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Luther und die Apokryphen

Die Apokryphen der Lutherbibel – das sind Schriften, die nur im griechischen Alten Testament (der Septuaginta), nicht aber in der Hebräischen Bibel enthalten sind. Und ebendeshalb waren sie in ihrer Zugehörigkeit zum Kanon der Bibel lange Zeit umstritten.

„Nützlich und gut zu lesen“ – die Apokryphen der Lutherbibel. Ein Beitrag von Martin Rösel

„Apocrypha. Das sind Bücher: so nicht der heiligen Schrift gleich gehalten: und doch nützlich und gut zu lesen sind.“ Wer in einer alten Ausgabe einer Lutherbibel das Neue Testament nach Maleachi, dem letzten prophetischen Buch des Alten Testaments sucht, macht eine Entdeckung. Statt des Matthäusevangeliums findet sich ein ganz neuer Abschnitt, die Sammlung der Apokryphen. Sie wird mit der hier wiedergegebenen Überschrift eingeleitet, darauf folgt nur eine Inhaltsübersicht. Es wird nicht erklärt, warum diese Bücher der heiligen Schrift nicht gleich gehalten werden, und man erfährt auch nicht, warum ihre Lektüre nützlich sein soll. Hinzu kommt: Je nachdem, welche aktuelle Ausgabe der Lutherbibel man heute aufschlägt, kann dieser Teil der Apokryphen auch ganz fehlen. Sind sie also doch nicht nützlich, sondern entbehrlich?

Schlägt man in einer katholischen Bibel nach, ist das Bild wieder ein anderes: Zwar gibt es hier keinen eigenen Teil der „Apokryphen“, aber die Bücher, um die es geht, sind doch Teil der Bibel. Allerdings wurden sie nicht separat ans Ende gestellt, sondern sie wurden in die Reihung der anderen alttestamentlichen Bücher eingeordnet, entweder zu den historischen oder zu den weisheitlichen Schriften. Was also sind diese „Apokryphen“, was macht ihre Besonderheit aus, dass sie so unterschiedlich behandelt werden können?

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Was sind die Apokryphen?

Um das Problem der Apokryphen nachvollziehen zu können, ist ein Ausflug in verschiedene Epochen der Geschichte nötig: Zunächst ein weiter Schritt zurück in das alte Israel: Das Alte Testament, die Sammlung der Schriften Israels, entstand in einem Zeitraum von mindestens 500 Jahren seit dem 8. vorchristlichen Jahrhundert. Damals wurde in Israel vor allem Hebräisch gesprochen, daher ist dies die Sprache der religiösen Überlieferungen Israels und Judas. In der Zeit der persischen Herrschaft nach dem 6. Jahrhundert und in der Phase der griechischen Dominanz ab dem 3. Jahrhundert wurde zunehmend auch Aramäisch, dann Griechisch gesprochen; das Hebräische wurde zur Sprache der Religion und des Kults.

Hinzu kam, dass seit der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft Israeliten nicht nur in Mesopotamien, sondern auch in Ägypten sesshaft geworden waren; man spricht vom Leben in der Diaspora. So ist leicht verständlich, dass sowohl in Israel selbst als auch in der Diaspora aramäische und griechische Überlieferungen entstanden. In ihnen wurde die überlieferte Religion kommentiert oder den Anforderungen der neuen politischen Verhältnisse (Israel war kein selbstständiger Staat mehr) und des Lebens fern des Tempels in Jerusalem angepasst.

Seit dem 3. Jahrhundert wurden zudem im ägyptischen Alexandria die hebräischen Schriften des Judentums ins Griechische übersetzt; es entstand die sogenannte „Septuaginta“. In diese griechische Sammlung wurden nun auch Übersetzungen der „neuen“ Schriften aufgenommen, etwa das Buch Jesus Sirach, eine Weisheitsschrift, oder die Geschichte vom gottesfürchtigen Tobit. Andere Bücher waren von vorneherein nur in griechischer Sprache formuliert worden, so das Buch der Weisheit Salomos oder die Erzählung von Judit, die ihr Volk rettet. Und wieder andere Schriften wurden im Zuge der Übersetzung ins Griechische um wichtige Passagen erweitert; das ist bei den Büchern Ester oder Daniel festzustellen.

