Firmung/Firmkatechese
(Firmung, firmare, confirmation)
(erstellt: Februar 2017; letzte Änderung: 05.02.2026)
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1. Einleitung und Begrifflichkeit
Angesichts kirchlicher Realität scheint die im Sakrament der Firmung zugesprochene Festigung von vielen Adressatinnen und Adressaten nicht so erlebt zu werden. Trotz großer Anstrengungen seitens Haupt- und Ehrenamtlicher (→ Ehrenamt
2. Die geschichtliche Entwicklung des Sakraments der Firmung
Das Sakrament der Firmung gehört zusammen mit Taufe (→ Taufe/Taufkatechese
Im NT kommt Initiation als Begriff zwar nicht vor, aber sein Inhalt wird mit Umkehr (metanoia) und Wiedergeburt (palingenesia) durch den Geist im Ritus der Taufe verbunden (Riedel-Spangenberger, 2009, 27-29). Die christlichen Sakramente gründen nicht in Mythen, sondern in der historischen Erlösungstat Jesu Christi und haben eine personale und soziale Dimension, da die persönliche Initiation mit der Eingliederung in die Sozialgestalt der Kirche (→ Kirche/n
Die Siebenzahl der Sakramente in der katholischen Tradition, die sich erst im 12. Jahrhundert herausbildet, bedeutet keine Gleichwertigkeit der Sakramente (Denzinger/Hünermann, 2009, 1603). Während Taufe und Eucharistie als sacramenta maiora, d.h. grundlegende Sakramente, bezeichnet werden, gelten die anderen Sakramente als sacramenta minora der Entfaltung von Taufe und Eucharistie: „Die Firmung vollendet die Taufe, Buße und Krankensalbung als Sakramente der Sündenvergebung führen in die durch die Taufe begründete Wirklichkeit zurück, Weihesakrament und Ehe dienen der Auferbauung des Volkes Gottes, das in der Eucharistie seinen Mittelpunkt hat“ (Faber, 2011, 69; auch Riedel-Spangenberger, 2009, 50f.)
2.1. Frühe Kirche
In der frühen Kirche ist die Taufe im Normalfall die Initiation eines/einer Erwachsenen nach einem mehrjährigen Vorbereitungsprozess, dem → Katechumenat. In einer liturgischen Feier werden in der Reihenfolge Taufe, Firmung, Eucharistie alle drei Sakramente gespendet, wie dies bei der Taufe Erwachsener auch heute noch üblich ist. Der Initiationsritus entwickelt sich unterschiedlich: „Hippolyt (+235) bezeugt für Rom die postbaptismale Handauflegung und Salbung durch den Bischof, die Afrikaner Tertullian (+ nach 220) und Cyprian (+258) kennen eine postbaptismale Handauflegung ohne Salbung“ (Nocke, 2022, 262). Grundsätzlich wird der Handauflegung in der westlichen Kirche größere Bedeutung zugewiesen, während in der östlichen Kirche die Salbung mit Myron im Vordergrund steht. Unterschiedlich ist auch, welches als das primäre Symbol der Geistverleihung (→ Heiliger Geist
2.2. Westkirchliche Entwicklung
Mit dem Aufkommen der Kindertaufe (u.a. aufgrund der Erbsündenlehre) ab dem 4. Jahrhundert nimmt die Bedeutung des Katechumenats (→ Katechumenat
2.3. Ostkirchliche Entwicklung
Obwohl auch hier die Kindertaufe üblich wird, behält die Ostkirche bis heute den ganzheitlichen Initiationsritus bei. Dem Säugling wird Taufe, Myronsalbung und Eucharistie in einer Feier gespendet. Die Salbung spendet der Presbyter und die Verbindung mit dem Bischof wird dadurch gewährleistet, dass dieser das Myron in der Gründonnerstagsliturgie weiht (Höring, 2011, 103-106).
