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Inhalt der fünf Bücher Mose/Tora

Erster Mose/Genesis

Das Buch Genesis gliedert sich nach seinen großen Themen. Es beginnt mit Erzählungen über die Schöpfung, die Sintflut und den Turmbau zu Babel, die man zusammengenommen als Urgeschichte bezeichnet (1–11). Es folgen Geschichten über die Vorfahren des Volkes Israel. Sie erzählen von den Elternpaaren Abraham und Sara, Isaak und Rebekka (12–26), von den Brüdern Jakob und Esau (27–36), und schließlich von Josef und seinen Brüdern (37–50).

Die Erzählungen von der Schöpfung beschreiben die Anfänge der Welt und der Menschheit. Sie vermitteln ein grundlegendes Bekenntnis des Glaubens: Die ganze Welt, so wie sie ist, ist Gottes Werk. Er hat sie nach einer bestimmten Ordnung geschaffen. Besonders deutlich wird das in der ersten Schöpfungsgeschichte (1,1–2,4). Gott schafft durch sein Wort die Ordnung der Zeit (Tag und Nacht) und des Raums (Land und Meer). In der zweiten Schöpfungserzählung (2,4–3,24) zeigt sich aber auch ein anderer Gesichtspunkt: eine grundlegende Spannung zwischen der von Gott geschaffenen Ordnung und der Freiheit des Menschen. Die Missachtung der Ordnung (Sündenfall) führt zur Vertreibung aus dem Paradies. Anschließend wird von dem Mord Kains an seinem Bruder Abel berichtet (4,1-16). Die Geschichte von Noah und der Sintflut (6,5–9,29) endet mit Gottes Versprechen: »Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um des Menschen willen, denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf« (8,21).

Die Erzählung über die Erzeltern (12–26) besteht im Wesentlichen aus Einzelsagen. Durch die Verheißungen Gottes werden sie recht locker zusammengehalten. Wegweisend ist die Abrahamsverheißung, die den Sagenkreis in 12,1-3 eröffnet. Mit der Land-, Nachkommens- und Segensverheißung knüpft sie den roten Faden, der sich durch die einzelnen Erzählungen zieht. In diesem Bereich steht auch die Erzählung vom Opfer Abrahams, die in der jüdischen Tradition als Bindung Isaaks bezeichnet wird (22). In ihr geht es um die äußerste Gefährdung der Nachkommenschaft durch Gott selbst. Es ist aber auch Gott, der Isaak rettet und dadurch seine Nachkommensverheißung bestätigt.

Die Erzählung von Jakob und Esau (27-36) weist einen deutlicheren Zusammenhang auf. In ihr geht es wesentlich um den Konflikt zwischen den beiden Brüdern. Dieses Grundthema wird einzig unterbrochen durch die Geschichte von Jakobs Aufenthalt in Haran (Gen 29-31), wo er seinem Onkel Laban für Lea und Rahel zweimal sieben Jahre dient. Jakob, der den Namen »Israel« erhält, wird zum Vater von zwölf Söhnen, die als »Stammväter« des Volkes Israel gelten (35,21-26).

Der Gegensatz zwischen menschlichem Planen und göttlicher Lenkung im Hintergrund des Geschehens bestimmt die Geschichte von Josef und seinen Brüdern. Sie beginnt mit dem Neid seiner Brüder (37,12-36), der dazu führt, dass Josef als Sklave nach Ägypten verkauft wird. Dort steigt er jedoch zum höchsten Beamten am Hof des Pharao auf. Durch kluge Bevorratung an Getreide schafft er die Voraussetzung, seinen Vater und seine Brüder, die er nach Ägypten holt, vor dem Hungertod in Kanaan zu bewahren. Die Erzählung endet mit der Einsicht, dass Gott das Geschehen nach seinem Willen zum Guten führt: »Ihr gedachtet, es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen« (50,20).

Das Neue Testament rückt vor allem in den Blick, dass Abraham den Verheißungen Gottes geglaubt hat (15,6). Nach Paulus ist es dieser Glaube, der Abraham zum Stammvater der Heiden macht (Römer 4; Galater 3).

