Sakramentenkatechese/-pastoral
Schlagworte: Sakramentenpastoral
(erstellt: Februar 2026)
Vorgängerartikel von Bernd Lutz
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1. Begriffs- und Verständnisklärung
Der in der römisch-katholischen Theologie verwendete Begriff der Sakramentenkatechese (→ Katechese/Katechetik
Sakramentenpastoral umfasst als pastorales Handeln im Bereich der römisch-katholischen Kirche alle Formen der Begleitung, die einzelne Gläubige oder Gemeinschaften darin unterstützen, gestärkt durch die Sakramente ihr Leben christlich zu gestalten. Sie erschöpft sich nicht in der Spendung der Sakramente. Die Sakramentenkatechese ist dementsprechend Teil der Sakramentenpastoral.
Im Folgenden werden zunächst Überlegungen vorgetragen, die für alle Sakramente gelten (2. Allgemeine Sakramentenpastoral). In einem weiteren Abschnitt werden auswahlweise spezifische Aspekte zu einzelnen Sakramenten thematisiert (3. Spezielle Sakramentenpastoral).
2. Allgemeine Sakramentenpastoral
2.1. Zur grundlegenden Kontextualität
Wie alles pastorale Handeln wird auch die Sakramentenpastoral durch ihren Kontext geprägt. Dies gilt sowohl synchron (zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten – länderübergreifend, aber auch innerhalb eines Landes oder einer Region; auch Sakramentenpastoral bedarf der Inkulturation) als auch diachron (zu unterschiedlichen Zeiten innerhalb eines Landes bzw. Kulturraumes; dazu vgl. Haslinger, 2000, 164-168).
Daher ist auch die Sakramentenpastoral von jenen grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen betroffen, die gegenwärtig als Übergang von der Moderne zur Post- oder „entfalteten Moderne“ (→ Postmoderne
Als besondere Herausforderung erweist sich (intensiviert durch die Corona-Pandemie) die zunehmende → Digitalisierung
Dementsprechend sind vor allem die volkskirchlich verwurzelten Feste (Taufe, Trauung und auch Erstkommunion) (→ Fest/Feste
2.2. Sakramentenpastoral im Übergang
Die genannte „Übergangssituation“ (Sakramentenpastoral im Wandel, 1996, 9) führt zu Spannungen, die sich in Sakramentenkatechese und Sakramentenspendung verdichten, weil die Sakramente als Zentralfeiern christlich-kirchlichen Glaubens hohen kirchlichen Identitätswert haben. Während die einen zum Schutz der Bedeutung der Sakramente für eine restriktivere Praxis eintreten (Reckinger, 2007), argumentieren andere, dass die Identität im Sinne Jesu nur zu wahren ist, wenn die Sakramentenpastoral Pluralität anerkennt und niederschwellig angelegt ist (Först/Frühmorgen, 2020). Dies führt spätestens seit den 1980er Jahren zu kontrovers geführten, immer noch andauernden Debatten, die sich „zwischen Ausverkauf und Rigorismus“ bewegen (Emeis, 1991).
Die Pastoral-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz reagiert darauf mit dem Schreiben „Sakramentenpastoral im Wandel“ (Sakramentenpastoral im Wandel, 1996). Der Text enthält „keine verbindlichen Richtlinien“, denn „dies wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Überforderung -, er will aber eine eindringliche Aufforderung und begründete Ermutigung sein, gemeinsam nach Wegen zu suchen, Schritte zu formulieren und vor allem dann auch zu gehen, um den untrennbaren Zusammenhang von Glaube und Sakrament überzeugender gerecht zu werden“ (Sakramentenpastoral im Wandel, 1996, 5). Eine ähnliche Offenheit kennzeichnet auch das 2004 von den deutschen römisch-katholischen Bischöfen herausgegebene Dokument „Katechese in veränderter Zeit“ (Katechese in veränderter Zeit, 2004).
In der gemeindlichen Praxis haben die vielfältigen gesellschaftlichen und innerkirchlichen Veränderungen durchaus anregend gewirkt und zur Entwicklung unterschiedlicher pastoraler Ansätze und Formate geführt. Für die Katechese lassen sich sechs Modelle identifizieren mit je unterschiedlicher Schwerpunktsetzung bezüglich Inhaltsvermittlung und Erfahrungsbezug: a) Instruktionsmodell, b) Hauskirche, c) Gemeindekatechese, d) Katechumenale Wege, e) Mystagogie, f) Kasualpraxis (Wollbold, 2020, 253, bezogen auf Taufkatechese: 254-260).