2.4. Die reformatorische Entwicklung: Taufe und Konfirmation
Die reformatorische Tradition kennt nur Taufe und Abendmahl als Sakramente. Luther und weitere Reformatoren sehen in der Firmung „eine Abwertung der Taufe und eine Überbewertung des bischöflichen Amtes“ (Nocke, 2022, 264; Winger, 2019, 60f.). Der Geistempfang wird – wie in der ostkirchlichen und römisch-katholischen Tradition – mit der Taufe verbunden, ohne dass ein weiterer Ritus vorhanden ist. In den Kirchen der → Reformation
3. Die Wiederentdeckung des Gedankens einer ganzheitlichen Initiation in der römisch-katholischen Tradition
3.1. Zweites Vatikanisches Konzil (1962-1965)
Durch die „Liturgische Bewegung“ ab Ende des 19. Jahrhunderts und das Zweite Vatikanische Konzil (→ Zweites Vatikanisches Konzil, kirchengeschichtsdidaktisch
In Lumen Gentium 11 (Die dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“) heißt es: „Durch das Sakrament der Firmung werden sie [die Gläubigen, A.K.] vollkommener der Kirche verbunden und mit einer besonderen Kraft des Heiligen Geistes ausgestattet“. Gemeint ist eine qualitative Vertiefung. Es bleibt jedoch die Frage, ob die Eingliederung in die Kirche durch die Taufe noch der Vollendung bedarf (Jakobs, 2010, 114). Die Lesart des Konzils lautet: Während in der Taufe die Gotteskindschaft gegeben wird, verleiht die Firmung den Auftrag zu Apostolat, Zeugenschaft und Verteidigung der Kirche (siehe Das Dekret über das Laienapostolat „Apostolicam actuositatem“, AA 3,1; AA 11,1). Lumen Gentium 33 betont die Würde des Laien aufgrund von Taufe und Firmung. Eine Verschiebung von individueller Gnadenvermittlung zu einer ekklesiologisch-sozialen Einbettung, die den einzelnen in Verantwortung nimmt, ist festzustellen (Zerndl, 1986, 50-58).
Das Konzil fordert die Überarbeitung des Firmritus mit dem Ziel, den Zusammenhang des Initiationsprozesses zu verdeutlichen. Papst Paul VI legt im Firmritus folgende Form fest: „Das Sakrament der Firmung wird gespendet durch die Salbung mit Chrisam auf der Stirn unter Auflegen der Hand und durch die Worte: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“ (Papst Paul VI., 1971, in: Bischofskonferenzen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz und der Bischöfe von Bozen-Brixen und von Luxemburg, 1973, Vorbemerkungen Nr. 17). Das vorgeschlagene Firmalter von sieben Jahren als „Unterscheidungsalter“ (aetas discretionis) ermöglicht theoretisch, die altkirchliche Reihenfolge beizubehalten.
3.2. Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland (1971-1975)
Der Synodenbeschluss „Schwerpunkte heutiger Sakramentenpastoral“ (Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, 1976, 238-275) (→ Würzburger Synode, Beschluss zum Religionsunterricht
Die Frage des Firmalters wird während der Synode stark diskutiert und spielt auch in der nachfolgenden Katechese immer wieder eine Rolle. Schließlich schlägt die Synode – im Unterschied zum römischen Firmordo – aus entwicklungspsychologischen Gründen vor: „[D]as Mindestalter für die Firmung soll in der Regel etwa bei 12 Jahren liegen […]. Es soll aber auch die Möglichkeit bestehen […], die Firmung […] auf ein späteres Alter – auch das der jungen Erwachsenen – zu verschieben“ (Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, 1976, 256).
3.3. Katechismus der Katholischen Kirche (1993)
Auch der Katechismus (→ Katechismus/Katechismusunterricht
3.4. Firmtheologie als „Gratwanderung“
Bis heute kann eine firmtheologische „Gratwanderung“ (Faber, 2011, 95) aus der Perspektive verschiedener theologischer Disziplinen nachgezeichnet werden. Es wird diskutiert, ob es eine eigenständige Theologie der Firmung gebe und welches das Spezifikum der Firmung sei (exemplarisch Betz, 1968; Amougou-Atangana, 1974; Küng, 1976; Zerndl, 1986; Gäde, 2000; Stuflesser/Winter, 2004, 95-106; Hilberath, 2001; 2010; Faber, 2011, 95-97). Da die Firmung notwendig auf die Taufe bezogen ist, kann der theologische Inhalt der Firmung nur mit Bezug zu dieser formuliert werden. Andererseits geht die Eigenständigkeit der Firmung als Sakrament „auf die theologische Option zurück, die Salbung nach der Taufe durch den Bischof zu vollziehen“ (Faber, 2011, 95). Um diesen beiden Aspekten gerecht zu werden, sind zwei Sichtweisen denkbar: „Eine komplementäre Sicht versteht die Firmung als die Taufe ergänzendes Geschehen. Dabei ist sorgfältig zu prüfen, ob der ergänzende Aspekt zu Recht nicht der Taufe zugeordnet wird. Einer komparativen Beschreibung zufolge wird in der Firmung ein Aspekt, der in der Taufe grundgelegt ist, verdeutlicht und entfaltet. Kritischer Punkt ist hier die Frage, inwiefern eine solche Funktion es rechtfertigt, von einem eigenen Sakrament zu sprechen“ (Faber, 2011, 96). So wird die Firmung „als das Sakrament der Geistverleihung [bezeichnet]. Aber wurde der Heilige Geist nicht auch schon in der Taufe, in der Eucharistie, in christlicher Erziehung und in vielen anderen Vollzügen christlichen Lebens verliehen?“ (Nocke, 2022, 259). Andere Sinngebungen, wie die Firmung als Sakrament der Mündigkeit wozu die Jugendlichen oft aufgrund des geringen Alters noch nicht fähig sind, oder der Stärkung, sind theologisch ebenso wenig eindeutig. Firmung bleibt „ein umstrittenes Sakrament“ (Mette, 2006, 414), "eine kohärente und überzeugende Firmtheologie [stellt] weiterhin ein virulentes Problem der theologischen Reflexion [dar]" (Winger, 2019, 120).
