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20. Tag: Johannes 10,1-21

In 35 Tagen durch das Johannesevangelium

Bibeltext(e)

Der gute Hirte

1Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe. 3Dem macht der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus. 4Wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. 5Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht. 6Dies Gleichnis sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was er ihnen damit sagte.

7Da sprach Jesus wieder: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. 8Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. 9Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden. 10Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.

11Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, 13denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. 14Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

16Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden. 17Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich’s wieder empfange. 18Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu empfangen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater.

19Da entstand abermals Zwietracht unter den Juden wegen dieser Worte. 20Viele unter ihnen sprachen: Er ist von einem Dämon besessen und ist von Sinnen; was hört ihr ihm zu? 21Andere sprachen: Das sind nicht Worte eines Besessenen; kann denn ein Dämon die Augen der Blinden auftun?

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Basic Christsein – Schafe und andere tierische Vergleiche
Wenn Jesus predigt, gebraucht er dabei gerne Tiere als Veranschaulichung. Das Bild des Hirten mit seiner Schafherde ist dabei sehr zentral und zieht sich durch die ganze Bibel. Den Schafen gegenüber stehen die Wölfe – Menschen, die gegen Jesus und seine Jünger arbeiten und an einer Stelle auch als falsche Propheten benannt werden (Matthäus 7,15). Dennoch sendet Jesus seine Jünger wie Schafe unter eben diese Wölfe, trägt ihnen aber auf, klug wie die Schlangen, zugleich aber aufrichtig wie die Tauben zu sein (Matthäus 10,16). Noch nicht genug der Tiere: Die Raben sind ein Vorbild darin, ohne belastende Sorgen zu leben, denn sie säen und ernten nicht, Gott aber ernährt sie doch (Lukas 12,24+25). Einmalige Erwähnung findet außerdem der Fuchs (Lukas 13,32).

Zum Text
Es ist von Schafen die Rede, von einem Hirten, von Dieben und von Leuten, die Schafe gegen Lohn hüten. Was genau sagt der Text alles über die einzelnen Charaktere? Was zeichnet sie aus, gerade auch in Abgrenzung gegen die anderen Charaktere? Wofür stehen sie? Kannst du dich in diesem Gleichnis wiederfinden? Gibt es einen Gedanken, der dich besonders fasziniert oder dich ins Nachdenken bringt? An dieser Stelle lohnt es sich, auch noch die Artikel zu den entsprechenden »Ich bin«-Worten zu lesen. Viel Spaß und gute Erkenntnisse beim Eintauchen in diese schafe Welt!
Ich bin das Tor.
Johannes 10,7+9 (Kontext: 10,1-18)
Jesus bezeichnet sich selbst bildhaft als Tor eines Schafstalls. Ein solcher Stall bestand zu seiner Zeit aus einem ummauerten Hof neben einem festen Haus, wo die Schafe zum Schutz vor wilden Tieren und Dieben über Nacht untergebracht wurden – oft sogar mehrere Schafherden unterschiedlicher Hirten in einem Stall. Schutz bot außerdem ein Torwächter, der nur die ihm bekannten autorisierten Personen gewähren ließ. Das Tor des Schafstalls ist die einzige Möglichkeit, von draußen nach drinnen und von drinnen nach draußen zu gelangen, sowohl für die Hirten als auch für die Schafe – alle müssen das Tor passieren. Die frommen Pharisäer, mit denen Jesus sich hier unterhält (9,40; 10,6), dachten wohl, sie wären auf jeden Fall auf der sicheren Seite, gehörten sie doch zum Volk Israel, das Gott selbst als Oberhirte als seine Herde erwählt hatte (Psalm 79,13; 100,3; Jesaja 40,11). Außerdem gehörten sie ja zur führenden religiösen Elite! Jesus setzt jedoch völlig neue Maßstäbe für die Zugehörigkeit zu Gottes Volk: Allein durch ihn, das Tor, ist dies möglich. Wer durch ihn hineingeht, d. h. völlig darauf vertraut, dass er der von Gott gesandte Retter ist, gehört fortan zu Gottes wahrer Herde, deren Hirte Jesus selbst ist. Wer aber Jesus als Messias ablehnt und lieber selbsternannten Erlösergestalten hinterherläuft, macht damit klar, dass er nicht zu diesem neuen Gottesvolk gehört – auch wenn er ein frommer Pharisäer ist.
Fazit: Nur an Jesus entscheidet sich die Zugehörigkeit zu Gottes Volk. An ihm kommt keiner vorbei.
Ich bin der gute Hirt.
Johannes 10,11.14 (Kontext: 10,1-18)
Ein Hirte und seine Schafherde – Idylle pur. Doch was steckt dahinter? Schafe sind nicht unbedingt kluge Tiere. Sie fressen einfach alles – auch mal giftige Pflanzen oder viel zu viel. Sie verlaufen sich leicht und können nicht gut sehen. Raubtieren sind sie praktisch wehrlos ausgeliefert. Sie sind absolut schutzbedürftig und abhängig. Ohne einen Hirten, der sich um sie kümmert und sie beschützt, sind sie hoffnungslos verloren. Schafe können jedoch sehr gut hören und lernen im täglichen Umgang, die Stimme ihres Hirten von anderen zu unterscheiden. Sie wissen aus Erfahrung, dass es ihnen in seiner Nähe gut geht, und deshalb folgen sie ihm (10,4+14), wenn er sie namentlich aus dem Schafstall herausruft, und orientieren sich an seinen gezielten Rufen. In der Bibel ist immer wieder die Rede von schlechten Hirten (Jesaja 56,9-11; Hesekiel 34,1-10) – Führer des Volkes Israel, die egoistisch handeln und das Volk unterdrücken und ausbeuten. Sie sind Diebe, Räuber und Lohn-Hirten, denen die Schafe nicht wirklich am Herzen liegen (10,10-13). Jesus dagegen ist der +gute+ Hirte, der seine Schafe kennt, sie liebt (Matthäus 9,36), sich um sie kümmert und dabei sogar sein Leben lässt. Wer auf ihn vertraut, findet Aufnahme in seine Herde (10,10), denn er ist der von Gott angekündigte (Hesekiel 34,11-16) und eingesetzte Oberhirte über sein neues Volk (1Petrus 2,25; Hebräer 13,20).
Fazit: Jesus ist der, der für die Seinen bis zum Äußersten geht.

die-Bibel.dev.4.19.1
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