Deutsche Bibelgesellschaft

Johannes 15,1-8 | Jubilate | 26.04.2026

Einführung in das Johannesevangelium

Das Johannesevangelium ist wie ein Fluss, in dem ein Kind waten und ein Elefant schwimmen kann.

Robert Kysar

Das Evangelium „nach Johannes" ist das tiefgründigste und theologisch wie kulturgeschichtlich wirkungsvollste der kanonischen Evangelien. Es unterscheidet sich in Stoff, narrativer Gestalt, Sprache und Theologie signifikant von den Synoptikern. Die Erklärung dieser Besonderheiten sowie die Frage nach seinen Quellen und seinem historischen und theologischen Wert gehören zu den schwierigsten und umstrittensten Fragen der Forschung.

Joh ist wie Mk eine kerygmatische Erzählung vom Wirken, Sterben und Auferstehen Jesu, d.h. ein Evangelium. Es ist programmatisch aus nachösterlicher Perspektive gestaltet, aus der durch den Geist gewirkten „Erinnerung“ (Joh 2,22; 12,16), und es trägt diese Perspektive bewusst in die Erzählung der Geschichte Jesu und seines Todes (19,30), so dass alle Einzel-Episoden schon im Licht des Ganzen des Christusgeschehens, im ‚österlichen Glanz‘, zu lesen sind.

Joh enthält eigentümliche Stoffe (Prolog, Abschiedsreden, ausgedehnte Reden und Dialoge Jesu mit Nikodemus, der Samaritanerin oder Pilatus), Erzählungen wie das Weinwunder (Joh 2), Lazarus (Joh 11), die Fußwaschung (Joh 13). Wichtige synoptische Stoffe (z.B. Geburtsgeschichten, Gleichnisse, Bergpredigt, Endzeitrede) fehlen. Die Tempelreinigung (Joh 2,13-22) ist aus dem Passionskontext an den Anfang umgestellt, der Todesbeschluss des Hohen Rates (Joh 11,45-54) erfolgt ebenfalls schon vor der Passion als Antwort auf die Lazarus-Erweckung. Dies weist auf eine bewusste Umgestaltung der älteren Jesusüberlieferung hin, die auch geschichtliche Sachverhalte in großer Freiheit anders erzählt. Dies zeigt sich auch in der anderen Sprache Jesu, die im Grunde die Sprache aller anderen Figuren und des Autors ist. D.h., auch in Jesu Worten und Reden spricht faktisch der joh Autor.

1. Verfasser

Das „Evangelium nach Johannes“ ist wie alle kanonischen Evangelien anonym überliefert. Die Überschrift ist im 2. Jh. nachgetragen. Traditionell wurde es ab dem späten 2. Jh. dem Apostel und Zebedaiden Johannes zugeschrieben, der mit der Figur des „Jüngers, den Jesus liebte“ (Joh 13,23) identifiziert wurde. Diese Zuschreibung ist erklärlich, weil man diesen ‚Lieblingsjünger‘ (LJ) mit dem ‚unbekannten‘ zweiten Jünger aus Joh 1,35-40 identifiziert hat und (aufgrund von Mk 1,16-20 oder Apg 3-5) in diesem den Zebedaiden Johannes sah. So ‚wurde‘ der LJ zum Augenzeugen der ganzen Erzählung und das Evangelium bekam ‚apostolische‘ Würden. Nach der Johanneslegende (bei Irenäus u.a.) soll dieser Johannes als Greis sein Werk in Ephesus in Kleinasien geschrieben haben, nach Clemens v. Alex. ist es als „geistliches“ Evangelium in Ergänzung und Vertiefung zu den drei eher „leiblichen“ Erzählungen der Synoptiker abgefasst.

Aufgrund von Stoff, Sprache und erzählerischer Gestalt ist allerdings höchst unwahrscheinlich, dass der galiläische Fischer im hohen Alter das Werk verfasst hat. Und selbst wenn er der Autor wäre, wäre schwer erklärlich, warum es sich von der älteren Tradition so unterscheidet.

Nur das wohl als ‚Nachtrag‘ angefügte Kapitel 21 führt die Abfassung auf den LJ zurück, in Joh 1-20 ist dieser zwar an wenigen Stellen ab dem letzten Mahl (13,23; 19,25-27; 20,1-10) Petrus an die Seite gestellt, doch eher als ‚ideale Figur‘, die Jesus näher ist und ihn besser versteht. Der eigentliche „Autor“ ist in Joh 1-20 der „erinnernde“ Geist (Joh 14,25f). Wenn hinter dem LJ auch eine ‚reale‘ Figur im Umkreis der joh Gemeinden stand (wie 21,22f nahelegt), ist fraglich, ob dieser mit einer bekannten Gestalt zu identifizieren ist. Das Joh wäre in dann Fall posthum von Schülern (21,24f) herausgegeben. Wenn der Autor des Joh mit dem von 1-3Joh identisch ist, wäre der autoritativ schreibende „Presbyteros“ aus 2Joh 1; 3Joh 1 am ehesten mit dem bei Papias von Hierapolis (Eus., h.e. 3,39,4) als Traditionsträger in der Asia erwähnten „Presbyteros Johannes“ zu identifizieren. Die spätere Zuschreibung an den Zebedaiden wäre dann in einer Verwechslung oder eher intentionalen Überblendung der Namen erfolgt.

