Deutsche Bibelgesellschaft

(erstellt: Februar 2025)

Vorgänger-Artikel von Joachim Weinhardt und Sabine Pemsel-Maier im PDF-Archiv

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1. Offenbarung als Reflexionsbegriff

1.1. Ein Schlüsselbegriff der Systematischen Theologie

Das aus dem Mittelhochdeutschen abgeleitete Wort offen baren bedeutet offenlegen, aufdecken, enthüllen, das griechische Äquivalent lautet apokalypsis, lateinisch revelatio. Mit diesen Formulierungen verbindet sich der Gedanke, dass → Gott, der in der jüdisch-christlichen Tradition immer auch der verborgene Gott ist (Jes 45,1-5), etwas von sich preisgibt, dass er zeigt, wer und wie er ist, exemplarisch in der Offenbarung des Gottesnamens Jahwe (Ex 3,1-15). Nicht Sätze oder abstrakte Wahrheiten (→ Wahrheit) sind Gegenstand der Offenbarung, sondern Gott selbst, der sich mitteilt. In seiner Offenbarung erschließt er sich als ein Gott der Menschen und für die Menschen, als der, der mit ihnen Gemeinschaft haben und zu ihnen in Beziehung treten möchte. Ihren schriftlichen Niederschlag findet seine Selbstmitteilung in der Bibel.

Offenbarung ist als theologischer Reflexionsbegriff zu verstehen, genauerhin als „Deutungskategorie“ (Wendel, 2022), der die Geschichte Gottes mit den Menschen und sein Handeln an der Welt und den Menschen als Selbstmitteilung Gottes erschließt. Insofern er die gesamte Wirklichkeit, auf die sich der christliche → Glaube bezieht, einfängt und das Selbstverständnis des Christentums artikuliert, kann er auch als theologischer Grundlagen- und Schlüsselbegriff von Dogmatik und Fundamentaltheologie gelten. Systematische → Theologie ist von ihrer Aufgabe her Offenbarungstheologie, weil sie in Entsprechung zur Selbstoffenbarung Gottes betrieben wird und diese auslegt. „Im Rahmen der theologischen Erkenntnislehre meint Offenbarung erstens einen Erkenntnisvorgang, der auf Gott als seine Quelle zurückgeführt wird, zweitens das Resultat dieser Erkenntnis und drittens die Dokumentation dieser Erkenntnis in Schriften, die dadurch zu heiligen Schriften werden, also den Akt der Mitteilung, das Mitgeteilte und die Kodifizierung des Mitgeteilten“ (Bernhard, 2021, 122). Insofern ist sie nicht nur Grund theologischer Erkenntnis, sondern auch „Resonanzereignis“ (Nitsche, 2022).

1.2. Religionspädagogisch wenig bedacht

Offenbarung ist, von der Erwachsenenbildung und der Sekundarstufe II abgesehen, in der Regel kein eigenes Thema in Unterricht und Katechese. Insofern aber die Inhalte der christlichen Offenbarung ständig thematisiert werden, ist auf diese Weise der Offenbarungsgedanke selbst implizit ständig mit im Spiel. Als Schlüsselbegriff der Theologie ist Offenbarung nicht nur für die Systematische Theologie, sondern auch für die → Religionspädagogik von Bedeutung. Seinerzeit hatte Paul Tillich seinen weiten Begriff von Korrelation mit dem Offenbarungsverständnis zu verbinden versucht; in der Korrelationsdidaktik war Offenbarung Bestandteil eines konstruktiven Dialogs zwischen Theologie und Lebenswelt. De facto wird der Begriff Offenbarung gegenwärtig kaum bedacht. Nach einer korpuslinguistischen Analyse von 171 Aufsätzen und Forschungsarbeiten aus zehn Jahrgängen der Fachzeitschrift Religionspädagogische Beiträge zählte Offenbarung bereits in den Jahren 1999 bis 2008 zu den im wissenschaftlichen Diskurs am seltensten verwendeten Begriffen (Altmeyer, 2011, 31-46). Daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Anschluss an die fachwissenschaftliche Klärung wird daher der Versuch gemacht, die religionspädagogische Relevanz dieser Kategorie herauszuarbeiten.

