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3.3. Das Buch Rut (Rut)

Inhalt

Das Buch Rut spielt der Überschrift nach in der Zeit der Richter, daher wurde es in LXX und Vulgata zwischen dem Richterbuch und den Samuelisbüchern eingeordnet. Inhaltlich und sprachlich gibt es aber keine besonderen Nähen zum Richterbuch. Der jüdischen Tradition nach gehört es zu den fünf Festrollen, den Megillot; es wird zum Wochenfest (christlich: Pfingsttermin) verlesen. Dieses Fest ist das Fest der Ernte und erinnert zugleich an die Geburt und den Tod König Davids.

Sowohl das Ernten (Kap. 2), als auch der genealogische Zusammenhang mit dem Haus Davids spielen im Buch Rut eine Rolle. Es will erklären, weshalb eine Moabiterin (Rut) Ahnmutter des israelitischen Königs David sein kann. Damit nimmt es in der – in nachexilischer Zeit strittigen – Frage der Mischehen eine andere Position ein als Texte wie Neh 13,23ff.

Der Form nach ist das ganze Buch eine durchgehende, novellistische Erzählung (vgl. die Josefsnovelle). In der Darstellung ist alles davon bestimmt, dass Gottes unsichtbare Führung die Wege der Rut zum Guten (zum auf David hinweisenden Stammbaum) leitet. Die Darstellung ist allerdings in großem Maße typisiert, man beachte nur die Namen der Männer: Machlon = Krankheit, Kiljon = Schwindsucht; dagegen: Rut = die Anmutige, Noomi = die Schöne. In 1,20 wird ausdrücklich auf die Symbolbedeutung der Namen hingewiesen.

Gliederung

Eine Gliederung des Buches ist kaum sinnvoll, daher sollte man den Erzählverlauf vom Auszug Ruts mit ihrer Schwiegermutter Noomi aus Moab bis zu ihrer Heirat mit Boas nacherzählen können. Besonders bekannt ist der Satz in 1,16, mit dem Rut ihrer Schwiegermutter die Treue versichtert: „Denn wohin du gehst, dahin will auch ich gehen, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“

Details

Für das Verständnis dieser Geschichte sind einige Details von Bedeutung: Im Hintergrund stehen zwei miteinander verbundene Vorstellungen des israelitischen Rechts: Die Leviratsehe und die Vorstellung vom Erbbesitz des Landes (נַחֲלָה, naḥalâ ), vgl. 4,5. Das Land gilt als von Gott den einzelnen Vätern/Familien zugeteilt. Daher kann man Land nicht verkaufen, es muss innerhalb der Familie bleiben (vgl. Nabots Weinberg 1Kön 21; V. 4). Da nun die Erben gestorben sind, muss das Land (der Tradition nach mit der dazugehörigen Frau) an ein Mitglied der erweiterten Familie weitergegeben werden, den Löser (גּוֹאֵל, gô’el). Der Löser muss an Rut die sogenannte Leviratsehe (vgl. Dtn 25,5-10; Gen 38) vollziehen, um so dem Verstorbenen Nachwuchs zu erzeugen und den Namen zu erhalten. Die entsprechenden Verhandlungen haben vor Zeugen im Tor der Stadt zu geschehen.

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Die Texte auf dieser Seite sind mit freundlicher Genehmigung übernommen aus:

Cover der Bibelkunde des Alten Testaments von Martin Rösel

Rösel, Martin: Bibelkunde des Alten Testaments. Die kanonischen und apokryphen Schriften. Mit Lernübersichten von Dirk Schwiderski, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 11., veränd. Aufl. 2021.

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