Johannes 12,44-50 | 1. Sonntag nach dem Christfest | 31.12.2023
Einführung in das Johannesevangelium
Das Johannesevangelium ist wie ein Fluss, in dem ein Kind waten und ein Elefant schwimmen kann.
Robert Kysar
Das Evangelium „nach Johann
Joh ist wie Mk eine kerygmatische Erzählung vom Wirken, Sterben und Auferstehen Jesu, d.h. ein Evangelium
Joh enthält eigentümliche Stoffe (Prolog, Abschiedsreden, ausgedehnte Reden und Dialoge Jesu mit Nikodemus, der Samaritanerin oder Pilatus), Erzählungen wie das Weinwunder (Joh 2
1. Verfasser
Das „Evangelium nach Johannes“ ist wie alle kanonischen Evangelien anonym überliefert. Die Überschrift ist im 2. Jh. nachgetragen. Traditionell wurde es ab dem späten 2. Jh. dem Apostel und Zebedaiden Johannes zugeschrieben, der mit der Figur des „Jüngers, den Jesus liebte“ (Joh 13,23
Aufgrund von Stoff, Sprache und erzählerischer Gestalt ist allerdings höchst unwahrscheinlich, dass der galiläische Fischer im hohen Alter das Werk verfasst hat. Und selbst wenn er der Autor wäre, wäre schwer erklärlich, warum es sich von der älteren Tradition so unterscheidet.
Nur das wohl als ‚Nachtrag‘ angefügte Kapitel 21
Schriftzitate und Anspielungen belegen eine gute Kenntnis des AT, das aber höchst selektiv benutzt wird. Analog ist auch für die übrigen Traditionen eine sehr eigenständige Verwendung anzunehmen. Nichts ist nur ‚abgeschrieben‘, Joh 20,30f
2. Adressaten
Das Joh ist wohl in Gemeindekreisen entstanden, die auch in 1-3Joh
Nach den Abschiedsreden erscheinen die Adressaten selbst verunsichert ‚in der Welt‘, so dass Jesu Wort und das ganze Joh im Durchgang durch die Geschichte Jesu eine Antwort darauf bietet. Zugleich ist das Joh nicht nur als konkretes Wort an einen begrenzten, gar ‚sektiererisch‘ abgeschlossenen Gemeindekreis zu lesen, vielmehr zielt es auch auf Lesende in einem weiteren Rahmen, ja auf die Welt der Bücher, wenn es in 1,1
3. Entstehungsort
Die Herausgabe des Evangeliums wird seit der altkirchlichen Tradition in Ephesus
4. Wichtige Themen
Wichtige Themen der exegetischen Interpretation sind die hohe Christologie: Jesus ist der eine Offenbarer Gottes, ja er ist ‚Gott‘. Er gibt Leben, gibt den Geist. Sein Tod ist ‚Vollendung‘ der Schrift und des Willens Gottes (19,30
5. Besonderheiten
Das Joh will, dass seine Leser:innen besser und tiefer verstehen. Diesem Ziel dient die literarische Ausgestaltung durch ein eine Vielzahl literarischer Gestaltungsmittel: die Vor-Information durch den Prolog lässt die Leserschaft stets ‚wissender‘ sein als die textlichen Figuren, deren ‚dumme‘ Fragen oft Verwunderung auslösen. Die Wundergeschichten sind durch textliche Verweise so ausgestaltet, dass sie nie nur als Bericht eines vergangenen Ereignisses gelesen werden können, sondern stets auf das Ganze des Heilsgeschehens bezogen sind. Explizite und implizite Erzählerkommentare und Erläuterungen lenken den Blick auf textliche und theologische Bezüge. Narrative Figuren bieten Identifikationsangebote und provozieren durch ihre Ambivalenz zur Stellungnahme. Miteinander vernetzte, z.T. breit symbolisch ausgestaltete Metaphern (wie Wasser, Brot, Hirte, Weinstock, aber auch Geburt, Familie, Tempel, Garten) verstärken das Wirkungspotential des Textes und laden die Lesenden ein, ihn „zu bewohnen“ (Ricœur). Als subtiler literarischer Text spiegelt das Joh nicht nur die hohe Kunst seines Autors, sondern wurde selbst zur Weltliteratur.