2. Fachwissenschaftlich-systematische Orientierungen

2.1. Der Ort der Offenbarung: Die Geschichte

Der Ort der jüdisch-christlichen Offenbarung ist die Geschichte; in ihr ergeht Gottes Wort. Insofern Geschichte zwar einerseits vom Menschen gemacht und geplant wird, andererseits aber auch als das Unplanbare und Unerwartete auf ihn zukommt, ist sie der für Gottes Offenbarung angemessene Ort beziehungsweise das angemessene Medium schlechthin. Denn die Offenbarung als freie Tat Gottes kann nicht von Menschen geplant oder erzwungen werden, sondern kommt ihnen von außen entgegen und hat den Charakter eines Geschenkes. Gott teilt sich in einer Vielzahl von geschichtlichen Ereignissen mit, beginnend mit der Berufung Abrahams und dem Exodus bis hin zu Jesus Christus (→ Christus/Christologie), dessen ganzes Leben als großes Geschichtsdrama zu verstehen ist. Alle diese geschichtlichen Ereignisse kreisen letztlich um eine Mitte: Gott selbst.

Dass die Offenbarung als geschichtliches Ereignis von außen auf die Menschen zukommt, ist nicht im Sinne eines Extrinsezismus zu verstehen, so als handele es sich dabei um eine dem Menschen rein äußerliche oder gar fremde Wirklichkeit. Beide Konfessionen haben das Erbe der Aufklärung und die Subjektphilosophie rezipiert und herausgestellt, dassdie Bedingung der Möglichkeit des Verstehens und der Annahme der Offenbarung von Gott her im Menschen selbst angelegt ist. Auf katholischer Seite war es vor allem das Verdienst Karl Rahners, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die anthropologische Wende (→ Anthropologie) der Theologie einzuleiten und die Frage nach den Adressaten von Gottes Selbstmitteilung und nach den im Subjekt vorausgesetzten Bedingungen zu stellen und zu reflektieren. Mit ihrer anthropologischen Wende hat die Theologie in beiden Konfessionen einen Weg gebahnt, um zu zeigen, dass Menschsein von innen her auf Gottes Offenbarung hin ausgerichtet ist.

2.2. Jesus Christus als Höhepunkt der Offenbarung

Nach christlichem Glauben ist Jesus Christus die Selbstmitteilung Gottes schlechthin, Offenbarung und Offenbarer zugleich. In ihm erreicht die Gottesoffenbarung deswegen ihren Höhepunkt, weil sich hier Gott in einem konkreten geschichtlichen Menschen, Jesus von Nazareth, mitteilt. Katholische Theologie hebt dabei darauf ab, dass Gott unter den Bedingungen dieser Welt nicht mehr und nichts Größeres tun kann, als Mensch zu werden; darum betrachtet sie die Offenbarung unter den Bedingungen von Raum und Zeit mit Jesus Christus als abgeschlossen. Die evangelische Theologie formuliert hier zurückhaltender. Beide kommen überein in der Überzeugung: Nicht weil Gott den Menschen nichts mehr zu sagen hätte, sondern weil er in Christus alles gesagt und sich in ihm ganz gegeben hat, ist sie vollendet. Darum ist mit ihm die Endzeit, die „Fülle der Zeit” (Gal 4,4) angebrochen; darum ist er „der einzige” (Joh 3,16; Apg 4,12), der „Letzte” (Lk 20,9-19) und die „Fülle Gottes” (Eph 3,19).

In Jesus Christus offenbart sich Gott auf unüberbietbare Weise, macht sich so nahe und erfahrbar, dass die Menschen durch ihn Gemeinschaft mit ihm haben können. Und doch begegnet Gott in Christus nicht direkt und unvermittelt, sondern in menschlicher Gestalt bzw. bleibt Gottes Offenbarung in ihm den Bedingungen von Raum und Zeit unterworfen. Endgültig abgeschlossen ist die Offenbarung erst eschatologisch (→ Eschatologie), am Ende der Zeit, wenn Gott „über alles und in allem“ herrscht (1Kor 15,28), sein Reich aufrichten und die Vollendung herbeiführen wird.

2.3. Ein Geschehen im Dialog von Gott und Mensch

Wenngleich die Offenbarung Gottes Initiative und Geschenk ist, so ist sie doch kein einseitiges Ereignis von oben nach unten. So wie ein Geschenk erst dadurch zum Geschenk wird, dass es angenommen wird, braucht die Offenbarung Menschen, die sich von Gott ansprechen lassen, seine Selbstmitteilung annehmen und sie weitertradieren. Darum ist der Mensch mehr als nur passiver Empfänger der Offenbarung. Das Hören auf sie, ihr glaubendes Annehmen und auch ihr Weitersagen und ihre Bezeugung gehören konstitutiv ins Offenbarungsgeschehen hinein. Offenbarung ereignet sich so als gott-menschliches Miteinander, als dialogisches Geschehen, als Wort und Antwort. Die Annahme und Weiterbezeugung der Offenbarung ist freilich nicht einfachhin menschliche Leistung, sondern geschieht in der Kraft des Heiligen Geistes (→ Heiliger Geist).

