Johannes 17,20-26 | Christi Himmelfahrt | 14.05.2026
Einführung in das Johannesevangelium
Das Johannesevangelium ist wie ein Fluss, in dem ein Kind waten und ein Elefant schwimmen kann.
Robert Kysar
Das Evangelium „nach Johannes"
Joh ist wie Mk eine kerygmatische Erzählung vom Wirken, Sterben und Auferstehen Jesu, d.h. ein Evangelium
Joh enthält eigentümliche Stoffe (Prolog, Abschiedsreden, ausgedehnte Reden und Dialoge Jesu mit Nikodemus, der Samaritanerin oder Pilatus), Erzählungen wie das Weinwunder (Joh 2
1. Verfasser
Das „Evangelium nach Johannes“ ist wie alle kanonischen Evangelien anonym überliefert. Die Überschrift ist im 2. Jh. nachgetragen. Traditionell wurde es ab dem späten 2. Jh. dem Apostel und Zebedaiden Johannes zugeschrieben, der mit der Figur des „Jüngers, den Jesus liebte“ (Joh 13,23
Aufgrund von Stoff, Sprache und erzählerischer Gestalt ist allerdings höchst unwahrscheinlich, dass der galiläische Fischer im hohen Alter das Werk verfasst hat. Und selbst wenn er der Autor wäre, wäre schwer erklärlich, warum es sich von der älteren Tradition so unterscheidet.
Nur das wohl als ‚Nachtrag‘ angefügte Kapitel 21
Schriftzitate und Anspielungen belegen eine gute Kenntnis des AT, das aber höchst selektiv benutzt wird. Analog ist auch für die übrigen Traditionen eine sehr eigenständige Verwendung anzunehmen. Nichts ist nur ‚abgeschrieben‘, Joh 20,30f
2. Adressaten
Das Joh ist wohl in Gemeindekreisen entstanden, die auch in 1-3Joh
Nach den Abschiedsreden erscheinen die Adressaten selbst verunsichert ‚in der Welt‘, so dass Jesu Wort und das ganze Joh im Durchgang durch die Geschichte Jesu eine Antwort darauf bietet. Zugleich ist das Joh nicht nur als konkretes Wort an einen begrenzten, gar ‚sektiererisch‘ abgeschlossenen Gemeindekreis zu lesen, vielmehr zielt es auch auf Lesende in einem weiteren Rahmen, ja auf die Welt der Bücher, wenn es in 1,1
3. Entstehungsort
Die Herausgabe des Evangeliums wird seit der altkirchlichen Tradition in Ephesus
4. Wichtige Themen
Wichtige Themen der exegetischen Interpretation sind die hohe Christologie: Jesus ist der eine Offenbarer Gottes, ja er ist ‚Gott‘. Er gibt Leben, gibt den Geist. Sein Tod ist ‚Vollendung‘ der Schrift und des Willens Gottes (19,30
5. Besonderheiten
Das Joh will, dass seine Leser:innen besser und tiefer verstehen. Diesem Ziel dient die literarische Ausgestaltung durch ein eine Vielzahl literarischer Gestaltungsmittel: die Vor-Information durch den Prolog lässt die Leserschaft stets ‚wissender‘ sein als die textlichen Figuren, deren ‚dumme‘ Fragen oft Verwunderung auslösen. Die Wundergeschichten sind durch textliche Verweise so ausgestaltet, dass sie nie nur als Bericht eines vergangenen Ereignisses gelesen werden können, sondern stets auf das Ganze des Heilsgeschehens bezogen sind. Explizite und implizite Erzählerkommentare und Erläuterungen lenken den Blick auf textliche und theologische Bezüge. Narrative Figuren bieten Identifikationsangebote und provozieren durch ihre Ambivalenz zur Stellungnahme. Miteinander vernetzte, z.T. breit symbolisch ausgestaltete Metaphern (wie Wasser, Brot, Hirte, Weinstock, aber auch Geburt, Familie, Tempel, Garten) verstärken das Wirkungspotential des Textes und laden die Lesenden ein, ihn „zu bewohnen“ (Ricœur). Als subtiler literarischer Text spiegelt das Joh nicht nur die hohe Kunst seines Autors, sondern wurde selbst zur Weltliteratur.