Schriftzitate und Anspielungen belegen eine gute Kenntnis des AT, das aber höchst selektiv benutzt wird. Analog ist auch für die übrigen Traditionen eine sehr eigenständige Verwendung anzunehmen. Nichts ist nur ‚abgeschrieben‘, Joh 20,30f bezeugt eine bewusste Auswahl des Autors aus den ihm verfügbaren Stoffen. Daraus folgt aber: Die Eigenständigkeit in Stoff und literarischer Ausgestaltung belegt keine ‚Unabhängigkeit‘ von der synoptischen Tradition. Jede Rekonstruktion schriftlicher Quellen (z.B. einer ‚Semeia‘-Quelle mit Wundergeschichten oder eines eigenen Passionsberichtes) ist m.E. unmöglich, doch sind neben den Synoptikern (v.a. Mk) mündliche und schriftliche Gemeindetraditionen anzunehmen, die aber alle eigenständig umgestaltet sind. Der Autor kennt das Mk (wie z.B. die Anspielungen auf die Gethsemane-Episode in 12,27f; 14,31 und 18,11 zeigen) und setzt die Kenntnis auch bei seinen Lesern voraus (s. 3,24), evtl. kennt er auch Lk oder Stoffe daraus, eine Kenntnis des Mt ist nicht zu belegen. Er ist gleichfalls vertraut mit jüdischen Bräuchen und wohl auch mit Gegebenheiten in Jerusalem. Vielleicht ist er ursprünglich ein Palästiner, der dann im Zuge des jüdischen Krieges nach Kleinasien kam.

2. Adressaten

Das Joh ist wohl in Gemeindekreisen entstanden, die auch in 1-3Joh greifbar sind. Diese Gemeinden (oder die ‚Joh. Schule‘) in Kleinasien sind erst im letzten Drittel des 1. Jh. greifbar, sie hatten eigene Traditionen, aber nahmen auch synoptische und paulinische Motive auf. Ein Teil der joh Christusgläubigen entstammte wohl der Diasporasynagoge, und die traumatischen Spuren einer erfolgten Trennung (aposynagogos: Joh 9,22; 12,42; 16,2) sind wahrnehmbar, hingegen waren andere wohl Nichtjuden („Griechen": Joh 7,35; 12,20). Der Kontext steht also ein Verband ‚gemischter‘ Gemeinden, wohl im urbanen Raum, in dem neben diesen joh Christusgläubigen auch anders geprägte Gruppen koexistierten (z.B. Apk, Eph, Pastoralbriefe).

Nach den Abschiedsreden erscheinen die Adressaten selbst verunsichert ‚in der Welt‘, so dass Jesu Wort und das ganze Joh im Durchgang durch die Geschichte Jesu eine Antwort darauf bietet. Zugleich ist das Joh nicht nur als konkretes Wort an einen begrenzten, gar ‚sektiererisch‘ abgeschlossenen Gemeindekreis zu lesen, vielmehr zielt es auch auf Lesende in einem weiteren Rahmen, ja auf die Welt der Bücher, wenn es in 1,1 die Genesis überbietend aufnimmt und in 21,25 mit einem Hinweis auf viele Bücher endet.

3. Entstehungsort

Die Herausgabe des Evangeliums wird seit der altkirchlichen Tradition in Ephesus angesetzt. Dies ist im Joh und den drei Briefen nicht positiv zu belegen, und sachlich wäre jeder urbane Kontext im östlichen Mittelmeerraum denkbar, doch weist das frühe Zeugnis des Papias von Hierapolis, Polykarp u.a. auf den Raum Kleinasiens, ebenso die frühe Verbindung mit der dort situierten Apokalypse. Andere Vorschläge (Alexandrien wegen der Rede vom Logos; Syrien wegen vermeintlicher Nähe zu gnostischen Traditionen; Ostjordanland wegen der Bedeutung der ‚Juden‘) sind ebensowenig zu belegen. Kleinasien bleibt die wahrscheinlichste Option.

