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Fasten

Der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken ist in der Bibel eine übliche religiöse Praxis.

Das Fasten kann aus zwei Gründen geschehen: als Ausdruck von Trauer und Sühne sowie zur Vorbereitung auf eine Begegnung mit Gott. Das Fasten kann privat von einer einzelnen Person durchgeführt werden oder öffentlich vom ganzen Volk. Normalerweise dauert das Fasten einen Tag und eine Nacht, bei besonderen Anlässen aber auch länger.

Fasten als Ausdruck von Trauer und Sühne

Wenn in biblischer Zeit ein nahestehender Mensch gestorben war, nahmen die Trauernden keine Nahrung zu sich. Damit zeigten sie, dass sie mit diesem Menschen auch ein Stück von sich selbst verloren hatten (z.B. König Davids Trauer um den Heerführer Ahab; 2. Samuel 3,35). Nach dem Tod eines Königs fastete sogar das ganze Volk als Zeichen der Trauer (z.B. nach dem Tod König Sauls; 1. Samuel 31,13).
Fasten konnte jedoch ebenso Betroffenheit über eigene Schuld zum Ausdruck bringen. Die Einsicht, etwas Unrechtes getan zu haben, führt dazu, dass ein Mensch seine Tat bereut. Weil durch Schuld immer auch das Verhältnis zu Gott gestört ist, sollte das Zurücknehmen der eigenen Person Gott signalisieren, dass der Mensch seine Schuld anerkennt und sein Leben wieder in Ordnung bringen will (z.B. fastet König David, als der Prophet Natan ihn wegen des Ehebruchs mit Batseba zur Rechenschaft ruft; 2. Samuel 12,13-25). Entsprechend konnte auch das ganze Volk fasten, um so seine Schuld zu bekennen und seine Bereitschaft zur Umkehr anzuzeigen (1. Samuel 7,6).

Fasten zur Vorbereitung auf eine Begegnung mit Gott

Die Zurücknahme der eigenen Person durch Fasten kann jedoch auch einen anderen Sinn haben: Wer fastet, schafft in sich so etwas wie einen leeren Raum, der dazu bereit ist, dass Gott ihn mit seiner Gegenwart füllt. So fastete Mose 40 Tage, bevor er die Zehn Gebote empfing (2. Mose/Exodus 34,28) oder der Prophet Elija, bevor Gott ihm erschien (1. Könige 21,9). In diese Reihe gehört auch Johannes der Täufer, dessen Fasten ihn als Propheten und Seher kennzeichnet (Matthäus 11,18). Auch seine Jünger scheinen regelmäßig gefastet zu haben (Markus 2,19).  
Jesus selbst hat nicht gefastet, es auch abgelehnt, dass seine Jünger fasteten, solange er bei ihnen war. Weil mit ihm in dieser Welt das Reich Gottes anbricht, ist die Zeit seines Wirkens eine Freudenzeit, in der kein Raum für Trauer ist. Er verkörpert das gnädige Handeln Gottes, das den Menschen ihre Schuld vergibt und sie in Liebe annimmt. Im Christentum wurde das Fasten dann jedoch wieder üblich, insbesondere vor und am Karfreitag, dann aber auch generell an Freitagen zur Erinnerung an den Tod von Jesus sowie vor der Taufe. Die Leiter der Gemeinde fasteten vor der Aussendung von Missionaren (Apostelgeschichte 13,1­3) und der Einsetzung von Ältesten (Apostelgeschichte 14,23). So wie die Propheten des Alten Testaments vor einem rein äußerlichen Fasten gewarnt haben, warnt das Neue Testament jedoch vor einem Zur­schau­stellen des Fastens (Matthäus 6,16-18), das mit seinem eigentlichen Sinn nichts mehr zu tun hat.


(Quelle: ​BasisBibel. Das Neue Testament und die Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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