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5.5. Das Hohelied Salomos/Canticum Canticorum (Hhld)

Name

Auch das „Lied der Lieder“ (שִׁיר הַשִּׁירִים, šîr haššîrîm) wird dem König Salomo zugeschrieben, da Salomo oder zumindest ein König an verschiedenen Stellen genannt wird (1,4; 8,11). Es gehört ebenfalls zu den fünf Megillot und wurde dem Passafest zugeordnet, weil sich im Auszug aus Ägypten, an den zu Passa erinnert wird, die Liebe Gottes zu seinem Volk in besonderer Weise gezeigt hat.

Deutung

Die Zugehörigkeit des Buches zum Kanon war lange umstritten, es wurde aber aufgenommen, weil man die beschriebene Liebe zwischen Mann und Frau allegorisch auf die Beziehung zwischen Gott und Israel deutete. Der Gottesname wird allerdings nur an einer Stelle (8,6) abgekürzt erwähnt, sonst finden sich im Buch keine expliziten Verweise auf Gott. Auch die klassischen Themen der alttestamentlichen Überlieferung fehlen weitestgehend.

Die christliche Kirche übernahm die allegorische Interpretation und deutete sie auf das Verhältnis von Christus zu seiner Kirche um. Doch noch im ersten nachchristlichen Jahrhundert wurde nach rabbinischer Überlieferung das Lied in Wirtshäusern gesungen (Tos Sanh. XII,10), also ganz buchstäblich als Liebeslied verstanden. Im NT wird nicht auf das Hohelied Bezug genommen, in Qumran sind allerdings Handschriftenfragmente belegt.

Inhalt

Das Hohelied ist eine Sammlung von ca. 30 einzelnen Liebesliedern, die zu einem Dialog zwischen Frau und Mann komponiert wurden. Dabei steht die Frau offenkundig im Mittelpunkt, ihre Lieder eröffnen und beschließen die Sammlung, von ihr geht die Initiative zur Liebe aus. Manche Ausleger nehmen daher an, dass es sich um einen Monolog der Frau handele, in dem die Rede des Geliebten zitiert wird. Angesprochen sind die Töchter Jerusalems, denen die Erlebnisse der Beziehung geschildert werden. Es mag sein, dass die Lieder ursprünglich bei Hochzeiten oder Banketten gesungen worden sind; ähnliches ist aus Ägypten bekannt. Man hat auch versucht, in der Sammlung ein Textbuch für ein Singspiel oder Drama zu sehen. Es ist nicht recht erkennbar, nach welchen Kriterien die Texte aneinandergereiht wurden.

Alter

Das Alter des Buches ist kaum zu bestimmen. Wahrscheinlich sind hier ältere Liedstücke gesammelt, die ihrerseits auch außerisraelitische Wurzeln haben können. Die endgültige Zusammenfassung und Komposition ist in nachexilischer Zeit erfolgt.

Digitale Bibelkunde

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Die Texte auf dieser Seite sind mit freundlicher Genehmigung übernommen aus:

Cover der Bibelkunde des Alten Testaments von Martin Rösel

Rösel, Martin: Bibelkunde des Alten Testaments. Die kanonischen und apokryphen Schriften. Mit Lernübersichten von Dirk Schwiderski, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 11., veränd. Aufl. 2021.

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