Deutsche Bibelgesellschaft

(erstellt: Oktober 2025)

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1. Termini

Der hebräische Terminus für Käse ist גְּבִינָה gəvînāh (nur Hi 10,10). Den Terminus Scheibenmilch (חֲרִצֵי הֶחָלָב ḥǎriṣê hæḥālāv), sprich Käse, verwendet 1Sam 17,18.

2. Bedeutung im Alltag

Der aus sauer gewordener Schafs- oder Ziegenmilch gewonnene Käse war ein gängiges Nahrungsmittel, das nach dem Abfließen der Molke und der Zugabe von Salz in einem längeren Trocknungsprozess entstand.

Besonders als gut mitzuführender Proviant war Käse beliebt: → David soll in den Philisterkriegen dem Anführer einer Tausendschaft u.a. 10 Käselaibe (als etwas luxuriöseres Lebensmittel) bringen, wobei sich seine Brüder neben geröstetem Korn mit 10 Broten als Grundnahrungsmittel begnügen mussten (1Sam 17,18, vgl. Dietrich 2015, 349f.). Häufig werden auch die שְׁפוֹת בָּקָר šəfôt bāqār (2Sam 17,29; שְׁפוֹת šəfôt ist Hapaxlegomenon und deshalb in seiner Bedeutung nicht genau geklärt), die David auf der Flucht vor → Absalom in Mahanajim neben anderen Gütern zur Versorgung und Erholung erhielt, mit Käse identifiziert (so z.B. Bar-Efrat 2009, 182; Stoebe 1994, 393; anders Willi-Plein 2009, 458f.: Rinderfladen als Brennstoff). Doch dürfte es sich dabei eher um Milchkälber (so LXXL z. St.; → Septuaginta) handeln, die neben dem in Parallele erwähnten Kleinvieh eine weitere lebende Nahrungsquelle darstellten (vgl. Dietrich 2023, 183).

3. Metaphorik

In Hi 10,10 wird die göttliche Erschaffung eines Menschen mit der Herstellung von Käse verglichen: „Hast du mich nicht wie Milch hingegossen, und mich wie Molke gerinnen lassen?“ Hier sind die Herstellungsprozesse von Käse aus Sauermilch als Bild „einer wunderbaren Menschwerdung“ (Witte 2021, 207) vorausgesetzt, ein Bild, das sich ähnlich schon bei Aristoteles, De generatione animalium II,4 739b,21-25 findet (vgl. dazu Janowski 2019, 64.658.679; Frevel 2006, 48-52). Dabei spielt das Bild der ausgegossenen Milch auf die Besamung an, der Hinweis auf den Käse dagegen „auf das durch das Sperma im Mutterleib gerinnende Blut“ (Witte 2021, 207), aus dem dann der Embryo entsteht.

Literaturverzeichnis

1. Lexikonartikel

  • Paulys Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft, Stuttgart 1894-1972
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973-2015
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Bar-Efrat, S., 2009, Das zweite Buch Samuel. Ein narratologisch-philologischer Kommentar (BWANT 181), Stuttgart
  • Dalman, G., 1939, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. VI: Zeltleben, Vieh- und Milchwirtschaft, Jagd, Fischfang, Gütersloh
  • Dietrich, W., 2015, Samuel, 2. Teilband: 1Sam 13-26 (BK VIII/2), Neukirchen-Vluyn
  • Dietrich, W., 2023, Samuel, 5. Teilband: 2Sam 15-20 (BK VIII/5), Göttingen
  • Frevel, C., 2006, Die Entstehung des Menschen. Anmerkungen zum Vergleich der Menschwerdung mit der Käseherstellung in Ijob 10,10, BN 130, 45–57
  • Janowski, B., 2019, Anthropologie des Alten Testaments. Grundlagen – Kontexte – Themenfelder, Tübingen
  • Stoebe, H.J., 1994, Das zweite Buch Samuelis (KAT VIII/2), Gütersloh
  • Willi-Plein, I., 2009, Barsillai der Gileaditer, in: M. Pietsch / F. Hartenstein (Hg.), Israel zwischen den Mächten (FS S. Timm; AOAT 364), Münster, 455-472
  • Witte, M., 2021, Das Buch Hiob (ATD 13), Göttingen

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