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(erstellt: Februar 2026)

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Abb. 1: Palästinas Urlandschaft mit den das Land bestimmenden Vegetationszonen.

Das Klima Palästinas ist sowohl durch die geographische Lage des Landes wie auch durch die Verteilung der Niederschläge auf die verschiedenen Jahreszeiten stark bestimmt. Aufgrund der Lage zwischen dem 33. und 30. Breitengrad ist es Teil der subtropischen Klimazonen. Die Zwischenlage zwischen Mittelmeer und Wüste macht das Land zudem zu einer klimatischen Übergangsregion vom Mittelmeer- hin zum Wüstenklima, wobei „im Norden und Nordwesten die mediterranen Kräfte, im Osten und Südwesten die aus der Arabischen Wüste dominieren“ (Weippert 1988, 14).

1. Geographische Lage

Die besondere Lage des Landes zwischen Meer und Wüste und das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Klimazonen auf kleinstem Raum führen zu extremen klimatischen Unterschieden, die ihre Ursache im unterschiedlichen Aufkommen und der verschiedenen Art von Regen und Winden haben (zum Verhältnis von Klima und Topographie vgl. Kipfer 2023, 49-51): Die Küstenregionen bis hinauf zu den mittelpalästinischen Bergen und das Gebiet von → Galiläa zeichnen sich durch Steigungsregen aus. Hier ist das typische (subtropische) Mittelmeerklima prägend. Die östlich davon gelegenen Territorien sowie der Jordangraben dagegen liegen im Regenschatten, was eher ein wüstenartiges Gepräge dieser Gebiete zur Folge hat. Auch die enormen Höhenunterschiede der verschiedenen Gegenden Palästinas – von 400 m unter n.N. bis zu den mittelpalästinischen Bergen mit einer Höhe von ca. 1000 m, somit einer Differenz von 1400 m – führen zeitgleich zu extremen Klimaunterschieden. Alle Klimafaktoren (→ Kälte / → Hitze innerhalb des Jahres- und Tageslaufes [vgl. Gen 31,40; Jer 36,30]; Umschlag der Winde; starker Regen versus langandauernde → Dürre) sind von unberechenbarer Plötzlichkeit und zugleich krasser Gegensätzlichkeit gekennzeichnet.

Innerhalb des kleinräumigen Territoriums des Westjordanlandes finden sich vier verschiedene Klimaregionen (vgl. Zwickel 2002, 77 und die anschauliche Karte bei Zohary 1986, 27 Karte 2), deren Übergänge z.T. äußerst schmal sind:

  • Humides Klima herrscht in Obergaliläa vor.
  • Subhumides Klima findet sich in der nördlichen Küstenebene, in Untergaliläa und im zentralen Bergland.
  • Semiarides Klima kennzeichnet die mittlere und südliche Küstenebene, die Jesreel-Ebene (→ Jesreel), Teile des Jordantales und den nördlichen → Negev.
  • Arides Klima ist charakteristisch für die Bucht von → Bet Schean, den südlichen Negeb, das → Tote Meer sowie den Jordangraben (→ Jordan).

Die einzelnen Klimata sind dabei wie folgt zu definieren:

  • humid: Die Jahresniederschlagsmenge ist größer als die Jahresverdunstungsmenge.
  • subhumid: In mehr als der Hälfte des Jahres ist die Niederschlagsmenge größer als die Verdunstungsmenge.
  • arid: Die Verdunstung ist größer als der Niederschlag.
  • subarid: In mehr als der Hälfte des Jahres ist die Verdunstung größer als der Niederschlag.

Wie sehr das Klima auf engem Raum differiert, zeigt sich auch am Aufeinandertreffen unterschiedlicher Pflanzenzonen. Mindestens vier pflanzengeographische Zonen mit je unterschiedlichen Niederschlagsmengen treffen sich in Israel:

  • die Mittelmeerzone (mehr als 400-500 mm Niederschläge). Hier finden sich die Aleppokiefer sowie Eichen- und Pistazienwälder als natürliche Vegetation (a),
  • die irano-turanische Zone, die sich auf den Iran, Turkestan und im Osten die Gobiwüste Chinas erstreckt (300-400 mm Niederschläge) (b),
  • die saharo-arabische Zone, die den Großteil der Sahara und der arabischen Halbinsel umfasst und bis nach Persien reicht (weniger als 200 mm Niederschläge). Hier gibt es nur Wüstenpflanzen (c), und
  • die sudano-dekkanische Zone, die sich hauptsächlich auf den mittleren und südlichen Sudan sowie Teile Indiens bezieht. Sie ist geprägt durch hohe Temperaturen, Süßwasser, Oasen und Halboasen mit Akazien und Dattelpalmen als Vegetation (d).