Als Ergebnis dieses komplizierten Vorgangs entwickelten sich unterschiedliche Versionen der Bibel Israels: Eine kürzere, hebräische Ausgabe, die nur wenige aramäische Abschnitte hat und zur Bibel des späteren rabbinischen Judentums wurde. Daneben gab es eine deutlich umfangreichere griechische Ausgabe, die zur Bibel der ersten Christen wurde (und noch heute die Bibel der orthodoxen Christenheit ist). Diese längere Version wurde dann auch Grundlage der Übersetzungen ins Lateinische, vor allem der „Vulgata“ des Kirchenvaters Hieronymus. So kam es, dass das „Alte Testament“ der Christen deutlich mehr Bücher als der „Tanach“, die hebräische Bibel der Juden enthielt. Allerdings war der genaue Umfang des griechisch-lateinischen Alten Testaments nicht genau festgelegt, er variierte zwischen den einzelnen Handschriften und späteren Druckausgaben beträchtlich.

Diejenigen Bücher, die über die hebräische Bibel hinaus in die griechische oder lateinische Übersetzung aufgenommen wurden, bezeichnet schon Hieronymus als „Apokryphen“. Das Wort hat einen griechischen Ursprung und bedeutet „die verborgenen (Bücher)“. Manche dieser Schriften erfreuten sich in der christlichen Kirche großer Beliebtheit, etwa die Lebensregeln des Jesus Sirach oder die Beispiele für gottgefälliges Leben bei Tobit, Judit oder in der Susanna Geschichte, einem Zusatz zum Danielbuch.

Mehr zu den einzelnen apokryphen Schriften finden Sie hier.

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Die Apokryphen in Luthers Bibelübersetzung

In der Reformationszeit wurde der unterschiedliche Umfang der Bibelausgaben zum Problem – immerhin nach fast 1500 Jahren, in denen kaum je Anstoß an den apokryphen Büchern genommen wurde. Hintergrund dessen war die Bewegung des Humanismus – der geistigen Strömung der Renaissance-Zeit – die im 15. Jahrhundert einsetzte. Hier wurde gefordert, dass man sich bei der Beschäftigung mit den großen Philosophen und Dichtern der Antike auf die lateinischen oder griechischen Originalschriften stützen solle. Wahrscheinlich durch Erasmus von Rotterdam wurde dieses Programm im Jahr 1511 zu dem Ruf „ad fontes!“ (zu den Quellen!) prägnant zusammengefasst.

Martin Luther und Philipp Melanchthon (der als Humanist sogar seinen eigenen Namen „Schwartzerdt“ ins Griechische übersetzt hatte) nahmen diesen Ruf auf. So wurde es zu einer der grundlegendsten Maßnahmen der Reformatoren, die neue Bibelübersetzung auf die hebräischen und griechischen Textausgaben des Alten und Neuen Testaments und nicht mehr auf die lateinische Vulgata zu stützen. Das hätte nun eigentlich Konsequenzen für die Anzahl und Anordnung der kanonischen biblischen Bücher haben müssen, denn wenn das Hebräische als Sprache des Alten Testaments zur Geltung kommen soll, hätten die Reformatoren eigentlich die apokryphen Bücher ausschließen müssen.

Doch Luther entschied, dass einige der nicht in der hebräischen Bibel enthaltenen Apokryphen doch in seine Übersetzung aufgenommen werden sollen – eben weil sie nützlich und gut zu lesen sind. Er akzeptierte Judit, das Buch der Weisheit, Tobit, Jesus Sirach, Baruch, das 1. und 2. Makkabäerbuch und die Zusätze zu Ester und Daniel. Andere Bücher, etwa das 3. und 4. Buch Esra wurden nicht aufgenommen. Zusätzlich fand noch das Gebet des Manasse Aufnahme. Es gilt jedoch nicht als Buch – daher findet es sich auch nicht in dem oben wiedergegebenen Inhaltsverzeichnis und hat auch keine eigene Vorrede –, sondern es dient als Gebet zum Abschluss des Alten Testaments. Interessant ist, dass an keiner Stelle der Vorreden zu den einzelnen apokryphen Büchern das humanistische Argument der Ausgangssprache eine Rolle spielt; stattdessen argumentierte Luther streng vom Inhalt der Schriften her.

