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Kalenderrechnung, christliche

(erstellt: Februar 2022)

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1. Der Kalender als alltägliches Hilfsmittel

1.1. Termine als Fixpunkte

Der tägliche Blick auf den Kalender, die Terminerinnerung des Smartphones, ein flaues Gefühl vor einem Prüfungstag oder die Freude auf ein bestimmtes Ereignis gehören zum menschlichen Alltag. Das Festlegen von Terminen wird dabei als hilfreich empfunden, da unnötige Unsicherheit oder Wartezeit vermieden werden kann. Termine bieten Sicherheit und Struktur. Andererseits empfindet man die Terminflut gerne als lästig und freut sich über terminfreie Tage oder Urlaubswochen. In der Phase vor allem des ersten Corona-Lockdowns 2020 wurde jedoch auch deutlich, dass ein Fehlen von Terminen schnell zu Unzufriedenheit führt.

In der Regel nimmt man die Termine inhaltlich oder emotional (→ Emotionale Bildung) im Bewusstsein auf. Die zeitliche Fixierung eines Tagesordnungspunktes dagegen wird meist rein organisatorisch verbucht. Auch die Vorbereitung auf einzelne Ereignisse wird bei der Zeitplanung mit eingerechnet, wie beispielsweise in der Adventszeit auf Weihnachten. Dass das erste Türchen des Adventskalenders aber häufig erst nach dem Entzünden der ersten Kerze am Adventskranz geöffnet werden darf, wird bereits von kleinen Kindern (→ Kinder/Kindheit) als störend empfunden – nicht nur wegen der erwarteten Überraschung. Auch die Diskrepanz der unterschiedlichen Berechnungen der 24 absoluten Kalendertage im Dezember im Gegensatz zu den vier Adventssonntagen und den übrigen Tagen bis zum 24. Dezember erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Das beginnende Bewusstsein für unterschiedliche Arten, die → Zeit zu messen, wird schließlich am Silvestertag noch verstärkt. Bereits um 11.00 Uhr MEZ wird in Samoa aufgrund der Zeitverschiebung das Neue Jahr eingeläutet, um 13.00 Uhr MEZ des Neujahrstages feiern schließlich die letzten Südseeinseln auf der anderen Seite der Datumsgrenze den Jahreswechsel. Folgt man der öffentlichen Berichterstattung in Internet und Fernsehen, dann wird am Silvestertag bedingt durch die Erdrotation die Relativität von Terminen und Daten offensichtlich.

1.2. Konfrontation mit anderen Zeitrechnungen im Alltag

Spätestens im Zusammenhang mit dem Neujahrsfest rückt jedes Jahr ins Bewusstsein, dass die im deutschsprachigen, westeuropäischen Kontext vorherrschende Zeitrechnung nach dem gregorianischen Kalender nicht die einzige Zeitrechnung auf der Welt ist. Einige Wochen nach dem Silvestertag finden sich in der Nachrichtenerstattung Berichte über das Chinesische Neujahrsfest, das an einem Neumond zwischen dem 21. Januar und 21. Februar gefeiert wird. Nicht nur der Termin unterscheidet sich aufgrund der Orientierung am Mond, sondern auch die Benennung der Jahre, die nach Erdzweigen, Himmelsstämmen und einem Sechzigjahreszyklus erfolgt. Das in den Weltnachrichten häufig besprochene muslimische Zuckerfest und der vorausgegangene Ramadan haben keinen festen Termin im Jahr – auch hier orientiert sich das Zeitfenster an der Bahn des Mondes, die im Kalenderjahr des gregorianischen Kalenders variabel ist. Dass der Beginn der Zeitrechnung im Islam gegenüber dem gregorianischen Kalender auch verschoben ist und im Jahr der Hidschra Mohammeds beginnt, bleibt dabei noch häufig außerhalb des allgemeinen Bewusstseins (von den Brinken, 2000, 39-42).

1.3. Variable Feste im christlichen Kulturkreis

Nach einem Fest, das keinen festen Termin im Jahr hat, muss nicht in anderen Religionen und Kulturkreisen gesucht werden. Im Christentum selbst finden sich sogar für dasselbe Fest (→ Feste und Feiern, liturgisch) unterschiedlich berechnete Termine. Die orthodoxen Kirchen feiern nur dann gemeinsam mit den übrigen Christen die → Auferstehung Christi, wenn die astronomischen Bedingungen der julianischen und gregorianischen Oster-Kalenderberechnungen (erster Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond) zum gleichen Resultat führen.