Die in diesen Bereichen anzutreffenden Pflanzen gehören somit zu drei großen Vegetationszonen: dem Wald- bzw. Kulturgebiet (a), der Steppe (b) und der Wüste (c) mit den dort zu lokalisierenden Oasen und Halboasen (d), die jeweils eine besondere Vegetation aufweisen (vgl. Abb. 1).

2. Niederschläge im Jahreslauf

Das Land kennt im Prinzip eigentlich nur zwei Jahreszeiten (vgl. Ps 74,17; Am 3,15; Jes 18,6; Sach 14,8): Den warmen, regenlosen, von Ende Mai bis Oktober dauernden Sommer (קַיִץ qajiṣ) und den von Ende Oktober bis Mai anhaltenden regenreichen und milden Winter (חֹרֶף ḥoræf bzw. סְתָו sətāw: nur Hhld 2,11), zugleich die Zeit des Pflügens und Säens (Spr 20,4). Entsprechend kennt das Hebräische keine Bezeichnungen für Frühling oder Herbst (vgl. Keel u.a. 1984, 40). Anders als die großen, durch Flüsse bestimmten Kulturregionen im Gebiet von → Euphrat und → Tigris oder dem → Nil ist der in Palästina / Israel übliche Regenfeldbau allein von den Niederschlägen (vgl. Dtn 11,10f.) abhängig. Hier kann man zwischen Frühregen (יוֹרֶה jôræh; Oktober / November: Dtn 11,14) und der Hauptregenperiode im Januar sowie dem Spätregen April / Mai unterscheiden (vgl. dazu Bauer 1903, 127ff.). Oft dauert der Regen nur kurze Zeit an, kann aber wegen der durch ihn ausgelösten Bodenerosion (Entwaldung!) erhebliche Katastrophen mit sich bringen. Neben dem Regen ist besonders im Sommer der morgendliche Tau eine willkommene Feuchtigkeitszufuhr (Hos 14,6; Hhld 5,2), der auch den Menschen guttut, gerade bei Ostwind (dem sprichwörtlichen Schirokko), der „Trockenheit, Dürre und Niedergeschlagenheit mit sich“ (Sauer 2000, 149) bringt (vgl. Jer 18,17; Jon 4,8), „die Schleimhaut der Respirationsorgane austrocknet und schlaflose Nächte oder böse Träume hervorruft“ (Buhl 1896, 53). Er entsteht kurz vor Sonnenaufgang, wenn sich „die wärmer werdende Luft an den durch die Nacht erkalteten Gegenständen […] niederschlägt und kondensiert“ (Sauer 2000, 149), und schafft der Natur und den Menschen Linderung (Sir 18,16, vgl. Sauer 2000, 299). Hier zeigt sich in besonderer Weise, dass den Menschen auch schon in antiker Zeit die Auswirkungen des Klimas auf den menschlichen Körper bewusst waren (s.u. 6.). „Die Unsicherheit des Beginns und der Gesamtmenge und der Schauerstärke machen den Regen zum wichtigsten Klimafaktor“ (Zohary 1986, 26), der Leben und Überleben bestimmt.

