500 Jahre Bibelübersetzung


500 Jahre Bibelübersetzung
Das Jahr 1521 war von großer Bedeutung, nicht nur für die Kirche, sondern auch für die deutsche Sprache, Literatur und Kultur. In diesem Jahr begann Martin Luther mit seiner Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche. Luther war überzeugt von der Idee einer Übersetzung für die Bedürfnisse der weniger gebildeten Menschen seiner Zeit, die zu den lateinischen Texten keinen Zugang hatten. Eine Bibel für das ganze Volk wollte er durch seine Übersetzungsarbeit stiften. Luthers Bibelübersetzung hat bedeutsame Spuren nicht nur in der deutschen Sprache hinterlassen, sondern seine Bibelübersetzung hat ermöglicht, dass sich Laien selbstständig mit dem biblischen Inhalt auseinandersetzen konnten und können. Was vor 500 Jahren auf der Wartburg einen Anfang nahm, verdient bis heute Erinnerung und braucht Aktualisierung. Denn nicht nur Sprache verändert sich, sondern auch der Zugang zu und der Umgang mit den Themen unserer Zeit erneuert sich stetig.
Entstehungsgeschichte
Ab ca. 900 v. Chr.: Erste schriftliche Überlieferungen
- Mündlich überlieferte Texte werden erstmals in Schriftform gefasst.
- Ältester bibelnaher Text: Teile des Aaronitischen Segens (4.Mose 6,24-26) auf den Amuletten von Ketef Hinnom (600 v. Chr.)
47 – 100 n. Chr.: Aus dem „Land der Bibel“ in umliegende Länder
- Die Reisen der Apostel, unter ihnen die von Paulus von Tarsus, tragen zur Verbreitung des christlichen Glaubens im Mittelmeerraum bei.
- Die ersten Schriften des Neuen Testaments, die Paulusbriefe und Berichte über das Leben Jesu, entstehen.
3. – 4. Jahrhundert n. Chr.: Von Einzelschriften zu einer Bibel
- Die Auswahl der Schriften des Neuen Testaments wird in mehreren kirchlichen Konferenzen (Synoden) verbindlich festgelegt und in eine Reihenfolge gebracht.
- 350 n. Chr. entsteht die älteste heute erhaltene Handschrift des Neuen und von Teilen des Alten Testaments: der Codex Sinaiticus.
10. – 15. Jahrhundert n. Chr.: Aus den Ursprachen ins Deutsche
- Es entstehen rund 70 Übersetzungen der Bibel und von Bibelteilen ins Deutsche. Aufgrund ihrer wortwörtlichen Übertragung aus der lateinischen Vulgata bleiben sie für einen Großteil der Menschen unverständlich.
1521/1522 n. Chr.: Martin Luther übersetzt das Neue Testament
- Januar 1521: Worms
Papst Leo X. schließt Luther aufgrund seiner Reformschriften aus der Kirche aus.
Im April 1521 verhängt Kaiser Karl V. auf dem Reichstag in Worms die Reichsacht über Luther.
- Mai 1521 – März 1522: Wartburg
Luther wird auf Anweisung von Kurfürst Friedrich des Weisen auf die Wartburg bei Eisenach in Sicherheit gebracht. In kurzer Zeit übersetzt er das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche.
- September 1522: Wittenberg
Mit dem fertigen Manuskript im Gepäck kehrt Luther im März 1522 nach Wittenberg zurück. In einer hohen Auflage von 3.000 Exemplaren wird das »Septembertestament« gedruckt.
Verbreitungsgeschichte
1522 n. Chr.: „Dem Volk aufs Maul schauen“
In 11 Wochen übersetzt Luther das Neue Testament in ein verständliches Deutsch. Grundlage dafür ist das Neue Testament in der griechischen Ursprache. Im Herbst erscheint das »Septembertestament«. In den folgenden Jahren arbeitet er mit einer Gruppe von Kollegen an der Übersetzung des Alten Testaments, das 1534 erscheint.
1546 – 1863 n. Chr.: Viele Lutherbibeln und ihre Revisionen
Nach Luthers Tod im Jahr 1546 werden immer wieder Textänderungen vorgenommen. Um 1800 sind mindestens elf verschiedene Lutherbibel-Versionen im Umlauf. Die Evangelische Kirche beschließt 1863 eine offizielle Überarbeitung zu einem einheitlichen Text. Es folgen weitere Revisionen, zuletzt 2017 zum 500-jährigen Reformationsjubiläum.
1710 n. Chr.: Bibelverbreitung weltweit
In den Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) gründet Freiherr von Canstein die erste Bibelgesellschaft der Welt, ihr Ziel: günstige Bibeln für die Bevölkerung. Die Bibelverbreitung weltweit zu fördern, verfolgt die Britische und Ausländische Bibelgesellschaft, gegründet 1804 als karitative Organisation. Weltweit entstehen bis heute Bibelgesellschaften in über 140 Ländern.
1971 n. Chr.: Von der Erde auf den Mond
Als die Raumfähre der Apollo-14-Mission am 5. Februar 1971 auf dem Mond landet, sind auch Bibeln an Bord. Die beiden ersten Versuche scheiterten bei den Missionen Apollo 12 und 13. Doch diesmal ist eine King-James-Bibel mit 1.245 Seiten auf einem Mikro-Format von 4,1 Zentimeter Größe auf dem Mond.
2024 n. Chr.: In 3872 Sprachen weltweit
Die Bibelübersetzung Martin Luthers gab den Impuls für Bibelübersetzungen auf der ganzen Welt. Im Jahr 2024 (Stand der aktuellen Statistik 2026) haben etwa 7,96 Milliarden Menschen Zugang zur Bibel in ihrer Muttersprache. In 3.872 Sprachen gibt es mindestens ein biblisches Buch. Damit sind es aktuell rund 3.526 Sprachen, in denen noch kein Teil der Bibel übersetzt ist.
500 Jahre Bibelübersetzung auf der Wartburg
500 Jahre nach Luthers Übersetzung des Neuen Testaments, im Jahr 2021, wurde auf der Wartburg wieder Bibel "übersetzt".
Die Eichendorff-Preisträgerin Iris Wolff, der Heinrich-Mann-Preisträger Uwe Kolbe und der Adelbert-von-Chamisso-Preisträger Senthuran Varatharajah wagten ein ungewöhnliches Experiment: An authentischer Stätte direkt neben Luthers Schreibstube residierten sie im Jahr 2021 für jeweils vier Wochen auf der Wartburg. Dort führten sie einen inneren Dialog mit Luthers Bibel und verfassten jeweils einen literarischen Text.