Johannes 20,11-18 – Die Auferstehung Jesu
I. Religionspädagogische Reflexion
1. Elementare Zugänge: Entwicklungspsychologische Überlegungen
Die Auferstehung Jesu. Ein Thema, das für christliche religiöse Bildung ebenso zentral ist wie im Blick auf seine methodisch-didaktische Umsetzung umstritten. Ein Glaubensinhalt, der dem naturwissenschaftlichen Weltbild vorderhand widerspricht. Eine Geschichte, die – dennoch – zahlreiche thematische Anknüpfungspunkte an die Lebenswelterfahrungen von Kindern und Jugendlichen findet. Aus entwicklungspsychologischer Perspektive sind im Folgenden insbesondere die Entwicklung des Verständnisses von Sterben und Tod und, damit verknüpft, die Entwicklung des Umgangs mit der Vorstellung der Auferstehung im Fokus, im weiteren Sinne auch Konzepte wie (Ur-)Vertrauen, Verlust, Identität oder Verbundenheit.
1.1 Entwicklung des Verständnisses von Sterben und Tod
Das Verständnis von Sterben und Tod steht in enger Beziehung zur allgemeinen kognitiven Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Zusätzlich bildet sich die Vorstellung von Sterben und Tod in Abhängigkeit von der psychosozialen Entwicklung sowie der Lebenswelt Heranwachsender. So lernen Kinder und Jugendliche über den Tod etwa durch die Beobachtung und Interaktion mit Erwachsenen, durch das Teilnehmen an Abschiedsfeiern und Begräbnissen (vgl. Wass 2003, 92), durch Gespräche mit der Peer-Group, durch Begegnung mit dem Thema in digitalen Räumen oder Kommunikation auf social media Kanälen (vgl. Klie/Nord 2016).
Aus naturwissenschaftlicher wie psychologischer Sicht lässt sich das Konzept «Tod» weiter unterteilen in Teilkonzepte, wesentlich die folgenden vier: Universalität (jedes Leben stirbt irgendwann), Irreversibilität (der Tod ist endgültig), Nonfunktionalität (der lebende Körper hört auf als System zu funktionieren) und Kausalität (der Tod als Folge spezifischer Ursachen) (vgl. Panagiotaki u. a. 2018, 96-115). Die kognitive Entwicklung der Vorstellung dieser Teilkonzepte verläuft je unterschiedlich.
Was können Kinder davon verstehen?
Im Vorschulalter kann grundsätzlich noch keines dieser vier Teilkonzepte begriffen werden. So verstehen Kinder bis ins ca. 5.-6. Lebensjahr unter «Tod» zwar eine Seinsweise eigener Qualität (vgl. Specht-Tomann/Tropper 2011, 72), sie bedeutet jedoch lediglich eine vorübergehende Trennungserfahrung: Kinder dieses Alters leben ausschließlich in der Gegenwart; die Vorstellung von (Lebens-)Zeit ist noch nicht greifbar und entsprechend kann der Tod rückgängig gemacht werden (vgl. Longbottom/Slaughter 2018; Cramer 2008, 56-57). Das animistische Denken, das bei Kindern bis zum Vorschulalter vorherrscht, lässt auch die Nonfunktionalität des Todes nicht nachvollziehen (vgl. Plieth 2007). Zwischen dem 5.-7. Lebensjahr entwickelt sich allmählich die Vorstellung von Zeit und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Damit bildet sich auch das Verständnis für Universalität (vgl. Hennecke 2008, 424) und Irreversibilität (vgl. Plieth 2013, 13; Specht-Tomann/Tropper 2011, 60-62). Jenes von Nonfunktionalität und Kausalität des Todes wird etwas später erworben.
Ein erwachsenengemäßes Verständnis sämtlicher Teilkonzepte ist meist bis zum 10.-12. Lebensjahr ausgebildet. Ab ca. dem 10. Lebensjahr sind Heranwachsende außerdem fähig, Tod und Leben nicht nur als binäre Konzepte (entweder man lebt oder man ist tot) zu deuten, sondern entsprechende komplexere Verständnisse wie die Möglichkeit einer Weiterexistenz aufgrund religiöser oder spiritueller Erwägungen zu bedenken.
Zu unterscheiden von der kognitiven Entwicklung – wenn auch mit dieser verknüpft – ist die affektive Dimension, also die existentiell bedeutsame Frage nach dem je persönlichen Umgang mit dem Thema Sterben und Tod. Hier gilt es zu unterteilen zwischen der Einstellung zum eigenen Tod, dem Tod von Personen im nahen Erfahrungsbereich (Freunde, Familie) oder schließlich das Wissen um das Sterben vieler Menschen, etwa im Krieg oder durch Naturkatastrophen (vgl. Menendez u.a. 2020, 55-60). Heranwachsende können – auch wenn die kognitive Entwicklung noch nicht fortgeschritten ist – die Gefühle Erwachsener angesichts von Sterben und Tod wahrnehmen und mit-empfinden und auch selbst in sich entwickeln – sei dies Angst aufgrund konkreter Todesmöglichkeiten oder vor Verlust und Verlassenwerden (vgl. Plieth 2013, 20-23.24. 26; Hennecke 2008, 424). Welche konkreten Auswirkungen das Wissen und Fühlen angesichts von Sterben und Tod hat, ist multifaktoriell geprägt durch Lebensalter, Persönlichkeitsmerkmale, individuelle Glaubenshaltungen und kontextuelle Faktoren. Insgesamt ist das Thema des eigenen Tods Bescherer zufolge in der Regel kein zentrales im Jugendalter (vgl. Bescherer 2010, 118). Diese Feststellung ist zu relativieren im Blick auf verschiedene Erfahrungen mit Sterben und Tod, die Kinder und Jugendliche durch den Tod naher Verwandter, etwa der Großeltern, oder auch von Haustieren machen. Auch Heranwachsende mit Migrationserfahrungen tragen zuweilen verschiedenste – und teils traumatische – Erfahrungen mit Sterben und Tod in sich. Im weiteren Sinne kommen Heranwachsende durch die digitale Vernetzung mit dem Thema Tod – in Nachrichten, Social Media Kanälen, ebenso aber auch Online Games u.a. – in Berührung. In der Tendenz lassen sich bei Jugendlichen vier typische Haltungen zum Thema Tod unterscheiden:
- Sachlichkeit,
- Zynismus,
- Pessimismus
- und Faszination (vgl. Platow/ Böcher, 2010).
Eines der zentralen Interessen von Kindern und Jugendlichen angesichts des Wissens um „die Option Tod“ ist die Frage nach einem Jenseits und einem Leben nach dem Tod (vgl. Erdmann 2017; Slaughter/Griffiths 2007, 525-535).
1.2 Entwicklung der Vorstellung von «Auferstehung»
Die Vorstellung der Auferstehung Jesu widerspricht dem rationalen, am naturwissenschaftlichen Weltbild geschulten Denken.
Fragen und Zweifel an der (Historizität der) Auferstehung tauchen bei Kindern entsprechend ihrer kognitiven Entwicklung erst im Laufe des Schulalters auf. Butts vielzitierte Studie legt dar, dass das Thema Auferstehung bei Kindern auf Interesse, aber auch auf
Fragen stößt – etwa wieso ein Mensch auferstehen könne, wie Jesus ausgesehen habe, woran man ihn erkannt habe u.a. (vgl. Butt 2009, 295, 273; Pemsel-Maier 2016). Kinder suchen im Rahmen dieser Fragen selbst nach Antworten – wie etwa, dass Jesus ein Geist gewesen sei, oder dass nur die Seele Jesu auferstanden sei, oder die Feststellung, dass Gott Jesus „nicht im Stich gelassen“ habe (vgl. Butt 2009, 106; Göllner/Brieden/Kalloch 2010, 273). Im Jugendalter ergeben sich im Blick auf die Vorstellung der Auferstehung Jesu deutlich mehr Zweifel.
Für Jugendliche ist die Spannung zwischen Fiktionalität und Historizität greifbar: für sie „wird mit ihrem Entwicklungsschritt hin zum formal-operativen Denken Auferstehung undenkbar, zumindest eben auf der rationalen Ebene“ (Troi-Boeck 2023, 165).