Literatur:
- Meyers KEK: Jean Zumstein, Das Johannesevangelium, Göttingen 2016; C.K:Barrett, Das Evangelium nach Johannes, Üs. H. Balz (KEK Sonderband), Göttingen 1991.
- Martin Hengel, Die johanneische Frage, WUNT 67, Tübingen 1993.
- Jörg Frey, Die Herrlichkeit des Gekreuzigten. Studien zu den johanneischen Schriften 1, WUNT 307, Tübingen 2013: https://www.mohrsiebeck.com/buch/die-herrlichkeit-des-gekreuzigten-9783161527968?no_cache=1
- Francis Moloney, The Gospel According to John, Sacra Pagina 4, Collegeville MN 1998; Marianne Meye Thompson, John: A Commentary, NTL, Louisville KN 2015.
A) Exegese kompakt: Johannes 17,20-26
„Jesu letzter Wille“
Der „letzte Wille“ des Abschied nehmenden Jesus ist Gemeinschaft, Einheit – mit Gott und untereinander. Es ist Bitte, Auftrag und Verheißung zugleich: eine Perspektive für das Leben in den Streitigkeiten und Gefährdungen in der Welt.
Übersetzung
20 Ich bitte aber nicht für diese [= meine Jünger] allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben, 21 dass sie alle eins seien, so wie du, Vater, in mir [bist] und ich in dir [bin], dass auch sie in uns seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. 22 Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, damit sie eins seien wie wir eins [sind]: 23 ich in ihnen und du in mir, damit sie vollendet seien in eins, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast.
24 Vater, [im Blick auf das,] was du mir gegeben hast: Ich will, dass, wo ich bin, auch jene mit mir seien, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt, vor Grundlegung der Welt. 25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht, ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei, und ich in ihnen.
1. Fragen und Hilfen zur Übersetzung
21 ἵνα: Das erste ἵνα bezeichnet (abgeschwächt) keine Finalität, sondern lediglich den Inhalt der Bitte, es steht im Grunde für ein ὅτι (= dass). Das zweite ἵνα greift das erste wieder auf und hat ebenfalls abgeschwächten Sinn. Erst das dritte ἵνα leitet einen Finalsatz ein.
22 κἀγὼ: Hier liegt eine Enklise vor: καὶ und ἐγὼ sind zu einem Wort verschmolzen. Die Voranstellung des ἐγὼ akzentuiert zugleich. Das Subjekt Jesu tritt hervor (dann auch V. 24).
24 ὃ δέδωκάς μοι: Das Objekt ist dem Gebetssatz vorangestellt: „[im Bezug auf das], was du mir gegeben hast, will ich, dass … auch jene seien… – Dabei wird zunächst neutrisch formuliert, obwohl auch hier schon Personen („jene“) im Blick sind.
25 πάτερ δίκαιε ist eine feierliche Anrede, die die Vater-Anrede aus V. 24 noch steigert.
25 καὶ nach der Gebetsanrede ist ohne Funktion. Weder ein „und“ noch ein „auch“ ist sinnvoll. Es ist schlicht ein Zeichen der Aneinanderreihung der Bitten.
26 κἀγὼ ἐν αὐτοῖς schließt etwas unvermittelt an, zuvor war ἀγάπη Subjekt, doch bietet die Wendung eine Abrundung im Rückgriff auf V. 21.
2. Literarischer Kontext und historische Einordnung
Joh 17 im Ganzen ist ‚auf der Grenze‘ situiert zwischen dem Status des irdischen Wirkens Jesu (auf das er in 17,11f. schon zurückblickt) und seinem nachösterlichen Sein ‚beim Vater‘. Formal liegt hier eine Rede Jesu an den Vater, ein „Gebet“, vor. Jesus gibt Rechenschaft über sein Tun – und blickt nach vorn, in die Zeit ‚danach‘. Er bittet für seine Jüngerinnen und Jünger, die in der Zeit nach Ostern in der ‚Welt‘ leben, angefochten sind und bewahrt bleiben sollen.