2.3. Sakramente und Glaube
Grundlegend markiert das „Verhältnis von Glaube und Sakramente […] eines der Hauptprobleme der gesamten Pastoral“ der Gegenwart, „(d)enn in unseren Gemeinden (→ Gemeinde
Papst Johannes Paul II, 1979, Nr. 19) (→ Katechismus/Katechismusunterricht
Diese Situation hat sich seither keineswegs entspannt. Weil aber die von Gott (auch in den Sakramenten) geschenkte Gnade nicht durch persönliche Leistungen verdient werden kann und auch nicht verdient werden muss, plädieren manche dafür, bei der Sakramentenspendung auf jede Form von Vorleistung (auch auf eine vorbereitende Katechese) zu verzichten. „Sakramente sind immer gratis, aber nie umsonst“ (Fuchs, 2015). Denn obwohl unstrittig ist, dass Glaube nicht quantifizierbar ist, geschieht dies faktisch nicht selten bei der Sakramentenkatechese und bei der Zulassung zur Feierliche Erstkommunion anhand verhältnismäßig leicht überprüfbarer Fakten (wie z. B. regelmäßiger Gottesdienstbesuch). Die so gewonnenen Indizien machen jedoch nur einen begrenzten Teil der Religiosität eines Menschen aus. Religionssoziologische Untersuchungen (→ Religionssoziologie
Weil sich diese Ungleichzeitigkeit in Zeiten allgemeiner Individualisierung weiter verstärken wird, fordert das Direktorium für die Katechese dazu auf, „für unterschiedliche Bedürfnisse, Altersgruppen und Lebenssituationen differenzierte katechetische Wege anzubieten. […] Aus diesem Grund ist es pädagogisch wichtig, innerhalb des katechetischen Prozesses jeder Stufe eine eigene Bedeutung und Besonderheit zuzuweisen“ (Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung, 2020, 225). Auch wenn dies selbstverständlich die verschiedenen Formen von → Inklusion
Im Zusammenhang differenzierter Katechese wird zunehmend die Sinnhaftigkeit jahrgangsweiser Einladung zu Erstkommunion- und Firmvorbereitungskatechese in Frage gestellt (Sakramentenpastoral im Wandel, 1996, 46−48). Wenn aber dennoch die eingeübte und von der Kirche jahrhundertelang verordnete Praxis weitergeführt wird, weil sie die Möglichkeit bietet, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die sonst kaum oder keinerlei Berührungspunkte mit der Kirche haben, wird sich die Katechese durch einen „verständnisvoll-kritischen Umgang mit dem volkskirchlichen Erbe“ auszeichnen müssen (Sakramentenpastoral im Wandel, 1996, 14). Andernfalls entstehen durch Be- und ggf. sogar Verurteilungen seitens der Hauptamtlichen und kirchlich hochidentifizierten Verletzungen, die zu dauerhaftem Kommunikationsabbruch führen. Bei gelingender Kommunikation kann demgegenüber miteinander ein Schritt zu einer vertieften persönlichen Christusbeziehung gegangen werden, die letztlich das Ziel allen kirchlichen Handelns und insbesondere der Katechese ist (Papst Johannes Paul II, 1979, Nr. 20).
Dies spricht für eine Sakramentenpastoral (einschl. Katechese), die individuelle Glaubenswege wertschätzt und differenziert begleitet. Damit wird der spezifische Kairos der gegenwärtigen Glaubenssituation aufgegriffen, dass Glaube (sowohl grundsätzlich wie auch seine einzelnen Inhalte) immer mehr zur persönlichen Entscheidung und zur individuellen Überzeugung wird (Lutz, 2014). Zu überprüfen ist, inwieweit standardisierte Vorbereitungskurse (für Erstkommunion- und Firmvorbereitung) noch angemessen sind. Auf jeden Fall sind sie für die spezifische Situation vor Ort und bezogen auf die beteiligten Personen zu adaptieren.
Zugleich ist darauf zu achten, dass die Katechesen so angelegt sind, dass der Sakramentenempfang nicht als Endpunkt, sondern als inspirierender Impuls und als Stärkung für einen lebenslangen Glaubensweg wirkt.