Wie im profanen Bereich häufig an der Terminierung der Schulferien ablesbar ist, hängt darüber hinaus das Pfingstfest ebenso wie die Termine der Hochfeste Christi Himmelfahrt und Fronleichnam vom Osterfest ab. Da dieses zwischen dem 22. März und dem 25. April gefeiert werden kann, findet das Pfingstfest – seinem griechischen Namen Pentekoste entsprechend – am 50. Tag der Osterzeit, zwischen dem 10. Mai und dem 13. Juni, statt.

2. Die christliche Kalenderrechnung

Für die christliche Kalenderrechnung war das Osterfest als jährlich wiederkehrendes Ereignis (zyklische Zeitvorstellung) ebenso bedeutend wie die Auffassung von einer gemeinsamen Geschichte Gottes mit seinem Volk, einer linearen Zeitvorstellung vom Beginn der Welt bis zu deren Untergang (Bieritz, 2014, 23-25; Maier, 2000, 24-25; von den Brinken, 2000, 3-4). Die Berechnung des christlichen Osterfesttermins und die innerkirchlichen Auseinandersetzungen darum waren die Voraussetzungen für eine christliche Beschäftigung mit dem Kalender.

2.1. Die frühen Christen zwischen römischem und jüdischem Kalender

Der von C. Julius Caesar reformierte römische Kalender war der Rahmen, in dem das Christentum entstand. Dieser wurde mathematisch und astronomisch nie angezweifelt und erst Ende des 16. Jahrhunderts durch Papst Gregor XIII. in Feinheiten korrigiert auf die heutige gregorianische Kalenderrechnung (ausführlich bei Steinmetz, 2011, bes. 46-52;120-130). Der römische Kalender orientierte sich am Sonnenjahr und hatte 365 Tage und einen Schalttag in jedem vierten Jahr. Elf Monate mit 30 und 31 Tagen sowie der Februar mit 28 Tagen waren hier bereits grundgelegt. Caesar ließ den Jahresbeginn vom älteren Termin im März, der die Monatsbezeichnungen September (lat. septem: sieben), Oktober (lat. octo: acht), November (lat. novem: neun) und Dezember (lat. decem: zehn) erklärt, auf den ersten Januar legen (Geerlings, 2002, 119-121; Vogtherr, 2012, 42-47; eine gute Übersicht zum Julianischen Kalender findet sich bei Grotefend, 2007,141).

Das Christentum verstand sich zunächst als Fortentwicklung des Judentums und orientierte sich bei der Berechnung des Osterfestes am jüdischen Pesach-Fest, da das letzte Abendmahl Jesu das dazu gehörige jüdische Sedermahl war. Der komplexe jüdische Mondkalender mit einem aufwändigen Feiertagsgerüst hat dementsprechend das christliche Denken ebenso geprägt wie der Julianische Kalender. Der jüdische Kalender rechnet mit zwölf Monaten, die sich am Lauf des Mondes orientieren (von den Brinken, 2000, 35-39; Vogtherr, 2012, 47-55). Der griechische Astronom Meton (viertes Jahrhundert v. Chr.) begründete einen nach ihm benannten 19-jährigen Zyklus, in den sieben 30-tägige Schaltmonate eingefügt werden, um den Mondkalender an das astronomische Sonnenjahr anzugleichen (Rüpke, 2006, 19-27). Das Jahr beginnt nach dem jüdischen Kalender im Herbst, die Jahreslänge kann jedoch durch die Festtagsberechnung zwischen 353 und 385 Tagen (inkl. Schaltmonat) liegen. Während der jüdische Kalender ab „Beginn der Welt“, dem Jahr 3761 v. Chr. nach dem gregorianischen Kalender (Vogtherr, 2012, 47-55) rechnet, zählten die Römer die Jahre nach der Gründung Roms und bezeichneten die Jahre mit den Namen der jeweiligen beiden Konsuln. Seit dem vierten Jahrhundert hatte sich vor allem in Ägypten die Zeitrechnung nach der Herrschaft des Kaisers Diokletian mit dem Beginn im Jahr 284 n. Chr. durchgesetzt, was jedoch wegen der → Christenverfolgungen unter diesem Kaiser für die Christen nur als „Märtyrer-Ära“ akzeptiert wurde (Vogtherr, 2012, 88-90).