4. Firmkatechese
4.1. Entwicklungen im Anschluss an Konzil und Gemeinsame Synode in Deutschland
Die Theologie des Konzils, die Erneuerung des Firmritus sowie die Beratungen und Beschlüsse der Gemeinsamen Synode in der Bundesrepublik führen zur Entstehung einer eigenständigen → Sakramentenkatechese
4.2. Die Diskussion in den 1990er-Jahren: Zwischen „Rigorismus und Laxismus“
Nach dieser Aufbruchzeit zeichnet sich seit den 1980er-Jahren ein Prozess der Desillusionierung in der Gemeindekatechese ab, der mehrere Ursachen hat. Trotz des hohen Einsatzes ist eine zunehmende Distanz der Kinder und Jugendlichen festzustellen. Die Fragen nach den Vorbedingungen eines Sakramentenempfangs werden unter dem Slogan „zwischen Rigorismus und Laxismus“ diskutiert (kritisch dazu Emeis, 1991). Die deutschen Bischöfe sprechen sich in „Sakramentenpastoral im Wandel“ (Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz, 1993) für einen menschenfreundlichen Umgang aus und heben die Bedeutung des Gruppenbezugs für Glaubenserfahrungen hervor (Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz, 1993, 50). Dabei ist nicht zu leugnen, dass das Modell der Gemeindekatechese an seine Grenzen stößt (Deutscher Katecheten-Verein, 1992).
4.3. Die katechetische Situation ab 2000: „Missionarische Pastoral“ und „Katechese in veränderter Zeit“
Durch die Wiedervereinigung Deutschlands treffen auch in der Katechese zwei unterschiedliche Konzepte aufeinander. Während sich im Westen Deutschlands Katechese in der Gemeinde und Religionsunterricht (→ Religionsunterricht, katholisch
4.4. Große Variationsbreite vorliegender Katechesemodelle
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die drei Zeichenhandlungen (Salbung, Besiegelung und Handauflegung) verschiedene Deutungen oder Sinndimensionen der Firmung zulassen, die in der geschichtlichen Entwicklung mehr oder weniger im Vordergrund standen: Sakrament der Teilhabe an der Geistsendung (heilsgeschichtlicher Aspekt), Sakrament der Beauftragung zur Mitarbeit an der Sendung der Kirche (ekklesiologischer Aspekt), Sakrament der Vollendung der Taufe (liturgischer bzw. theologiegeschichtlicher Aspekt), Sakrament der Mündigkeit (anthropologischer bzw. religionspädagogischer Aspekt) (Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz, 1993, 49f.; ausführlich zu den theologischen Entwürfen in der nachkonzialen Phase: Winger, 2019, 102-121). Diese Sinndeutungen und weitere Aspekte der Katechese, wie z.B. die Inhalte des Firmsakraments oder Kirche als Begegnungs- und Erfahrungsraum kennenlernen, werden in zahlreichen Ausarbeitungen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung erarbeitet. Auch auf der Ebene der kirchlichen Grundvollzüge finden – neben dem Schwerpunkt „Martyria“ (= Zeugnis für den Glauben) – unterschiedliche Schwerpunktsetzungen im Bereich der Liturgie oder Diakonie statt. Der Grundvollzug der Koinonia (= Gemeinschaft im Glauben) wird stets betont. Höring unterscheidet Konzepte, deren Ziel „Initiation ins Erwachsenenalter“ (2011, 119) ist; Konzepte, die „erlebnispädagogisch inspiriert“ (Höring, 2011, 123), diakonisch, biografisch oder biblisch orientiert sind (zum Überblick über die jeweils aktuellen Arbeitshilfen: Schlüter/Theodor, 2002; Schlüter/Theodor, 2005; Höring, 2011, 119-144; Höring, 2014, 121-167; umfassend zur Firmung ab 17 oder 18 Jahren vgl. das Handbuch von Ottiger/Jakobs/Arnold, 2019).