Mit V. 20 setzt ein neuer Abschnitt ein, der Schluss des Gebets: Jesus bittet nun nicht mehr nur für seine unmittelbaren Jüngerinnen und Jünger, sondern für eine weitere Gruppe, diejenigen, die später – nach seinem Weggang – durch ihr Zeugnis (oder das Evangelium) an ihn glauben werden. Hier kommt explizit die spätere Leserschaft des Evangeliums, ja die ganze „Kirche“ ins Blickfeld. Das Joh erreicht hier seine größte Weite. V. 22 wechselt wieder in den Stil des ‚Rechenschaftsberichts‘ mit dem Thema der Offenbarung der „Herrlichkeit
Obwohl der Joh Jesus nach Joh 11,42
Mit diesen Versen ist in gewisser Weise „Jesu letzter Wille“ (Käsemann), eine testamentarische Verfügung, formuliert. So gewinnen die Bitte um Einheit und die Bitte um die eschatologische Gemeinschaft Jesu mit den Seinen besonderes Gewicht.
3. Beobachtungen zur sprachlichen Gestaltung
Die Sprache dieses Schlussabschnitts des „hohepriesterlichen Gebets“ ist syntaktisch und argumentativ eher unpräzise, aber dicht gewebt, mit Wiederaufnahmen (so die ἵνα–Bitten V. 21.22.23 und die Aussagen des „In-Seins“ V. 21.26), und Vergleichen (καθὼς V. 21.22.23). Sprachlich auffällig sind vorangestellte Objekte wie τὴν δόξαν in V. 22 und der casus pendens in V. 24, die reziproken Formulierungen „du in mir / ich in dir“ (21), zahlreiche Wortwiederholungen in Entsprechung („geben“ V. 22, „lieben“ V. 23, „sein“ V. 24, „kundtun“ V. 26) oder auch Entgegensetzung („erkennen“ V. 26 in Bezug auf „Welt“ und „Jünger“). Besonders dicht ist die Rede von der Einheit, das neutrische ἕν = „eins“ dominiert die Verse 21-23, später weitergeführt in V. 24 durch die Rede von Gemeinschaft, Beieinander-Sein und in V. 25.26 im Blick auf das Kennen Gottes bzw. seines Namens.
Auffällig sind zwei Gebetsanreden V. 24f. („Vater
4. Schwerpunkte der Interpretation
Zentrales Anliegen von V. 20-23 ist die Einheit der Jüngergemeinde. Es wäre zu einfach, hier nur die Reaktion auf Konflikte in der Adressatengemeinde zu sehen, und ob (wie in Joh 10,16f.
Ein zentraler Diskussionspunkt ist der missiologische Horizont des Textes. Das Joh rechnet damit, dass von Jesus über seine Jünger eine Stafette der Glaubensvermittlung weitergeht. Jesu Wort und der Glaube werden von Generation zu Generation weitergegeben. Soll am Ende auch die „Welt“ erkennen und glauben? Solange die Exegese den Dualismus von Gemeinde und Welt (v.a. in den Abschiedsreden) stark betonte und das Joh als Dokument eines ‚sektenhaft‘ weltabgewandten Kreises angesehen hat, konnte man bezweifeln, ob nach V. 23 die Welt tatsächlich zur glaubenden Erkenntnis kommen soll oder ob sie nur erkennen soll, dass die Glaubenden von Gott geliebt sind, sie selbst aber verloren ist. Da aber der ‚Dualismus‘ bei Joh keine fest gefügte Weltanschauung ist, sondern ein textpragmatisch wirksames sprachliches Mittel, das Lesende letztlich von der Finsternis zum Licht, vom Tod zum Leben führen soll, ist eine solche Interpretation problematisch. Jesu Gebet und der Heilswille Gottes sind nicht zynisch auf einen engen Kreis limitiert. Die Liebe Gottes zur Welt (3,16
Ein drittes Kernthema ist die spezifische Form von eschatologischer Erwartung in diesem Text. Obwohl das Joh durchaus apokalyptisch-bildhafte Vorstellungen kennt (und m. E. auch nicht kritisiert oder ablehnt), ist doch die Zielvorstellung eine ganz fokussierte: die Gemeinschaft der Glaubenden mit Christus dort, wo er ist. Es ist ein nicht mehr von den Anfechtungen, Streitigkeiten und Gefährdungen in dieser Welt bedrohtes Sein „bei Christus und Gott“, ein letztes „Zuhausesein“, das als Sehnsucht und Verheißung gerade in den Nöten und Ängsten dieser Welt den abschließenden Horizont bildet, und der „letzte Wille“ Jesu für uns ist. Wir sollen bei ihm – und bei Gott – sein. Wir sind jetzt schon mit ihm verbunden – er in uns, wir in ihm – und diese Verbundenheit soll in ein ‚ewiges‘ Zuhause überführt werden.
