Medien
(erstellt: Februar 2026)
Vorgängerartikel von Claudia Gärtner
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1. Der Begriff „Medien“
Ein Leben ohne Medien ist nicht vorstellbar, wir leben in einer durch und durch mediatisierten Welt (Nord/Zipernovszky, 2017). Im allgemeinen Sprachgebrauch werden unter Medien (Massen-)Medien (→ Massenmedien
Ein solch triadischer Medienbegriff verdeutlicht, dass erstens Kommunikation, Verständigung und auch Lernen grundlegend auf Medien angewiesen sind. Zweitens hebt dieser Medienbegriff hervor, dass Medien ganz unterschiedliche Interpretanten evozieren. Medien vermitteln weder unmittelbar oder neutral eine Information zwischen Sender und Empfänger. Vielmehr prägt die Zeichenhaftigkeit, die Medialität des gewählten Mediums die Information und ruft beim Empfänger nicht gänzlich vorhersehbare Vorstellungen hervor, wobei der Einfluss des Mediums auf die Information unterschiedlich groß sein kann. Dokumentarische Fotografie vermittelt durch ihre hohe Ikonizität zum Objekt Informationen zielgerichteter als eine Skizze, ein Sachtext transportiert eine Nachricht in der Regel gezielter als ein Lied.
2. „Medien“ im theologischen Horizont
Wenn der Zugang zur und die Kommunikation über Realität grundlegend medial geprägt sind, dann sind auch Religionen und religiöse Weltzugänge konstitutiv auf Medien verwiesen. So überrascht es nicht, dass neben dem (gesprochenen) Wort Texte, → Bilder
Dabei ist das Maß des Mediums im Christentum die christliche Botschaft selbst. Die Vermittlung der Botschaft kann an ihrer richtig verstandenen Medialität gemessen werden, denn sie ist als Botschaft nicht für sich da, sondern zuinnerst adressiert (Trocholepczy, 2004, 35). So lässt sich sowohl das Verständnis der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus als auch der Vermittlung und Tradierung seiner Botschaft durchgängig als Ringen um mediale Konstruktionen deuten.
Medientheoretische Reflexionen sind dem Christentum somit zutiefst zu eigen. Dabei geht es im Kern weniger um die Frage, dass Medien respektive mediale Repräsentation einen Platz in der Tradierung und Vermittlung des Christentums besitzen, sondern vielmehr wie diese konstituiert und interpretiert werden. Ein theologisch verantwortetes Sprechen von der Medialität der Offenbarungsbotschaft Gottes impliziert somit immer zugleich, von dem entsprechenden Medienbegriff Rechenschaft abzulegen und angemessene Medien für dessen Kommunikation zu suchen.
3. Medienerziehung
3.1. Aufgaben und Ziele
Eine Suche nach angemessenen Medien für religiöse Kommunikation und Bildungsprozesse (→ Bildung, religiöse
Entfaltet man diese zentrale Zielsetzung näher, dann können unter den vorliegenden zahlreichen medienpädagogischen Entwürfen folgende Ziel- bzw. Kompetenzfelder als konsensfähig herausgestellt werden: 1. Bewahren: Heranwachsende vor entwicklungsschädlichen medialen Einflüssen schützen, z.B. durch Jugendschutzbestimmungen; 2. Informieren: Kenntnisse über Medien vermitteln, über Medien aufklären; 3. Sensibilisieren: reflektierten Umgang mit Medien ermöglichen; 4. Aktivieren: Medien selbst erstellen und aktiv verwenden (Tulodziecki, 2017, 238).
3.2. Mediendidaktik
Wenn man unter Medienpädagogik die Gesamtheit aller pädagogisch relevanten Überlegungen zu Medien fasst, dann ist die Mediendidaktik ein Teilbereich der Medienpädagogik und fokussiert sich auf Lehren und Lernen mit und über Medien. Für die These, dass beim Lernen mit Medien, insbesondere wenn sie unterschiedliche Sinne ansprechen, ein höherer Lerneffekt eintritt, liegen mittlerweile zahlreiche empirische Belege vor. Für die vielfach zitierte Faustformel, wonach beim Zuhören 20 %, beim Sehen 30 % und beim Hören plus Sehen 50 % des Lernstoffs erinnert wird, gibt es hingegen keine empirischen Anhaltspunkte (Tulodziecki/Herzig/Grafe, 2019, 139). Zwar kristallisiert sich heraus, dass eine Kombination von Text und Bild lernförderlich ist. Entscheidend ist allerdings, wie Text und Bild in Beziehung gesetzt werden (z.B. einander ergänzend, vertiefend). Daher liegt „die Annahme nahe, dass für das Erreichen bestimmter Lehrziele die Wahl der Erfahrungsformen bzw. Codierungsarten, bestimmter Gestaltungstechniken, Ablaufstrukturen und Gestaltungsformen wichtiger ist als die Medienart, durch die sie präsentiert und realisiert werden“ (Tulodziecki/Herzig/Grafe, 2019, 140). Ein allgemeines Plädoyer für VR-Präsentation oder Bild, für Film oder Text lässt sich somit aus den vorliegenden Studien nicht ableiten. Der positive Effekt von Medien auf das Lerngeschehen scheint zumeist gering und teils an spezielle Bedingungen und Voraussetzungen geknüpft zu sein. Dies gilt nach Hattie (2015, 189-193) auch für digitale Medien. So zeigt sich in Hinblick auf multimediales Lernen mit Tablets, dass bei deren Einsatz motivationale Effekte, stärkere Kooperation und Selbststeuerung, höhere Medienkompetenz oder Verbesserungen der kognitiven Fähigkeiten nachgewiesen werden können (Tulodziecki/Herzig/Grafe, 2019, 147). Allerdings ist auch das Anforderungsniveau, das Lernende den Medien zumessen, für den Lernprozess entscheidend. So kann z.B. beim Lernen mit Computerspielen der Unterhaltungscharakter in den Vordergrund treten, wodurch die Lernenden weniger mentale Anstrengung aufbringen und der Lerneffekt gemindert wird (Tulodziecki/Herzig/Grafe, 2019, 229). Serious Games wiederum, die es zunehmend auch für den Religionsunterricht gibt (Pirker, 2021, 425), fokussieren dezidiert Wissensvermittlung und Kompetenzerwerb.