Zweiter Mose/Exodus

Das zweite Buch Mose trägt auch den Namen »Exodus«. Dieser Name bezieht sich auf den wichtigsten Inhalt des Buchs: den »Auszug« der Israeliten aus Ägypten. Kapitel 1 knüpft an den Aufenthalt der zwölf Söhne Jakobs in Ägypten an und berichtet, wie ihre Nachkommen zu einem großen Volk anwachsen und von den Ägyptern zur Sklavenarbeit gezwungen werden (1,11-14).

Das Buch lässt sich grob in drei Teile gliedern: Der erste Teil erzählt vom Auszug aus Ägypten und dem Beginn der Wüstenwanderung (1–18), der zweite Teil schildert den Aufenthalt des Volkes Israel am Berg Sinai mit dem Empfang der Zehn Gebote (19–24) und der dritte Teil die Errichtung des »Zelts der Begegnung«, das auch die »Stiftshütte« genannt wird (25–40).

Am Anfang des ersten Teils stehen die bekannten Geschichten von der Geburt des Mose, seiner Aussetzung und seiner Rettung (2,1-10) und von der Erscheinung Gottes im brennenden Dornbusch (3,1-10). Darin offenbart Gott dem Mose seinen Namen (3,11-14) und gibt ihm den Auftrag, Israel zu befreien (3,15-22). Die eigentliche Rettung der Israeliten aus Ägypten vollzieht sich in zwei Schritten: Der erste Schritt besteht in den zehn ägyptischen Plagen (7–11). Sie sind eigentlich Machterweise Gottes, die den Pharao dazu bringen sollen, Gott zu erkennen und sein Volk ziehen zu lassen. Von der Tötung der erstgegorenen Kinder, die zehnte ägyptische Plage, wird das Volk Israel verschont, weil es auf Gottes Anweisungen Lämmer schlachtet und mit dem Blut die eigenen Häuser bezeichnet. Zur Erinnerung an diese Nacht des Aufbruches wird im Ju¬dentum das Passafest gefeiert (12). Der zweite Schritt der Befreiung besteht im »Zug durch das Schilfmeer«. Die Rettung vor der Verfolgung durch die Ägypter (13–14) ist der Höhepunkt dieses Geschehens. Das wird durch zwei »Siegeslieder« unterstrichen, das Moselied (15,1-19) und das Mirjamlied (15,20-21).

Als das Volk auf dem Weg durch die Wüste zum Sinai gelangt ist, erscheint Gott auf dem Berg (19), verkündet Mose die Zehn Gebote (20) und schließt mit Israel einen Bund (24). Eingebettet in die Erzählung ist eine ältere Gesetzessammlung, die zahlreiche Beispiele aus dem alltäglichen Recht enthält. Sie wird als »Bundesbuch« bezeichnet (21–23).

Im dritten und letzten Teil des Buches geht es um die Errichtung des »Zelts der Begegnung«. Dieses Heiligtum der Wüstenzeit ist als Urbild des Jerusalemer Tempels gestaltet. Die Anweisungen zu seinem Bau (25–31) bilden mit der Beschreibung der genauen Ausführung dieser Anweisungen (35–40) einen Rahmen. Darin eingebettet ist die Geschichte vom ersten Widerstand der Israeliten gegen Gott mit der bekannten Erzählung vom goldenen Kalb (32). Doch Gott gibt dem Volk Israel eine zweite Chance und erweist sich dadurch als »barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue« (34,6).

Der »Auszug aus Ägypten« gilt als die grundlegende Glaubenserfahrung Israels und wird in den meisten Büchern der Bibel immer wieder aufgegriffen, bis hinein ins Neue Testament (1. Korinther 10,1-5).

Dritter Mose/Levitikus

Der Name »Levitkus« leitet sich ab von dem Stamm Levi, der zum Priesterdienst bestimmt ist. Entsprechend geht es in diesem Buch hauptsächlich um die Aufgaben der Priester und Leviten. Es verwendet dafür eine besondere Fachsprache, in der viele Begriffe vorausgesetzt sind (z.B. für die unterschiedlichen Opferarten).