4. Wichtige Themen

Wichtige Themen der exegetischen Interpretation sind die hohe Christologie: Jesus ist der eine Offenbarer Gottes, ja er ist ‚Gott‘. Er gibt Leben, gibt den Geist. Sein Tod ist ‚Vollendung‘ der Schrift und des Willens Gottes (19,30), seine Sendung (ans Kreuz) der Erweis der ‚Liebe‘ Gottes zur Welt (3,16). Auffällig ist die ‚Vergegenwärtigung‘ der Eschatologie: Das ‚ewige Leben‘ ist schon jetzt im Glauben gegeben (5,24), das Gericht ergeht jetzt in der Begegnung mit Jesus (3,18). Zentrale Bedeutung hat der Geist, der als ‚Beistand‘ (Paraklet) der nachösterlichen Gemeinde diese begleitet, erinnert und zum Zeugnis befähigt. Joh entwickelt eine Art, von Vater, Sohn und Geist in personaler Unterscheidung zu reden, die bereits in die Richtung der späteren Trinitätslehre führt. Das alles wird in Bezug auf die Schriften Israels entfaltet, die nach Joh sämtlich von Jesus zeugen. Daher beansprucht der joh Jesus Exklusivität als Offenbarer (1,18; 14,6), während alle anderen Wege, auch der der nicht an Jesus glaubenden Schüler Moses (9,28) nicht „zum Vater“ führen. Die schroffe antijüdische Polemik ist z.T. Ertrag der schmerzhaften Trennungs- und Identitätsbildungsprozesse. Für die Gemeinde ergibt sich daraus eine innere Trennung von der ‚Welt‘, der mit einer (Familien-)Ethik der (nicht nur, aber vorrangig) auf die eigene Gruppe gerichteten Liebe begegnet wird.

5. Besonderheiten

Das Joh will, dass seine Leser:innen besser und tiefer verstehen. Diesem Ziel dient die literarische Ausgestaltung durch ein eine Vielzahl literarischer Gestaltungsmittel: die Vor-Information durch den Prolog lässt die Leserschaft stets ‚wissender‘ sein als die textlichen Figuren, deren ‚dumme‘ Fragen oft Verwunderung auslösen. Die Wundergeschichten sind durch textliche Verweise so ausgestaltet, dass sie nie nur als Bericht eines vergangenen Ereignisses gelesen werden können, sondern stets auf das Ganze des Heilsgeschehens bezogen sind. Explizite und implizite Erzählerkommentare und Erläuterungen lenken den Blick auf textliche und theologische Bezüge. Narrative Figuren bieten Identifikationsangebote und provozieren durch ihre Ambivalenz zur Stellungnahme. Miteinander vernetzte, z.T. breit symbolisch ausgestaltete Metaphern (wie Wasser, Brot, Hirte, Weinstock, aber auch Geburt, Familie, Tempel, Garten) verstärken das Wirkungspotential des Textes und laden die Lesenden ein, ihn „zu bewohnen“ (Ricœur). Als subtiler literarischer Text spiegelt das Joh nicht nur die hohe Kunst seines Autors, sondern wurde selbst zur Weltliteratur.

Literatur:

  • Meyers KEK: Jean Zumstein, Das Johannesevangelium, Göttingen 2016; C.K:Barrett, Das Evangelium nach Johannes, Üs. H. Balz (KEK Sonderband), Göttingen 1991.
  • Martin Hengel, Die johanneische Frage, WUNT 67, Tübingen 1993.
  • Jörg Frey, Die Herrlichkeit des Gekreuzigten. Studien zu den johanneischen Schriften 1, WUNT 307, Tübingen 2013: https://www.mohrsiebeck.com/buch/die-herrlichkeit-des-gekreuzigten-9783161527968?no_cache=1
  • Francis Moloney, The Gospel According to John, Sacra Pagina 4, Collegeville MN 1998; Marianne Meye Thompson, John: A Commentary, NTL, Louisville KN 2015.

A) Exegese kompakt: Johannes 15,1-8

„In ihm sein und bleiben“

Die Bildrede mit dem Wort vom Weinstock und den Reben stellt die Lebensbeziehung mit Christus und Gott als eine ganz natürliche, beständige und fruchtbare vor Augen – die dankbar wahrzunehmen und doch aller ‚Bleib-Sorge‘ wert ist.

