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Textüberlieferung

Auch wenn von den ursprünglichen Manuskripten, wie den Worten der Propheten oder Briefe an die Gemeinde Roms, nicht erhalten sind, so liegen uns doch Abschriften der Orignale vor. Denn die einzige Möglichkeit der Vervielfältigung - vor der Erfindung des Buchdrucks - war die handschriftliche Kopie.

Von den ursprünglichen Manuskripten der biblischen Texte ist keines erhalten geblieben. Wir besitzen z.B. weder das Original der Worte des Propheten Jeremia noch das Original vom Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.

Es gibt jedoch Abschriften der Originale, die in unterschiedlicher Anzahl vorliegen und unterschiedlich alt sind. Denn bis zur Erfindung des Buchdrucks gab es nur eine einzige Möglichkeit, Bücher zu vervielfältigen: Man musste sie mit der Hand abschreiben. Nur das Material, auf das man schrieb, war unterschiedlich. Im Alten Orient meißelte man Texte in Stein, oder man drückte Schriftzeichen mit Stäbchen in weichen Ton (Keilschrift). Andernorts schrieb man mit Pinseln oder Rohrfedern auf unbehandeltes Leder oder Papyrus, ein Schreibmaterial, das aus dem Mark eines ägyptischen Schilfs hergestellt wurde. Schließlich verwendete man eine besonders behandelte Art von Tierhäuten, das Pergament.

Papyrus- oder Pergamentseiten wurden in mehreren Spalten (also wie eine Zeitung) beschrieben und dann aneinander geklebt oder genäht. So entstanden lange Streifen, die man aufrollte und bequem lesen und lagern konnte. Die einzelnen Bücher der Bibel existierten einst in Form solcher Rollen. Das gilt jedenfalls für das Alte Testament. Die junge Christenheit hat schon früh eine andere Buchform verwendet, die der heutigen sehr ähnlich ist: den Kodex. Er bestand aus aufeinander gelegten Blättern, die geheftet wurden. Viele Handschriften des Neuen Testaments haben diese Form.

Berühmte alte Handschriften, wie der Kodex Sinaiticus, der beinahe den ganzen Bibeltext enthält, oder der Papyrus 46 (um 200 n. Chr.), eine der ältesten Abschriften der Paulusbriefe, wurden in Klosterbibliotheken oder im Wüstensand gefunden. Die ältesten und wohl bekanntesten Funde von alttestamentlichen Handschriften wurden 1947 in den Höhlen von Qumran am Toten Meer gemacht. Dort waren die Schriften vor zweitausend Jahren zum Teil in Tonkrügen verborgen worden. Die am besten erhaltene ist eine (fast) vollständige Abschrift des Propheten Jesaja auf einer Lederrolle, die heute in Jerusalem im »Schrein des Buches« des Israel-Museums zu sehen ist.

Allerdings ist es selten, dass ganze Handschriften entdeckt werden. Häufig sind es nur größere oder kleinere Teile und manchmal ist ein Fundstück kaum größer als eine Briefmarke,. Dies gilt z.B für die älteste Abschrift eines neutestamentlichen Textes, die uns erhalten ist, den Papyrus 52 (um das Jahr 125 n. Chr.). Auf dem Papyrusstück steht nur Johannes 18,31-33,37-38 auf Vorder- und Rückseite geschrieben.

Doch jeder Fund einer biblischen Handschrift, mag er noch so klein sein, ist bedeutsam und hilft, dem ursprünglichen Wortlaut der biblischen Texte näher zu kommen. Fachleute konnten auf diese Weise einen Grundtext von großer Genauigkeit erschließen. Durch mehrere tausend Handschriftenfunde ist der biblische Text gut abgesichert.

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