Die oben skizzierten Veränderungen des Todesverständnisses im Laufe des Erwachsen-Werdens bedeuten jedoch nicht immer ein Denken zwischen den Polen „fiktiv“ und „historisch nachvollziehbar“. Ebenso kann sich auch ein differenziertes Verständnis des Todes und damit auch der Auferstehung herausbilden. Die Herausforderung liegt gemäß Büttner und Dieterich darin, nicht nur mit binären Begriffen (lebendig – tot), sondern auch binärdifferenzierten (fließende Grenzen zwischen lebendig und tot) und offenen (Option eines Weiterexistierens) umzugehen (vgl. Büttner/ Dieterich 2016, 116). So kristallisiert Boeck in ihrer Studie verschiedene Interpretationsmuster Jugendlicher heraus: u.a. eine rationalisierende Interpretation, eine „früher“ und „heute“ trennende Deutung; interpretierende Verknüpfungen mit Alltags- oder historischem Wissen sowie verschiedene assoziativ-spielerische Interpretationen. Synkretistische Lesarten, in denen die christliche Auferstehungsvorstellung mit Reinkarnationsvorstellungen östlicher Religionen in Dialog gebracht oder vermischt wird, ebenso die Verknüpfung des Konzepts der Auferstehung mit
Motiven aus Literatur, Film und weiteren digitalen Medien sind typische Deutungswege Jugendlicher (vgl. Kallies-Bothmann 2020, bes. 302-317; Troi-Boeck 2023, 168). Hinsichtlich digitaler Lebenswelten Heranwachsender ergeben sich in spezifischer Form Begegnungen mit dem Thema Sterben und Tod: im Sinne realer Nachrichten, etwa im Zusammenhang mit Naturkatastrophen und kriegerischen Auseinandersetzungen, oder im Rahmen von digitalen Friedhöfen oder online Trauer-Communities, ebenso in virtuellen Welten wie Videospielen und online Games, AR-Welten oder KI-Imaginationen. Gerade in virtuellen Welten zuweilen vorhandene Vorstellungen eines reversiblen Tods oder zahlreicher «Leben» u.ä. bieten mögliche Anknüpfungspunkte für Deutungsmuster. Dies umso mehr, als Jugendliche grundsätzlich auch psychologisierende Lesarten der Auferstehung – etwa die Vorstellung einer zweiten Chance im Leben – kennen (vgl. Troi-Boeck 2023, 168) Zu unterscheiden von der Vorstellung der Auferstehung Jesu ist die Vorstellung der Auferstehung aller Menschen (vgl. Schlag 2013) – christlich in engem Zusammenhang stehend, verselbständigt sich letztere zuweilen, nicht zuletzt im Zusammenhang mit den erwähnten synkretistischen Vorstellungen (vgl. Bescherer 2010, 61; Kallies-Bothmann 2020, bes. 293-300).
1.3 Fähigkeit des Textverstehens anhand verschiedener Perspektiven und Deutungsebenen
Die in der Auferstehungs-Erzählung implizit und explizit erwähnten Themen lassen sich auf verschiedenen Deutungsebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Während Studien wie jene von Kallies-Bothmann und Boeck Deutungsmuster primär hinsichtlich dem konkreten Auferstehungsverständnis Jugendlicher erheben, gibt es zahlreiche Auslegungen, die das Auferstehungs-Ereignis (auch) als Metapher lesen. Die Fähigkeiten zum Verständnis von Symbolsprache und Metaphern bahnen sich entwicklungspsychologisch bereits im Vorschulalter an und differenzieren sich im Laufe des Jugendalters weiter aus (vgl. Piaget 1926).
Nicht nur als didaktischer Kniff, sondern durch die Gestaltung des johanneischen Auferstehungsberichtes selbst – der den Fokus auf verschiedene Perspektiven legt (vgl. exegetische Reflexion) – legen sich außerdem Möglichkeiten des Perspektivenwechsels nahe: Für Deutungen aus z.B. der Perspektive der Maria Magdalena (mit Fokus auf Themen wie Freundschaft, Liebe, Verlassenwerden, Erkanntwerden) oder der Engel (mit Fokus auf Themen wie Zeugnis) sind die kognitiven Voraussetzungen seitens der Kinder bereits im Schulalter gegeben.
2. Elementare Erfahrungen: Themen der Heranwachsenden
Hinter der Frage „Elementare Erfahrungen – Themen der Heranwachsenden“ versteckt sich auch stets die Frage: Warum sollte man heutzutage die entsprechende Geschichte erzählen?
An dieser Stelle sei als grundsätzlicher Zugang eine jüdische Legende angefügt, die den theologischen Wert des Erzählens biblischer Geschichten auch fern einer ausbuchstabierten Korrelation betont. Die Legende lautet sinngemäß wie folgt: Wenn der Baal Schem Tov (der Begründer des Chassidismus) etwas von Gott erbitten wollte, ging er an einen bestimmten Ort im Wald, zündete ein heiliges Feuer an und sprach ein bestimmtes Gebet – und das Wunder geschah. Eine Generation später waren der Ort und das Gebet noch bekannt, aber das Feuer war vergessen – und das Wunder geschah dennoch. Wieder eine Generation später kannte man noch den Ort, wusste aber weder das Feuer zu entzünden noch das Gebet zu sprechen – doch auch dies war genug. Und noch eine Generation später sagte Rabbi Israel von Rischin: „Wir wissen das Feuer nicht mehr zu entzünden, das Gebet nicht mehr zu sprechen, den Ort nicht mehr zu finden – aber wir können die Geschichte erzählen.“ (frei nach Wiesel 1966) Und – hierin liegt die Pointe – das Erzählen der Geschichte hatte dieselbe Wirkung wie all die Handlungen der früheren Generationen.
Was wir haben, sind die Geschichten darüber – die im sozialen und kollektiven Gedächtnis verankert sind, die das Identifizieren mit deren Charakteren erlauben, die mit Bedeutungen ringen.
Der moderne Mensch gehört nicht zu der Generation, die dem Auferstandenen noch begegnen konnte. Was wir haben, sind die Geschichten darüber – die im sozialen und kollektiven Gedächtnis verankert sind, die das Identifizieren mit deren Charakteren erlauben, die mit Bedeutungen ringen. Als zentrale Bedeutungen und Themen der Auferstehungserzählung lassen sich für Heranwachsende u.a. jene von Beziehungen (Freundschaft – Liebe – Jüngerschaft) nennen, von Identitätsfindung, die Erfahrung von Vergänglichkeit, Verlust und Verlassen-werden sowie das Erleben von Umbrüchen und Transformationen.
2.1 Lebensphase des Aufbaus von Vertrauen, Beziehungen, Verbundenheit (Freundschaft, Liebe, Jüngerschaft)
Die Erfahrung von Jüngerschaft, Zuwendung und Vertrauen kommt sowohl implizit – in der Vorgeschichte – sowie explizit als essentieller Teil der Auferstehungserzählung zum Ausdruck. Bereits Kinder können sehr genau spüren und formulieren, zu wem sie Vertrauen haben. Fragen wie: Wer ist mir Freund:in? Wem bin ich in welcher Weise Freund:in? Wieso habe ich zu wem Vertrauen? bieten bereits für Kinder Basis für Reflexionen.
Heranwachsende durchlaufen verschiedene Phasen, in denen ihre Fähigkeit zum Bilden von Beziehungen und Verbundenheit geprägt wird. Dies betrifft nicht nur Freundschaften und erste romantische Beziehungen, sondern auch Bindungen, wie sie in engen Gemeinschaften und analogen oder digitalen Gruppen erlebt werden können (vgl. Crosnoe 2000). In der späten Kindheit und während der Pubertät gewinnen Freundschaften an Bedeutung und tragen wesentlich zur sozialen Identität und zum Selbstverständnis der Heranwachsenden bei. Urvertrauen und die Fähigkeit zu sozialem Handeln als Basis für solche Beziehungen entwickeln sich bereits in den ersten Lebensjahren (vgl. Lewicki/Wiethoff 2000). Generalisiertes Vertrauen bedeutet dabei die verallgemeinerte Bereitschaft, jemandem oder einem System zu vertrauen, im Falle des interpersonalen Vertrauens bezieht sich Vertrauen auf eine konkrete Person. Veränderungen im Freundschaftskonzept im Laufe des Heranwachsens sind wesentlich auf die sich entwickelnde Fähigkeit zur Perspektivübernahme und -koordination zurückzuführen (vgl. Selman 1984). Im Kontext von Freundschaften und Beziehungen erleben Jugendliche, wie essentiell
Wertschätzung, Ehrlichkeit, Loyalität und gegenseitige Unterstützung sind und werden mit der Notwendigkeit konfrontiert, Intimität und Distanz zu balancieren und die eigenen emotionalen Grenzen zu erkunden. Diese Erfahrungen sind nicht frei von Herausforderungen: Konflikte, Enttäuschungen, das Erleben von Verlassen-Werden oder Einsamkeit sind Teil des Prozesses.