1Ἐγώ εἰμι ἡ ἄμπελος ἡ ἀληθινὴ καὶ ὁ πατήρ μου ὁ γεωργός ἐστιν. 2πᾶν κλῆμα ἐν ἐμοὶ μὴ φέρον καρπὸν αἴρει αὐτό, καὶ πᾶν τὸ καρπὸν φέρον καθαίρει αὐτὸ ἵνα καρπὸν πλείονα φέρῃ. 3ἤδη ὑμεῖς καθαροί ἐστε διὰ τὸν λόγον ὃν λελάληκα ὑμῖν· 4μείνατε ἐν ἐμοί, κἀγὼ ἐν ὑμῖν. καθὼς τὸ κλῆμα οὐ δύναται καρπὸν φέρειν ἀφ’ ἑαυτοῦ ἐὰν μὴ μένῃ ἐν τῇ ἀμπέλῳ, οὕτως οὐδὲ ὑμεῖς ἐὰν μὴ ἐν ἐμοὶ μένητε. 5ἐγώ εἰμι ἡ ἄμπελος, ὑμεῖς τὰ κλήματα. ὁ μένων ἐν ἐμοὶ κἀγὼ ἐν αὐτῷ οὗτος φέρει καρπὸν πολύν, ὅτι χωρὶς ἐμοῦ οὐ δύνασθε ποιεῖν οὐδέν. 6ἐὰν μή τις μένῃ ἐν ἐμοί, ἐβλήθη ἔξω ὡς τὸ κλῆμα καὶ ἐξηράνθη καὶ συνάγουσιν αὐτὰ καὶ εἰς τὸ πῦρ βάλλουσιν καὶ καίεται. 7ἐὰν μείνητε ἐν ἐμοὶ καὶ τὰ ῥήματά μου ἐν ὑμῖν μείνῃ, ὃ ἐὰν θέλητε αἰτήσασθε, καὶ γενήσεται ὑμῖν. 8ἐν τούτῳ ἐδοξάσθη ὁ πατήρ μου, ἵνα καρπὸν πολὺν φέρητε καὶ γένησθε ἐμοὶ μαθηταί.

Johannes 15,1-8NA28Bibelstelle anzeigen

Übersetzung

1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg, und jede, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein aufgrund des Wortes, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir, und ich in euch! Wie die Rebe nicht aus sich selbst heraus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch nicht ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, wird er hinausgeworfen wie die Rebe, und wird ausgetrocknet werden, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und er/sie verbrennt. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen. 8 Darin ist mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.

1. Fragen und Hilfen zur Übersetzung

V. 2 Sprachlich ist in beiden Teilsätzen das Objekt betont vorangestellt, so dass es in Verdoppelung noch einmal begegnet (αὐτό): Wörtlich: „Jede Rebe… - er nimmt sie weg, und jede Rebe… - er reinigt sie…“ Diese Sprachform (nominativus pendens) könnte, aber muss nicht als Semitismus verstanden werden, es ist eine im Griechischen durchaus mögliche, rhetorisch das jeweils erste Glied betonende Ausdrucksweise.

V. 3 Auch das ἤδη „schon jetzt“ ist rhetorisch auffällig vorgezogen.

V. 4 ἐν τῇ ἀμπέλῳ - wörtlich „im“ Weinstock

V. 4 κἀγὼ - „wie auch“ – aber wörtlich „und ich in euch“. Das (hier enklitisch verschluckte καί) ist in seinem Bezug unklar. Ein Anschluss an den Imperativ ist kaum möglich, denn Jesus kann nicht sich selbst zum Bleiben auffordern. Daher ist eher ein Vergleich impliziert: „Bleibt in mir, wie auch ich in euch (bleibe)“.

V. 6 ἐξηράνθη …: Der Bezug (auf die Bildhälfte, d.h. die Rebe oder die Sachhälfte, die Menschen) ist durchgehend uneindeutig. Im Deutschen ist beim letzten Glied eine Entscheidung sprachlich notwendig. Ist „sie“ die Rebe, oder ist hier im Rückbezug auf ἐὰν τις („er / sie“) an eine Person gedacht?

V. 8 γένησθε ist Konjunktiv Aorist mit prospektiv-futurischem Sinn. Aus sachlichen Gründen übersetzen viele (Bultmann KEK 414, Zumstein KEK 558) „ihr seid“, doch wird so verdeckt, dass der Text nicht mit εἶναι, sondern mit γίνεσθαι formuliert.

2. Literarische Gestaltung

Nach dem Redeschluss Joh 14,31 beginnt mit 15,1 die zweite Abschiedsrede (Joh 15,1-16,33), die aus unterschiedlichen Teilen besteht. Der Abschied Jesu (13,33) spielt bis 16,4 keine Rolle mehr. Neu ist auch die Konzentration auf die Ekklesiologie, das Leben der Gemeinde in Verbindung mit Jesus (15,1-8), in gegenseitiger Liebe (15,9-17) und angesichts des Hasses der Welt (15,18–16,4a). Ob die Rede aus ursprünglich eigenständigen Redestücken zusammengesetzt oder als ‚Relecture‘ und Weiterführung der Rede 13,31–14,31 komponiert wurde, ist strittig. Für Letzteres spricht die Wiederaufnahme von Elementen aus Kap. 14, der reziproken Immanenzformel 14,20 (ihr in mir – ich in euch) und der Zusage der Gebetserhörung 14,13f (Zumstein 553f.).

Unvermittelt und ohne Redeeinleitung setzt in V. 1 die Jesusrede neu in klarer Bildsprache ein. Die Leserschaft betritt damit eine neue Ebene. Unklar sind die Gattung und Art der Bildsprache. Es ist kein Gleichnis (wie etwa in den Synoptikern), aber auch keine Allegorie, in der das Bild Punkt für Punkt gedeutet würde, sondern ein „metaphorisches Netzwerk“ (Zumstein 559), in dem eine ‚vertikale Ebene‘ (zwischen dem Weinbau-Bild und dem Handeln Gottes) und eine ‚horizontale Ebene‘ (der ‚symbiotischen‘ Lebensbeziehung von Weinstock und Zweigen bzw. Jesus und Glaubenden) miteinander verschränkt sind.