Luthers Einschätzung, dass die Apokryphen den hebräisch verfassten Büchern nicht gleich zu halten seien, führte zur Trennung der Apokryphensammlung von den anderen Büchern des Alten Testaments. Der Reformator schuf damit eine neue kanonische Rangordnung, durch die die spätere Abwertung der Apokryphen im Protestantismus eingeleitet wurde. In den katholischen Bibelausgaben blieb es bei der bisherigen Anordnung der Bücher nach sachlich-inhaltlichen Gesichtspunkten. Hier werden diese Spätschriften des Alten Testaments auch nicht als „apokryph“ bezeichnet. Stattdessen werden sie als „deuterokanonisch“ eingeschätzt. Das lässt sich ebenfalls als Werturteil verstehen, ist aber vor allem als Hinweis auf ihre spätere Entstehung gemeint.

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Übersetzung durch Luthers Mitarbeiter

Die Apokryphen in der Lutherbibel haben noch eine weitere Besonderheit, die Konsequenzen bis in die Gegenwart hatte: Luther hat nur sehr geringe Teile dieser Schriften selbst übersetzt. Sicher ist sich die Forschung nur bei einigen Kapiteln von Jesus Sirach und bei der Weisheit Salomos. Die anderen Bücher hatten vor allem Philipp Melanchthon und Justus Jonas ins Deutsche übertragen. Grund dafür waren wohl die Überarbeitung und der angegriffene Gesundheitszustand des Reformators. Außerdem gab es eine Konkurrenz der Bibelübersetzungen; die Zürcher Bibelübersetzer hatten schon vor den Wittenbergern die erste Vollbibel auf den Markt gebracht, sodass man unter Zugzwang war.

Daher ließ das Ergebnis aus heutiger Perspektive zu wünschen übrig: In ihrer Eile hatten die Übersetzer den eigenen Grundsatz des „ad fontes“ hintangestellt und bei einem Teil der Bücher die lateinische Bibel zugrunde gelegt, obwohl die griechische Version die ältere und bessere gewesen wäre. Hinzu kam, dass offenbar für die sorgfältige Redaktionsarbeit die Zeit fehlte, die man bei den anderen Büchern von NT und AT investiert hatte. Deshalb sind die Apokryphen sprachlich uneinheitlich, und es fällt auf, dass an vielen Stellen statt des typischen Lutherklangs das nüchternere Lehrerdeutsch Melanchthons vorherrscht. Luther selbst erwähnte in seinen Tischreden, dass er mit diesem Verfahren nicht zufrieden war. Dennoch, bei dieser Version der Apokryphen blieb es, trotz aller Probleme.

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Streit um die Apokryphen

Im ersten Jahrhundert nach Beginn der Reformation blieb der Stand der Dinge im Wesentlichen unverändert. Sowohl die Lutherbibel als auch die anderen evangelischen Übersetzungen behielten die apokryphen Bücher fraglos in ihrem Kanon. Die Zürcher Bibel folgte der Wittenberger Übersetzung sogar darin, dass sie sie in einen eigenen Teil zwischen den Testamenten einordnete – vorher waren sie Teil der Geschichtsbücher. Unterschiede gab es allerdings bei der Frage, welche Schriften zu den Apokryphen gehören; in Zürich nahm man auch das 3.+4. Esrabuch und das 3. Makkabäerbuch auf. Diese Entscheidung hat dann auch auf das Luthertum eingewirkt, sodass es schon im 16. Jahrhundert erweiterte Lutherbibeln und separate Ausgaben dieser drei apokryphen Bücher gab.