2.2 Identität – Erkannt werden
Erkannt zu werden als derjenige/diejenige, der/die man ist, ist die Grundlage dafür, sich als wirklich wertgeschätzt erfahren zu können – und auch sich selbst zu wertschätzen. Die johanneische Auferstehungserzählung bietet für dieses Themenfeld nicht nur Anknüpfungspunkte bei Jesus, der zunächst nicht erkannt wird, sondern auch bei Maria Magdalena, die erkannt und bei ihrem Namen genannt wird.
Erkannt zu werden als derjenige/diejenige, der/die man ist, ist die Grundlage dafür, sich als wirklich wertgeschätzt erfahren zu können – und auch sich selbst zu wertschätzen.
Wesentlich für das Erkennen und Erkannt-Werden ist das Konzept der Identität – als Art und Weise, wie Menschen sich selbst aus ihrer biografischen Entwicklung heraus in der ständigen Auseinandersetzung mit ihrer sozialen Umwelt wahrnehmen und verstehen, als ein Gefühl der interpersonellen Einmaligkeit und der intrapersonellen Kontinuität. Aspekte, die in die Konstitution der Identität eingehen, sind z. B. Geschlecht, Alter und soziale Herkunft, Ethnizität, Nationalität oder Gruppenzugehörigkeiten, Beruf, aber auch persönliche Eigenschaften und Kompetenzen (vgl. McLean u.a. 2012). Die Identitätsfindung ist laut Erikson (vgl. Noack 2010) eine zentrale Aufgabe Heranwachsender. Als Vorläuferformen der charakteristischen Identitätsentwicklung in der Pubertät können verschiedene Entwicklungsprozesse der frühen und mittleren Kindheit genannt werden (Entwicklung des Selbstkonzepts, des sozialen Verstehens u.a.) – an die Erfahrung des als-Individuum-erkannt-werdens lässt sich also bereits vor dem Jugendalter anknüpfen. Entsprechende Fragen begleiten Heranwachsende von früh an:
- Was macht mich aus?
- Was ist mir wichtig?
- Wem bin ich so wichtig, dass er oder sie mich als Individuum wahrnimmt?
- Wie stelle ich mich dar – etwa auf Social Media Kanälen?
- Als wer möchte ich erkannt werden?
- Wen (an-)erkenne ich als wichtig und einmalig in meinem Bezugssystem?
2.3 Erfahrungen von Vergänglichkeit, Verlust und Verlassen-Werden
Die Erfahrung von Verlust und das Gefühl des Verlassenwerdens sind tiefgreifende Ereignisse, die Menschen jeder Altersgruppe, insbesondere jedoch Kinder und Jugendliche, in ihrer Entwicklung nachhaltig prägen können. Sie verstehen und verarbeiten Trennung und Verlust anders als Erwachsene (s.o.).
Für die psychische Gesundheit ist es entscheidend, dass Kinder und Jugendliche lernen, ihren Gefühlen Raum und Sprache zu geben und Trauerarbeit zu leisten.
Oft verstehen sie noch nicht vollständig die Endgültigkeit des Todes oder die Komplexität von Trennungen, was die Bewältigung erschwert. Die Erfahrung, verlassen zu werden, sei es durch Umzug, Scheidung der Eltern, das Ende einer Freundschaft oder sogar durch den Tod, zwingt Heranwachsende dazu, ihre Vorstellungen von Sicherheit und Beständigkeit zu überdenken und kann Fragen angesichts erlebter Vergänglichkeit aufwerfen, Einsamkeitsgefühle hervorrufen und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen.
- Wie fühle ich mich angesichts eines bestimmten Verlusts?
- Wie fern ist der Himmel?
- Weshalb ist jemand einsam?
- Habe ich schon einmal jemanden verlassen?
Für die psychische Gesundheit ist es entscheidend, dass Kinder und Jugendliche lernen, ihren Gefühlen Raum und Sprache zu geben und Trauerarbeit zu leisten. Hierbei können «geliehene» Worte und Bilder einer Geschichte, in Worte gefassten Gefühle einer historischen Figur wie Maria Magdalena, oder überhaupt die Feststellung, wie Maria Magdalena wiederholt nach ihren Gefühlen gefragt wird, Unterstützung bieten.
2.4 Erfahrungen von Umbrüchen und Transformation
«Ostern ist nicht nur Frühling, Eier und Schokohasen» (vgl. Jörg Frey, Exegetische Reflexion), sondern auch Osterschrecken. Ostererschütterung. Im Anschluss an die im Zusammenhang mit der Auferstehung erschreckende, erschütternde Transformationserfahrung lässt sich auch die Frage genereller Umbrüche stellen, sowie die des Umgangs damit. Die gegenwärtige Epoche der Menschheit ist grundsätzlich die einer Transformation (vgl. Schneidewind 2018).
«Ostern ist nicht nur Frühling, Eier und Schokohasen» (vgl. Jörg Frey, Exegetische Reflexion), sondern auch Osterschrecken. Ostererschütterung.
Über diese Feststellung hinaus ist insbesondere die Jugendzeit eine Lebensphase bedeutender Veränderungen und Transformation: Der Prozess des Erwachsenwerdens ist meist mit der Suche nach neuen Lebenszielen und -werten verbunden. Der Übergang von der Schule ins Berufsleben, der Beginn oder das Ende einer Beziehung, körperliche Veränderungen usw. spielen eine zentrale Rolle bei der Ausbildung der Persönlichkeit im Jugendalter. Damit einhergehende Umbrüche können von Unsicherheit und dem Gefühl begleitet sein, zwischen verschiedenen Lebenswegen wählen zu müssen.
- Wer bin ich angesichts meiner neuen Rolle(n)?
- Wie verändert eine Beziehung oder deren Verlust mein Leben(-sgefühl)?
- Inwiefern habe ich Hoffnung in einer Welt oder für eine Welt, die von Veränderungen und Krisen geschüttelt wird?
Diese und weitere Reflexionen lassen sich sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene durchführen und damit zusammenhängende Gefühle wie Zukunftsangst, Neugierde, Hoffnung usw. zur Sprache bringen.
3. Elementare Wahrheiten: Worauf es letztlich ankommt
Der Ausdruck „Elementare Wahrheiten“ im Rahmen des Elementarisierungsansatzes verweist auf Wahrheiten, die für Lernende zugänglich und zugleich existenziell bedeutsam sind. Elementare Wahrheiten sind weder rein didaktische Konstruktionen noch bloß reduzierte, vereinfachte Inhalte, sondern bewegen sich im Spannungsfeld zwischen theologischer Verantwortung und individueller Lebensbedeutung. Solche Wahrheiten entstehen dort, wo biblische Texte als Wahrheitsräume erschlossen, persönliche Zugänge reflektiert und im gemeinsamen Lernprozess weiterentwickelt werden. Entscheidend ist dabei die Öffnung für existenzielle Fragen, die nicht vorschnell beantwortet, sondern zugelassen und begleitet werden. Elementare Wahrheiten sind damit als verdichtete Deutungsangebote zu verstehen, die Orientierung geben, ohne abschließend zu sein – eher sich stets neu zu erschließende Deutungsressourcen als endgültige Festlegung. Die folgenden Ausführungen sind denn auch nicht als abschließende, sondern als Gedankenraum-öffnende Inspirationen zu verstehen.
3.1 Auferstehung als Hoffnung wider den Augenschein
Die Auferstehungserzählungen rücken zentral die folgende elementare Wahrheit ins Zentrum: Hoffnung ist möglich – auch dort, wo zunächst alles dagegenzusprechen scheint.
Bemerkenswerterweise schildern die Auferstehungserzählungen keine triumphierenden Hoffnungs- bzw. Glaubensheld:innen. Die Menschen, von denen sie berichten, reagieren zunächst mit Zweifel, Angst, Rückzug oder Sprachlosigkeit. Hoffnung erscheint hier nicht als Resultat von Gewissheit, sondern als Erfahrung, die mitten in der Verunsicherung aufscheint. Kern dieser Hoffnung ist nicht nur die Feststellung der Überwindung des Todes, sondern auch die elementare Wahrheit: Ich bin nicht allein – auch nicht in Grenzsituationen.