Der Abschnitt lässt sich durch die Ich-bin-Formel in V. 1-4 und 5-8 gliedern. Am Anfang steht nicht ein auszudeutendes Bild, sondern gleich die Ausdeutung (Jesus = Weinstock; Vater = Weingärtner; die Beziehung Jünger = Reben wird erst in V. 5 ausgesprochen, obwohl sie schon in V. 2 impliziert ist). Weitere Bildaspekte werden ergänzt (Frucht bringen, Reinigen der Reben, Verbrennen des Verschnitts), auf das Handeln Gottes bzw. die Jünger bezogen und mit Aufforderungen zugespitzt.

V. 1 setzt mit einem metaphorischen Ich-bin-Wort ein, das aber untypisch ist, weil es nicht eine Einladung zum Heil enthält (wie V. 5), sondern schon eine Ausdeutung des Bildes. V. 2 beschreibt dann im Bild das (übliche) Handeln des Weingärtners, wobei implizit vorausgesetzt wird, dass es sich bei den Reben um Menschen und beim Fruchtbringen um deren Tun handelt. Unvermittelt redet V. 3 die Jünger bzw. Leserschaft an. Als Konsequenz formuliert V.4 dann eine Aufforderung an die Jüngerinnen und Jünger mit Begründung aus dem Bildfeld.

V. 5 bietet einen Neueinsatz mit dem Ich-bin-Wort. Dieses hat nun die konventionelle Form „Ich-bin“ + Metapher (und Ergänzung „ihr seid“) + konditionaler Satz der ‚Einladung‘ + Begründung in einem negativen Satz. V. 6-7 entfalten dies negativ und positiv: erst in einer Gerichtsaussage (im Anschluss an V. 4) und dann in einer Verheißung der Gebetserhörung. V. 8 schließt den Abschnitt ab mit einem Hinweis darauf, dass die beschriebene Form des ‚fruchtbaren‘ Lebens (V. 4) der Jüngerinnen und Jünger Gott ‚verherrlicht‘.

Sieben Mal ist in dem kurzen Text das Verb μένειν gebraucht – die Mahnung zum Bleiben ist zentral; aber auch sechs Mal πῦρ (Feuer), mithin ein Bild des Gerichts, das die Ernsthaftigkeit betont. Das bestimmende Motiv ist aber das Bild der symbiotischen Lebensverbindung, die die Reben zum Weinstock haben und die Leben und Frucht allererst ermöglicht und weiter sichert. Zu diesem „Bleiben in“ wird einerseits ermahnt, andererseits wird auch reziprok Jesu Bleiben „in“ den Jüngern erwähnt. Dieses gegenseitige ‚In-Sein‘ gründet in dem gegenseitigen ‚In-Sein‘ Jesu und des Vaters (14,10).

3. Kontext und historische Einordnung

Das Weinstock-Bild ist im ganzen mediterranen Raum bekannt und leicht zugänglich. Die Art der Verwendung (Weinstock als Objekt göttlicher Erwählung und Fürsorge, Verbindung Weinstock – Weingärtner, Erwartung von „Frucht“) weist auf atl. Hintergründe hin:

  1. Psalm 80,9-17: Israel als Weinstock Gottes, der verwüstet wurde; Gott wird gebeten, ihn zum Heil heimzusuchen und die Zerstörer zu strafen.
  2. Jesaja 5,1-7, das ‚Weinberglied‘ Jesajas: Gott wird als der fürsorgliche Herr des Weinbergs ‚Israel‘ besungen, dessen Unfruchtbarkeit (Schlechtigkeit) beklagt wird.
  3. Jeremia 2,21, ein Gerichtswort: Israel war Gottes süßer Weinstock, seine Wendung zum Schlechten wird beklagt.
  4. Ezechiel 15,1-8, ein Weinstockgleichnis: Gegen das unbrauchbare Rebholz wird das Gericht durch Feuer angesagt.

Auch ntl. Gleichnisse und Gerichtsaussagen reden vom Unkraut (Mt 13,30.40.42) oder einem unfruchtbaren Baum (Mt 7,19; Lk 3,9). Sie werden ins Feuer geworfen.

Das joh Sprachbild nimmt keinen der atl. Texte direkt auf, wohl aber das Bildfeld, das jedoch signifikant umgestaltet wird: Der Weinstock ist nicht mehr Israel, sondern Jesus. Es geht nicht um die Verwerfung des Weinstocks/Weinbergs, um die Gerichtsansage, sondern um das durch Christus vermittelte Leben. Der Aspekt der Gerichtsansage ist der Verheißung an die Jünger untergeordnet. Es geht nicht ‚nur‘ um Fruchtbringen, sondern um „viel“, „mehr“ Frucht.

