Deutsche Bibelgesellschaft

(erstellt: Februar 2026)

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1. Termini

Einen umfassenden Begriff für das Wetter kennt weder das Hebräische noch das Griechische. Wenn es ums Wetter geht, werden immer Einzelphänomene genannt und beschrieben, wie Hagel, Regen, Schnee, Tau, Winde und Stürme, Blitz und Donner, aber auch der Sonnenschein.

2. Bedeutung

Das Wetter in Palästina war abhängig von der geographischen Lage des Landes und den damit verbundenen klimatischen Faktoren. Beides spiegelte sich besonders im Wechsel zwischen dem zwischen Oktober und März fallenden Regen und der von Mai bis September folgenden Trockenheit.

Das Wetter mit all seinen Phänomenen war ein Bereich, der dem Menschen rätselhaft (Pred 8,8; Pred 11,4f.; Joh 3,8) und kaum zugänglich war, daher aber umso unberechenbarer erschien (Hi 27,20; Mt 7,25.27), wurde es doch mit göttlichen Kräften in Verbindung gebracht, „die in der Welt dynamisch herrschen und deren Gewalt der Mensch preisgegeben“ (Prudský 2013, 452) war (→ Wettergott). Die Ausprägungen des Wetters hatten massive Auswirkungen auf das Leben der Menschen und die Existenzsicherung. Gutes Wetter manifestierte sich z.B. in ausreichendem Niederschlag (Dtn 11,10f.), der die Voraussetzung war für einen guten landwirtschaftlichen Ertrag (→ Ackerbau; → Vieh- und Milchwirtschaft). Diese positiven Auswirkungen des Wetters galten als Ausdruck göttlichen → Segens (vgl. Gen 27,28; Dtn 33,13; Ps 65,10 u.ö.) und wurden mit seinem Wirken in Zusammenhang gebracht.

Schlechtes Wetter dagegen brachte → Unwetter mit sich in Gestalt von Gewittern, Hagel, Starkregen, austrocknenden Winden (Hos 13,15) oder Stürmen (Ez 38,9; Spr 1,27), die die Landwirtschaft massiv beeinträchtigen konnten, drohte doch die Gefahr von Ernteschäden oder Ernteausfällen, mit denen dann Hungersnöte verbunden sein konnten (→ Hunger). In solch negativen Wetterereignissen spiegelt sich für die Menschen der Zorn Gottes (→ Zorn [AT]), der sich einerseits gegen die Feinde Israels, aber auch gegen sein eigenes Volk richten konnte (Hos 13,15).

Aufgrund der positiven und negativen Auswirkungen von Wetterphänomenen werden diese auch in der Bildsprache aufgenommen, wobei der Bezug auf ein Wetterelement durchaus ambivalent sein kann. So kann der Hinweis auf den Tau einerseits dessen belebende Wirkung im Blick haben (vgl. z.B. Dtn 32,2; Hos 14,6), andererseits kann der Überfall von Feinden mit dem plötzlichen Fallen des Taus verglichen werden (2Sam 17,12, vgl. dazu Prudský 2013, 452-454).

3. Wetterbeobachtungen und Wetterregeln

Ein Zusatz zu Mt 16,2f., aber auch Lk 12,54f. lassen darauf schließen, dass man Wetterbeobachtungen anstellte und daraus entsprechend Wetterregeln ableitete (vgl. Bovon 1993; Müller 2007).

4. Tierische „Wetterpropheten“

In Hi 38,36 werden → Ibis und → Hahn als mit → Weisheit begabte „Wetterzeichen“ (Witte 2021, 624; vgl. Keel 1981; Riede 2002) genannt. Das Kommen des Ibisses zeigt die bevorstehende Nilschwemme an, der Hahn ist Künder des Regens.

Literaturverzeichnis

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928-2018
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006
  • Handbuch theologischer Grundbegriffe zum Alten und Neuen Testament, Darmstadt 2006
  • Wörterbuch Alttestamentlicher Motive, Darmstadt 2013

2. Weitere Literatur

  • Bovon, F., 1993, Wetterkundliches bei den Synoptikern (Lk 12,54-56 par.), BThZ 10, 175-186
  • Keel, O., 1981, Zwei Beiträge zum Verständnis der Gottesreden im Buch Ijob (XXXVIII 36f., XL 25), VT 31, 220-225
  • Keel, O. / Schroer, S., 2002, Schöpfung. Biblische Theologien im Kontext altorientalischer Religionen, Göttingen
  • Müller, P., 2007, Wetterregeln (Von der Beurteilung der Zeit) – Q 12,54-56 (Mt 16,2 f. / Lk 12,54-56 / EvThom 91), in: R. Zimmermann u.a. (Hg.), Kompendium der Gleichnisse Jesu, Gütersloh, 171-177
  • Prudský, M., 2013, Art. Wetter, in: M. Fieger u.a. (Hg.), Wörterbuch alttestamentlicher Motive, Darmstadt, 451-457
  • Riede, P., 2002, „Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren“. Tiere als Vorbilder und „Lehrer“ des Menschen im Alten Testament, in: ders., Im Spiegel der Tiere. Studien zum Verhältnis von Mensch und Tier im alten Israel (OBO 187), Fribourg / Göttingen, 1-28
  • Witte, M., 2021, Das Buch Hiob (ATD 16), Göttingen

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