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Einführung: Das Buch Sacharja

Das Buch Sacharja besteht aus drei Teilen. Nur im ersten Teil (1–8) enthält es Worte des Propheten Sacharja. Im Zentrum seiner Botschaft stehen Visionen über die Zukunft Jerusalems. Der Prophet schaut sie in einer einzigen Nacht, weshalb sie auch als »Nachtgesichte« bezeichnet werden. Sie werden – im Zusammenhang mit dem Buch Haggai – in die Zeit datiert, als der Tempel in Jerusalem wieder aufgebaut wurde (520–518 v. Chr.). Der zweite und dritte Teil (9–11; 12–14) enthalten Texte aus einer späteren Zeit. Anspielungen auf die Eroberung der Stadt Tyros in 9,1-6 geben zu erkennen, dass hier ein Feldzug aus dem Jahr 332 v. Chr. vorausgesetzt ist, durch den Alexander der Große (336–323 v. Chr.) das Land bis nach Gaza in Besitz genommen hat. 



Die Visionen bilden ursprünglich einen Zyklus aus sieben Nachtgesichten, die ringförmig um die um Mitternacht empfangene Vision angeordnet sind: Die erste Vision von den Reitern und Pferden (1,7-17) versichert Jerusalem, dass Gottes Eingreifen unmittelbar bevorsteht. Die zweite Vision von den Hörnern und Handwerkern (2,1-4) kündigt an, dass die Feinde Judas entmachtet werden. Die dritte Vision von dem Mann mit der Messschnur (2,5-9) zeigt, dass Jerusalem als eine offene Stadt wieder aufgebaut wird. Die vierte Vision erzählt von der himmlischen Einsetzung des Hohepriesters Jeschua (3,1-10). Sie wurde später hinzugefügt. Die heute fünfte Vision vom goldenen Leuchter und den beiden Ölbäumen (4,1-14) stand damit im Zentrum des ursprünglich siebenteiligen Visionszyklus. Sie verheißt die Gegenwart Gottes, dem der Hohepriester und der königliche Herrscher dienen. In der sechsten Vision (5,1-4) steht die fliegende Schriftrolle für den Fluch über Diebe und falsche Zeugen, und in der siebten Vision (5,5-11) steht die Frau in der Tonne für das Böse, das aus Jerusalem entfernt wird. Schließlich verheißt die achte Vision von den Wagen und Pferden (6,1-8), dass Gottes Geist in die Welt gebracht wird. Wie im Buch Daniel tritt dem Propheten ein Engel zur Seite, der ihm hilft, seine Visionen zu deuten. 



Im zweiten und dritten Teil des Prophetenbuches (9–11; 12–14) sind Texte zusammengestellt, die von der Wiederherstellung Gesamtisraels handeln und Ereignisse der Endzeit in den Blick nehmen: den Ansturm der Völker gegen Jerusalem und die herrliche Zukunft der Stadt als Ort des Friedens in der Welt. Unter diesen Texten findet sich auch die bekannte Verheißung vom Kommen des Friedenskönigs (9,9-11). Sie wird im Neuen Testament im Zusammenhang mit dem Einzug von Jesus in Jerusalem zitiert (Matthäus 21,4-5; Johannes 12,14-15).

 

(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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