3.2 Auferstehung als Widerstand gegen die Funktions- und Verfügbarkeitslogik
Eine mit dieser erstgenannten Einsicht verknüpfte elementare Wahrheit der Auferstehung Jesu liegt in ihrer grundlegenden Infragestellung einer rein immanenten, auf Funktionalität, Kontrolle und Sichtbarkeit ausgerichteten Wirklichkeitsdeutung. In einer Gesellschaft, die stark von Leistung, Optimierung und Verfügbarkeit geprägt ist, erscheint Leben häufig als etwas, das gesteigert, gesichert und kontrolliert werden muss. Was nicht zugänglich, messbar oder kontrollierbar ist, verliert an Bedeutung. Die Erfahrung der Auferstehung widerspricht dieser Logik. Sie entzieht sich der Verfügbarkeit, steht quer zu einer Kultur, die auf Machbarkeit setzt. Es gilt nicht nur die Logik, wer aktiv ist, wer funktioniert, wer macht, oder eben auch: wer sucht, der oder die findet – Antwort oder Leben oder Gott –, sondern auch die paradoxe Lebenserfahrung: Wer finden will, muss erst loslassen. Gerade dort, wo menschliche Handlungsmöglichkeiten an ihre Grenze kommen – im Leiden, im Scheitern, im Tod –, kann Leben nicht beendet, sondern in eine andere Dimension gestellt werden.
3.3 Befreiung vom Selbstprojekt
Wiederum im unmittelbaren Zusammenhang mit der vorhin genannten Wahrheit steht eine Deutung, die für die gegenwärtige (westliche) Gesellschaft von besonderer Relevanz ist: Zeitgenössische Subjektivität ist – insbesondere auch aufgrund digitaler Dynamiken – häufig durch die Vorstellung geprägt, das eigene Leben als Projekt gestalten zu müssen. Identität erscheint dabei als etwas, das kontinuierlich hergestellt und optimiert werden muss. Die Auferstehungserzählung eröffnet eine Gegenperspektive zur Erschöpfungslogik moderner Subjektivität. Sie verweist auf eine Wirklichkeit, die sich im Erfahren und Geschehenlassen erschließt. Die daraus gewonnene elementare Wahrheit lässt sich schlicht formulieren: Das Leben gründet nicht allein in dem, was wir aus ihm „machen“. Diese Perspektive entlastet, indem sie den Druck relativiert, sich selbst permanent erzeugen zu müssen, und eröffnet eine Freiheit, in der Identität nicht ausschließlich als Produkt, sondern auch als Gabe verstanden werden kann.
3.4 Auferstehung als Begegnung mit dem Anderen
Eine weitere elementare Wahrheit der Auferstehung Jesu wird im Horizont von Beziehung und Begegnung deutlich. Auferstehung wird in relationalen Kategorien gedacht. Die neutestamentlichen Auferstehungserzählungen sind Erzählungen von Begegnungen. Der Auferstandene wird erfahren. Das Entscheidende zeigt sich in der Begegnung: in der Begegnung mit dem Auferstandenen, in der Begegnung mit einem neuen Lebensverständnis, in der, letztlich, auch Begegnung der Jünger:innen mit dem Anderen in sich. Leben – und ebenso Erkenntnis – erschließt sich nicht durch Analyse, sondern im Gegenüber, im begegnenden, bezogenen, verbundenen Sein – in einer Verbundenheit, die auch über den Tod hinaus Bestand haben kann.
Leben – und ebenso Erkenntnis – erschließt sich nicht durch Analyse, sondern im Gegenüber.
Diese elementare Wahrheit lässt sich in der umfassenderen elementaren Wahrheit der christlichen Religion an sich einordnen (sowie auch weiterer Religionen): Religion insgesamt beginnt mit der Begegnung mit dem Anderen. Mit dem DU. Dabei kann das Andere das Gegenüber, das Fremde in sich oder auch das Übersteigende im Sinne einer kleinen oder großen Transzendenz sein. Diese relational bestimmte Wahrheit widerspricht einem instrumentellen Zugriff und eröffnet – und fordert – einen Raum, in dem das Andere nicht vereinnahmt, nicht reduziert, nicht objektiviert wird. Nur, was sich nicht vollständig aneignen lässt, bleibt Gegenüber. Diese Einsicht ist umso wichtiger in einer Zeit zunehmender Digitalisierung, in der in Online-Welten oft Echokammern des Eigenen, des Selbst gesucht und gefunden werden: „Heute weicht die Nähe des Anderen der Abstandslosigkeit des Gleichen. Die globale Kommunikation lässt nur gleiche Andere oder andere Gleiche zu.“ (Han, 2016) In solcher „Abstandslosigkeit“ fehlt der Antrieb von Religion. Verantwortung von kirchlichen, theologischen, religionsbezogenen Akteur:innen ist es, Raum für das Andere zu geben, für das Staunen, das Selbstvergessen.
3.5 Auferstehung als Unterbrechung des Linearen und der Beschleunigung
Eine weitere elementare Wahrheit der Auferstehung Jesu lässt sich im Horizont von Zeit verstehen. Gegenwärtige Lebenswelten sind geprägt von Beschleunigung, Verdichtung und permanenter Anschlussfähigkeit. Die Auferstehung steht auch quer zu dieser Logik. Sie ist keine Fortsetzung, keine Steigerung, kein „Mehr desselben“ – sondern Unterbrechung. Ein Ereignis, das sich nicht aus dem Vorherigen ableiten lässt. Nicht alles entwickelt sich linear weiter. Leben erschöpft sich nicht in Beschleunigung und Fortschreibung. Es gibt Brüche, die nicht nur zerstören, sondern einen neuen Horizont eröffnen. Es gibt – und braucht – Unterbrechungen, die nicht funktional sind, sondern existenziell. Die Auferstehung markiert einen solchen Moment.
3.6 Wiedergewinnung von Negativität
Gegenwärtige Lebensformen – zumindest in großen Teilen deutschsprachiger Kontexte, in denen dieser Text voraussichtlich gelesen wird – tendieren zur Ausblendung von Negativität. Schmerz, Scheitern, Begrenzung werden häufig vermieden, überdeckt, als schnell auszukurierender Negativ-Zustand betrachtet oder funktionalisiert. Leben soll glatt, verfügbar und positiv erscheinen.
Die Auferstehung Jesu setzt nicht an der Vermeidung des Todes an, sondern an seiner Realität. Das Kreuz wird nicht aufgehoben. Es bleibt sichtbar. Leben schließt Negativität ein. Nicht als Defizit, sondern als Teil von Wirklichkeit. Die elementare Wahrheit hierin liegt in der Erkenntnis, dass es unheilvoll ist, Schmerz, Leiden, Tod als absoluten Gegenpart zum Leben zu deuten. Die Auferstehung verwandelt den Tod nicht in etwas Harmloses. Sie nimmt ihm nicht die Realität, sondern die Endgültigkeit. Dadurch entsteht eine Form von Hoffnung, die nicht auf Verdrängung beruht, sondern auf ihrer Durcharbeitung. Auferstehungsdeutungen dürfen insofern nicht voreilig oder gar ausschließlich im Horizont von Hoffnung in den Blick genommen werden. Deutungen erfolgen meist im Nachhinein. Gefühlt hingegen wird im Jetzt. In einem solchen „Jetzt“ zu sagen, dass ein Schmerz für das Wahrnehmen z. B. göttlicher Gnade
II. Exegetische Reflexion
1. „Kinderexegese“: Begegnungen der Kinder und Jugendlichen mit dem Text
Ostern ist nicht nur Frühling, Eier und Schokohasen, sondern basiert zentral auf der Botschaft, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, dass er sich aus dem Grab heraus Menschen gezeigt hat. Das wirft viele Fragen auf, nicht nur für Kinder und Jugendliche:
- Was ist da passiert?
- Wie ist Jesus herausgekommen, und was ist danach an ihm ‚anders‘ als vorher?
- Was bedeutet das für uns?
- Was bedeutet das für unseren Umgang mit dem Tod, für unsere Hoffnung für Verstorbene?
- Was ist eigentlich ‚Osterglaube‘ und wie kann es dazu kommen?
Vorbemerkung zum Kontext der Erzählung:
Diese Fragen werden im Johannesevangelium
- Nach der schockierenden Entdeckung des leeren Grabes durch Maria in Joh 20,1-2
entdecken zuerst in Joh 20,3-10 zwei Jünger die Leichentücher, die geordnet daliegen, - dann begegnet Jesus in Joh 20,11-18
der trauernden Maria Magdalena und beauftragt sie zur Zeugin, - erst dann zeigt er sich in Joh 20,19-23
den anderen Jüngern, die sich vor Angst eingeschlossen hatten, - und schließlich erfährt Thomas, der zunächst nicht dabei sein konnte, noch eine besondere Begegnung mit Jesus (Joh 20,24-29
).