3. Klimawandel

In historischer Zeit scheint es in der Region der Levante kaum zu einschneidenden Klimaveränderungen gekommen zu sein; allerdings lassen sich aufgrund von Bohrkernuntersuchungen, die sich auf das Tote Meer beziehen, in längeren Trockenzeiten gründende Klimaverschlechterungen nachweisen, z.B. in der Zeit von 1450-850 v.Chr. (ausgehende Spätbronzezeit), was ein Grund für die in diese Epoche fallende Deurbanisation sein könnte (vgl. Zwickel 2007, bes. 7 mit der Übersichtstabelle über den Wasserstand des Toten Meeres in der Zeit zwischen 8000 v.Chr. bis 2000 n.Chr., ebd. 5). In dieser Zeit veränderte sich der Wasserstand des Toten Meeres von -370 m auf -415 m und war damit ähnlich tief wie heute. Weitere Ergebnisse der Paläoklimatologie gründen auf der Analyse von Pollen, der Auswertung von sekundären Mineralablagerungen in Höhlen (Speläothemen) und der Dendrochronologie (vgl. zu den auf Palästina / Israel bezogenen Forschungsergebnissen Kipfer 2023, 58-73). Zudem sind erste Fälle von Raubbau an der Natur zu verzeichnen, die auch Auswirkungen auf das Kleinklima in bestimmten Regionen gehabt haben dürften. Assyrische Herrscher wie Sargon II. plünderten den Waldbestand des Libanon, indem sie massiv in den Baumbestand dort eingriffen, um der begehrten → Zedern habhaft zu werden. Sie lieferten mit ihren langen Stämmen Bauholz für den Bau von Schiffen und Palästen. Dieser Baumfrevel wird im Alten Testament mehrfach angeprangert (Jes 14,7f.), treffen hier doch „göttlicher Anspruch“ (Uehlinger 1995, 414) und die Machtperversion von Imperien aufeinander, was den Zusammenhang von Ökologie und Theologie deutlich unterstreicht.

4. Klimaauswirkungen und -katastrophen

Dass das Klima auch unmittelbare Auswirkungen auf das menschliche Leben hat, zeigt beispielsweise Mt 7,24ff., wo die Auswirkungen eines Starkregens beschrieben werden, die im Zusammenspiel mit den dabei auftretenden Winden die Standfestigkeit eines Hauses bedrohen können. Auch die Sturmerzählungen (Mk 4,35ff.; Joh 6,16ff.; Apg 27,13ff.) zeigen dramatische Klimaereignisse auf. Die schädlichen und lebensbedrohlichen Wirkungen von Stark- und Platzregen, die die Wüstenwadis (→ Fluss / Bach / Wadi) in kürzester Zeit in reißende Bäche verwandeln konnten (vgl. Ps 126,4), waren aus eigenen Erfahrungen bekannt (Ez 13,11-14; Weish 16,16). Andere sich auf das Leben der Menschen auswirkende Klimaereignisse waren v.a. durch Regenmangel ausgelöste Dürren (Jer 14,1ff.; Jer 17,8) mit den darauffolgenden Hungerkatastrophen (vgl. dazu Kipfer 2023; Zwickel 2007, 6; → Hunger).

5. Klimaerklärungen

Naturwissenschaftliche Erklärungen für das Klima und seine Entwicklung lassen sich den biblischen Texten und anderen antiken Quellen kaum entnehmen. Wie die Schöpfung und ihre einzelnen Elemente wurde auch das Klima mit seinen bestimmenden Phänomenen auf göttliches Wirken zurückgeführt (Hi 5,8-10; Hi 37,14-18; Spr 30,4; Mt 5,45; Apg 14,17). Dagegen lassen sich die Eigenheiten des palästinischen Klimas und die Aufeinanderfolge von bestimmten Klimaereignissen im Jahreskreislauf z.B. gut in Sir 43,13-22 ablesen, was zeigt, wie deutlich schon in antiker Zeit Wetterereignisse beobachtet wurden: „Von den Unwettern des Frühjahres über die Hitze des Sommers und die Dürre des Herbstes hindurch bis zu dem Regen, Schnee und Eis des Winters kann der ganze Jahresablauf verfolgt werden. Die Abfolge der Ereignisse wird nicht streng chronologisch durch das klimatische Jahr hindurch verfolgt“ (Sauer 2000, 298). Ähnliche Wetterbeobachtungen setzt auch Lk 12,54f. voraus: Die Wolken bringen Regen, der Südwind Hitze (vgl. Pred 11,3; Spr 25,23a).

Wie sehr die Klimafaktoren das Leben und Überleben der Menschen bestimmten, unterstreicht die göttliche Verheißung nach dem Ende der → Sintflut, wonach nicht aufhören sollen „Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (Gen 8,22). Hier zeigt sich die enge Bezogenheit der landwirtschaftlichen Rhythmen auf die klimatischen Faktoren.