5. Kurzcharakteristik des Textes – von der Exegese zur Predigt:
Was ist das biblische Proprium dieses Textes? Was würde fehlen, wenn es ihn nicht gäbe? Das ist sicher die Bitte um Einheit (als Auftrag und Verheißung zugleich), aber auch die Zusicherung der Fürsorge Jesu für die Seinen in Zeit und Ewigkeit. Als der Erhöhte ist er beim Vater und „tritt für uns ein“ (Röm 8,34
B) Praktisch-theologische Resonanzen
1. Persönliche Resonanzen
Warum betet Jesus, der es ja gar nicht „bräuchte“ (s. o.)? Die Exegese macht Lust darauf, sich diese grundsätzliche Frage zu stellen. Was Jesus in dem Gebet ‚verpackt‘ – „Rechenschaftsbericht“, die Bitte um die Einheit der Jünger und die Verheißung derselben –, verstehe ich und kann zudem bestätigen, was der Exeget über die Dichtheit des Textes aussagt: Trotz der verschachtelten Formulierungen kann ich mich aufgrund der Wiederholungen und bekannten Formulierungen in dieses Netz einfädeln und höre deutlich das, was Jesus will, da Gott es will, weil sie eins sind. Doch, trotz meiner Wahrnehmung und der Erläuterungen zur Textgestaltung, frage ich mich weiterhin: Warum betet Jesus? Er ist doch derjenige, der uns die Möglichkeit des Gebets zu Gott erst eröffnet hat. Betet Jesus vielleicht deshalb, weil er weiß, dass man für die Einheit, wie er sie erhofft, nur beten kann? Er hat Reden gehalten, in vielen Diskussionen mit unzähligen Streitpartnern für den Willen Gottes argumentiert und ja auch das Entscheidende erreicht: Er hat sie gesammelt, die glauben, dass er und der Vater eins sind. Doch nun, am Ende seines irdischen Hierseins, mit Blick auf das, was die Jünger selbst und zugleich die Botschaft Jesu in die Welt tragen wird – ihre Einheit – und mit Blick auf alles, was dem entgegensteht in einer Welt von Unfrieden, hilft vielleicht nur noch beten.
Vgl. zu dieser grundlegenden Überzeugung im Neuen Testament: Ostmeyer, Karl-Heinrich, Gebet / Beten, 1.
2. Thematische Fokussierung
Die Auseinandersetzung mit der Frage, warum Jesus betet, ermöglicht es, das eigene Beten, die Situationen und Anlässe der eigenen Gebetspraxis zu beleuchten. Die Vielfalt der Gebetsformen und die Grundintention – die Rede zu und mit Gott als Grundbedingung der Beziehung zu Gott, der zuerst redet – ist theologisch ausführlich bedacht worden, doch können die Gebetstraditionen oder -konventionen unserer Glaubensgemeinschaft oder auch die Gewohnheiten des ganz eigenen Gebets durch dieses große Gebet Jesu in Joh 17
So z. B. Ostmeyer, ebd., 3f.; Greifenstein, Gebet.
3. Theologische Aktualisierung
Jetzt hilft nur noch beten.