In allen vier Szenen spielt die physische Realität (Leiblichkeit) eine Rolle; in allen sind die Dinge nicht einfach evident, der Glaube entsteht aus Verstörung, Angst und Zweifel. Dabei kommt es darauf an, dass Menschen aus dem, was sie beobachten (‚Zeichen‘), die richtigen Schlüsse ziehen. In drei Szenen ist es die persönliche Begegnung, die Anrede Jesu, die Menschen (Maria, die Jünger, Thomas) zum Glauben und zur Freude führt. Zum Glauben kommt es durch die Wahrnehmung von ‚Zeichen‘ bzw. das Zeugnis eines anderen und die persönliche Begegnung.
Zugleich geht es in all diesen Szenen um mehr, als dass Jesus wieder aus dem Grab
Zugleich geht es in all diesen Szenen um mehr, als dass Jesus wieder aus dem Grab herausgekommen wäre. Es geht um mehr als eine Reparatur des Todes, um ein „alles ist wieder gut!“ Auferstehung ist nicht Wiederbelebung eines Toten (vgl. Frey 2018). Alles ist zunächst verstörend: die Wahrnehmung eines geöffneten (oder geschändeten?) Grabes, und auch die Erscheinung von einem, dessen Identität unklar ist: Ist das ein ‚Geist‘, ein Gespenst (vgl. Lk 24,37
Im Zentrum steht hier die zweite der vier Szenen, die Erzählung der Begegnung von Maria Magdalena mit dem auferstandenen Jesus Joh 20,11-18
Möglichkeiten der Annäherung für Kinder und Jugendliche:
Die Erzählung bietet vielerlei Wege zur Annäherung:
- über die Figur der Maria Magdalena und die an ihr erkennbaren Emotionen,
- über die Erfahrungen von Verlust und Wiedersehen,
- über die Emotionen von Trauer und Freude,
- über die zentrale Handlung des sich Umdrehens (Blickwechsel), durch das eine neue Perspektive eröffnet wird,
- über die Bedeutung des Namens, dass Maria bei ihrem Namen gerufen wird, dass einer ihren Namen kennt und nennt, dass eine Beziehung da ist, Vertrauen möglich ist.
Über die Aspekte der persönlichen Begegnung und des Wiedererkennens lässt sich auch der eigentümliche Wirklichkeitsgehalt der „Auferstehung“ Jesu reflektieren, die nicht wie ein offenkundiges Faktum feststellbar ist, sondern erst entdeckt oder erschlossen werden muss.
Methodisch wesentlich ist die genaue Lektüre des Textes (mit seinen Leerstellen, die die Vorstellung der Lesenden anregen), die Analyse der Figuren (Maria, die Engel, Jesus, der ‚Gärtner‘) und ihrer Interaktion, die Analyse der Perspektive der Maria (und ihres Perspektivwechsels), die Wahrnehmung der explizit benannten oder/und den implizit vorzustellenden Emotionen.
Die Gefühlswelt von Kindern und Jugendlichen kann an verschiedenen Stellen berührt sein:
- Ein Anknüpfungspunkt kann die Verlusterfahrung sein: der Tod eines geliebten Menschen (von Groß- oder Urgroßeltern, evtl. auch der Tod eines Haustiers, der Wegzug von Spielgefährten). Verlust führt zu Trauer, Weinen und Angst. Da ist der Wunsch, das Geliebte wieder zu bekommen. Dass alles wieder werde wie zuvor.
- Für Kinder elementar ist die Erfahrung von Getröstetwerden bzw. die Überwindung von Trauer. Der Text zeigt psychologisch sensibel Schritte auf, durch die die Trauer überwunden wird und Freude aufkommt: Jemand fragt nach dem Grund der Trauer, nimmt die Weinende ernst – mehrfach wird das Leid ausgesprochen und dabei anders wahrgenommen –, eine liebevolle Anrede führt dazu, dass die Trauernde den Blick wenden kann, den ihr Begegnenden erkennt und selbst freudig-vertrauensvoll antwortet.
- Aus V. 1f. kommt die verstörende Entdeckung hinzu, dass an dem Grab, das Maria besuchen wollte, etwas ‚nicht stimmt‘, etwas passiert sein muss, was sie sich nicht erklären kann: Das macht ratlos, verstört, vielleicht auch blind. Auch diese Erfahrung ist Kindern nachvollziehbar.
- Bei Jugendlichen ist ggf. auch mit irritierenden Wissensbeständen zu rechnen: Gräber, Friedhof, einer der aus den Toten ‚zurückkommt‘, das kann mit Bildern und Vorstellungen aus Jugend- und Unterhaltungskultur ‚besetzt‘ sein (Halloween, Totengeister, gruseliges Aussehen, Angst auf dem Friedhof). Könnte dies eine Brücke sein, die Angst und Verstörung der Maria zu verstehen?
- Irritierend, aber anregend ist das Spiel mit der Verwechslung: Warum erkennt Maria Jesus nicht? Hat er sich verkleidet? Ist sein Gesicht ‚anders‘? Und warum erkennt sie ihn dann? Die Figur des Gärtners bleibt rätselhaft. Vielleicht schon zu alt, aber doch sprichwörtlich ist der Song „Der Mörder war immer der Gärtner“ (Reinhard Mey 1971). Solche Slogans könnten die Lektüre irritieren.
- Auch im Blick auf Maria Magdalena mag ein ‚Vorwissen‘ vorhanden sein, ggf. aus Filmen wie „The Da Vinci Code“ (Brown 2007) oder „Maria Magdalena“ (Davis 2018). Die Spekulationen über sie als „Geliebte Jesu“ verleiten dann zu Spekulationen über Jesu Sexualität etc. – die im gegebenen Thema allerdings wegführen. Gleichwohl ist ggf. im Unterricht solide Information über Maria zu bieten.
Zur Identifikation oder Perspektivenübernahmelädt die Figur der Maria ein: zuerst ihre Verstörtheit, Angst und Trauer, aber dann auch die Ermächtigung, das ‚Empowerment‘, das sie durch Jesu Wort und Auftrag erfährt: Erst hatte sie den anderen noch verstört und weinend vom geöffneten Grab berichtet, nun tritt sie selbstbewusst vor sie und berichtet, was sie gesehen hat – um zu erfahren, dass ihr doch nicht ‚geglaubt‘ wird (weil sie eine Frau ist).
Themen, die mit verhandelt werden und erschlossen werden können, sind:
a) Auferstehung als eine Wirklichkeit, die ‚anders‘ ist als das, was wir handfest sehen und greifen können.
b) Was ist Glaube und wie kommt dieser zustande?
c) Schritte aus der Trauer (auch in psychologischer Perspektive).
d) Frauen im Umkreis Jesu, Frauen als Zeuginnen und ihre Bedeutung, Frauen in der Kirche.
2. Exegese für die Kinder und Jugendlichen
V. 11 eröffnet die Szene unmittelbar: „Maria stand weinend draußen vor dem Grab.“ Die Szenerie ist von hier aus zu erschließen: „Draußen“ ist ein Gartengelände außerhalb der Stadtmauer, in dem man Jesus begraben hatte (Joh 19,38-42
In der Szene durchläuft Maria eine emotionale und epistemologische Wendung von der Trauer zur Freude, von frappierender Blindheit zur Erkenntnis des „Herrn“, von stummer Betroffenheit zum selbstbewussten Zeugnis des Glaubens. Sie wird Botin, ja „erste Apostolin“ (vgl. Taschl-Erber 2007).
Die Erzählfigur der Maria Magdalena und ihre Interaktionen in der Episode
Maria Magdalena erscheint im Johannesevangelium erst am Ende. In Joh 19,25
In der Episode 20,11-18 ist Maria die Hauptfigur. Sie redet mehr als alle anderen Figuren. Sie erzählt selbst ihr ‚Erleben‘ aus ihrer Perspektive, das somit lebendig den Lesenden vor Augen geführt wird. Vom Beginn der Episode an fokalisiert die Erzählung auf Maria. Deren Entdeckung des offenen Grabes, der Gang der beiden Jünger zum Grab und auch der Erzählerkommentar 20,9
Ihre Trauer ist Zeichen ihrer Liebe zu Jesus. Sie kann nicht fassen, dass er tot ist, weg für immer. Sie will den Leichnam berühren, ihn zu sich holen, ja Jesus in ihrer Welt „festhalten“.