Die Prädikation Jesu als einziger „wahrer“ Weinstock entspricht der auch in anderen Ich-bin-Worten gebrauchten Qualifikation durch „gut“ (Joh 10,11), „lebendig/Leben“ (Joh 6,35.48) o.ä. Grund dieser Hervorhebung ist der Kontrast zu Israel (Jer 2,21), aber v.a. die Bezogenheit auf Gott. Jesus ist „wahr“, weil er von Gott kommt und Gottes Leben durch ihn vermittelt wird.

4. Schwerpunkte der Interpretation

Was ist das „Fruchtbringen“? Im AT ist damit die Treue zu Gott und dem Glauben gemeint, hier mithin das Bleiben im Glauben, im Wort Jesu (vgl. 14,21-24). Auf dem Hintergrund der ersten Abschiedsrede dürfte damit auch das Leben und Handeln in Liebe impliziert sein. Ein spezifischer Missionsbezug besteht nicht. Für reformatorische Ohren ungewohnt und provokativ ist der mit V. 2 formulierte Gedanke eines (im Bild durch ‚Reinigung‘ erreichten) „Mehr“. Doch ist der Gedanke von Wachstum, Einübung in der Christusbeziehung und in der Liebe hier durchaus angelegt.

Was heißt für die Jünger „gereinigt werden“? V. 3 macht klar, dass die nötige Reinigung bei ihnen (d.h. den Leserinnen und Lesern) bereits durch die Gabe des lebensstiftenden Wortes Jesu erfolgt und nichts mehr als das Bleiben darin geboten ist. V. 4a gründet das Bleiben in Jesus in der gegenläufigen Bewegung, in Jesu Bleiben in den Glaubenden. Deshalb ist der Abschnitt nicht ‚gesetzlich‘. Wer glaubt, bleibt: dies ist eine völlig selbstverständliche, im Natur-Bild der Zweige nachvollziehbare Lebensbeziehung. Aber auch das Umgekehrte gilt: Wer nicht bleibt, glaubt offenbar nicht wirklich, und die Folge des Herausfallens aus der lebenserhaltenden Beziehung zu Jesus wird in V. 6 drastisch vor Augen geführt. Klar ist, dass die joh Sicht von Glauben und Leben sich nicht nach dem Modell ‚Indikativ‘ – ‚Imperativ‘ beschreiben lässt. Noch weniger gibt es ‚reine‘ Soteriologie, die nicht auch lebenspraktische Implikationen (Liebe) hätte. Doch ist jedes Tun umgriffen von Jesu vorgängigem Handeln, seiner Gabe, seiner Gegenwart (‚In-Sein‘), und damit von Gottes Handeln. „Jesus schenkt, was er fordert“ (Zumstein, 565).

„Ihr in mir – ich in euch“ ist eine zentrale Formulierung vieler späterer Mystiker. Dabei ist im Joh aber nicht ‚Verschmelzung‘, nicht Aufhebung des Ich im Du gemeint, sondern eine Relation, ein Gegenüber, ein Gespräch das Modell des (gleichwohl innig und intim beschriebenen) Glaubenslebens.

Der Negativsatz „ohne mich könnt ihr nichts tun“ (V. 5b) wurde oft im Sinne der Nutzlosigkeit und Unfähigkeit der Menschen gedeutet. Das ist im Text unbegründet, es geht nicht um allgemein menschliches Tun und Können, sondern präzise um die Früchte des Glaubens und des Evangeliums. Der Akzent ruht positiv auf der Ermächtigung. „In“ der Verbindung mit Jesus und ermächtigt durch ihn bringen Glaubende (selbstverständlich) „viel Frucht“.

Die Zusage der Gebetserhörung V. 7 ist ein notorisches Problem. Nicht jede Bitte wird erhört. Aber der Rückschluss (dass dann die Bittenden nicht ‚in ihm‘ wären oder die Bitte nicht Jesu Wort gemäß wäre) ist nicht angebracht. Es geht nicht um eine kalkulatorische Logik, nicht um einen Mechanismus, vielmehr um Ermutigung zu grenzenlosem Vertrauen.

5. Kurzcharakteristik des Textes – von der Exegese zur Predigt

Johanneische Verkündigung erfolgt in zugänglichen Bildern. Sie ist nicht abstrakt, sondern imaginativ – und ermutigt die Hörenden und Lesenden, in diesen Bildern zu denken, sie zu ‚bewohnen‘ (Ricœur). Dies gilt für das Weinstock- wie für das Hirtenbild u.a. Das Bild erlaubt die Verbindung der nachösterlichen Gemeinde mit dem Erhöhten ‚leiblich‘ konkret zu denken. Das sonst recht abstrakte „Bleiben“ wird hier durch ein Bild aus der Natur, den Austausch von ‚Säften‘ verdeutlicht – als selbstverständlich und doch aller ‚Bleib-Sorge‘ wert.