Literatur:
- Meyers KEK: Jean Zumstein, Das Johannesevangelium, Göttingen 2016; C.K:Barrett, Das Evangelium nach Johannes, Üs. H. Balz (KEK Sonderband), Göttingen 1991.
- Martin Hengel, Die johanneische Frage, WUNT 67, Tübingen 1993.
- Jörg Frey, Die Herrlichkeit des Gekreuzigten. Studien zu den johanneischen Schriften 1, WUNT 307, Tübingen 2013: https://www.mohrsiebeck.com/buch/die-herrlichkeit-des-gekreuzigten-9783161527968?no_cache=1
- Francis Moloney, The Gospel According to John, Sacra Pagina 4, Collegeville MN 1998; Marianne Meye Thompson, John: A Commentary, NTL, Louisville KN 2015.
A) Exegese kompakt: Johannes 12,44-50
Zwischenbilanz: Am Ende stehen «Licht» und «Leben»
Übersetzung
44 Jesus aber rief: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat, 45 und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. 46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe. 47 Und wenn jemand meine Worte hört und sie nicht bewahrt, dann richte nicht ich ihn. Denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten. 48 Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, der hat [schon] seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, das wird ihn richten am letzten Tag. 49 Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir das Gebot gegeben, was ich sagen und was ich reden soll. 50 Und ich weiss, dass sein Gebot ewiges Leben ist. Was [auch immer] ich also rede: Wie der Vater mir gesagt hat, so rede ich.
1. Fragen und Hilfen zur Übersetzung
V. 44: κράζω:laut ausrufen, proklamieren
V. 47f.: κρίνω: richten im Sinne von aburteilen, das Todesurteil sprechen
V. 49: ἐντολή: Gebot, aber hier: Auftrag (im Kontext des Gesandtenrechts)
V. 50b: ἃ οὖν ἐγὼ λαλῶ: Das Objekt des Satzes ist vorangestellt (entsprechend einem hebr. ‚Casus pendens‘).
2. Literarische Gestalt und Kontext
Der Abschnitt steht als ‚Epilog‘ am Ende des Teils, in dem das Joh vom öffentlichen Wirken Jesu berichtet. Ab 13,1
Der Abschnitt bietet keine ganz kohärente Rede, sondern eher eine Folge eigenständiger Sprüche:
V. 44f
- 44: hinsichtlich des Glaubens
- 45: hinsichtlich des Sehens
V. 46f
- 46: positiver Zweck: aus der Finsternis zum Licht bringen
- 47a: negiert: Negation jeder negativen (richterlichen) Tätigkeit Jesu
- 47b: positiver Zweck: gekommen, um zu retten.
V. 48-50a
- V. 48: Explikation der negativen Aussage V. 47a: Nicht Jesus richtet, sondern sein Wort.
- V. 49: Begründung: Jesu Wort ist nicht ‚eigenmächtig‘, sondern gründet im Gebot des Vaters
- V. 50a: Positive Explikation: Das Gebot (= der Auftrag) des Vaters „ist“ ewiges Leben.
