Einführung: Das Buch Jeremia
Das Buch Jeremia ist das längste Prophetenbuch und beschäftigt sich wie kein anderes mit den letzten Jahrzehnten des Königreichs Juda und seiner Eroberung durch den babylonischen König Nebukadnezzar II. 586 v. Chr. Die Entstehung des Prophetenbuchs beginnt bereits parallel zum Wirken des Propheten, da sein Schreiber Baruch eine Schriftrolle mit seinen Worten angefertigt hat (36,4
Nach der Überschrift (1,1-3
Der erste Buchteil (1–25) gliedert sich in drei Abschnitte: Der erste Abschnitt (1–6) handelt von der Berufung des Propheten, von der Schuld des Volkes und der Ankündigung eines Feindes aus dem Norden, womit die Babylonier gemeint sind. Im zweiten Abschnitt (7–20) folgen Gerichtsworte, die der Prophet zur Zeit von König Jojakim (609–598 v. Chr.) gesprochen hat. Im dritten Abschnitt (21–25) wendet sich Jeremia gegen König Zidkija (597–586 v. Chr.), hohe Beamte und falsche Propheten. Dem Volk wird angekündigt, dass es in die Verbannung nach Babylonien gehen muss. Der zweite Buchteil (26–45) bietet vor allem Erzählungen über den Propheten Jeremia. Sie schildern sein Wirken bis zur Zerstörung Jerusalems (26–38) und sein weiteres Schicksal (39–44). Schließlich folgen im dritten Buchteil (46–51) Gerichtsworte über die Völker. Ein geschichtlicher Anhang (52) bietet einen Bericht über die Eroberung und Zerstörung Jerusalems, der auch in 2. Könige 24,18–25,30 überliefert ist.
Eine wichtige Rolle in der Verkündigung Jeremias spielt die sogenannte Tempelrede (7,1–8,3
Eine besondere Textgruppe im Buch Jeremia bilden die fünf »Konfessionen« (11,18–12,6
Ein weiteres Mittel der Verkündigung sind die »Zeichenhandlungen« des Propheten (13,1-11
Jeremias Verkündigung ist vor allem durch Gerichtsansagen geprägt. In seinem Prophetenbuch finden sich aber auch Texte, die eine heilvolle Zukunft ankündigen. Zu nennen sind die Verheißung eines gerechten Königs, der aus dem Haus David stammen und von Gott als dessen Nachfolger eingesetzt wird (23,5-6
Das Buch Jeremia setzt sich intensiv mit dem Untergang von Königreich und Tempel auseinander. Dieses Ereignis von 586 v. Chr. wurde nicht nur als eine Katastrophe, sondern auch als eine tiefe Krise im Verhältnis zu Gott erfahren. Zu den Texten, die das Erlebnis der Zerstörung Jerusalems zu verarbeiten versuchen, gehören auch die Klagelieder. In der Anordnung der christlichen Bibel folgen sie unmittelbar auf das Jeremiabuch.