrer, Priester und Propheten bezeichnen kann (5. Mose 33,10; Spr 1,8; 3,1; Jer 18,18), sich aber in den meisten Fällen auf die schriftliche Weisung der durch Mose empfangenen Gesetze Gottes bezieht (5. Mose 4,44; 17,11 u. ö.). Dementsprechend meint die Tora die von Gott gegebene Lebensordnung, auf die sein erwähltes Volk im → Bund verpflichtet wird (2. Mose 24,7-8). Mit der Tora (bzw. dem Gesetz) können in der Bibel drei unterschiedliche Größen benannt werden: (1) Die Sammlung der von Mose am Sinai empfangenen und aufgeschriebenen Gesetze und Rechtsbestimmungen. Zu den wichtigsten Gesetzessammlungen des Alten Testaments gehören die Zehn Gebote (2. Mose 20,1-17; 5. Mose 5,6-21), das Bundesbuch (2. Mose 21–23), das Heiligkeitsgesetz (3. Mose 17–26) und das Deuteronomische Gesetz (5. Mose 12–26). (2) Die fünf Bücher Mose (2. Chr 17,9). Aus ihren Erzählungen (Haggada) und Gesetzestexten (Halacha) lässt sich ein gerechtes und gottesfürchtiges Leben lernen. Damit erweist sich die Tora als Lebensquelle (Ps 1,2-3) und wird von Jesus Sirach mit der Weisheit identifiziert (Sir 24,25-29). (3) Das gesamte Alte Testament (Joh 10,34; 1. Kor 14,21).

Bei Matthäus zeigt sich eine Hochschätzung des Gesetzes (griechisch nomos), die auch in der Bergpredigt zum Ausdruck kommt (Mt 5,17-19). In der Bergpredigt geht es nämlich nicht um eine grundsätzliche Kritik an der Tora, sondern um die rechte Auslegung und die innere Haltung bei der Gebotserfüllung. Am häufigsten ist in den Briefen des Paulus vom Gesetz die Rede. Auch er hält daran fest, dass die Tora »heilig, gerecht und gut« ist (Röm 7,12). Er weiß aber auch, dass alle Menschen – Nichtjuden wie Juden – die Forderungen des Gesetzes nicht erfüllen können. Indem das Gesetz ebendies feststellt, verurteilt es und führt zur Erkenntnis der Sünde (Röm 3,19-20; 4,15; 2. Kor 3,6). Deshalb kann auch nicht das Gesetz, sondern nur der Glaube von der Sünde befreien.

Das Judentum unterscheidet darüber hinaus zwischen schriftlicher Tora (= fünf Bücher Mose) und mündlicher Tora (= Satzungen der Väter). Im 2. Jh. n. Chr. wird die mündliche Tora in der Mischna gesammelt und verschriftet; sie bildet den Grundstock des Talmud.

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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