An dem Verständnis füreinander, dem respektvollen Umgang miteinander und der Wertschätzung des Gegenübers, das so anders ist als wir selbst, lässt sich aktiv arbeiten: Achtsame Sprache, kommunikative Skills können eingeübt werden, um Streitanlässe zu reduzieren und Streit zu schlichten. Doch bleibt es nicht aus, dass Worte so schnell und tief verletzen, dass Versöhnung zu einer langwierigen Aufgabe wird und manche Brüche nur schwer heilen. Rechtfertigungsversuche und Entschuldigungsgesten sind unsere Mittel der Wahl, wir greifen auf Sätze wie „Ich kann es dir erklären“ oder „Ich habe es nicht so gemeint“ zurück – ob sie Wirkung zeigen, vom anderen angenommen werden, wie wir erhoffen, Einheit stiften, liegt jedoch nicht in unserer Macht. Das weiß jeder, der bereits einen schmerzhaften Streit mit einem Menschen geführt hat, der ihm wichtig ist. Was alles im Anderen dagegen spricht, dass ich unsere Beziehung mit meinen Worten heilen kann, weiß ich nicht. Es wird schwer, die „richtigen“ Worte zu finden, wenn er oder sie so viele Gedanken hat, die ich nicht einmal erahne. Wir reden, streiten und diskutieren weiter – doch vielleicht liegen hier, im vermeintlich „Kleinen“ unserer persönlichen Beziehungskonstellationen, manchmal viel weniger eigene Möglichkeiten, als wir denken, wenn wir auf unsere Worte setzen. Jetzt hilft nur noch beten, dass wir wieder eins werden. Wir können neue Gebets-Worte finden, für unseren ganz eigenen Unfrieden, wir können uns aber auch der Worte bedienen, die uns so vertraut sind: „… und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“
Jetzt hilft nur noch handeln!
Mit Blick auf den Unfrieden in der Welt mag man daran zweifeln, dass Einheit für viele ein erstrebenswertes Ziel darstellt. Für die „großen“ Themen der Zwietracht – ob Kriege oder Klimakrisen –, fällt es oft leichter, sie in das Gebet aufzunehmen –, sie liegen ja ohnehin „nicht in meiner Hand“. Die Fürbitte
Bitten und Handeln mit Zielperspektive.
Dass Jesus betet, obwohl er es nicht müsste, ermutigt zum einen dazu, da zu beten, wo wir meinen, wir müssten es nicht, da wir es doch aus eigener Kraft schaffen, eins mit dem Gegenüber zu werden. Ich weiß nicht, was alles im Inneren meines Gegenübers vor sich geht und aufgrund seiner ganz eigenen Erfahrungen und seiner individuellen Biografie meinem Friedenswunsch entgegensteht, doch ich kann beten und das Lobgebet anstimmen, wenn wir zusammenfinden, so dass wir in unserer Verschiedenheit (wieder) eins werden.
Jesus betet in Joh 17
4. Wie prägt der Text den Sonn- und Feiertag im Kirchenjahr?
Wohin schaue ich, wenn ich die Himmelfahrt sehen will? Nur sehnsüchtig dorthin zu blicken, wohin Christus sich begeben hat, war nie gemeint: Bereits den Jüngern wird gesagt, dass sie nicht beim Blick in den Himmel
5. Anregungen
Die Predigt könnte mit einem Gebet beginnen oder enden. Das Gebet betrifft die Gemeinde, die bis zu diesem Zeitpunkt im Kirchenjahr einen weiten Weg zurückgelegt hat: Sie hat vom Wunder gehört, dass Gott Mensch wurde, ist Christus zum Kreuz gefolgt und hat seine Auferstehung mit der ganzen großen Christenheit gefeiert! Heute kann die Gemeinde zurückblicken auf das, was sie zur Einheit macht, und Streit und Spaltung überwinden, die es auch bei ihr gibt. Jede:r Einzelne kann sich umschauen, auf all diejenigen, mit denen sie und er eins sein wollen, um die Einheit so zu leben, dass auch Andere den Blick nach oben richten.
Aufmerksam machen könnte man darauf, dass wir beim gemeinsamen Unser Vater-Gebet
Literatur
- Greifenstein, Johannes: „Gebet“, Version 1.0, in: Onlinelexikon Systematische Theologie, ISSN 3052-685X, 30. September 2025. DOI: https://doi.org/10.15496/publikation-111637
. - Ostmeyer, Karl-Heinrich: Gebet / Beten (NT), in: WiBiLex 2010.
Autoren
- Prof. Dr. Dr. h.c. Jörg Frey (Einführung und Exegese)
- Dr. Sabine Joy Ihben-Bahl (Praktisch-theologische Resonanzen)
Permanenter Link zum Artikel: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/500192
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