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Textzeugen des Alten Testaments

Die Textzeugen des Alten Testaments

Hebräische Handschriften

Wichtigster Zeuge für den hebräischen Text ist der sogenannte Masoretentext. Darunter versteht man den hebräischen Konsonantentext, der sich im 2. Jh. n. Chr. als Standardtext der Hebräischen Bibel durchgesetzt hat und von jüdischen Gelehrten des Mittelalters (Masoreten = Überlieferer) überliefert worden ist. Diese haben den hebräischen Text mit Vokalzeichen versehen (Punktation) und am Rand statistische Angaben hinzugefügt (kleine und große Masora), die der Textsicherung dienten. Zuverlässig bezeugt wird der Masoretentext in den Handschriften des Codex Aleppo (900–925 n. Chr.) und des Codex Leningradenis (1008 n. Chr.).

Etwa 1000 Jahre älter sind die Handschriften von Qumran, die im 20. Jahrhundert in Höhlen im Uferbereich des Toten Meeres entdeckt worden sind. Es handelt sich dabei um ca. 200 Bibelhandschriften, von denen die meisten allerdings nur fragmentarisch erhalten sind. Ihre Bedeutung besteht darin, dass sie einerseits die masoretische Texttradition in einem frühen Stadium bestätigen, andererseits eine Fülle von unabhängigen Lesarten bezeugen, die zu erkennen geben, dass die Textüberlieferung zu dieser Zeit (zwischen 300 v. Chr. und 100 n. Chr.) noch einigermaßen im Fluss gewesen ist.

Der Text der Fünf Bücher Mose (Tora) wird außerdem durch den samaritanischen Pentateuch bezeugt. Dieser bietet eine hebräische Textfassung, die von der Gemeinschaft der Samaritaner verwendet und von ihr überliefert worden ist. Alle erhaltenen Handschriften des samaritanischen Pentateuchs stammen aus dem Mittelalter.

Übersetzungen

Von besonderer Bedeutung ist die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die sogenannte Septuaginta, in der auch die Spätschriften des Alten Testaments enthalten sind. Die griechische Übersetzung basiert auf unterschiedlichen hebräischen Vorlagen und ist in einem Zeitraum vom 3. Jh. v. Chr. (1. Mose/Genesis und 2. Mose/Exodus) bis zum 1. Jh. n. Chr. (Hoheslied, Prediger/Kohelet) entstanden. In ihr finden sich eine Reihe von Lesarten, die ein frühes Stadium der Textüberlieferung widerspiegeln. Bezeugt wird die Septuaginta unter anderem durch die Handschriften des Codex Vaticanus, Codex Sinaiticus (4. Jh. n. Chr.) und Codex Alexandrinus (5. Jh. n. Chr.).

Neben der Septuaginta, die vor allem in christlichen Gemeinden verwendet wurde, entstanden im 2. Jh. n. Chr. weitere griechische Übersetzungen die den Septuagintatext noch stärker an die hebräische Texttradition angeglichen haben und als jüdische Rezensionen bezeichnet werden. Sie werden – nach den in der Tradition genannten Übersetzern – mit den folgenden Namen bezeichnet: Aquila, Symmachus, Theodotion. Diese Übersetzungen hat der Kirchenvater Origenes (185–253/254) in einem Sammelwerk (die sogenannte Hexapla) in Spalten nebeneinander gestellt und ihnen einen von ihm bearbeiteten Septuagintatext sowie eine weitere Übersetzung hinzugefügt. Durch dieses Sammelwerk sind viele griechische Lesarten erhalten geblieben, die sonst verloren gegangen wären.

Weitere Übersetzungen, die in der Textkritik herangezogen werden, sind die aramäischen Übersetzungen (Targume), die syrische Übersetzung (Peschitta) sowie die lateinische Übersetzung (Vulgata), die der Kirchenvater Hieronymus (347–420) auf Grundlage der hebräischen Texttradition angefertigt hat.

die-Bibel.dev.4.20.14
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