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Was ist neu?

Auf der Suche nach einer Übersetzung, die wissenschaftlich präzise und zugleich sprachlich treffend ist, hat auch Luther seine Bibelübersetzung immer wieder geprüft und überarbeitet. Auf eine sich verändernde Sprache Rücksicht zu nehmen und den Text immer wieder am aktuellen Stand der Forschung auszurichten, entspricht also den ureigenen Übersetzungsprinzipien des Reformators.

Auch die revidierte Lutherbibel 2017 als die vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland empfohlene Bibelübersetzung folgt diesem Grundsatz. Alle biblischen Texte einschließlich der Apokryphen wurden zuletzt in den Jahren 2010 bis 2015 umfassend geprüft und, wenn nötig, überarbeitet.

Die Änderungen am Text folgten dabei drei grundlegenden Kriterien:

  1. Genauigkeit
  2. Verständlichkeit
  3. Luthersprache

1. Genauigkeit
Die Treue gegenüber dem Ausgangstext war das zentrale Anliegen der Revision der Lutherbibel 2017. So wurde die gesamte Bibel anhand der hebräischen und griechischen Urtexte überprüft. Nicht zuletzt die Funde von Qumran haben im 20. Jahrhundert die Erkenntnisse der biblischen Textforschung erheblich vorangebracht. Häufig lässt sich heute die Überlieferung eines Textes mit größerer Exaktheit bestimmen. An anderen Stellen wiederum haben neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Fortschritten in der Textauslegung geführt.

Ein Beispiel für eine Stelle, an der durch die Revision der griechische Text genauer abgebildet wird als bisher, ist Matthäus 8,24:

Lutherbibel 1984
Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See, sodass auch das Boot von Wellen zugedeckt wurde.

Lutherbibel 2017
Und siehe, da geschah ein großes Beben im Meer, sodass das Boot von den Wellen bedeckt wurde.


2. Verständlichkeit
Sprache unterliegt einer ständigen Entwicklung. So haben im Lauf der letzten Jahrzehnte einzelne Begriffe ihre Bedeutung gewandelt oder sind aus dem allgemeinen Wortschatz verschwunden. Missverständliche und unverständliche Begriffe der 84er-Fassung wurden für die Lutherbibel 2017 behutsam angepasst. Ein Beispiel aus 1. Mose 35,17:

Lutherbibel 1984
Da ihr aber die Geburt so schwer wurde, sprach die Wehmutter zu ihr: fürchte dich nicht, denn auch diesmal wirst du einen Sohn haben.

Lutherbibel 2017
Da ihr aber die Geburt so schwer wurde, sprach die Hebamme zu ihr: Fürchte dich nicht, denn auch diesmal wirst du einen Sohn haben.


3. Luthersprache
Nach den Versuchen im 20. Jahrhundert, die Bibel nach Martin Luther zu modernisieren (mehr dazu hier), war es ein Anliegen der Revision 2017, das Profil Lutherbibel wieder zu schärfen. Im Verlauf der vorangegangenen Revisionen wurden vielfach ohne inhaltliche Notwendigkeit sprachliche Modernisierungen vorgenommen, die die kernige Sprache des Reformators verstellen. In Matthäus 12,34 übersetzte Luther selbst mit „Otterngezücht“, wobei der Zischlaut „Z“ wahrscheinlich eine lautmalerische Anspielung auf das Zischen der Schlange darstellt. Während man den Ausdruck in der Revision 1984 modernisiert hatte, kehrte die Lutherbibel 2017 wieder zu diesem Wortlaut zurück:

Lutherbibel 1984
Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.

Lutherbibel 2017
Ihr Otterngezücht, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.


Überprüfung aller Beigaben und Anhänge
Neben den eigentlichen Bibeltexten wurden auch sämtliche Begleittexte und Informationen gründlich überprüft und überarbeitet. Dazu gehören die verschiedenen Zwischenüberschriften, die Sacherklärungen, Landkarten und die angegebenen Verweise und Parallelstellen.

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Wie viel hat sich geändert?

Welches Maß an Veränderungen die Lutherbibel 2017 gegenüber der Fassung von 1984 aufweist, zeigt ein Blick in die Statistik: Von den rund 31.000 Versen des Alten und Neuen Testaments haben rund 12.000 Verse, also knapp 40 Prozent, eine Änderung erfahren. Bei den Apokryphen waren es mit rund 3.700 von 4.400 Versen sogar über 80 Prozent. Insgesamt weist die Lutherbibel 2017 also fast 16.000 (44 Prozent) Verse auf, die von der bisherigen Ausgabe abweichen.

Die Intensität dieser Veränderungen ist allerdings sehr unterschiedlich: Von geringfügigen Anpassungen in der Zeichensetzung über den Austausch einzelner Wörter bis hin zur vollständigen Neuübersetzung einzelner Verse reicht die Bandbreite der Bearbeitungen.

Präzisieren lassen sich diese Angaben durch einen Vergleich des Wortbestands zwischen der 1984er- und der 2017er-Fassung. Dabei wird deutlich, dass trotz der hohen Zahl veränderter Verse im Durchschnitt nur rund zehn Prozent der Wörter geändert wurden. Aufgrund der massiven Überarbeitung der Apokryphen liegt der Wert für Neues und Altes Testament allein sogar bei nur fünf Prozent.

Darüber hinaus ist festzuhalten, dass es sich bei rund einem Drittel der Änderungen um Korrekturen früherer Revisionen handelt. In vielen Fällen erfolgt dabei eine „Rückrevision“ zur Fassung von 1545, die nicht nur der Sprache Martin Luthers authentisch wiedergibt, sondern oftmals auch philologisch exakter ist als die letzten Revisionen.

Die Zahlen sind ein Beleg dafür, dass Eingriffe in den Text behutsam und in den meisten Fällen nur punktuell durchgeführt wurden. Die Tatsache, dass sich in fast der Hälfte aller Verse kleine bis größere Änderungen finden, zeigt aber auch, wie umfassend und gründlich die Bearbeiterinnen und Bearbeiter vorgegangen sind.

Bei all diesen Angaben handelt es sich um Durchschnittswerte. Menge und Intensität der Änderungen variieren nicht nur zwischen den Bibelteilen – Altes Testament, Neues Testament und Apokryphen –, sondern auch zwischen einzelnen biblischen Büchern und Kapiteln.

Einen Eindruck der Menge und Intensität der Änderungen zeigt der konkrete Vergleich zwischen der Lutherbibel 1984 und der Lutherbibel 2017. Daher haben wir für Sie hier Textbeispiele aus dem Neuen Testament (Matthäus 8), dem Alten Testament (Psalm 42) und den Apokryphen (Tobias 6) gegenübergestellt:


Sonderfall Apokryphen

Besonders umfangreich war die Überarbeitung der Apokryphen. Hier wurde erstmals durchgehend die Textfassung der Septuaginta zugrunde gelegt, die antike Übersetzung der alttestamentlichen Schriften ins Griechische. Dadurch musste in einigen Teilen auch die Verszählung neu erstellt werden. Wie umfassend die Änderungen in diesen biblischen Büchern waren, zeigt ein Blick auf den Wortbestand. Während sich trotz der Vielzahl der veränderten Verse der Wortbestand in Altem und Neuen Testament um lediglich 5 Prozent änderte, lag der Anteil in den Apokryphen bei über 30 Prozent. Weiteres zu den Apokryphen in der Lutherbibel finden sie hier.


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