B) Praktisch-theologische Resonanzen

1. Persönliche Resonanzen

1. „Bleibt doch noch!“

Der kleine Persönlichkeitstest hat es wieder einmal bestätigt: Ich bin (im Sinne des Riemann-Thomann-Modells) der „Nähe-Typ“. Das zeigt sich z. B. daran, dass ich gerne Freunde und Familie um mich habe, sie einlade und mich freue, wenn sie die Einladung annehmen und wir den Tag, den Abend – oder beides – miteinander verbringen. Wenn die mir Nahen nach einem schönen Zusammensein dann gehen wollen, ich sie aber gerne noch in meiner Nähe wüsste, ertappe ich mich zuweilen bei der Aufforderung: „Bleibt doch noch!“ Vielleicht sage ich das nicht nur einmal. „Bleibt doch noch!“ Die Aufbrechenden haben gewiss ihre Gründe, um zu gehen. Wenn es gute Gründe sind, werde ich sie nicht aufhalten können bzw. es ist falsch, sie aufhalten zu wollen. Wenn sie hingegen keine guten Gründe haben bzw. hoffen, dass das Bleiben die bessere Entscheidung sein könnte, werden sie bleiben. Auch selbst wurde ich ja schon „überredet“ – und manches Mal hat es sich gelohnt.

Jesus will, dass sie bleiben. In ihm. Er hat gute Gründe und die Exegese macht Lust darauf, dem nachzudenken.

2. Unkonventioneller Bildgebrauch

Ganz kreativ geht der joh Jesus mit den Bildern vom Weinbau um. Die Aufnahme der Bilder passt nicht ins übliche Schema – doch die Zuhörenden verstehen und erfahren etwas über Gott und Jesus, über sich selbst und ihre Gemeinschaft. Wenn wir selbst mit Bildern spielen, um etwas zu beschreiben, geht das zuweilen schief: Die Analogie ist nicht stimmig, das Gleichnis „hinkt“ oder ich kann einfach nichts anfangen mit dem Bild, das mir präsentiert wird. Bei Jesu Rede ist das anders: Seine Zeitgenossen verstehen sie, und auch für uns ist es ein hilfreicher Einsatz von Bildern. Es lohnt sich, sie im Blick zu behalten.

2. Thematische Fokussierung

Der „Nähe-Typ“ hat Sorge, dass seine Lieben nicht bleiben und ihn verlassen. Den joh Jesus treibt fortwährend die „Bleib-Sorge“ um, so dass er das μένειν wiederholt. Zudem frage ich mich: Hat der Exeget womöglich die Sorge, dass ich nicht beim Thema „Bleiben“ bleibe? Zumindest betont er den Aspekt als einen bedeutenden der Perikope. Er hat wohl recht: Dieser Aspekt ist zentral – nicht nur für Johannes, der die Gemeinde in enger Gemeinschaft und im liebenden Tun verbunden sehen will, sondern für uns Christ:innen, die dies fortführen wollen. Wir bleiben daher beim Bleiben in Jesus Christus und nähern uns diesem über zwei Wege an.

3. Theologische Aktualisierung

a) Die Aufforderung: Bitte, bleib!

„Bleib doch noch!“ bittet die/der Gastgeber:in – und wenn der Satz wiederholt wird, muss es ernst gemeint sein. Es wird in dem Glauben ausgesprochen, dass es auch für die Gäste zum Besten ist, wenn sie nicht gehen. Vielleicht ist es aber auch unvernünftig, den anderen aufzuhalten, vielleicht geht es nur um ihn selbst, da er sich um sein Alleinsein sorgt. Jesus fordert mit dem scharfen Bild vom Feuer die Jüngerinnen und Jünger auf, ihn nicht nur nicht zu verlassen, sondern in ihm zu bleiben. Das klingt drastisch, doch, so verdeutlicht die Exegese, Jesus will nicht mit Strafen drohen, sondern betonen, was möglich ist, wenn man in ihm bleibt: Tun, was Früchte bringt, und zwar diejenigen, die im Leben etwas bedeuten: Lieben und Glauben und Tun.

Jesus ist nicht ein Gastgeber, der seine Gäste nötigt, für ihn da zu sein – er muss sich ja selbst verabschieden. Doch Jesus wird nicht gehen, ja, er wird nicht einmal von seinem eigenen Abschied reden (s. o.), bis er nicht versucht hat, den Jüngerinnen und Jüngern verständlich zu machen, warum sie in ihm bleiben sollen. Sie sollen ihn kennen und erkennen, dass Gott sich um sie sorgt wie der Weingärtner um die Reben. Er will, dass sie ermächtigt werden, in der Gemeinde aus Liebe heraus zu handeln. Die Wiederholung des μένειν ist daher nie überflüssig, denn Christ:innen können wiederholt vergessen, dass sie zu „guten Früchten“ fähig sind.   

b) Die Herausforderung: ER kommt Dir nah, wenn Du bleibst.

