Deutsche Bibelgesellschaft

Krieg

Wie im Altertum allgemein war auch in Israel der Krieg fest mit religiösen Vorstellungen verbunden. Deshalb spricht man manchmal auch vom »Heiligen Krieg«. Man stellte sich vor, dass die Gottheit mit dem Volk in den Krieg zieht und auf das Kampfgeschehen Einfluss nimmt. Sieg und Niederlage wurden daher dem Eingreifen bzw. dem Nicht-Eingreifen oder der Schwäche der Gottheit zugeschrieben. Der Glaube Israels ist von Anfang an eng mit dem Krieg verbunden: So wurden die wehrlosen Israeliten am → Schilfmeer vor den Ägyptern gerettet (2. Mose 15,21). Auch die erfolgreiche Landnahme wurde, wie die Schilderungen im Josuabuch zeigen, auf das Wirken Gottes zurückgeführt. Überlieferungen von der Frühzeit Israels zeigen, dass die Vorbereitung und Durchführung von Kriegen gottesdienstlich und rituell geprägt waren. Prinzipiell mussten sich die Kämpfer in einem Zustand der → Reinheit befinden (5. Mose 23,10-15); zur Vorbereitung gehörten → Opfer (1. Sam 7,9) und die Befragung Gottes durch einen → Priester oder → Propheten (Ri 20,23.27-28; 1. Kön 22,1-28). Den Sieg führte Gott herbei, indem er die Feinde in eine Art Schockstarre versetzte (Jos 2,9; 10,10). Am Ende wurde die Beute der Gottheit übergeben (→ Bann). Da das Motiv des Krieges in der alttestamentlichen Überlieferung eine wichtige Rolle spielt, gilt dieser Teil der Bibel vielen als Buch der Gewalt und der Gott des Alten Testaments als gewalttätig. Diese Auffassung übersieht aber, dass in der alttestamentlichen Überlieferung auch viele Stimmen laut werden, die auf ein Ende der Gewalt und auf Gott hoffen, der den Kriegen ein Ende bereiten wird (Jes 2,2-4; 11,1-9; Sach 9,9-10).

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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