Deutsche Bibelgesellschaft

Sklave, Sklaverei

Sklaverei gab es in der ganzen alten Welt in mannigfachen Formen und unter den verschiedensten Bedingungen. In Israel unterschied man zwischen volksfremden Sklaven und solchen aus dem eigenen Volk. Ein Israelit konnte zum Sklaven eines anderen werden, wenn er stark verschuldet war oder sich ihm in einer Notlage freiwillig verkaufte. Ein israelitischer Sklave stand unter einem gewissen Schutz: Er musste wie ein Lohnarbeiter behandelt und im → Sabbatjahr freigelassen werden (2. Mose 21,2; 3. Mose 25,39-43). Für als Sklavinnen verkaufte Mädchen erlässt das → Gesetz ebenfalls besondere Schutzbestimmungen (2. Mose 21,7-11). Fremde Sklaven wurden im Krieg erbeutet oder auf dem Sklavenmarkt (z. B. in Tyrus) gekauft. Sie zählten praktisch zur Familie (→ Haus), mussten jedoch die niederen Dienste verrichten und konnten auch weiterverkauft werden, was bei den israelitischen Sklaven untersagt war.

In der griechisch-römischen Welt arbeiteten die meisten Sklaven auf landwirtschaftlichen großen Gütern, im Bergbau, im (See-)Handel; einige wenige hatten aufgrund spezieller Fähigkeiten (z. B. als Arzt, Koch, Musiker) bessere Lebensbedingungen und konnten u. U. zu bedeutenden Stellungen aufsteigen. Haussklaven waren auf die humane Gesinnung ihrer Besitzer angewiesen; sexuelle Ausbeutung hat es nicht selten gegeben. In der griechisch-römischen Philosophie wurde Sklaverei teils als wirtschaftliche Notwendigkeit gerechtfertigt, teils als Verstoß gegen die Gleichheit der Menschen kritisiert. In der christlichen Gemeinde sollten Sklaven gleichberechtigt integriert sein (Gal 3,28; vgl. den Philemonbrief insgesamt); die Wirklichkeit wird dem nicht immer entsprochen haben, wie sich an bestimmten Missständen in Korinth zeigt, die wahrscheinlich auf soziale Unterschiede zurückzuführen sind (1. Kor 11,20-21). Sklaven sollten aber im Alltagsleben ihre Pflichten erfüllen (Kol 3,22; Eph 6,5-9; 1. Tim 6,1-2).

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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