2.4. Erwachsenenkatechese als vorrangige Form
In der Praxis entsteht oftmals ein gegenteiliges Bild, denn eine auf die Sakramente bezogene Katechese wird fast ausschließlich zur Vorbereitung auf deren (Erst-)Empfang angeboten, kaum aber zu deren lebensbegleitender (nicht zu verwechseln mit: permanenter) Erschließung. Wenn aber die Sakramente mit dem Leben der Christinnen und Christen verbunden sind, wird sich auch die Bedeutung eines Sakramentes aufgrund der gewandelten Lebenssituation verändern. Andernfalls verliert es seine Lebensrelevanz.
Neben thematischen Interessen bieten sich die sogenannten „kritischen Lebensereignisse“ als Ansatzpunkt für katechetisches Handeln an, denn insbesondere negative und unerwartete Einbrüche in den Lebensalltag fordern zu einem Überdenken der bisherigen Sinn- und Lebenshaltung heraus und führen ggf. zu einer Neuorientierung (Umkehr/Bekehrung) (Lutz, 1989; Först/Frühmorgen, 2020). In diesem Kontext lassen sich auch die Sakramente persongerecht neu erschließen.
Dies macht es unumgänglich, der biografischen Entwicklung in der Sakramentenpastoral insgesamt mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die Erwachsenenkatechese (→ Erwachsenenalter
Der Eindruck, dass es für Erwachsene im Glauben nichts mehr zu lernen gibt, wird auch dadurch verstärkt, dass in den einzelnen Katechesen „Vollständigkeit“ angestrebt wird, statt Verlangen nach „mehr“ dadurch zu wecken, dass spürbar wird, dass der Glaube auch von seiner Inhaltsseite her tiefer reicht und mehr enthält, als in einem einzelnen katechetischen Kurs erschlossen werden kann. Hier zeigt sich neuerlich das viel diskutierte Anliegen einer → Elementarisierung
Ein weiteres Problem besteht darin, dass von denen, die sich auf ein Sakrament vorbereiten, ein Maß an Wissen, Präsenz und Teilnahme erwartet wird, die die Sonntagsgemeinde, die doch Vorbild sein sollte, nicht zeigt (siehe unten 3.2.1. -das Sakrament der Versöhnung). Um demgegenüber die Gesamtgemeinde zu stärken, bietet sich an, zumindest zeitweise die nach Zielgruppen (Erstkommunionkinder, Firmanden und ggf. deren Eltern) fragmentierten Sakramentenvorbereitungskatechesen für die Gesamtgemeinde zu öffnen und ein intergenerationelles Miteinander in der Katechese (→ Katechese, intergenerationelle
2.5. Ganzheitliche Katechese
Indem von „erschließen“ der Inhalte des Glaubens (anstelle von „vermitteln“ oder „unterrichten“) gesprochen wird, kann deutlich werden, dass christlicher Glaube als Offenbarungsglaube zwar durch spezifische Glaubensinhalte geprägt ist, diese aber nicht „dozierend“ zu übermitteln sind. (→ Bildung, religiöse
Wenig beachtet wird in diesem Zusammenhang, dass ein wesentlicher Teil der Wissensvermittlung durch den Religionsunterricht (→ Religionsunterricht als Schulfach, Forschung
Insbesondere wenn die Symbole der Sakramente und deren Inhalt den Menschen fremd geworden sind (Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, 1976b, 240), reicht eine Erklärung ihrer Bedeutung nicht aus. Vielmehr sind Erfahrungen zu ermöglichen, die deren Sinn(en)haftigkeit erleben lassen (→ Symboldidaktik
Um dies zu erschließen, lässt sich an die moderngesellschaftliche Ästhetisierung und die mit ihr verbundene Sensibilität für Riten und Symbole anknüpfen. Doch geht Sakramentenkatechese darüber hinaus, weil die Sakramente einen Mehrwert freisetzen, der die Alltagserfahrungen übersteigt und sich nur begrenzt korrelativ einholen lässt (ausführlich dazu: Wahl, 2008). Denn die Sakramente haben Anteil an der eschatologischen Grundstruktur (→ Eschatologie
Hier zeigt sich ein gravierendes Defizit gegenwärtiger Sakramentenkatechese: Sie erschöpft sich vielfach in einer liturgisch-katechetischen Erschließung, die die diakonische Dimension kaum berücksichtigt – geschweige denn gleichrangig integriert. Dabei hätte gerade die Sakramentenkatechese darauf aufmerksam zu machen, dass Christus in den Armen und Entrechteten begegnet (Mt 25
2.6. Mystagogie in der Sakramentenpastoral
Konsequent wird die Biografieorientierung in einer mystagogisch konzipierten Pastoral und Katechese (→ Mystagogisches Lernen
Dem Anliegen der Mystagogie entsprechend ist den Erfahrungen der Menschen mit Respekt und Ehrfurcht zu begegnen. Durch Pastoral und Katechese sind die Einzelnen darin zu unterstützen, ihre Gotteserfahrungen zu entschlüsseln und zu vertiefen. Dies setzt aufseiten der kirchlich Handelnden Interesse an der Lebensgeschichte der Menschen und Einfühlungsvermögen in deren Lebenssituation und -erfahrung voraus (Sakramentenpastoral im Wandel, 1996, 27f.).