Das Buch lässt sich in zwei Teile gliedern: Der erste Teil (1–16) bietet zunächst Bestimmungen zu den unterschiedlichen Arten von Opfern (1-7). Anschließend wird von der Priesterweihe Aarons und seiner Söhne sowie von den ersten Opferhandlungen erzählt (8-10). Da die Frage von rein und unrein entscheidende Bedeutung für den Umgang des Volkes mit dem Heiligtum hat, folgen entsprechende Verordnungen (11-15). Höhepunkt und Abschluss des ersten Teils bilden die Anweisungen für den Versöhnungstag (Jom Kippur), der einmal im Jahr gefeiert wird (16). An diesem Tag bewirkt Gott eine Aussöhnung mit seinem Volk, indem Priester, Heiligtum und Volk von Vergehen gereinigt werden. Dieses Fest hat bis heute eine große Bedeutung im Judentum.

Der zweite Teil bringt eine weitere Zusammenstellung gesetzlicher Bestimmungen (17–26). Die Sammlung wird »Heiligkeitsgesetz« genannt, denn in 19,2 heißt es: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott« (19,2). Dieser Kernsatz fordert die Israeliten dazu auf, ein Leben nach dem Willen Gottes zu führen. Genauso geht es bei allen Bestimmungen in der Gesetzessammlung um die Voraussetzungen, mit Gott in Kontakt zu kommen. Speisevorschriften (11,1-23 und 11,41-47) und Festkalender (23,1-44) richten sich nicht nur an das Fachpersonal am Heiligtum. Sie schaffen auch bei den übrigen Israeliten ein Bewusstsein für die Nähe Gottes im Alltag. Sie gipfeln im Gebot der Nächstenliebe (19,18) und der Fremdenliebe (19,33-34).

Die Bestimmungen für das Sühnopfer am Jom Kippur, durch das Gott eine Aussöhnung mit seinem Volk bewirkt, sind von grundlegender Bedeutung für das Neue Testament. Vor ihrem Hintergrund wird die Lebenshingabe Jesu als ein Sühnopfer interpretiert: Sein Tod wird durch das vergossene Blut am Kreuz als einschließende Stellvertretung verstanden, die den Glaubenden in die neue Gottesgemeinschaft hineinnimmt (Römer 3,25).

Vierter Mose/Numeri

Der lateinische Name »Numeri« bedeutet »Zahlen«. Er bezieht sich auf zwei Volkszählungen, von denen berichtet wird. Die Ergebnisse dieser Zählungen sind als Listen im Buch wiedergegeben.

Im ersten Teil des Buches (1–10) lagern die Israeliten noch immer am Berg Sinai, wo sie sich seit dem Auszug aus Ägypten aufhalten. Der zweite Teil (10–21) schildert, wie sie zu ihrem Weg durch die Wüste aufbrechen und einen Teil des Weges in das von Gott verheißene Land zurücklegen. Im dritten Teil (22–36) erreichen die Israeliten die Grenzen des Landes und beginnen damit, es in Besitz zu nehmen. In diesem Teil steht auch die Geschichte des Sehers Bileam (22–24).

Das Buch zeichnet das Bild eines idealen Volkes Israel, das als Verband aus zwölf Stämmen besteht. Es bildet eine Gemeinde, die rund um den Wohnort Gottes (»Zelt der Begegnung«) lebt. Gott selbst ist mitten unter den Israeliten gegenwärtig, auch und gerade auf dem Weg durch die Wüste. Die Gegenwart Gottes erfordert bestimmte Verhaltensweisen, die in den Gesetzestexten vorgeschrieben sind (zum Beispiel 5,1–6,27). Eingebettet in diese Be¬stimmungen ist der »Aaronitische Segen« (6,22-27), der bis heute im christlichen Gottesdienst eine wichtige Rolle spielt.