In V. 11 „zoomt“ die Perspektive ganz auf sie, und zwar draußen, am Grab. Sie „weint“. Viermal wird dies erwähnt (V. 11.12.13.15). Insofern ist die Figur zunächst ganz durch Emotion charakterisiert, durch Trauer, die sich physisch, im Weinen, ausdrückt, in Tränen, die ihr den Blick versperren. Ihre Trauer ist Zeichen ihrer Liebe zu Jesus. Sie kann nicht fassen, dass er tot ist, weg für immer. Sie will den Leichnam berühren, ihn zu sich holen (V. 15), ja Jesus in ihrer Welt „festhalten“ (haptōV. 17). Auch sie weiß noch nicht, was die Leser:innen wissen: dass er auferstehen sollte (V.9), oder dass er in einem ganz ähnlichen Setting (einem Grab außerhalb des Dorfs, mit trauernden Frauen) Lazarus
Wie kommt Maria aus dieser Trauer heraus? Dies ist subtil erzählt in Bewegungen und Worten: Dreimal sind Bewegungen der Maria berichtet, und jede führt in ein neues Gespräch und auf eine neue Stufe des Erkennens. Dreimal wird sie angesprochen, dreimal antwortet sie.
- Zunächst beugt sich Maria in ihrer Trauer in das Grab – und sieht zwei Engel
in weißen Gewändern da sitzen. Das Grab ist nicht leer, an der Stelle des Leichnams sind andere als Platzhalter für ihn. Anders als in den Synoptikern (Mk 16,5f. par.) vermitteln die Engel aber keine Botschaft, sie sagen nicht, dass Jesus nicht hier, sondern auferstanden sei. Sie fragen sie nur: „Frau, warum weinst du?“ Sie sprechen dieselben Worte wie nachher in V. 15 Jesus. Maria antwortet zuerst, indem sie traurig und vorwurfsvoll den Sachverhalt berichtet: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ Sie beschuldigt Unbekannte, vermutet Leichendiebstahl, und - weiß nichts! Sie ist noch ganz in ihrer Trauer. - Dann dreht sie sich „nach hinten“, d.h. vom Grab weg und sieht eine Gestalt. Die Leser:innen erfahren: „Sie sieht Jesus dastehen“ aber sie weiß das noch nicht. Wir beobachten (durchaus vergnügt) das Verwechslungsspiel. Sie vermutet, es ist der Gärtner. Dieser sieht sie (immer noch) weinen und fragt (wie die Engel vorher): „Frau, warum weinst du?“ und fügt eine Frage an: „Wen suchst du?“ Die Wiederholung und Erweiterung der Frage führt zu einer modifizierten Antwort. Sie sucht ihren „Herrn“, aber das sagt sie jetzt gar nicht mehr. Sie redet nur im Pronomen von „ihm“ – als ob der ‚Gärtner‘ wissen müsste, wen sie sucht. In der zweiten Antwort verändert sich ihre Haltung. Sie denkt, der Gärtner könnte den Leichnam weggebracht haben, und erhofft sich Auskunft von ihm. Noch immer will sie den toten Jesus „holen“ und bei sich haben. Aber sie ist damit schon einen Schritt aus der Hoffnungslosigkeit der Trauer heraus, sie hat einen Plan.
- Die Antwort des ‚Gärtners‘ ist eine Anrede: „Mariam!“ Der Fremde kennt sie, ruft sie bei Namen. Wie und woher sollte der Gärtner sie kennen? Die hier auffällige Form Mariam (nicht wie sonst und in V. 1 und 11 Maria), die eher an das aramäische Idiom anklingt, legt gar nahe, dass Jesus sie in ihrem ‚Dialekt‘, in der vertrauten Form der Anrede anspricht. Jetzt erst, durch die Anrede, durch den vertrauten Klang, fällt der Groschen: Es ist Jesus! Es ist der, den sie kennt und liebt! Warum hat sie es bisher in ihren tränenverhangenen Augen nicht erkannt? Warum war sie bisher gefangen in ihrer Trauer, in Verwirrtheit und Beschuldigung anderer? Jetzt wendet sie sich (nochmals) um. Wohin, ist unklar. Eigentlich war sie dem Fremden schon zugewandt, die erneute Wendung muss im Blick auf ihren inneren Zustand relevant sein. Jetzt kann sie einen neuen Blickwinkel einnehmen. Jetzt erkennt sie, dass sie nicht mit dem Gärtner spricht, sondern mit ihrem „Herrn“, mit Jesus. „Rabbuni“ ist zwar kein Kosewort, aber doch eine vertraute und feierliche Form der Anrede: „Mein Lehrer!“ oder „Mein Meister!“ Sie erkennt jetzt: Der sie ansprach, ist kein Fremder und kein Gärtner, sondern der, den sie liebt und vertraut. Es ist nichts passiert, was sie zu beängstigen braucht. Jesus ist in neuer Weise da.
Der sorgfältig erzählte Dialog hat die Form einer Anagnorisis, einer Wiedererkennens-Erzählung. Das Sich-Umwenden, der Blickwechsel symbolisiert hier die Wende, die Erkenntnis. Umgekehrt braucht es zur Erkenntnis einen Blickwechsel. Mit ihrem bisherigen, nach rückwärts gerichteten Blick hätte sie nichts erkannt.
Zugleich ist der Gesprächsgang ein Bild des Weges aus der Trauer. Maria wird nach ihren Gefühlen gefragt, sie spricht zweimal aus, was sie bewegt und was sie denkt. Dabei kommt sie aus dem Gefängnis ihrer Trauer heraus, fragt selbst den ‚Gärtner‘ und sagt, was sie vorhat. Durch Jesu Zuwendung, die vertraute Anrede bei ihrem Namen, kommt sie schließlich zur Erkenntnis, wer der Fremde ist, zur Freude über das Wiedersehen, die die Trauer überwindet.
Die Begegnung bringt sie zum Glauben. Und dieser Glaube ist nicht einfach die Erkenntnis eines Sachverhalts, sondern eine Vertrauensbeziehung, die die Angst überwindet und sie selbst in eine neue Position bringt, im Auftrag, Botin zu sein (V. 18 aggellousa – sie tut, was Aufgabe eines aggelos, d.h Engel = Bote ist). Die gewonnene Erkenntnis ist nicht einfach: ‚Jesus ist nicht mehr tot, sondern lebt.‘ Auch nicht ‚Alles ist gut!‘ Eher ist es: ‚Was hier geschah, ist nichts Angsteinflößendes, und der mir hier begegnet, ist kein Fremder, vielmehr ist es der, dem ich vertraue und der mich liebt.‘ Ihre Beziehung zu Jesus ist auf einer neuen Ebene wieder gewonnen. Nun kann sie auch das Alte, den Leichnam, lassen und die neue Situation annehmen.
Die anderen Erzählfiguren:
- Die Engel: Engel sind bei Joh selten erwähnt (nur Joh 1,51
; 12,29 und 20,12 ), in sehr verschiedener Funktion. In 1,51 und 12,29 sprechen andere über Engel. Nur hier sind Engel ‚erzählt‘. Es sind zwei Engel (nicht einer, wie in Mk 16,5 ), und sie werden „Engel“ (= Boten) genannt (nicht Jüngling“ wie in Mk 16,5 ), sie markieren Kopf- und Fußende der Stelle, an der der Leichnam gelegen hatte. Dieser ist nicht hier. Die Engel sind mithin ‚Platzhalter‘ für Jesus. Ihr Aussehen ist knapp beschrieben: Weiße Kleider – sie stehen für Reinheit, Licht, ja für göttliche Präsenz. Ihre Worte sind nicht eine Botschaft, sondern genau das, was nachher Jesus (bzw. der ‚Gärtner‘) fragt. Sie antworten nicht mehr auf Maria, ihre Aufgabe ist damit erledigt. Es geht hier nicht darum, dass „es Engel gibt“ (und wie sie aussehen etc.), sie sind hier nur erzählerische Signale einer ‚anderen‘ Dimension. Die Engel markieren die Gegenwart des Göttlichen im Grab (vgl. van der Watt 2013), sie signalisieren, dass das, was geschah, nicht Grabschändung oder Diebstahl war, sondern das Eingreifen einer göttlichen Wirklichkeit. - Der Gärtner/Jesus: Mit der Verwechslung kommt ein ‚komisches‘ Element ins Spiel. Jesus wird als Gärtner wahrgenommen. Im Setting könnte das passen. Aber uns Lesenden ist klar, dass „es Jesus ist“. Der ‚Gärtner‘ handelt und redet wie Jesus im Evangelium: Er sieht Maria weinen, ist initiativ, eröffnet das Gespräch und stellt eine Frage (vgl. Joh 1,38
; 4,7 ; 5,6 ). Er nimmt Maria ernst. Auf ihre Antwort hin erfolgt das Wort der Anrede, mit Namen, die zeigt, dass er sie kennt. Damit offenbart er sich ihr. Warum das Verwirrspiel? Warum erkennt Maria ihn nicht? Soll sie ihn nicht erkennen? Das Verwechslungs-Spiel weist darauf hin, dass die Identität Jesu als des Auferstandenen nicht auf der Ebene der physischen Sachverhalte liegt, die jeder einfach sehen und akzeptieren müsste. Die Wirklichkeit des Glaubens ist eine andere. Es braucht eine Erfahrung, die einem die Augen öffnet. Dies vermittelt die Erzählung.