2.2. Die Kalenderrechnung nach Sonne und Mond – Wissenschaft, Tradition und Theologie

Dass die Sonnen- und die Mondbahn bei der Zeitrechnung einzubeziehen sind, wurde nicht nur als wissenschaftlich notwendig angesehen, sondern auch theologisch legitimiert.

Da schon früh Christus auf der Basis von Joh 8,12 mit der Sonne gleichgesetzt wurde und schließlich auch Elemente des römischen Sonnenkults auf das Christentum übertragen wurden (Wallraff, 2001, 175), war die Kalenderrechnung nach der Sonne für die frühen Christen zunächst näherliegend als eine Orientierung am Mondkalender.

Neben vielen anderen Bildern wurde jedoch die Kirche seit spätestens dem dritten Jahrhundert n. Chr. mit dem Mond, der luna, gleichgesetzt, da beide die Erde erhellen, ohne aber selbst zu leuchten. Christus, das Licht, lässt die Kirche ebenso erstrahlen, wie die Sonne den Mond (Ambrosius, Hex. IV 8,32; Tert. De resurrectione carnis 52,13; zur christlichen Deutung der antiken Sonne- und Mondvorstellungen und ihrer Aufnahme in das mysterium lunae siehe Rahner, 1985, 89-158; zur Entwicklung des christlichen Kirchenbildes des mysterium lunae siehe Rahner, 1964, bes. 125-129; Wallraff, 2001, 55-56; Nagengast, 2011, 173-175). Ambrosius von Mailand verband schließlich diese Kirchentheologie mit dem Osterfest. Die untergehende Sonne wird vom Mond abgelöst wie der sterbende Christus von der Kirche (Ambrosius, Hex. IV,2). Ebenso wie das Paschafest, das historisch dem Osterfest zugrundeliegt, wurde dieses über den Lauf des Mondes bereits im frühen Christentum terminiert (Darstellung des z.T. darauf basierenden frühen christlichen Festkalenders bei Rüpke, 2006, 75-84).

2.3. Der Ostercomputus als Basis der Zeitrechnung bei Dionysius Exiguus

Anlass für eine genuin christliche Beschäftigung mit der Kalenderrechnung war der Osterfeststreit. Die Konkurrenz zwischen den Metropolien Alexandria und Rom um die Vormachtstellung in der Kirche manifestierte sich in konkurrierenden Berechnungen eines einheitlichen Ostertermins, der sich historisch am jüdischen Passahfest, das über den Mondkalender berechnet wurde, orientieren musste, sich aber dennoch davon absetzen sollte. Unterschiedliche Kalenderrechnungen nach dem Julianischen und dem Alexandrinischen Kalender führten schließlich zu Differenzen. Historisch setzte sich der alexandrinische Weg durch (Vogtherr, 2012, 60-63).

Viele gelehrte Christen bemühten sich jedoch um die langfristige Berechnung der Osterdaten und ihrer Wiederholungen. Darüber hinaus strebten die Theologen der Spätantike und des frühen Mittelalters nach einer Darstellung der göttlichen → Schöpfung in mathematischen Zahlen – die Kalenderrechnung war innerhalb dieser Bemühungen zentral (Borst, 1988, 7-10). Auf der Basis einiger Vorläufer legte Dionysius Exiguus um 530 n. Chr. einen 532-jährigen Osterzyklus fest, der als verbindlich anerkannt wurde und die Streitigkeiten beendete (Vogtherr, 2012, 63-64; Nothaft, 2012, 69-80, Mosshammer, 2008, 59-108;339-356). Bei seinen Abhandlungen über den Osterzyklus wandte sich Dionysius Exiguus schließlich auch gegen die Märtyrer-Ära des Diokletian und forderte, die Jahre der Fleischwerdung des Herrn zu zählen (Anni incarnationis Domini, sogenannte Inkarnationsära). Mit der Forderung, das Jahr 754 ab urbe condita solle das erste Jahr der christlichen Zeitrechnung werden, begründete der römische Mönch die christliche Zeitrechnung, die sich erst in späteren Jahrhunderten vollständig durchsetzen sollte. Auch wenn in der Folgezeit Kritik an der Rechnung einsetzte und sich schließlich die Erkenntnis ergab, dass sich Dionysius Exiguus um vier Jahre verrechnet hat, blieb man bei der von ihm festgelegten Berechnung (ausführlich bei Vogtherr, 2012, 91-94). Auch die Kalenderreform Gregors XIII. im Jahr 1582 änderte an diesem Rechenfehler nichts, sondern hob lediglich die über die Jahrhunderte entstandene Abweichung der Kalenderrechnung gegenüber dem Sonnenstand durch die Auslassung von zehn Kalendertagen und die Löschung bestimmter Schaltjahre auf (Vogtherr, 2012, 97-103).

