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Spätschriften/Apokryphen

Aufbau der Spätschriften des Alten Testaments

Dieser Bücher stammen aus der griechischen Bibel, der sogenannten »Septuaginta«. Es handelt sich um zusätzliche Bücher, die neben den aus dem Hebräischen übersetzten Bücher des Alten Testaments in die griechische Bibel aufgenommen wurden. Zu den Spätschriften gehören die Bücher Tobit, Judit, Weisheit Salomos, Jesus Sirach, Baruch und die beiden Makkabäerbücher sowie Stücke zum Esterbuch und zum Danielbuch.

In der katholischen Kirche nennt man sie »Deuterokanonische Schriften«, weil sie zu einem »zweiten Kanon« gehören (von griechisch deuteros »der Zweite«). Martin Luther hat sie unter dem Titel Apokryphen (»verborgene Schriften«) an das Ende des Alten Testaments gestellt. Er hielt sie nicht für so zentral wie die anderen kanonischen Bücher, aber doch für »nützlich und gut zu lesen«. Deshalb sollten Christen auch diese Bücher in ihrer Bibelausgabe finden.

Zu den geschichtlichen Büchern gehören Tobit, Judit und die Makkabäerbücher. Bei Tobit und Judit handelt es sich um erbauliche Erzählungen, die Einblick in das Leben der Juden geben, die in andere Gegenden »zerstreut sind« (Diaspora). Die Makkabäerbücher berichten vom Widerstand des jüdischen Gemeinwesens gegen die Umwandlung des Jerusalemer Tempels in ein Zeus-Heiligtum. Einem der jüdischen Freiheitskämpfer, der den militärischen Aufstand anführten, wurde der Beiname »Makkabäus« gegeben (von aramäisch makkaba »Hammer«). Danach wurde die ganze Widerstandsbewegung als »Makkabäeraufstand« bezeichnet. Zu den poetischen Büchern gehören die Weisheit Salomos und Jesus Sirach, die der spätbiblischen Weisheit zugerechnet werden. Das Buch Baruch, das nach dem Schreiber des Propheten Jeremias benannt ist, zählt zu den prophetischen Büchern und ist in der griechischen Bibel hinter dem Jeremiabuch eingeordnet.

Eine Sonderrolle spielen die Stücke zu Ester und Daniel. Dabei handelt es sich um griechische Textabschnitte, die in den Text der aus dem Hebräischen übersetzten Bücher Ester und Daniel eingefügt wurden. Beim Danielbuch handelt es sich um das »Gebet des Asarja« und den »Gesang der drei Männer im Feuerofen« (Ergänzungen zu Daniel 3) sowie um die ans Ende gestellten Erzählungen von »Susanna im Bade« und von »Bel und dem Drachen«. Nur in der Lutherbibel wird – als Abschluss des Alten Testaments – das Bußgebet des Königs Manasse ans Ende gestellt, dessen Herrschaft in den Königebüchern sehr negativ beurteilt wird (2. Könige 21,1-18; vgl. 2. Chronik 33,11-13).

In der Wissenschaft und den christlichen Kirchen finden die Spätschriften des Alten Testament zunehmende Beachtung. Sie sind wichtige Zeugnisse, die nahe an die Zeit Jesu heranreichen und dabei helfen, die Situation des Judentums zur Zeit seines Auftretens besser verstehen. Die gilt im Besonderen für die Weisheit Salomos, die als späteste Schrift zwischen 30 v. Chr. und 30 n. Chr. entstanden sein dürfte. Es ist wahrscheinlich, dass Paulus diese Weisheitsschrift bei der Abfassung des Römerbriefs gekannt und benutzt hat.

die-Bibel.dev.4.20.14
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