Eben weil die Offenbarung das Annehmen von Gottes Selbstmitteilung und seine Weiterbezeugung umfasst, gehört ihre Erstbezeugung ins Offenbarungsgeschehen selbst mit hinein. Dies begründet die besondere Bedeutung der frühen, als apostolisch bezeichneten Kirche, die selbst Bestandteil der Offenbarung ist. Dies begründet ebenso die besondere Bedeutung der schriftlichen Aufzeichnung der durch Gott ergangenen Offenbarung als Heilige Schrift, der besondere Autorität und normativer Charakter zukommt.

3. Theologiegeschichtliche Entwicklungen

3.1. Mittelalterlicher instruktionstheoretischer Offenbarungsbegriff

Das Verständnis von Offenbarung war im Lauf der Theologiegeschichte beträchtlichen Wandlungen unterworfen (Reikerstorfer, 2012). Kennzeichnend für das Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert war eine fortschreitende Intellektualisierung der Offenbarungsidee, die später als instruktionstheoretisch qualifiziert werden sollte: Offenbarung wurde verstanden als göttliche Belehrung über Heil und Erlösung, als Information über übernatürliche satzhafte Wahrheiten und Sachverhalte, als Übermittlung einer übernatürlichen Doktrin. Dem Menschen blieb als adäquate Reaktion nichts anderes als das gehorsame Annehmen und Fürwahrhalten von sonst uneinsichtigen Glaubenswahrheiten.

3.2. Kommunikationstheoretisch-partizipatives Offenbarungsverständnis der Gegenwart

Diesem Verständnis hat die neuere Offenbarungstheologie eine klare Absage erteilt. Auf evangelischer Seite setzte diese Auffassung spätestens mit dem deutschen Idealismus ein, auf katholischer Seite geschah dies vor allem in der Dogmatischen Konstitution über die Offenbarung Dei Verbum auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (Dei Verbum V, 4 und 6; → Vaticanum, Zweites; → Zweites Vatikanisches Konzil, kirchengeschichtsdidaktisch). An die Stelle der belehrenden Instruktion setzt die gegenwärtige Theologie die Selbstmitteilung Gottes: Gott teilt nicht irgendwelche Lehren mit, sondern sich selbst. Verstand das Erste Vatikanische Konzil die Offenbarung als Übermittlung göttlicher Dekrete und Weisungen, so umschreibt das Konzil (→ Vaticanum, Zweites) sie jetzt als Beziehung stiftendes Kommunikationsgeschehen zwischen Gott und den Glaubenden. Auf diese Weise gibt Gott Anteil an sich und an seiner Herrschaft, die unter den Menschen Gestalt gewinnen soll. Ähnlich versteht die gegenwärtige evangelische Theologie Offenbarung als Erschließungsgeschehen.

Offenbarung vermittelt nicht Wissen vom Heil, sondern ist die Verwirklichung von Heil. Es gibt kein Heilsgeschehen außerhalb von ihr. Auf Seiten des Menschen entspricht ihr das Annehmen der Offenbarung, das Sich-Einlassen auf dieses Heilsgeschehen, das umfassend und ganzheitlich zu verstehen ist, bis hin zur liturgischen Feier. In diesem Sinne ist Offenbarung ein dialogischer Vorgang, ein Geschehen von Gottes Wort und menschlicher Antwort, ein Kommunikationsprozess, in den sich Gott wie Mensch einbringen – eben kommunikationstheoretisch-partizipativ.

4. Offenbarungstheologie und Religionspädagogik

4.1. Unterschiedliche Orientierungen

Offenbarungstheologie und Religionspädagogik verfolgen in Bezug auf die Relevanz der göttlichen Offenbarung unterschiedliche Orientierungen: Während die eine die Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus zum Maßstab hat und von daher einen normativen Anspruch nicht nur geltend machen kann, sondern geltend machen muss, fokussiert die andere sich auf diejenigen, die diese Selbstmitteilung für sich annehmen und auslegen – Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Die Zielsetzungen erscheinen auf den ersten Blick geradezu entgegengesetzt: hier die Inhalte des christlichen Glaubens, dort die Verstehens-, Deutungs- und Konstruktionsprozesse von Kindern und Jugendlichen, hier verobjektivierbare Aussagen, dort Subjektorientierung, hier institutionelle → Religion, dort individuelle Religiosität, hier verbindliches Bekenntnis, dort kreativ-produktive Konstruktionen. Diese Spannung ist nicht aufzulösen, wohl aber ständig neu zu bearbeiten. Explizit diskutiert wurde sie im Kontext der Frage nach einer Theologie für Kinder und Jugendliche (Pemsel-Maier, 2013, 57-67).

