Deutsche Bibelgesellschaft

(erstellt: Oktober 2025)

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1. Termini

Die hebräische Bezeichnung für Milch lautet חָלָב ḥālāv, die griechische γάλα gala.

2. Bedeutung im Alltagsleben

Milch gehörte sowohl für herumziehende Hirten (vgl. 1Kor 9,7) als auch für Sesshafte zu den Grundnahrungsmitteln (Gen 18,8; Spr 27,27; Jes 55,1; Sir 39,26), wobei im Vokabular nicht zwischen frischer Milch und Sauermilch unterschieden wird. Letztere galt als besonders durststillend (Ri 4,19) und wurde deswegen auch Gästen gereicht (Gen 18,8, vgl. Ri 5,25). Aufgrund der geringen Haltbarkeit von Frischmilch verarbeitete man diese zu Butter bzw. Butterschmalz (Spr 30,33) und Käse (1Sam 17,18; Hi 10,10). Hi 10,10 nennt den Vorgang des Gerinnens. Wichtigste Milchlieferanten waren Ziege (Spr 27,27) und Schaf; Kuhmilch wird nur in Dtn 32,14 als Ausgangsprodukt von Butter vorausgesetzt. Aufbewahrt wurde die Milch in Schläuchen (Ri 4,19). Milch als Opfergabe ist nicht belegt.

3. Metaphorik

Bildlich erscheint Milch für alles, was weiß ist und somit als besonders schön galt: Zähne sind weiß wie Milch (Gen 49,12), aber auch die mit dem schwarzen Haar kontrastierenden Augen des Geliebten (Hhld 5,12) oder die schönen Körper der jungen Männer Jerusalems (Klgl 4,7). In der Liebessprache kann Milch in Verbindung mit Honig auch Süßigkeit und Sanftheit ausdrücken: Unter der Zunge der Geliebten findet der Liebende die begehrte Milch (Hhld 4,11). Und das Trinken der Milch steht für Liebesgenuss (Hhld 5,1). Milch symbolisiert schließlich auch Überfluss und Reichtum (Joel 4,18; vgl. Jes 60,16). Zu Gerichtsdrohungen gehört der Hinweis, dass fremde Völker Früchte und Milch verzehren werden und so dem eigenen Volk die Lebensgrundlagen nehmen (Ez 25,4). In Hi 10,10 ist bildlich vom Ausgießen der Milch die Rede, das dem ersten Stadium der Menschenschöpfung gleicht (→ Käse, 3.)

4. Das Verbot, das Böcklein in der Milch seiner Mutter zu kochen

Das Verbot, das Böcklein in der Milch seiner Mutter zu kochen (Ex 23,19; Ex 34,26; Dtn 14,21), soll die natürliche Beziehung zwischen dem säugenden Muttertier und ihrem Jungtier schützen (vgl. Keel 1980; → Ziege / Ziegenbock; → Speisegebote [AT]).

5. Muttermilch

Im Alten Testament wird nur in Jes 28,9 von der Muttermilch als Nahrung von Säuglingen gesprochen, die erst zwischen dem dritten und dem fünften Lebensjahr entwöhnt wurden. Anders im Neuen Testament: Hier steht die Milch als Nahrung von Neugeborenen im Gegensatz zu fester Speise mehrfach in bildlicher Rede für die Anfangsgründe und Grundelemente der christlichen Botschaft. Während Hebr 5,12f. und 1Kor 3,2 kritisch anmerken, dass die jeweils Angesprochenen dieses Anfangsstadium des Glaubens noch nicht überwunden haben, ist die in 1Petr 2,2 angesprochene Milchnahrung Sinnbild für die zur Rettung führende Heilsbotschaft, um die sich die Christen bemühen sollen, um im Glauben zu wachsen.

Literaturverzeichnis

1. Lexikonartikel

  • Paulys Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft, Stuttgart 1893-1980
  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928-2018
  • Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Stuttgart 1933-1979
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973-2015
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., 1939, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. VI: Zeltleben, Vieh- und Milchwirtschaft, Jagd, Fischfang, Gütersloh
  • Keel, O., 1980, Das Böcklein in der Milch seiner Mutter und Verwandtes. Im Lichte eines altorientalischen Bildmotivs (OBO 33), Fribourg/Göttingen
  • Schorch, S., 2010, „A Young Goat in its Mother’s Milk”? – Understanding an Ancient Prohibition, VT 60, 116-130

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