3. Historische Einordnung
Die Aussagen haben Parallelen in ganz Joh 1-12
Die Perspektive ist die des Rückblicks auf Jesu ganzes Wirken. Eine andere, hier vergleichbare Bilanz findet sich dann noch einmal im Abschiedsgebet Jesu Joh 17
4. Schwerpunkte der Interpretation
Zentral ist zunächst die Gesandtenvorstellung: Der Gesandte repräsentiert den Sendenden. Er ist vom Sender beauftragt und zugleich bevollmächtigt. Auf Jesus bezogen: Was der Vater ihm zu sagen vorgibt, sagt er (V. 50
Im Rückblick auf Jesu Wirken ist nicht zu übergehen, dass manche Menschen seine Worte zwar hören, aber nicht bewahren (bzw. nach 12,38-41
5. Theologische Perspektivierung
Worauf zielt das Kommen, die Sendung Jesu, und was hat sie den Menschen bzw. uns ‘gebracht’? Die Antwort bei Joh ist (metaphorisch) Licht und (umfassend) Leben. Diese Frage lässt sich (im Kirchenjahr) zurück auf das Christfest hin beziehen, aber auch am Jahreswechsel auf Rückblick und Vorausblick:
Die Grundbewegung des Heilsgeschehens ist positiv: Gottes Gebot, sein Auftrag an Jesus und dessen Werk sind unzweideutig lebensfördernd: Gottes Lebensmacht, ‚ewiges Leben‘ soll sich ausbreiten. Jesus selbst ist als Licht (vgl. 8,12
Das Rätsel des Unglaubens (und damit des Gerichts) bleibt. Aber Joh lässt nicht zu, dass dieses Thema dominant wird. Gott und sein Wirken soll nicht ambivalent erscheinen, sondern undualistisch positiv, auf Leben ausgerichtet. Der Gott, der sich in Jesu Wirken und Geschick offenbart hat (vgl. 1,18
B) Praktisch-theologische Resonanzen
1. Persönliche Resonanzen
Dass unser Text, ja, die Botschaft Jesu im gesamten Johannesevangelium „unzweideutig lebensfördernd“, alles Reden und Wirken und Sein Jesu „auf Lebensmitteilung hin ausgerichtet“ sei, ist – unzweideutig – gut zu lesen und zu hören! Leben wird nicht begrenzt gewährt, sonst wäre es ja nicht das göttliche Leben, an dem wir teilhaben können – dies erschließt mir die Exegese und nimmt mich mit in den johanneischen Gedanken einer Lebensfülle ohne Abstriche. Leben wird von Gott „gegönnt“, und die Verweigerung der Annahme der Botschaft relativiert dieselbe nicht. Die Exegese lässt keinen Zweifel an der rundweg positiven Ausrichtung, was ein überraschend eindeutiger Befund ist: Denn auch wenn Theologiestudierende heute nicht mehr lernen, dass es sich bei der johanneischen Gemeinde um ein gnostisches Grüppchen handelt, das sich dem Leben um sich herum verschließt und meint, einen Kampf von Licht und Finsternis in einer Weise ausfechten zu müssen, als ob es sich dabei um zwei gleich starke Mächte handele, wird dieser uneingeschränkte Heils- und damit letztlich Lebenswillen im Johannesevangelium selten so stark gemacht wie hier. Die Trias von Leben, Licht und Liebe ist durchsetzungsstark und ruft auf, selbst zum Licht zu werden und sich zum Lieben bereitzumachen – Licht und Liebe sollen erkennbar gelebt werden.
Wir meint übrigens – auch das eröffnet die Exegese – uns als Angesprochene, nicht nur mittelbar: Dass das vierte Evangelium ohnehin durch die nachösterliche Perspektive bestimmt ist und wir uns mit denen gemeint wissen dürfen, die geistgewirkt erkennen können, was die Jünger nachösterlich erkennen sollten und auf was die mitgemeinte johanneische Gemeinde aufbaut, kommt, so der exegetische Befund, besonders stark darin zur Geltung, dass die Adressaten nicht explizit benannt werden und dennoch deutlich wird, dass Jesus – und zwar laut (κράζω)! – diejenigen anspricht, für die das uneingeschränkte Leben eine gültige Zusage darstellt: für die glaubenden Leser und Hörerinnen.
2. Thematische Fokussierung
Von richtenden und prophetischen Worten
Der buchstäbliche Ruf Jesu zum Leben, die Zusage, dass ich mir Leben „gönnen“ soll, da Gott es mir gönnt, kann durchaus meine Predigt durchziehen. Zugleich verdeutlicht die Exegese, dass Jesus das innerhalb des johanneischen Verständnisses auch versprechen darf, dass er die volle Berechtigung hat, weshalb er sie in unserem Text nicht mehr verteidigen muss: Als „bevollmächtigter Gesandte[r]“ tritt der legitimiert auf, der Gott repräsentiert in Bezug auf das Sehen, Glauben und Reden. Und doch ist zugleich eine Grenze gesetzt: Geglaubt wird schließlich an Gott. Dabei ist die Repräsentation durch das Reden des Bevollmächtigten eine durch die Exegese erschlossene Erkenntnis, die womöglich auch diejenigen aufhorchen lässt, die sich schon einmal mit der Lehre von den „Ämtern Jesu“ auseinandergesetzt haben und neben
1) einem versöhnenden, rettenden Priester und
2) dem herrschenden, richtenden König
3) auch an ein prophetisches Amt Jesu denken, wie es insbesondere die reformierte Tradition betont hat.