5. Firmkatechese angesichts aktueller Herausforderungen
Trotz (oder wegen?) der Fülle an Gestaltungsmodellen für firmkatechetische Prozesse, steht Firmkatechese wesentlich häufiger in der Diskussion als Eucharistiekatechese. Im Folgenden sollen einige Hintergründe skizziert werden.
5.1. Ungeklärte Firmtheologie
Die Variationsbreite der Zielsetzungen von Firmkatechese spiegelt letztlich die Uneindeutigkeit der Firmtheologie. (Zur Begründung der einzelnen Ansätze vgl. Wollbold, 2020, 366-372). Wie beschrieben, wird die Bedeutung der Firmung als eigenständigem Sakrament (Hillberath, 2001) und die Rückkehr zur ursprünglichen Reihenfolge Taufe – Firmung – Erstkommunion (exemplarisch Zerfaß, 1971; Biemer, 1973; Angenendt, 1984, 89; Brosseder, 2005, 252-256; Langenhorst, 2015, 39) immer wieder diskutiert.
5.2. Die Diskussion des Firmalters
Je nachdem, welche Bedeutung der Firmung zugewiesen wird, variieren die Vorstellungen vom idealen Firmalter (ausführlich zu den verschiedenen Begründungen: Wollbold, 2020, 374-376). Firmung als Initiation ins Jugendalter geht von einem geringeren Alter aus, während eine Initiation ins Erwachsenalter ein höheres Alter voraussetzt. Als Knotenpunkt an der Lebenswende im Übergang von Schule zu Studium oder Arbeitswelt ist eine Firmspendung vom 18. Lebensjahr an sinnvoll (Mette, 2006, 419f.). Ist die Erneuerung des Taufversprechens zentraler Inhalt, spricht nichts gegen ein Alter zwischen 12 und 14 Jahren, sofern dieses Taufversprechen nicht mit der (in diesem Alter nicht einzuholenden) Mündigkeitserklärung und Zeugenschaft verbunden wird (Langenhorst, 2015, 38). Entwicklungspsychologisch steht im Alter von 14-16 Jahren ein schrittweises Erreichen von innerer Selbstständigkeit an. Eine zeitweise Abgrenzung von Vorgaben Erwachsener ist Teil dieses Prozesses; daher eignet sich dieses Alter nur bedingt für eine Verpflichtung in der Gemeinde. Soll die ursprüngliche Reihenfolge der Initiation wieder hergestellt werden, so könnte Firmung als Übergangsritual bei der Einschulung gespendet werden und wäre hier als Begleitung einer Lebenswende erlebbar (Langenhorst, 2015). Allerdings würde sich die Sakramentenspendung im Grundschulalter, und damit in nur einer entwicklungspsychologischen Phase, verdichten (kritisch Stuflesser/Winter, 2004, 92-94; Langenhorst, 2015, 38).
5.3. Das Auseinandertreten von gelebter Religiösität und gelehrter Religion
„Während noch vor wenigen Jahrzehnten eine relativ unproblematische Firmpraxis in der Kirche anzutreffen war (im frühen Alter, in enger Nachbarschaft zur Erstbeichte und Erstkommunion, jahrgangsweise, im Klassenverband und ohne besonderes Engagement der Eltern und der Pfarrgemeinde, ‚Nachbereitung‘ in Folge des ‚katholischen Klimas‘), macht es die schwindende Selbstverständlichkeit kontinuierlicher religiöser Sozialisationsprozesse (→ Sozialisation, religiöse
Aktuelle Untersuchungen zur Religiosität belegen, dass die private Religiosität und die kirchlich vermittelte Gestalt von Religion immer weiter auseinandertreten (vgl. die Milieu-Studien; → Milieu und Religion
Dies lässt eher Distanz als Nähe aufkommen. Verstärkt wird diese Diskrepanz noch dadurch, dass dem Fest der Firmung sowohl in den Gemeinden als auch in den Familien weniger Bedeutung zugewiesen wird als der Erstkommunion. Jugendliche bewerten katechetische Erwartungen kritischer und entscheiden sich häufiger gegen die Firmung.