Das Verwechslungs-Spiel weist darauf hin, dass die Identität Jesu als des Auferstandenen nicht auf der Ebene der physischen Sachverhalte liegt, die jeder einfach sehen und akzeptieren müsste. Die Wirklichkeit des Glaubens ist eine andere. Es braucht eine Erfahrung, die einem die Augen öffnet. Dies vermittelt die Erzählung.
Das letzte Wort Jesu ist schwer zu verstehen und oft missverstanden worden. Jesus ist unterwegs, er ist hier eine Figur im Übergang. Das Ziel ist aber klar: Er geht zum Vater, zu Gott. Zugleich deutet die Formulierung an, dass Jesus zu Gott ein anderes Verhältnis hat als die Jünger es haben können:
Der Anfang des Satzes ist wohl nicht mit «Rühr mich nicht an!» zu übersetzen, als wäre Jesus in einem nicht zu ertastenden physischen Zustand. Es ist wohl gemeint: «Halte mich nicht fest!» Maria soll nicht (wie z.B. die Frauen in Mt 28,9
3. Vertiefungen exegetischer Aktualisierungspotenziale
Eine Möglichkeit der Vertiefung: Symbolische Horizonte (Garten, Paradies, Schöpfung)
Ein Motiv ist aufgrund seiner raumsymbolischen Signifikanz auffällig: der „Garten“. Jesus wird in einem Garten gefangengenommen (Joh 18,1-11
Gen 2,7 | Joh 20,22f |
Gen 3,8 | Joh 20,13 |
Gen 3,8 | Joh 20,11 |
Gen 3,9 | Joh 20,1 |
Gen 3,10ff. | Joh 20,15f |
Gen 3,23 | |
Gen 3,24 | Joh 20,12 |
Die Osterereignisse, die Gabe des Glaubens und des Heiligen Geistes werden im Johannesevangelium als „Neue Schöpfung“, d.h. in einer Analogie und zugleich im Gegenüber zu der fatalen Geschichte der Menschheit („Sündenfall“
Maria Magdalena in Geschichte und Legende:
Maria Magdalena ist „eine Ikone der Popkultur“ (Clark-Soles 2013, 626), u.a. aus „Jesus Christ Superstar“ (O’Horgan 1971 uraufgeführt), „The Da Vinci Code“ (Brown 2003), „The Last Temptation of Christ“ (Scorsese 1988), etc. Dass sie Jesu Geliebte gewesen sei, ist ein kaum auszuräumendes Gerücht, das sich aber aus den ältesten Quellen nicht erhärten lässt. Das Verschwörungsnarrativ, frauenfeindliche Kirchenmänner oder das Konzil von Nizäa hätten dies getilgt, ist angesichts der notorischen Sexual- und Frauenfeindlichkeit der (v.a. römischen) Kirche beliebt, hält aber keiner Prüfung stand. Hier kann nur ganz knapp historische Information zu dieser Figur geboten werden (vgl. Petersen 2011).
Aufgrund der ältesten Quellen (Synoptiker) historisch recht sicher ist, dass diese Frau (und andere Frauen auch) ohne einen Mann mit der Gruppe der Freunde/Jünger Jesu mitgezogen war, was in der damaligen Kultur ungewöhnlich und moralisch anrüchig sein musste. Maria kam wohl aus Magdala/Migdal, einer jüdischen Kleinstadt mit Fischereiwirtschaft am See Genezareth, unweit der Orte, in denen Jesus gewirkt hatte. Nach Lk 8,2
Lk 8,3
Die Anomalie an der Grabstätte konnte erst aufgrund der ‚Erscheinungen‘ oder Visionen Jesu, die wohl ehemalige Jünger und Skeptiker (Jakobus) erfuhren, sowohl einzelne als auch Gruppen von Zeugen, im Horizont des verbreiteten Glaubens an eine endzeitliche Totenerweckung gedeutet werden, nämlich als Vorwegnahme dieser Auferweckung an einem Ersten (Jesus) und damit auch als Anfang der ‚Endzeit‘. Die Synoptiker erzählen keine Erscheinung Jesu vor einzelnen, nur die Erscheinung vor Petrus wird referiert (Lk 24,34
Weitere Hintergrundinformationen
Spätere christliche Texte thematisieren diese Konkurrenz. Das Philippusevangelium (Nag Hammadi Corpus II/3) aus dem 3. Jh.) redet von Maria als „Gefährtin“ Jesu, und berichtet, dass er sie „auf den [Mund] küsste (EvPhil 55, doch ist „Mund“ im koptischen Manuskript nicht erhalten und rekonstruiert). Ein Kuss ist in diesem Kontext aber nicht erotisch, sondern als Vermittlung von Weisheit zu versehen. Im Evangelium der Maria (Anfang 3. Jh.) ist es Maria, die die Jünger zur Weitergabe der Botschaft ermutigt; zugleich wird von Diskussionen berichtet, ob es wirklich sein könne, dass Jesus sich einer Frau tiefer erschlossen hat, als Petrus und den anderen. In diesen Texten spiegeln sich wohl Autoritätskonflikte um die Rolle von Frauen in der (späteren) Kirche.
In Predigten von Papst Gregor d. Großen (um 600) wurde Maria Magdalena wirkungsvoll mit der namenlosen Sünderin identifiziert, die Jesus in Lk 7,36-50
Maria Magdalena wurde auch mit der anderen Maria (von Bethanien) identifiziert, die Jesus in Joh 12
III. Hinweise für die Praxis
1. Entwürfe und Material
Im Folgenden nennen wir eine Auswahl von Unterrichtsmaterialien und -entwürfen, die das Thema Auferstehung als Schwerpunkt haben.
Es gibt allerdings zahlreiche weitere Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien, die über die oben genannten Themen der Auferstehungserzählung auch andere Zugänge oder Vertiefungen nahelegen: etwa zu Trauer, Tod im Allgemeinen, Verlusterfahrungen, Identität, Frauen in der Bibel, Freundschaft, Vertrauen usw. Aus methodisch-didaktischer Sicht empfiehlt es sich, bei der Suche nach bzw. beim Erstellen von Unterrichtsmaterialien zum Thema Auferstehung auch entsprechende andere – das Wort Auferstehung nicht explizit enthaltende – wertvolle thematische Zugänge und Vertiefungen zu bedenken.
Wir benennen im Folgenden bewusst nicht nach Altersstufe getrennte Materialien, geben entsprechende Hinweise höchstens in einem kurzen angefügten Stichwort. Dies angesichts der Tatsache, dass manche Materialien mit nur wenig methodischer Anpassung für verschiedene Altersstufen verwendet werden können und mancher inspirierende Literatur-Ausschnitt gar bessere Unterrichtshilfe sein kann, als ein sog. fertiger Unterrichtsentwurf. Insofern finden sich in der folgenden Auflistung Lehrmittel, einzelne Unterrichtsentwürfe, PPT-Folien, ebenso Literaturhinweise, jeweils ergänzt durch einige erläuternde Stichworte dazu.
- Michaela Montag / Matthias Mühl: Tod und Auferstehung. Reihe EinFach Religion, Unterrichtsbausteine Klassen 5 – 13, Paderborn 2020.
→ in sich geschlossene Unterrichtseinheit für Jugendliche - Ursula Poser, Auferstehung im Leben zum Leben, Online Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe. https://www.friedrich-verlag.de/friedrich-plus/sekundarstufe/religion/bibel/auferstehung-im-leben-zum-leben-16947
→ Unterrichtsmaterialien für Jugendliche - Kathrin Termin / Petra Lefin: Die Geschichte von Jesus. Von Jesu Geburt bis zur Auferstehung in 12 Bildern. München 2023.