Dieses Amt ist innerhalb der Theologie reformierter Herkunft zudem als dasjenige bedacht worden, das sich der verkündigende Christenmensch selbst zu eigen machen kann: Das unzweideutige Wort vom unbeschränkten Lebenswillen und Lebenswunsch Gottes ist auch von ihm oder von ihr – von uns – auszurufen. Jesus wurde zuerst laut, als er das Leben verhieß, das er selbst ist, und so in seiner – nicht geradlinigen Rede – dennoch das entscheidende Wort eröffnet. Der Text kann damit zugleich im johanneischen Horizont den „zusammenfassenden Kommentar zum ganzen Wirken Jesu“ abbilden.
3. Theologische Aktualisierung
Ein Kommentar über Jesu Leben – und über meins
Nur sieben Verse, 156 Worte als „Kommentar“ über Jesu gesamtes Leben und seine Lebensaufgabe? Das ist ja eine twittermäßige (bzw. nun "X"-mäßige) Kürze! Auch eine Verkürzung?
Alltäglich und zunehmend werden wir gewahr, dass alles kommentiert wird, was wir tun, tun wollen, tun könnten. Gelobt oder getadelt – es wird bewertet. Gerne lassen wir aber auch uns bewerten,und ein großer Teil des digitalen Seins besteht im Darstellen von Kommentierungswürdigem – und wenn es nicht kommentiert wird, was ich doch teilen wollte, um die Reaktionen zu sehen, dann verunsichert das. Und nein, das ist kein Problem, das lediglich der „jüngeren Generation“, Gen Y oder der Gen Z, angelastet werden kann – ein unkommentierter Status zum jüngsten Erfolg, der doch aber nachweisbar gesehen wurde von der eigenen Tochter, lässt auch die Älteren unbefriedigt zurück. Verständlich ist das auch, denn wer die Social Media nutzt, will doch kommunizieren, und d.h. nicht zuletzt auch kommentieren und etwas und letztlich sich kommentieren lassen.
„Und was könnte als zusammenfassender Kommentar über Dein Leben und Wirken stehen?“ – Das nun ist eine große, mächtige, aufwühlende Frage und nicht leicht zu beantworten. Unkommentiert bleibt sie aber nicht, die Frage nach dem eigenen Leben, dem ganzen Leben und nicht nur nach dem Ausschnitt, den ich hier und da preisgebe. Unkommentiert bleibt das Leben nicht – zumindest nicht im Horizont eines Glaubens an einen Gott, der mir bedingungslos positiv Leben mitteilt und unzweideutig positiv mein Leben und jedes Leben wertet, während ich mich dem immer wieder verschließe. Auch diese eben formulierte Hoffnung ist kurz wie ein Post im Netz und gehört doch zugleich in den Bereich des „eschatologisch gültige[n] Wort[es]“, das Jesus mitteilt und ich aktualisieren will. Kommentarmächtig bin ich auch, ja bevollmächtigt, das Wort weiterzusagen.
Ein weitreichender Kommentar Das hat weitreichende Konsequenzen. Es kann dann augenscheinlich nicht genügen, Belanglosigkeiten auszurufen oder virtuell abzusetzen: Wenn ich vom Leben predige, das Gott uneingeschränkt gönnt, muss z.B. die Frage erlaubt sein, mit welcher Begründung dieses dann eingeschränkt werden kann: Darf ich einem tierischen Lebewesen das Leben nehmen? Oder ist diese Frage als eine zu große zurückzustellen, oder zugunsten der Debatte darum, wie sein Leben wenigstens würdig beendet wird, zumindest in den Blick zu nehmen? Wie spreche ich angemessen und handlungsmotivierend von dem johanneischen Lebenszeugnis Jesu, wenn sich doch offenkundig die Würde von Menschenleben in aller Welt noch täglich behaupten muss gegen die Begierden und Ziele anderer Menschen? „Unzweideutig lebensfördernd“ ist der Mensch nun einmal nicht und geschöpfliche Grenzen sind ihm gesetzt – doch ist ihm aufgetragen, daran mitzuwirken, dass Leben als wertvoll erachtet wird und der Raum dafür – präsentisch oder digital – genutzt wird, miteinander zu erschließen, wie jegliches Leben lebensfördernd statt lebensverneinend gestaltet werden kann. Das Lautwerden Jesu soll nicht verhallen.