Wenig später setzte dann aber eine Gegenbewegung ein, die ebenfalls aus der reformierten Schweiz kam. Sie war vor allem gegen die katholische Kirche gerichtet, die dogmatische Aussagen auch auf die Apokryphen stützte. Das führte dazu, dass diese Schriften in evangelisch-reformierten Gemeinden immer seltener verwendet wurden und schließlich aus den Bibelausgaben verschwanden. Auch im Luthertum wurde die Bedeutung der Apokryphen hinterfragt. Sie wurden nun theologisch abgewertet, weil sie nicht auf Hebräisch, der Sprache des göttlich inspirierten Alten Testaments abgefasst waren. Außerdem vermisste man in ihnen Hinweise auf das Erlösungswerk Christi und das Wirken des Geistes. Doch bis ins 19. Jahrhundert hinein blieb es dabei, dass die Apokryphen Teil der Lutherbibel waren.

Die Wende kam interessanterweise aus England. Die anglikanische Kirche war im 17. Jahrhundert zunehmend von calvinistisch reformierter Theologie beeinflusst worden. Im Gefolge dessen wurden die apokryphen Bücher in weiten Kreisen als Menschenwerk abgetan und aus den Bibeln verbannt. Die im Jahr 1804 gegründete „British and Foreign Bible Society“ stand in dieser Tradition; sie förderte keine Bibeldrucke mit Apokryphen. Dies nun hatte Konsequenzen für den deutschen Sprachraum, da die deutschen Bibelgesellschaften durch die Initiative der Engländer gegründet wurden, um das Volk mit preisgünstigen Bibelausgaben zu versorgen. Während hierzulande eine Bibel ohne Apokryphen noch undenkbar war, setzte sich in England die Position durch, dass man keine Ausgabe mit Apokryphen finanziell unterstützen würde. Die deutschen Bibelgesellschaften standen vor der Wahl: Geld oder Apokryphen!

Es kam zum Streit um die Apokryphen, der etwa im Bergischen Land so intensiv geführt wurde, dass sich 1853 in Wuppertal die Bibelgesellschaft spaltete. Fortan lieferte die Wuppertaler Bibelgesellschaft nur Bibeln mit, die Bergische vor allem Ausgaben ohne die Apokryphen aus. Damit setzte in Deutschland eine Entwicklung ein, die letztlich dazu führte, dass die Normalausgaben der Lutherbibel keine Apokryphen haben, während man Ausgaben mit den Spätschriften ausdrücklich verlangen (und teurer bezahlen) muss.

Es sei noch angemerkt, dass dieser Prozess mit zunehmenden antijudaistischen Tendenzen im Luthertum einherging. So konnte man die Apokryphen leicht als jüdische Literatur abwerten, die der Gesetzesreligion des Judentums und nicht die Verheißung in den Mittelpunkt stellt.

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Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Als der Rat der EKD beschloss, anlässlich des 500. Reformationsjubiläums eine neue Durchsicht der Lutherbibel zu beauftragen, stellte sich die Lage bei den Apokryphen als besonders kritisch dar. Aus den oben genannten Gründen konnte ihre Übersetzung nicht mehr überzeugen: Sie war sprachlich uneinheitlich und beruhte zum Teil auf späten, lateinischen Texten. Hinzu kam, dass sich die Revisionen des 19. und 20. Jahrhunderts wegen der allgemeinen Abwertung der Apokryphen keine besondere Mühe mit diesen Schriften gegeben hatten. Den Überarbeitern der Ausgabe von 1970 war zwar der Problembestand bewusst. Doch statt konsequent die besten vorhandenen Textausgaben zu nutzen, nahmen sie nur sprachliche Retuschen vor. Das führte dazu, dass die Apokryphen der Lutherbibel kaum noch gelesen wurden und im wissenschaftlichen Gespräch gar nicht mehr zu nutzen waren.

Parallel dazu hatten sich aber die Apokryphen in ganz neuer Weise als „nützlich und gut zu lesen“ erwiesen: Im Gefolge der Textfunde in der judäischen Wüste bei Qumran und auf Masada war deutlich geworden, wie vielfältig das Judentum um die Zeitenwende war. Das Bild von der jüdischen Religion zur Zeit Jesu wurde sehr viel facettenreicher – und damit auch das Bild von den Anfängen des Christentums. Außerdem wurden in Qumran auch hebräische und aramäische Texte einiger apokrypher Bücher gefunden, die das Wissen um die Vorgeschichte dieser Schriften deutlich erweiterte.
So wurde auf neue Weise deutlich, was eigentlich schon immer hätte klar sein müssen: Die Apokryphen schließen eine wichtige Lücke zwischen den Überlieferungen Israels und denen der jungen Christenheit. Ihr von Luther zugewiesener Platz „zwischen den Testamenten“ war sachlich sehr angemessen. Sie zu kennen, erleichtert das Verständnis des Neuen Testaments auf vielfältige Weise.