2.4. Die Geburt Jesu Christi als Anbruch der Heilsgeschichte

Dem Beginn der Zeitrechnung mit der Inkarnation Gottes (→ Gott) in Jesus Christus liegt die Vorstellung vom Reich Gottes unter dem eschatologischen Vorbehalt zugrunde: Das Reich Gottes beginnt mit Jesus Christus und wird von Gott eines Tages vollendet. Während im achten Jahrhundert noch Beda Venerabilis sowohl mit der Inkarnationsära als auch mit einem Beginn der Schöpfung an sich rechnete, setzte sich allgemein die Rechnung der Weltzeit ab der Geburt des „neuen Adam“, Jesu Christi, durch (Vogtherr, 2012, 94-96).

Die Zeitrechnung ab Christi Geburt ist demnach nicht nur eine organisatorische Institution, sie beinhaltet das Bekenntnis zu Jesus Christus als Heiland und dem Anbruch einer neuen Heilszeit mit seiner Geburt. „Die fortlaufende Heilslinie kulminiert jedoch in Christus, die Einmaligkeit durch sein Erscheinen in der Geschichte zieht die Line nach rückwärts zur Schöpfung und zum Sündenfall wie nach vorwärts zu Gericht und Herrlichkeit“ (von den Brinken, 2000, 6; weiterführend Bieritz, 2014, 25-28; Tzscheetzsch, 2002, 40-42; zum Christusgeschehen als heilsgeschichtlichem Zentralereignis in der römischen Geschichtsschreibung siehe Timpe, 2001, 5-7;27-35).

3. Religionsdidaktische Perspektiven im Umgang mit der christlichen Kalenderrechnung

3.1. Verständnis für christliche Feste und ihre Hintergründe

Nicht nur im Datum auf ihrem Handy, an Tafel bzw. Smartboard, sondern auch in der Terminierung der Ferien nach dem Kirchenjahr begegnen die → Schülerinnen und Schüler (unbewusst) im Alltag der christlichen Kalenderrechnung. Da es eine zentrale Aufgabe der Religionslehrkräfte (→ Lehrkraft, Rolle) ist, „Wege zur religiösen Dimension der Wirklichkeit“ (Lehrplan Plus, Katholische Religionslehre, Fachprofil, 2.4.) zu eröffnen, kann die Thematisierung der christlichen Zeitrechnung und ihrer Entstehung in verschiedenen Jahrgangsstufen angesiedelt werden (zum religiösen Lernen mit Kirchengeschichte siehe Lindner, 2013, 11-20). Eine religionsunterrichtliche Behandlung des Osterfestes beispielsweise als rechnerische Grundlage für weitere Feste im Kirchenjahr wie Christi Himmelfahrt oder Pfingsten sowie als Basis für die christliche Zeitrechnung unterstreicht neben der theologischen auch die weltweite, ja „profane“ Bedeutung des Osterereignisses.

3.2. Reflexion des eigenen Kalenders als Basis für die Begegnung mit verschiedenen Kalenderrechnungen

Die Einsicht in die astronomisch-christliche Berechnung des gregorianischen Kalenders kann überdies als Verständnisgrundlage für die Auseinandersetzung mit anderen Zeitrechnungen im Religionsunterricht dienen. Neben Klärungen in Bezug auf Kalenderdifferenzen zwischen evangelischem/katholischen Christentum und orthodoxem Christentum ist beispielsweise der Beginn der islamischen Rechnung mit dem Ereignis der Hidschra des Mohammed von Mekka nach Medina mit dem Vorwissen über den christlichen Kalender besser nachvollziehbar. Auch für das Verständnis der Komplexität des jüdischen Lunisolarkalenders und der darauf basierenden Feste bietet das Wissen über die christliche Zeitrechnung eine gute Grundlage.