6. Auswirkungen des Klimas auf die Gesundheit

Die starken Kontraste des in Palästina vorherrschenden Klimas können Beeinträchtigungen der Gesundheit hervorrufen. Ausgelöst werden diese durch die starken Temperaturschwankungen, wogegen die geringe Luftfeuchtigkeit eher positiv für das Allgemeinbefinden ist. Besonders bei Witterungswechsel, beim Genuss von Wasser und bestimmten Speisen können sich negative Auswirkungen des Klimas auf das gesundheitliche Wohlbefinden einstellen, was Fieber, Rheumatismus, Magen- und Darmprobleme bis hin zur Dysenterie auslösen kann (vgl. Hölscher 1907, 28). Die Gegenden mit den geringsten Temperaturschwankungen sind am gesündesten.

7. Klimabedingte Wohnortwahl

Am 3,15 nennt als Ausprägung des Luxus der herrschenden Oberschicht im Nordreich Israel den Bau von Winterhaus und Sommerhaus (→ Winterhaus / Sommerhaus): So wollte die Staatselite den jahreszeitlich bedingten Erschwernissen des Klimas entgehen (vgl. dazu Schart). Das angenehme winterliche Klima bei → Jericho mit milden Temperaturen bei gleichzeitiger Trockenheit und die geringe Distanz zur Hauptstadt Jerusalem bewegte am Ende des 2. Jahrhunderts v.Chr. die hasmonäischen Herrscher (→ Hasmonäer) zum Bau von Winterpalästen am Ausgang des Wadi Qelt. Auch → Herodes d. Gr. nutzte Jericho als Winterresidenz, im Sommer dagegen das im Bergland gelegene Herodium (vgl. dazu Netzer 1999).

Literaturverzeichnis

1. Lexionartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977 (sub voce)
  • Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel, Gütersloh 2009

2. Weitere Literatur

  • Abel, F.-M., 1933, Géographie de la Palestine. Tome 1, Paris
  • Bauer, L., 1903, Volksleben im Lande der Bibel, Leipzig
  • Buhl, F., 1896, Geographie des alten Palästina (GThW II/4), Leipzig
  • Dalman, G., 1928, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. I/2: Jahreslauf und Tageslauf. 2. Hälfte: Frühling und Sommer, Gütersloh
  • Donner, H., 1988, Einführung in die biblische Landes- und Altertumskunde, Darmstadt, 2. Aufl.
  • Exner, F.M., 1910, Zum Klima in Palästina, ZDPV 33, 107-164
  • Gradmann, H., 1934, Palästinas Urlandschaft, ZDPV 57, 161-185
  • Hölscher, G., 1907, Landes- und Volkskunde Palästinas, Leipzig
  • Janowski, B., 2019, Anthropologie des Alten Testaments. Grundfragen – Kontexte – Themenfelder, Tübingen
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, C., 1984, Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1: Geographisch-geschichtliche Landeskunde, Göttingen
  • Kipfer, S., 2023, Extreme Klimaereignisse und Hungerkatastrophen in den Prophetenbüchern (VT.S. 194), Leiden
  • Krauss, S., 1911, Talmudische Archäologie, Bd. II, Leipzig
  • Netzer, E., 1999, Die Paläste der Hasmonäer und Herodes’ des Großen, Mainz
  • Noth, M., 1962, Die Welt des Alten Testaments, Berlin, 4. Aufl.
  • Sauer, G., 2000, Jesus Sirach / Ben Sira (ATD.A 1), Göttingen
  • Schart, A., 2016, Art. Sommerhaus / Winterhaus, in: K. Koenen u.a. (Hg.), Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet, Stuttgart (https://bibelwissenschaft.de/stichwort/29067/; letzter Zugriff am 10.06.2025)
  • Uehlinger, C., 1991, Vom dominium terrae zu einem Ethos der Selbstbeschränkung? Alttestamentliche Einsprüche gegen einen tyrannischen Umgang mit der Schöpfung, BiLi 64, 59-74
  • Uehlinger, C., 1995, Der Schrei der Erde? Biblische Perspektiven zum Thema „Ökologie und Gewalt“, Conc. 31, 405-415
  • Weippert, H., 1988, Palästina in vorhellenistischer Zeit (HdA II/1), München
  • Zohary, M., 1986, Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart, 2. Aufl.
  • Zwickel, W., 2002, Einführung in die biblische Landes- und Altertumskunde, Darmstadt
  • Zwickel, W., 2007, Regen, Dürre, Hungersnöte. Die Erforschung des Klimas in Palästina in den letzten 10.000 Jahren, WUB 46, 2-7

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1: Palästinas Urlandschaft mit den das Land bestimmenden Vegetationszonen. Aus: Gradmann 1934, Plan 1.

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