Aus dem Erwachsenenkatechumenat (→ Katechumenat
Das inzwischen wachsende Bewusstsein für die Bedeutung des Erwachsenenkatechumenats (→ Erwachsenenbildung
2.7. Sakrament und Gemeinde
Sakramente sind keine Privatfeiern, sondern Vollzugsformen kirchlich gemeindlichen Glaubens. Diesen Gemeinschaftscharakter der Sakramente hat insbesondere das Zweite Vatikanische Konzil gegenüber einer über lange Zeit gepflegten individualistischen Frömmigkeit betont (vgl. SC). Zugleich hat es die „Spender-Empfänger-Logik“ in der Sakramentenpastoral aufgebrochen (Sakramentenpastoral im Wandel, 1996, 31).
Grundlage dafür ist nicht zuletzt das römisch-katholische Verständnis von der Kirche als dem Wurzel- oder Grundsakrament (während Christus das Ursakrament ist). Dies aber impliziert, dass die einzelnen Sakramente wesentlich sind für die Kirche, und zwar für die ganze Kirche. Das heißt: Bevor die Kirche die einzelnen Sakramente spendet, ist sie dieses Sakrament (Emeis, 2001, 144). Damit erweisen sich die Sakramente als kritische Anfragen an das Leben der Kirche und der konkreten Gemeinde vor Ort: Lebt sie die communio (Gemeinschaft), die sie in der Eucharistie feiert? Erleben Kranke und Schuldiggewordene sie als solidarisch und heilend? Mithin erweist sich an der Praxis der Kirche die Glaubwürdigkeit ihrer Sakramentenspendung.
Im Sinne solidarischer Glaubensgemeinschaft weiß die Kirche um die Schwäche bis hin zur Schuldhaftigkeit ihrer Mitglieder. Der Glaube des Einzelnen ist nie vollkommen. Vielmehr ergänzt die Kirche als Ganze das, was dem Einzelnen fehlt (ecclesia supplet). Dies ist die Grundlage für eine „biografische Ritendiakonie“ (Katechese in veränderter Zeit, 2004, 12; Baumgartner, 2011, 133f.), denn gerade bei der Sakramentenpastoral besteht „die pastorale Aufgabe [...] vor allem darin, den schwachen Glauben zu stärken“ (Katholischer Erwachsenenkatechismus, 1985, 318).
3. Spezielle Sakramentenpastoral
3.1. Die Sakramente der christlichen Initiation
3.1.1. Der Erwachsenenkatechumenat
Für Religionsmündige (ab Vollendung des 14. Lebensjahres) (→ Religionsmündigkeit
Faktisch findet jedoch die Vorbereitung vielfach unter Ausschluss der (Sonntags-)Gemeinde im Zweierkontakt zwischen einem Taufbewerber/einer Taufbewerberin und einem Mitglied des Pastoralteams statt. Damit bleibt – wie Erfahrungen aus USA zeigen – ein erhebliches Potential zur Stärkung des Taufbewusstseins in der Gemeinde (Tebartz-van Elst, 1993) und damit ein wichtiger Beitrag zur Sakramentenpastoral ungenutzt.
In diesem Zusammenhang wird auch diskutiert, wie katechumenatsfähig (im Sinne von „aufnahmewillig“) die Gemeinden sind. Zumeist erwarten Gemeindemitglieder, dass die Neugetauften sich den vertrauten Vollzugsformen gemeindlichen Lebens anpassen. Nur selten wird Bereitschaft signalisiert, unter Charismenperspektive die Interessen und Fähigkeiten, die die Neugetauften mitbringen, an- und aufzunehmen, oder aber zu akzeptieren, dass sie sich nicht weiter in der Gemeinde engagieren wollen. Wie viel Gemeinschaft die Katechumenen suchen und wie weitgehend sie sich aktiv in Gemeinde und Kirche einbringen wollen, wird nicht zuletzt von der Persönlichkeitsstruktur der Betroffenen abhängen.