4.2. Anwältin der tradierten Glaubensinhalte

Offenbarungstheologie versteht sich dabei als Anwältin der tradierten Glaubensinhalte und der Auseinandersetzung damit gegenüber einer einseitigen Fokussierung auf die Vielfalt der subjektiven Aneignungsprozesse. Nicht nur die verschiedenen in der Glaubensgeschichte begegnenden Überlieferungen haben sich am Grundgeschehen der Offenbarung auszuweisen, sondern auch die individuellen Konstruktionen. Dabei weiß die Systematische Theologie sehr wohl die individuell-existenziellen Aneignungsformen in ihren unterschiedlichen Gestalten, in Kunst, Musik, Literatur etc. als unverzichtbare Zugänge zum Glauben zu würdigen. Als Offenbarungswissenschaft macht sie jedoch die Religionspädagogik darauf aufmerksam, dass die Inhalte des Christentums sich nicht menschlicher Reflexion und gedanklicher Konstruktion verdanken, sondern dem extra nos der Offenbarung Gottes in Jesus Christus, so dass sie den Menschen vorgegeben sind und von Gott her auf sie zukommen. Dass der Gott, an den Christinnen und Christen glauben, einer ist, der das Heil der Menschen will, dass er im Alten beziehungsweise Ersten Bund immer wieder neu um sein auserwähltes Volk wirbt, wenn es sich von ihm abzuwenden droht, dass er nicht nur Israel, sondern alle Menschen vorbehaltlos liebt und unter ihnen sein Reich aufrichten möchte, dass dieser Gott Mensch wird in Jesus von Nazareth, dass dieser sich ans Kreuz schlagen lässt, obwohl er niemandem etwas getan hat, dass er vom Tod wieder auferweckt wurde (→ Auferstehung Jesu), dass wir darum Hoffnung über den Tod hinaus haben – alles das haben Menschen nicht aus sich selbst, sondern verdanken sie der göttlichen Selbstmitteilung. Damit ist das Fundament angegeben, auf dem im Christentum theologische Aussagen möglich sind.

4.3. Gegenwärtige Notwendigkeiten

Der Rekurs auf die Offenbarung erscheint gegenwärtig umso dringlicher, als christliche Gottesvorstellungen an Relevanz verloren haben. Empirische Erhebungen (→ Empirie) zur Jugendreligiosität (→ Religiosität, Jugendliche) konstatieren seit Jahren eine Auflösung biblisch-christlicher Vorstellungen und ein Schwinden des christlichen Gottesbegriffes, verbunden mit einem ausgeprägten Hang zur Unbestimmtheit. Die Mehrzahl der befragten Jugendlichen sieht in ihm nicht eine personale Wirklichkeit, sondern eine Art Energie oder eine abstrakte Größe, die der Welt so weit enthoben ist, dass sich keine Aussage darüber treffen lässt (Nowak, 2018, 214). Im Lauf der Zeit nahmen deistische und pantheistische (→ Panentheismus) Gottesvorstellungen bei den Befragten zu (Schweitzer, 2020, 255-263). Biblische Vorstellungen vom Gott, der sich den Menschen auf vielfältige Art und Weise zeigt, sie als der Gott Jahwe – „Ich bin da“ – auf ihrem Weg begleitet und in Jesus Christus Mensch geworden ist, treten zunehmend in den Hintergrund. Angesichts solcher Entwicklungen ist in religionspädagogischen Kontexten der Bezug auf die Offenbarung neu geltend zu machen: „Mit den theologischen Zentralbegriffen Offenbarung und Glaube sind Kriterien und Korrektive gegeben, die es erlauben, dass Schülerinnen und Schüler an ihrer individuellen Religiosität arbeiten. Religiosität erscheint häufig als etwas, das sich der Eigenaktivität des Individuums verdankt, Offenbarung hingegen weist elementar darauf hin, dass es einer unbedingten Initiative ‚extra nos‘ bedarf, damit ein Mensch mit einer transzendenten Wirklichkeit in Berührung kommen kann“ (Kropač, 2019, 274).