3.3. Kalendarisch-christliche Weltdeutung im Dialog

Besonders in der pluralen Gesellschaft ist es von Bedeutung, dass Fragen nicht nur metrisch oder historisch geklärt, sondern dass auch Überlegungen zur Deutung der Welt und der eigenen Existenz thematisiert werden (Rappel, 2012, 18). In dieser Hinsicht kann die astronomische Basis des mittlerweile „profanisierten“ Kalenders und der christlichen Feste Anlass für fächerübergreifendes Lernen – z.B. in Kooperation mit Physikunterricht – bieten: Neben die Thematisierung astronomischer Zusammenhänge setzt religiöse Bildung im Religionsunterricht dabei inhaltlich-weltdeutende Aspekte der christlichen Kalenderrechnung. Überdies kann auf diese Weise der historische Hintergrund, „das Vergangene als Typos einer gegenwärtigen (unvergänglichen) Wahrheit“ (Drewermann, 1984, 58) ausgelegt werden.

Auch wenn es für sie selbst evtl. nicht zutrifft, können Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht durch derartige Lernprozesse dafür sensibilisiert werden, dass das Datum mit der Jahreszahl „nach Christi Geburt“ von der Grundbedeutung her ein Bekenntnis abliefert: Für gläubige Christinnen und Christen ist mit der Geburt Jesu das Reich Gottes angebrochen; an den „Festen des liturgischen Jahres [wird] des geschichtlichen Heilswirkens Gottes gedacht“ (Tzscheetzsch, 2002, 227). Mittels der kalendarisch markierten, christlichen Ära wird nicht nur ihres Beginns, sondern auch ihrer Vollendung in Gott gedacht. Der Zusammenhang zwischen der christlichen Zeitrechnung und der Reich-Gottes-Botschaft Jesu sensibilisiert für die christliche Eschatologie in ihrer Spannung zwischen „schon“ und „noch nicht“ und sich daraus ergebender, potenzieller Lebensorientierungen, denn die Reich-Gottes-Botschaft „will Phantasie und kreatives Denken freisetzen, [sie] will der Auslöser sein für ein Lernen durch Faszination“ (Schramm, 2003, 19; zum „utopiestarken Religionsunterricht“ in der Krisenzeit siehe Schlag, 2020, 444-454).

Auf diese Weise lassen sich in der Beschäftigung mit christlicher Kalenderrechnung die Lebensrelevanz und Rationalität des christlichen Glaubens veranschaulichen (ausführliche Darstellung bei Tzscheetzsch, 2002, 217-222; Rappel, 2012, 17).

Literaturverzeichnis

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  • von den Brinken, Anna-Dorothee, Historische Chronologie des Abendlandes. Kalenderreformen und Jahrtausendrechnungen, Stuttgart 2000.
  • Drewermann, Eugen, Tiefenpsychologie und Exegese I, Olten/Freiburg i. Br. 1984.
  • Geerlings, Wilhelm, Die Berechnung des Geburtsjahres Christi, in: Geerlings, Wilhelm, Der Kalender. Aspekte in einer Geschichte, Paderborn u.a. 2002, 113-121.
  • Grotefend, Hermann, Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, Hannover 14. Aufl. 2007.
  • Lindner, Konstantin, Religiöses Lernen mit Kirchengeschichte. Didaktische Verortungen und Perspektiven, in: Lindner, Konstantin/Riegel, Ulrich/Hoffmann, Andreas, Alltagsgeschichte im Religionsunterricht. Kirchengeschichtliche Studien und religionsdidaktische Perspektiven, Stuttgart 2013, 11-20.
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  • Timpe, Dieter, Römische Geschichte und Heilsgeschichte, Berlin/New York 2001.
  • Tzscheetszsch, Werner, Gott teilt sich mit. Heilsgeschichte im Religionsunterricht, Ostfildern 2002.
  • Vogtherr, Thomas, Zeitrechnung. Von den Sumerern bis zur Swatch, München 3. Aufl. 2012.
  • Wallraff, Martin, Christus verus sol. Sonnenverehrung und Christentum in der Spätantike, Münster 2001.

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