Erfolgreiches Lernen mit und über Medien ist somit ein äußerst komplexes Geschehen. Didaktische Überlegungen zum Umgang mit Medien in institutionalisierten Lernprozessen müssen daher von der Interdependenz folgender Faktoren ausgehen: 1. Thema/Inhalt; 2. Ziele/Kompetenzerwerb; 3. Gestaltungsmerkmale des Mediums (didaktische, inhaltliche, formale Eigengesetzlichkeit); 4. Methoden/Sozialformen; 5. soziokulturelle und individuelle Lehr- und Lernvoraussetzungen; 6. Rahmenbedingungen des Lernens (Ort, Zeit etc.). Erst im Horizont dieser Wechselwirkungen ist ein sachangemessener, didaktisch sinnvoller Umgang mit Medien im Unterricht möglich.
4. Medienpädagogik in religionspädagogischer Perspektive
Sowohl in theologischer (vgl. 2.) als auch medienpädagogischer und -didaktischer (vgl. 3.) Sicht ist somit die mediale Vermittlung und Aneignung der christlichen Botschaft keine nachgängige, sondern eine zentrale Fragestellung. Medien sind nicht allein Mittel zum Zweck, um Lernziele oder Kompetenzen zu erlangen, sondern → Religion
Thema/Inhalt: Religion kann – auch in religiösen Lehr-Lernprozessen – nur medial vermittelt und kommuniziert werden. Gelernt wird jedoch aus Sicht der Medienpädagogik nicht nur mit, sondern auch über Medien. In religionspädagogischer Perspektive ist diesbezüglich das Bilder- bzw. „Medienbildverbot“ (Pirner, 2013, 284f.) hervorzuheben. Medien im jüdisch-christlichen Kontext explizit zum Thema bzw. Inhalt zu machen, bedeutet, deren Medialität zu fokussieren. Medien präsentieren in der Regel nicht das Abwesende, sondern repräsentieren es. Medien werden so nicht zu „Idolen“, zum „Goldenen Kalb“, sie sind nicht Selbstzweck, sondern Vermittler (des Göttlichen). Dass ein solches Medienverständnis theologisch immer wieder kritisch reflektiert werden muss (z.B. in Hinblick auf Sakramente oder Bilderverbot; Burrichter/Gärtner, 2014, 78-83) sei hier nur am Rande erwähnt (→ Bilder
Ziele/Kompetenzen: Medienpädagogik zielt auf die Information über Medien mit grundlegend aufklärerischem Fokus. Aus Sicht religiösen Lernens und religiöser Bildung zählen hierzu vor allem Kenntnisse über die vielfältigen Medien, die im Christentum und seiner Geschichte Bedeutung besitzen. Christentum ist mehr als eine Buchreligion und erschließt sich folglich umfassend nur „multimedial“. Ohne Kenntnisse über Bilder, Riten, Symbole, Lieder uvm. ist das Christentum nicht zugänglich. Darüber hinaus will Medienpädagogik zu einem reflektierten und kritischen Umgang mit und zur Reflexion über Medien sensibilisieren. Hierzu zählt in religionspädagogischer Sicht die Fähigkeit, nicht nur religiöse, sondern z.B. auch populäre Medien in Hinblick auf ihren religiösen Gehalt zu erschließen (Tacke, 2025; Reuter, 2020). Medien werden dann zu einer Quelle religiös relevanter Erkenntnis und ggf. auch Kritik an Religion. Zum anderen ermöglicht Religion auch einen kritisch-aufklärerischen Blick auf Medien. Religion generiert dann eine neue Sicht auf Medien und führt ggf. zu Kritik an Medien. Schließlich zielt Medienpädagogik auf einen aktiv-produktiven Umgang mit Medien. Heranwachsende sollen befähigt werden, Medien selbst zu erstellen und zu verwenden (→ Medienarbeit, aktive
Gestaltungsmerkmal von Medien: Der didaktische Einsatz von Medien hat deren Eigengesetzlichkeiten zu reflektieren. Medien besitzen (implizite, „heimliche“) Strukturen, die (religiöse) Lernprozesse deutlich prägen. Ein Sachtext über Spiritualität zielt auf Information über das Thema. Die Zeichen (Repräsentamen) sind so gewählt, dass sie möglichst identische Vorstellungen (Interpretanten) über Spiritualität bei den Lesenden hervorrufen. Inwiefern ein so strukturiertes Medium „Sachtext“ der Vielfältigkeit und Sinnlichkeit des Objekts „Spiritualität“ angemessen ist, gilt es zu reflektieren. Ein Kunstwerk wiederum zielt