3.1.2. Taufe von Säuglingen und Kindern
Die Taufe von Säuglingen und Kleinkindern ist das noch am stärksten volkskirchlich verankerte Sakrament, obwohl auch dessen Nachfrage inzwischen zurück geht (die jährlichen statistischen Angaben der Deutschen Bischofskonferenz). Zwar wird seit Jahrzehnten eine Taufkatechese (→ Taufe/Taufkatechese
Widersprüchlich ist auch das Verhalten der Zelebranten hinsichtlich der Tauffeier selbst. Zwar wird den Taufeltern vielfach unterstellt, dass sie die Taufe als Familienfeier (→ Familie
Diese Motivationslage führt dazu, dass immer wieder diskutiert wird, ob nicht statt der Taufe eine Segnung (→ Segensfeier/Feier der Lebenswende
Im Sinne der lebensbegleitenden Sakramentenpastoral bietet sich an, den Kontakt zu den Tauffamilien zu halten, indem z.B. der/die Taufende den Eltern zum Jahrestag der Taufe einen Glückwunsch-Brief schreibt, der einen persönlichen Bezug zum Tauftag enthält und der auf die familienpastoralen Angebote der Pfarrei verweist. Damit wird deutlich, dass die Taufe Beginn eines Glaubensweges ist, auf dem die Eltern von der Gemeinde unterstützt werden.
Als Element einer speziellen Taufkatechese kann anlässlich z.B. eines ökumenischen Taufgedächtnisgottesdienstes eine gemeinsame (vorbereitende) Katechese zum Thema „Taufe/Taufberufung und Sendung“ durchgeführt werden. Wie überhaupt das Thema „Taufberufung“ häufiger in Predigten oder Katechesen vorkommen sollte, um das Taufbewusstsein in den Gemeinden grundlegend zu stärken.
3.1.3. Eucharistiekatechese
Eucharistiekatechese wird weitgehend mit Erstkommunionvorbereitung (→ Erstkommunion/Erstkommunionkatechese
Immer häufiger werden im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung Kinder angemeldet, die noch nicht getauft sind. Sie werden zumeist im Rahmen der Erstkommuniongruppe auch auf die Taufe vorbereitet. Das gibt den Mitgliedern der Gruppe die Möglichkeit, sich intensiver mit der eigenen Taufe zu befassen. Demensprechend sollten alle Kinder an der Tauffeier teilnehmen können. Ebenso sollte diese im Rahmen der sonntägliche Eucharistiefeier stattfinden − idealerweise in der Osternacht.
Die Bedeutung der sonntäglichen Eucharistiefeier für das alltägliche Leben der Gemeinde kann auch dadurch herausgestellt werden, dass das jeweilige Evangelium des kommenden Sonntags als Grundlage für das geistliche Wort zu Beginn oder zum Abschluss von pfarrlichen Zusammenkünften verwendet wird (Lutz, 2011).
3.1.4. Firmung und weitere liturgische Feiern
In immer mehr Pfarreien wird bei der Firmvorbereitung (→ Firmung/Firmkatechese
Der theologische Gehalt der Firmung ist nach wie vor umstritten. Versteht man sie aber (auch) als Sakrament des Apostolats (Höring, 2008; Höring, 2011) und ist sie weiterhin (wie derzeit) Abschluss der Initiation, wird es unverzichtbar, den Jugendlichen, die gefirmt sind, ein aktives Mitgestaltungsrecht auch in der → Gemeinde
Wie bei der Taufe wären auch hier alternative Feierformen zu entwickeln (ähnlich den Segnungen für Jugendliche als Alternative zur Jugendweihe) (→ Segensfeier/Feier der Lebenswende
3.2. Die Sakramente der Heilung
Der Katechismus der katholischen Kirchen charakterisiert das Sakrament der Versöhnung (Beichte) und die Krankensalbung als „Sakramente der Heilung“ (Katechismus der katholischen Kirche, 2005, 388).