5.4. Die Krise des Formats Gruppenarbeit
Jugendliche nehmen Gemeinden und ihre Formen der Vergemeinschaftung nur bedingt als attraktiven Erfahrungsraum für den eigenen Glauben wahr. Sie suchen Gemeinschaft, aber auf kurze Dauer, lokal ungebunden und passend zum eigenen Lebensstil. Stärker gefragt als längerfristige Gruppen sind Events und Vergemeinschaftung über wenige Tage, wie z.B. Taizétreffen (→ Taizé
5.5. Die didaktische Spannung zwischen Inhalts- und Beziehungsorientierung
Viele Modelle konzipieren Katechese mit dem vorrangingen Ziel der Vermittlung von Inhalten. Die Rede ist dann oft von „Firmunterricht“, und dieser wird entsprechend schulischer Taxonomien bewertet (Meidl, 2012; Müllner, 2011). Die – meist implizite – Didaktik entspricht eher schulischem Unterricht als den Leitvorstellungen der Gemeindekatechese (Höring, 2011, 271; Höring, 2014, 39-52). Es ist zu bezweifeln, dass ein „Mehr an schulischer Didaktik“ zum Ziel führt und dass Katechetinnen und Katecheten diesem Anspruch gerecht werden können oder wollen (Kaupp, 2007). Die Chance der Katechese liegt stärker auf der Beziehungsebene (Langenbacher, 2010, 192-313; Könemann/Sajak/Lechner, 2016, 113-134; Theis, 2025, 33-36), wobei Inhalte und Beziehung als zwei Seiten des Glaubenlernens verstanden werden, wie es in den katechetischen Standards in „Katechese in veränderter Zeit“ aufgezeigt wird (Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, 2004, 21-26). In diesem Anliegen sollten sich Katechese und Religionsunterricht deutlicher ergänzen. Eine vorschnelle Rückverlegung in die Schule, die aus organisatorischen Gründen naheliegen mag, würde die katechetischen Chancen behindern (Kaupp, 2013).
5.6. Initiation als lebenslanger Prozess
Versteht man die Initiation theologisch nicht als punktuelles Ereignis, sondern als lebensgeschichtlichen Prozess, so kann Taufe als Beginn einer Initiation gesehen werden, die im Laufe der Lebensgeschichte zum Ende kommt. Taufe und Firmung sind dann „Wegmarken einer wachsenden Beziehung“ (Höring, 2011, 157), die immer wieder begleitender Angebote bedarf. Das erfordert, dass jeder Wegmarke eine eigenständige Bedeutung zukommt. Eine andere Überlegung ist, inwieweit der Gedanke der „Besiegelung“ durch den der Bestärkung an Lebenswenden oder in Krisen ersetzt werden kann. Die Umbrüche in der Zeit der Pubertät können als eine solche Krise verstanden werden, die eine Begleitung bedarf. Nötig sind Personen als Patinnen und Paten, die eine solche Lebensbegleitung in dieser Zeit leisten können (Kaupp, 2024, 103). Ein solches Ritual der Bestärkung (→ Übergangsrituale
6. Fazit
Die gegenwärtige Situation der Firmkatechese ist zweifellos vielerorts nicht zufriedenstellend. Mehr noch als bei anderen Formen der Sakramentenkatechese belegt das Unbehagen, dass eine noch so gute und engagierte katechetische Arbeit letztlich nicht die Antwort auf eine ungeklärte Theologie sein kann bzw. dass theologische Spannungen katechetisches Arbeiten erschweren. Eine theologische Klärung, welche die Lebensrealität heutiger Menschen berücksichtigt, ist zu wünschen. Aus praktisch-theologischer Perspektive scheint eine weitere Vervielfältigung von Modellen nicht zielführend. Hilfreich wären empirisch belastbare Untersuchungen zu Erleben und Wirkung der Firmkatechese unter Berücksichtigung der vielfältigen Modelle auf den Glauben der Gefirmten (als Ansatz in diese Richtung: Langenbacher, 2010, 262-309). Auch die Chancen, Firmkatechese als Arbeit mit jungen Erwachsenen (→ Erwachsenenbildung
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