4.4. Mit normativem Anspruch

Nicht nur die verschiedenen in der Glaubensgeschichte begegnenden Überlieferungen haben sich an der Offenbarung auszuweisen, sondern auch alle individuellen Glaubensvorstellungen und -artikulationen. Aus diesem Grund sieht die Offenbarungstheologie in den Inhalten des christlichen Glaubens nicht nur den Ausgangspunkt oder das Material für das eigene Theologisieren, sondern spricht ihnen normativ-orientierenden Charakter zu. Aus dem gleichen Grund reichen ihr nicht individuelle Konstruktionen – und seien sie noch so kreativ –, sondern sie verlangt eine methodisch-hermeneutisch geleitete und an der Sache selbst ausgewiesene Deutung im Kontext der christlichen Tradition. Den Rückbezug auf die Offenbarung fordert die Theologie je neu ein: im interreligiösen Horizont (→ Interreligiöses Lernen), indem sie geltend macht, dass es nicht „gleich gültig“ ist, ob im Zentrum persönlicher Konstruktionen Jesus Christus, Mohammed, Buddha oder ein oberstes Naturprinzip stehen, im christlichen Horizont, indem sie darauf aufmerksam macht, dass es Formen der individuellen Glaubensaneignung gibt, die zwar existenziell stimmig erscheinen, mit dem christlichen Glauben aber schlechterdings unvereinbar sind.

Weiter fordert der der christlichen Theologie aufgetragene Bezug auf die Offenbarung die Explikation zentraler christlicher Themen, auch wenn sie Kinder, Jugendliche oder Erwachsene möglicherweise nicht von sich her zum Thema machen, wie die Frage nach dem dreifaltigen Gott (→ Dreifaltigkeit/Trinität) oder nach den Spezifika christlicher Erlösung. Bezüglich des Spektrums an Themen und Inhalten erwachsen im Dialog mit der Offenbarung gegebenenfalls andere Fragen als diejenigen, die vor allem Kinder und Jugendliche (→ Kindertheologie; → Jugendtheologie) von sich her stellen, wie die Frage nach Sinn, Leid oder Leben über den Tod hinaus. Zugleich sind von daher auch solche Inhalte zur Sprache zu bringen, die möglicherweise sperrig, ja anstößig anmuten: ein Gott, der das Leid der Welt nicht beseitigt, sondern sich in dieses Leid schickt, der erwartete Heilsbringer, der als Verbrecher umgebracht wird, menschliches Leben, das die Signatur des Kreuzes an sich trägt, Überwindung des Todes nur durch den Tod hindurch.

5. Didaktische Perspektiven

Dass Gott nach christlicher (und ebenso jüdischer und muslimischer) Vorstellung einer ist, der sich den Menschen in verschiedenen geschichtlichen Ereignissen offenbart, kann bei ganz unterschiedlichen Anlässen zum Thema werden. „Bei der Beschäftigung mit dem Thema im Religionsunterricht bietet es sich an, von Alltagssituationen auszugehen. SuS können bereits in der Grundschule beschreiben, wie Menschen plötzlich ‚ein Licht aufging‘, überraschenderweise ‚der Groschen fiel‘, oder eine bisher unbekannte Einsicht zur lebensbestimmenden Gewissheit wurde“ (Käbisch, 2019, 319). In höheren Klassen bietet es sich an, „Texte für den Religionsunterricht auszuwählen, in denen Menschen eine zurückliegende Offenbarung bzw. Erkenntnis Gottes zum Ausdruck bringen und reflektieren“ (Käbisch, 2019, 320). „Neben Offenbarungssituationen von biblischen Einzelgestalten (Hagar, Jakob, Jesaja, Salomo etc.) bietet sich im Religionsunterricht darüber hinaus die Beschäftigung mit biblischen Geschichtsbildern an. Charakteristisch für diese ist, dass Gottes Wirken in der Geschichte erst im Rückblick erkannt wird“ (Käbisch, 2019, 321). Nicht zuletzt steht die Anschlussfähigkeit des Offenbarungsglaubens an die eigene Lebenswelt auf dem Spiel. Daher geht es darum, dass Kinder und Jugendliche „eigene Schlüsselerfahrungen und Entscheidungssituationen als religiös relevant erkennen, indem sie diese mit biblischen Schlüsselerfahrungen und Entscheidungssituationen vergleichen“ (Käbisch, 2019, 326). Umgekehrt ist aber auch geltend zu machen:

„Gerade für eine Theologie der Offenbarung müssten doch beispielsweise Ergebnisse nicht ganz uninteressant sein, die sich mit den anthropologischen Bedingungen des Glaubenlernens wie den kontextuell situierten praktischen Vollzügen religiöser Bildungsprozesse im Religionsunterricht des Ruhrgebietes beschäftigen“ (Grümme, 2017, 42).

Literaturverzeichnis

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