4. Bezug zum Kirchenjahr
Wir haben es in Bezug auf den 1. Sonntag nach dem Christfest mit einem Sonntag zu tun, der hoffentlich nicht im Kirchenjahr untergeht, auch wenn er „ungünstig“ zwischen Weihnachten und dem Altjahresabend liegt und in diesem Kirchenjahr auf den 31.12. fällt. Unser Text ist ein Kommentar zum Leben und Wirken Jesu – und der Sonntag kann liturgisch in einer Weise gestaltet werden, dass beleuchtet wird, was das Kirchenjahr zusammenhält: vom Kind in der Krippe bis zu seinem Tod und seiner Auferstehung – ein Wirken, das geistgewirkt sich erhält und die Kirche immer wieder von Neuem entstehen lässt. Dem Systematischen Theologen Gerhard Sauter zufolge ist das Christusereignis so „überreich“, dass man es geradezu in unterschiedliche Feste aufsprengen musste.[1] „Menschliches Reden kann an der mitgeteilten Fülle Gottes nur so teilhaben, daß es eins nach dem anderen sagt.“[2] Die Feste seien aber eben nicht als „Wegstrecke“ durch das Jahr zu charakterisieren, sondern immer als dogmatische „Einheit“.[3] Kein stetiges Mitgehen mit dem Lauf der Welt fänden wir vor, mit dem „Werden und Vergehen“ der Natur, auch wenn dieser Gedanke oft stark gemacht würde, vielmehr implizierten die Christusfeste einen „Gegenrhythmus“ zu dem, das den alltäglichen Kreislauf unterbrechen könne.[4] Damit stellt auch – beziehen wir Sauters Überlegung zum Kirchenjahr auf unseren Text – der johanneische Christus ein Gegengewicht dar, indem er Leben in einer Weise verspricht, dass alles lebensfeindliche Treiben in der Welt erkennbar wird. Dazu dient auch ein Innehalten, in dem mir bewusst wird, wann Worte selbstrichtende Worte waren. Nach dem Weihnachtsfest und vor dem Ende des Jahres steht für uns die Zwischenbilanz vom Glauben und Sehen und Reden an – für all das ist Jesus Repräsentant: Stellt der Text einen Kommentar über sein Wirken dar, impliziert das zugleich den Kommentar über unser Leben – und der ist positiv. Diese Botschaft ist klar und deutlich zwischen Weihnachten und Altjahresgottesdienst hörbar zu machen – es sei uns gegönnt
[1] „Die Wahrnehmung der Gegenwart Gottes in Jesus Christus ist so überreich, daß sie nicht mehr in einem einzigen Fest untergebracht werden kann. Sie muß, ebenso wie im Bekenntnis, entfaltet werden.“ G. Sauter, „Kein Jahr von unserer Zeit verflieht, das dich nicht kommen sieht“. Dogmatische Implikationen des Kirchenjahres, in: P. Cornehl/M. Dutzmann/A. Strauch (Hg.), „…in der Schar derer, die da feiern“. Feste als Gegenstand praktisch-theologischer Reflexion, Göttingen 1993 (56-58), 63 (HiO).
[2] AaO, 64 (HiO).
[3] Vgl. aao, 63 (HiO).
[4] Vgl. aaO, 66f.
Autoren
- Prof. Dr. Jörg Frey (Einführung und Exegese)
- Dr. Sabine Joy Ihben-Bahl (Praktisch-theologische Resonanzen)
Permanenter Link zum Artikel: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/500009
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