Das Verhalten der Israeliten auf dem Weg durch die Wüste ist immer wieder von Unzufriedenheit gegenüber Gott gekennzeichnet. Kurz bevor sie das verheißene Land erreichen, verlieren sie den Mut und ihr Vertrauen auf Gott (13,25-33). Zur Strafe müssen sie eine Generation lang in der Wüste bleiben. Später kommt es sogar zu einer Rebellion gegen Gott und den Führungsanspruch des Mose (16,1–17,28). Doch weder die Rebellion noch das Wirken von Feinden bringen Gott von seinen Plänen ab. Das zeigt auch die Geschichte von Bileam. Er soll dem Volk Israel schaden, wird aber von Gott daran gehindert (22–24).

Fünfter Mose/Deuteronomium

Das Buch wird in den einleitenden Versen als Sammlung von Reden bezeichnet, die Mose vor den Israeliten gehalten hat (1,1-5). Die Israeliten sind auf ihrem Weg durch die Wüste an der Grenze zum versprochenen Land angekommen. Mose darf das Land jedoch nicht betreten (32,48-52) und hält deshalb seine Abschiedsreden an das Volk. Weil Mose darin die Gesetze und Gebote aus den ersten vier Büchern der Bibel wiederholt, heißt das Buch »zweites Gesetz«. Das ist die Bedeutung des griechischen Worts »Deuteronomium«. Das Buch soll zusammen mit den Tafeln, auf denen die Zehn Gebote stehen, in die Bundeslade gelegt werden (31,24-29).

Die ältesten Teile des Buchs könnten auf die Zeit des Königs Joschija zurückgehen, der 640–609 v. Chr. in Juda regierte. Die Art der Darstellung und manche Inhalte des Buchs weisen aber darauf hin, dass der Text, so wie er heute vorliegt, deutlich jünger ist: Der Text selbst bezeichnet sich als »Wiederholung« der Gebote, die Gott am Horeb (= Berg Sinai) verkündet hat (4,11-15).

Das Buch hat drei Teile: Der erste Teil bietet einleitende Reden des Mose mit einem Rückblick auf die Geschichte und Mahnungen (1–11). In der Mitte steht eine Gesetzessammlung, die das »deuteronomische Gesetz« genannt wird (12–26). Im dritten Teil folgen Segen und Fluch sowie abschließende Reden (27–33). Das Schlusskapitel berichtet vom Tod des Mose (34,1-8).

Im ersten Teil finden sich zentrale Texte wie die Zehn Gebote (5,6-21; vgl. mit kleinen Abweichungen 2. Mose/Exodus 20,1-17) und das Grundbekenntnis Israels: »Höre Israel, der HERR ist uns Gott, der HERR ist einer. Und du sollst den HERRN, deinen Gott lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft …« (6,4-9). Nach seinen Anfangsworten wird dieser Text auch das »Schema Jisrael« (Höre Israel) genannt.

Die Mitte des Buches bildet das deuteronomische Gesetz. Die zentrale Botschaft lautet: Nur der eine Gott Israels darf verehrt werden. Und er darf nur an einem einzigen, von Gott selbst bestimmten Ort verehrt werden (12). Gemeint ist Jerusalem, obwohl die Stadt nicht ausdrücklich genannt wird. Weitere wichtige Texte sind das Königsgesetz, in dem die Pflichten des Königs festgelegt werden (17,14-20), und das Prophetengesetz (18,9-22). In ihm wird die Funktion des Propheten als Mittler zwischen Gott und Mensch bestimmt, prophetische Praktiken wie Orakeldeutung, Becherweissagung und Totenbeschwörung werden abgelehnt.

Das ganze Volk wird abschließend ermahnt, die Gebote einzuhalten. Es muss die Verantwortung dafür übernehmen. Die Folge von Gehorsam ist »Segen«, die Folge von Ungehorsam ist »Fluch«. Die Kapitel 27–28 führen genau aus, was damit gemeint ist.

Eine besondere Rolle spielt das Deuteronomium in den Königebüchern. In ihnen wird das Verhalten der Könige und des Volkes nach den Maßstäben des deuteronomischen Gesetzes beurteilt.

die-Bibel.dev.4.20.14
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