→ Legekreis für Unterricht mit Unterstufe - Britta Vaorin: Stationenlernen Religion: Der Kreuzweg Jesu, München 2019.
→ Unterrichtsmaterialien für die Grundstufe - Auferstehung Christi oder "Hasenfest"? Online Unterrichtsmaterial für Sekundarstufe und Berufsschule, 2018.
https://www.raabe.de/unterrichtsmaterial/gesellschaftswissenschaften/religion/38285/auferstehung-christi-oder-hasenfest - Unterrichtsmaterialien von Lehrpersonen für Lehrpersonen auf der Plattform „eduki“: https://eduki.com/de/unterricht/2630/religion/christentum/gott-glauben/sterben-tod-auferstehung
- Unterrichtsmaterialien von Lehrpersonen für Lehrpersonen auf der Plattform „relilab“: https://relilab.org/?s=Auferstehung&ct_post_type=post%3Apage
- Uwe Hauser: Sterben, Tod und Auferstehung in digitalen Welten – als Thema und Gegenstand des Unterrichts. Folien zu einer Präsentation, gehalten in Baden. https://www.ekiba.de/media/download/variant/252963/tod-und-auferstehung---digitale-welten.pdf
→ Inspiration für den Unterricht mit Jugendlichen. - Peter Trummer: Auferstehung jetzt – Ostern als Aufstand. Theologische Provokationen. Freiburg i.B. 2023.
→ Kurzessays zur Auferstehung als Inspiration - Kurt Marti: Gedicht „Auferstehung jetzt“ im Gedichtband „Zärtlichkeiten“ (1981)
→ Inspiration im Blick auf oben erwähnte psychologisierende Deutungen der Auferstehung - Ruth Naef-Bernhard: verschiedene Gedichte zu den Themen Tod, Sterben, Auferstehung in den Publikationen „Vielleicht ist es so“ und „dazwischen ein schweigen“. https://www.alataverlag.ch/product-page/und-dazwischen-ein-schweigen
→ Inspiration im Blick auf oben erwähnte Trauerprozesse und -phasen - wie oben erläutert, kann ein Zugang oder eine Verknüpfung auch sein, Bezug auf Online Games oder KI-Imaginationen etc. zu nehmen. Als Beispiel etwa: Minecraft
2. Spielfilme, Podcasts und Videos
Im Folgenden nennen wir eine Auswahl bekannter Spielfilme sowie deutschsprachiger Kurzvideos und Podcasts, die primär das Thema Auferstehung im Fokus haben. Es gibt allerdings zahlreiche weitere Spielfilme und Podcasts, die via die oben genannten Themen der Auferstehungserzählung andere Zugänge oder Vertiefungen nahelegen:
- etwa über das Thema Tod im Allgemeinen (z.B. Oskar und die Dame in Rosa, Spielfilm 2009; Die Zeit dazwischen, Kurzfilm 2011; u.a.),
- über die Metaebene mit der Frage von Trauerphasen (hierzu finden sich allein auf der Videoplattform Youtube zahlreiche Kurzfilme und Erklärvideos zu den Phasen der Trauer nach E. Kübler-Ross),
- über Arten von Trauer-Unterstützung wie z.B. durch Tanz (Felix Grützner, der als Tänzer Trauerrituale nonverbal begleitet, https://www.youtube.com/watch?v=_bm7X42_ypE
)
Aus methodisch-didaktischer Sicht lohnt es sich, die Option mitzubedenken, sich dem Thema Auferstehung auch über (wertvolle) thematische Umwege zu nähern.
Spielfilme:
- "Maria Magdalena" (2018): Dieser Film nähert sich auf innovative Weise einer oft übersehenen Geschichte. Rooney Mara spielt Maria Magdalena, die lange Zeit fälschlicherweise als Sünderin betrachtet wurde. Joaquin Phoenix stellt Jesus dar.
- "Auferstanden" (2016): Der Film erzählt die Geschichte der Auferstehung aus der Perspektive eines Skeptikers. Der römische Tribun Clavius (Joseph Fiennes) und sein Assistent Lucius (Tom Felton) sind beauftragt, die Unruhen, die durch Gerüchte eines auferstandenen Messias entstanden sind, zu unterbinden.
- "Killing Jesus" (2015): Diese in Marokko gedrehte dreiteilige Miniserie wurde auf dem National Geographic Channel ausgestrahlt und erregte Aufsehen, weil der muslimische Schauspieler Haaz Sleiman die Rolle von Jesus übernahm. Der Film versucht, ein detaillierteres Bild der historischen Jesusfigur zu zeichnen und die Ereignisse, die zu seiner Auferstehung führten, zu kontextualisieren; er betrachtet das Leben Jesu hauptsächlich aus der Perspektive politischer Figuren wie Herodes und Pontius Pilatus.
- "Jesus liebt mich" (2012): Das von Kritikern gefeierte Regiedebüt von Florian David Fitz, der auch die Hauptrolle spielt, und zusammen mit Schauspielern wie Jessica Schwarz und Hannelore Elsner, die Geschichte von David Safiers Roman in ein modernes Märchen verwandelt.
- "The Da Vinci Code – Sakrileg" (2006): In diesem Thriller, basierend auf dem Bestseller von Dan Brown, entwirrt der Symbolologe Robert Langdon (Tom Hanks) eine Verschwörung rund um das Christentum und den Heiligen Gral. Zusammen mit der Kryptologin Sophie Neveu (Audrey Tautou) stößt er auf Geheimnisse, die tief in der Geschichte verborgen sind, darunter auch die Rolle der Maria Magdalena.
- "Die Passion Christi" (2004): Dieser Film, der in Hebräisch, Aramäisch und Latein gedreht wurde und von Mel Gibson inszeniert wurde, ist umstritten, vor allem wegen seiner expliziten Gewaltdarstellungen. Gibson beabsichtigte gemäß seiner eigenen Aussage damit, das große Opfer Jesu für die Menschheit zu verdeutlichen.
- "Die letzte Versuchung Christi" (1988): Martin Scorseses Adaption des Romans von Nikos Kazantzakis rief starke Proteste konservativer Christen hervor. Der Film, der Jesus als von Zweifeln geplagte Figur darstellt, wurde als blasphemisch kritisiert. Willem Dafoe spielt Jesus, der davon träumt, ein normales Leben mit Maria Magdalena zu führen.
- "Jesus Christ Superstar" (1973)
Diese Verfilmung der vor 50 Jahren uraufgeführten Rockoper von Andrew Lloyd Webber bietet eine extravagante Darstellung. Eine Gruppe junger Reisender macht in Israel Halt bei antiken Ruinen und beginnt, die letzten Wochen im Leben von Jesus (Ted Neeley) nachzuspielen.
Podcasts und Videos:
- Die Auferstehung Jesu aus weltweiter Perspektive. SRF Perspektiven, 2021 (ca. 30min): https://www.srf.ch/audio/perspektiven/die-auferstehung-jesu-aus-weltweiter-perspektive?id=e62e3eb5-1de9-4a1a-8fb3-03efcb39edc2
- Und wenn Jesus nicht am Kreuz starb? SRF Sternstunde Religion, 2020 (ca. 30min): https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/kriminalfall-karfreitag-und-wenn-jesus-nicht-am-kreuz-starb
- Sie blieb bis zu seinem Tod am Kreuz. SRF Perspektiven, 2013 (ca. 30min): https://www.srf.ch/audio/perspektiven/sie-blieb-bis-zu-seinem-tod-am-kreuz?id=023a1c06-120a-4fcd-a0b9-8827c6ab4273
- Was bedeutet die Auferstehung? Podcast «Glaube und Gesellschaft im Gespräch», 2021: https://www.youtube.com/watch?v=qA-9_g1gijc
- Ein Justizopfer wird zum Religionsstifter. Unter Pfarrerstöchtern / Passion, 2025 (ca. 60min): https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-04/passion-karfreitag-jesus-hinrichtung-bibelpodcast
- Das Kreuz: Was es für uns bedeutet. RefLab, 2024 (ca. 30min): https://www.reflab.ch/das-kreuz-was-es-fuer-uns-bedeutet/
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(letzter Abruf: 20.05.2026). - Petersen, Silke, Maria aus Magdala. Die Jüngerin, die Jesus liebte, Biblische Gestalten 23, Leipzig 2011.
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Autoren
- Dr. Jasmine Suhner (Religionspädagogische Reflexion und Hinweise zur Praxis)
- Prof. Dr. Dr. h.c. Jörg Frey (Exegetische Reflexion)