3.2.1. Das Sakrament der Versöhnung
Das Sakrament der → Versöhnung
Demgegenüber entsteht aufgrund der derzeitigen Praxis der Eindruck, dass die Beichte vor allem Vorbedingung für den Erstempfang der Kommunion und ggf. auch der Firmung ist. Hier zeigt sich in spezifischer Weise die Dringlichkeit des erwähnten Paradigmenwechsels, der die Erwachsenenkatechese zum Bezugspunkt für die Kinder- und Jugendkatechese macht, denn momentan wird mit Kindern und ggf. Jugendlichen in einer auf Erstkommunion- oder Firmvorbereitung fixierten Bußkatechese intensiv eingeübt, was die Erwachsenengemeinde kaum bis gar nicht praktiziert. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, die zumeist in einer bedrückenden Praxis in der Vergangenheit liegen (Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, 1976a, 93−95). Gerade deshalb aber ist eine umfassende, lebensfreundliche Buß- und Beichtpastoral (einschl. Verkündigung und Katechese) dringlich. Sie wird freilich in der Sicht nicht weniger Gemeindemitglieder konterkariert durch den wenig überzeugenden Umgang mit Schuld in den eigenen Reihen (z.B. Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt).
3.2.2. Krankensalbung
Lange Zeit nur als „Letzte Ölung“ praktiziert, wird die Krankensalbung im Leben der Gemeindemitglieder immer weniger wahrgenommen. Dies liegt primär daran, dass die meisten Menschen nicht mehr zuhause, sondern im Krankenhaus, im Hospiz oder auf der Straße sterben. Hinzukommt, dass das Thema „Sterben und Tod“ nach wie vor gemieden wird. Dies spricht für gezielte Katechese und Verkündigung, die - eingebettet in den Glauben an die Auferstehung und Vollendung des Lebens in Gott - die Krankensalbung als Sakrament der Stärkung neu ins Bewusstsein hebt. Dazu können auch erschließende Predigten und Katechesen zu den in manchen Gemeinden regelmäßig stattfindenden Krankensalbungsgottesdiensten dienen.
3.3. Die Sakramente des Dienstes für die Gemeinschaft
Der Katechismus der katholischen Kirchen charakterisiert die beiden Sakramente gemeinsam als „die Sakramente des Dienstes für die Gemeinschaft“ (Katechismus der katholischen Kirche, 2005, 414).
3.3.1. Ehe
Anders als in vielen Ländern ist in Deutschland die Teilnahme an einem kirchlichen Ehevorbereitungskurs (→ Ehevorbereitung
Die Fülle der genannten Themen macht deutlich, dass diese in solchen Kursen zumeist nur angerissen werden können. Zu bedenken ist jedoch, dass die Ehevorbereitung nicht erst mit dem Ehevorbereitungsseminar beginnt. Sie umfasst die Beziehungskatechesen in der Jugend ebenso wie alle Formen des Erlebens von Ehe und Beziehung. Aufgabe der Katechese ist es, diese Erfahrungen bewusst zu machen, sie zu reflektieren und im Licht des Evangeliums zu deuten.
Dies ist auch das Ziel ehebegleitender Kurse (z.B. zu Ehejubiläen). Angesichts wachsender Beschleunigung aller Lebensvollzüge wollen sie den Eheleuten helfen, eine „kreative Treue“ (Josef Müller) in ihrem Zusammenleben zu entwickeln. Insbesondere wenn bei Katechesen Paare unterschiedlicher Generationen zusammenkommen, entsteht eine wechselseitig stützende Atmosphäre.
Daneben werden Kurse zur Förderung der Ehekommunikation (EPL = ein partnerschaftliches Lernprogramm/KEK = Konstruktive Ehekommunikation/Paarlife/u.a.) entwickelt, um schon vor einer tiefgreifenden Ehekrise Hilfe anzubieten. Bei deren Bewältigung helfen nicht zuletzt die Ehe-Familie-Lebensberatungsstellen.
Diskutiert wird immer wieder, ob auch Paaren, die nicht kirchlich heiraten können, eine Segnung ihrer Partnerschaft angeboten werden kann.
3.3.2. Weihe
Die Vorbereitung auf das Weihesakrament erfolgt für die Kandidaten über lange Zeit in und durch die Priesterseminare bzw. entsprechende diözesane Ausbildungsstätten. Demgegenüber ist das Thema „Berufung“ in den Gemeinden wenig präsent. Dabei würde sich anbieten, das Thema der Berufung zum besonderen Dienst in der Kirche (Weihe) mit dem Thema der allgemeinen Taufberufung („gemeinsames Priestertum der Gläubigen“, Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium 10) zu verknüpfen und so den spezifischen Dienstcharakter des Amtes im Dienst an der Taufberufung aller Christinnen und Christen herauszustellen. Diese Theologie hat sich in der Ausübung des Amtes alltäglich zu bewähren.
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