Vor diesem Hintergrund beschloss der Rat der EKD einen der größten Einschnitte in der Geschichte der Lutherbibel. Erstmals wurden ganze Bücher neu übersetzt, namentlich die Bücher Judit, Tobit, Jesus Sirach, 1. Makkabäer, das Gebet des Manasse und einige der Zusätze zu Ester. Sie wurden nun aus dem Griechischen übersetzt, Grundlage war die international akzeptierte Standard-Textausgabe, die „Göttinger Septuaginta“. Die Übersetzer/innen bemühten sich dabei, den besonderen Stil der Luthersprache nachzuempfinden, damit diese Bücher nicht als Fremdkörper auffallen. So dienten die vorhandenen Übersetzungen als Muster, und wo immer es wissenschaftlich zu vertreten war, wurden Teile der vorhandenen Texte beibehalten.

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Neue Textteile, neue Verszählung

Eine wichtige Forderung des Rats der EKD war, dass diese neuen Übersetzungen auch parallel mit früheren Bibelausgaben benutzbar sein sollten. Daher findet man in den neuen Übersetzungen in vielen Fällen zusätzliche Versangaben in Klammern, sodass die entsprechenden Abschnitte in alten Ausgaben wiedergefunden werden können. In manchen Fällen waren aber die Abweichungen so groß, dass Fußnoten gesetzt wurden, die das Problem erklären. Eine weitere Besonderheit gibt es im Buch Jesus Sirach. Hier existieren zwei verschiedene griechische Textausgaben, von denen die kürzere wohl die ältere ist, die später erweitert wurde. In der Lutherbibel ist der längere Text die Grundlage, wobei die Zusätze des Langtextes in eckigen Klammern gesetzt sind. So ist das Textwachstum leicht nachzuvollziehen.

Neben den genannten Büchern gibt es auch Schriften, die schon bisher aus dem Griechischen übersetzt worden waren. Sie mussten folglich nicht neu übersetzt werden, sondern wurden wie alle anderen Bücher der Bibel von Fachleuten durchgesehen und korrigiert. Auch dabei wurde besonderer Wert auf eine einheitliche Sprachgestalt gelegt. Als Ergebnis liegt nun in der Lutherbibel 2017 eine wissenschaftlich fundierte, literarisch anspruchsvolle Verdeutschung der Apokryphen vor, die dazu einlädt, den Reichtum der jüdischen Literatur zwischen den Testamenten zu entdecken.

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Dieser Beitrag ist eine leicht gekürzte Fassung des gleichnamigen Artikels, der in folgendem Band erscheinen ist: Margot Käßmann/Martin Rösel, Die Bibel Martin Luthers. Ein Buch und seine Geschichte, Stuttgart/Leipzig 2016, 136–150.

Literatur:

  • Klaus D. Fricke, Probleme und Stand der Revision der Apokryphen der Lutherbibel, in: K.D. Fricke/S. Meurer (Hg.), Die Geschichte der Lutherbibelrevision von 1850 bis 1984, Stuttgart 2001, 197–217.
  • Siegfried Meurer (Hg.), Die Apokryphenfrage im ökumenischen Horizont, Stuttgart 1993.
  • Christfried Böttrich/Martin Rösel (Hg.), Die Apokryphen der Lutherbibel. Einführungen und Bibeltexte, Stuttgart/Leipzig, 2017.
  • Martin Rösel, Die Durchsicht der Apokryphen in der Lutherbibel 2017, in: M. Lange/M. Rösel (Hg.): „Was Dolmetschen für Kunst und Arbeit sei“. Die Lutherbibel und andere deutsche Bibelübersetzungen, Stuttgart 2014, 247–271.

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