Der Gast, der „nur noch auf ein Glas Wein“ bleiben soll, kann sich vom Gastgeber auch genötigt fühlen. Er will sich schließlich frei entscheiden, gehen zu dürfen. Das war nun genug Zusammensein für den Tag, genug Gemeinschaft, genug Nähe. Er verabschiedet sich, ein Händedruck oder eine Umarmung lassen noch einmal auch körperliche Nähe spüren, bevor er sich von dieser löst. Vielleicht ist er ohnehin der „Distanz-Typ“, der beim Zusammensein mit anderen an seine Grenzen kommt. Kommt Jesus nicht diesem Menschen „zu nah“, ja uns allen? Die In-ihm-sein-Metaphorik mag an die Mystik erinnern (s. o.) oder an andere Formen einer Nähe, die vielleicht ungewohnt sind für den Protestanten, der gemeinhin als freiheitsliebend gilt. Auch hat er womöglich ein anderes Gemeindeverständnis als das, das Johannes vor Augen hat. Nun fordert Jesus eine Gemeinschaft mit ihm, die durch enge Verbundenheit charakterisiert ist und im Lichte einer Liebe steht, die sich auf das Handeln in der Gemeinde überträgt. Zu viel des Guten bei zu viel Nähe? Jesus weiß, dass es nicht so ist, er wird den anderen gar nicht einengen können, denn er soll ja in seiner Freiheit agieren! Es ist Liebe, die nicht zu einer toxischen Beziehung führt, sondern zu einem mündigen Christsein. Diese soll auch das Leben in der Gemeinde prägen. Es kann sich nur um ein Missverständnis handeln, wenn die, die in Jesus bleiben, andere in ihrer Freiheit begrenzen. Die von Jesus und im Sinne der joh Gemeinde bedachten „Nähe-Typen“ werden anderen nicht drohen, wenn sie nicht in ihrer Gemeinschaft sein wollen, doch davon reden, dass es gut ist, in Gottes Nähe zu sein. Das ist weniger Mission (s. o.) als vielmehr die Ermunterung zu glauben, was möglich ist, wenn Gott wirklich ist.

Freiheit wird nicht beschränkt – was aber bestimmt nicht heißen soll, dass die gewisse Distanz, mit der man womöglich seine Gottesbeziehung und die zu seiner Kirche pflegt, nicht auch einmal herausgefordert werden kann! Auch wer nicht zu den Mystiker:innen zählt, mag es versuchen und sich der Bilder vom Weinbau in Fülle bedienen (s. 5. Anregungen).

4. Bezug zum Kirchenjahr

Nicht nur „Nähe-Typen“ feiern, wenn die eigene Einladung angenommen wird oder man selbst eingeladen ist: Jubilieren können wir heute alle! Wir werden ermutigt, Gottes Nahekommen und Nahsein und unser Bleiben in Freude zu gestalten. Das Versprechen, dass wir neu werden, wenn wir in ihm sind, ist feierwürdig! Der Wochenspruch (2 Kor 5,17) verdeutlicht: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

In der Apostelgeschichte verdeutlicht Paulus (Epistel: Apg 17,22-34), was es heißt, wenn Gott in der Nähe ist und wir in seiner: „[…] und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.“ (Apg 17,27f) Ähnlich wie der joh Jesus bemüht sich Paulus, dass seine Zuhörer ihn verstehen, nutzt hierbei kein Weinbau-Bild, knüpft aber an ihr Weltbild an und findet über das Weben ein sprechendes Bild. Einige verstehen ihn (vgl. Apg 17,34).

5. Anregungen

Jesu Umgang mit Bildern ist kreativ – wir könnten ähnlich schöpferisch werden. Was löst es aus, wenn ich mich ganz in seine Bilder hineingebe? Eine Predigt kann nicht nur die Weinbau-Bilder erklären – sie kann auf den Weinberg führen! Die Imaginationsfähigkeit kann stimuliert werden: Die Predigt kann den Weinberg so detailliert beschreiben, dass man durch ihn geht, Zweig, Blätter und Trauben berührt – bis das Bild den Perspektivwechsel durchläuft: Du bist die Rebe, die Du gerade noch bewundert hast. Du spürst die Wärme der Sonne und denkst an das Licht des Lebens (Joh 8,12), das Dich leuchten lässt, Du nimmst das Wasser auf und weißt um die Quelle, die Dich nicht mehr dürsten (Joh 4,14) und Dich das Leben in Dir spüren lässt. Du weißt um die Kraft, die Dir der Weinstock gibt, damit Du die Frucht bringen kannst, die Du selbst bist.

Autoren

  • Prof. Dr. Dr. h.c. Jörg Frey (Einführung und Exegese)
  • Dr. Sabine Joy Ihben-Bahl (Praktisch-theologische Resonanzen)

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