nicht auf die Vermittlung einer Botschaft oder eines Objekts, ist somit weniger Medium für etwas, sondern vielmehr selbst ein Objekt, das z.B. über Farbe, Leinwand etc. medial vermittelt wird und das unterschiedliche Deutungen und Vorstellungen (Interpretanten) hervorruft. In seiner Mehrdeutigkeit – nicht Beliebigkeit – besitzt Kunst einen Sinnüberschuss, der für die Expression und Rezeption von Religion und Religiosität relevant ist, der sich aber zugleich einer didaktischen Inszenierung oder Planbarkeit entziehen kann (Gärtner/Konz, 2024). Hingegen wird derzeit noch intensiv debattiert, welche Auswirkungen die didaktisch inszenierte Begehung von virtuellen Welten z.B. durch VR-Brillen besitzt. Im religionspädagogischen Horizont wird diesbezüglich gefragt, inwiefern „der Umgang mit Virtualität als Situation des Ins-Verhältnis-Setzens mit nicht greifbaren Realitäten vielleicht sogar eine Urform theologischen Denkens“ (Pirker, 2022, 10) ist.
Methoden/Sozialformen: Um Medien kompetent zu erschließen und zu verwenden, bedarf es methodischer Kenntnisse. So gibt es unterschiedliche Methoden, Filme (→ Film
Individuelle und soziokulturelle Lehr-Lernvoraussetzungen: In einer durch und durch mediatisierten Gesellschaft wird zum einen Religion und Religiosität auch von nicht religiösen oder kirchlichen Medien thematisiert, zum anderen bedienen sich religiöse und kirchliche Organisationen unterschiedlichster Medien zur Kommunikation ihrer Botschaft. Medien spielen in der religiösen Bildung und Sozialisation somit eine große Rolle und sind ein – auch außerschulischer – religiös relevanter Lernort, dessen sozialisierende Bedeutung als sehr hoch eingeschätzt wird (Pirner, 2013, 290), insbesondere angesichts zunehmend digital mediatisierter Jugendkulturen (Nord, 2021; Binici, 2025). Indem Medien gesellschaftlich prädominieren, besitzen Heranwachsende zugleich ein hohes Interesse an und – partiell – Kompetenzen in Bezug auf Medien, auf die ein religionspädagogischer Umgang mit Medien zurückgreifen kann. Eine lebensweltorientierte Religionspädagogik ist daher in hohem Maße auf Medien ausgerichtet.
Rahmenbedingungen religiösen Lehren und Lernens: Der Umgang mit (religiös relevanten) Medien unterscheidet sich an schulischen respektive außerschulischen Lernorten. Während Medien in der Schule vielfach rezeptiv und analytisch verwendet werden, ist ihr Einsatz an außerschulischen Lernorten (kirchliche, kulturelle Jugendarbeit, Vereine, Ferienfreizeiten uvm.) verstärkt erlebnis- oder handlungsorientiert (z.B. Filmnacht organisieren, Flyer für Zeltlager gestalten). Dies liegt nicht nur an den verschiedenen Zielen und Lernformen von (außer-)schulischen Lernorten, sondern auch in den unterschiedlichen technischen, organisatorischen und zeitlichen Rahmenbedingungen begründet. Damit geht zugleich eine häufig zu konstatierende „Entzauberung“ oder ein „Entzug“ von Medien in der Schule einher. Denn was in den Lebenswelten der Jugendlichen einen hohen Reiz besitzt, lässt sich nur bedingt oder in einzelnen Facetten hermeneutisch angemessen am Lernort Schule erschließen (Tacke, 2025). Insbesondere mit populären Medien ist der Graben zwischen Lebens- und Unterrichtswelten nicht so leicht zu überbrücken. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich Jugendliche in höchst disparaten (medialen) Lebenswelten aufhalten. Wählt der Religionsunterricht (populäre) Medien aus, so eröffnet er für die einen Anschlüsse an ihre Lebenswelt, andere wiederum werden hierdurch mit ihren medialen Präferenzen und Kompetenzen ausgeschlossen. Ein milieu- und lebensweltsensibler Umgang mit Medien ist für die Religionspädagogik ein weitgehend noch unbearbeitetes Terrain (Burrichter/Gärtner, 2014, 68-71; Simojoki, 2023).
Literaturverzeichnis
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