Lutherbibel 1984 (LU84)
5

Der Gerechte und der Gottlose im Endgericht

51Dann wird der Gerechte in großer Zuversicht dastehen vor denen, die ihn geängstigt haben und seine Mühen nicht gelten ließen. 2Wenn sie ihn dann sehen, werden sie in Furcht und Schrecken geraten und außer sich sein über seine Rettung, die sie nicht erwartet hatten;

5,2
Offb 1,7
3
5,3-7
Jes 53,3-9
sie werden voller Reue untereinander sprechen und in Herzensangst seufzen: »Das ist der, über den wir früher gelacht und gespottet haben, wir Narren! 4Wir hielten sein Leben für unsinnig und sein Ende für ehrlos. 5Wie konnte er nur zu den Söhnen Gottes gezählt werden, sodass
5,5
Kol 1,12
sein Erbteil bei den Heiligen ist?

6Dann sind also wir vom Weg der Wahrheit abgeirrt, und das Licht der Gerechtigkeit hat uns nicht geleuchtet, und die Sonne ist uns nicht aufgegangen. 7Wir sind unrechte und verderbliche Wege gegangen und haben unwegsame Wüsten durchwandert, aber den Weg des Herrn haben wir nicht erkannt.

5,7
Spr 22,5

8Was hilft uns nun der Übermut? Was bringt uns nun der

5,8
1. Tim 6,17
Reichtum samt dem Prahlen ein? 9Es ist alles dahingefahren wie ein Schatten und wie ein Gerücht, das vorübergeht, 10wie ein Schiff, das auf den Wasserwogen dahinfährt: wenn es vorüber ist, kann man seine Spur nicht mehr finden und nicht die Bahn seines Kiels in den Wellen. 11Oder wie man bei einem Vogel, der durch die Luft fliegt, keine Spur seines Weges finden kann: denn er regt sich und schlägt in die leichte Luft, peitscht und zerteilt sie mit seinen Flügeln; aber danach findet man in ihr kein Anzeichen seines Fluges mehr. 12Oder wie wenn ein Pfeil abgeschossen wird zum Ziel: die durchschnittene Luft schlägt sogleich wieder zusammen, sodass man seine Bahn nicht mehr erkennen kann.

13So haben auch wir, nachdem wir ins Leben gekommen sind und wieder ein Ende genommen haben, 14kein Zeichen der Tugend vorzuweisen; wir haben uns in unsrer Bosheit verzehrt.« 15Denn die Hoffnung des Gottlosen ist

5,15
Ps 1,4
wie Staub, vom Winde zerstreut, und wie feiner Schnee, vom Sturm getrieben, und wie Rauch, vom Winde verweht, und wie man einen vergisst, der nur einen Tag lang Gast gewesen ist.

16Aber die Gerechten werden ewig leben, und

5,16
1. Mose 15,1
der Herr ist ihr Lohn, und der Höchste sorgt für sie. 17Darum werden sie das
5,17
Mt 25,34
Reich der Herrlichkeit und eine schöne
5,17
2. Tim 4,8
Krone aus der Hand des Herrn empfangen. Denn er wird sie mit seiner Rechten beschirmen und mit seinem Arm verteidigen.

18

5,18-21
Jes 59,16-18
Eph 6,11-17
Er wird seinen Eifer nehmen als Rüstung und die Schöpfung bewaffnen zur Abwehr der Feinde. 19Er wird Gerechtigkeit anziehen als Panzer und unbestechliches Gericht sich aufsetzen als Helm. 20Er wird unüberwindliche Heiligkeit ergreifen als Schild, 21er wird seinen strengen Zorn schärfen zum Schwert; mit ihm zusammen aber
5,21
Kap
wird die Welt kämpfen gegen die Toren. 22Die Geschosse der Blitze werden gut gezielt dahinfliegen und aus den Wolken wie von einem straff gespannten Bogen ins Ziel treffen. 23Und wie aus einer Steinschleuder werden zornige
5,23
Kap
Hagelschauer herabstürzen. Die Wasser des Meeres werden toben gegen die Toren, und die Ströme werden sie wild überfluten. 24Der Geist göttlicher Kraft wird sich gegen sie erheben, und wie ein Wirbelwind wird er sie zerstreuen.

6

61Gesetzlosigkeit verwüstet das ganze Land, und Freveltat stürzt die Throne der Herrscher.

6,1
Spr 14,34
16,12
Jer 9,11-12

Die Regenten werden zur Weisheit ermahnt

2So hört nun, ihr Könige, und versteht; lernt es, die ihr die ganze Erde richtet;

6,2
Ps 2,10
3horcht auf, die ihr herrscht über die Menge und die ihr prahlt mit den Scharen eurer Völker! 4Denn
6,4
Dan 2,21
Röm 13,1
vom Herrn ist euch die Macht gegeben und die Gewalt vom Höchsten, der fragen wird, wie ihr handelt, und erforschen, was ihr plant. 5Denn obwohl ihr Diener seines Reiches seid, habt ihr nicht recht regiert und das Gesetz nicht gehalten und habt nicht nach dem Willen Gottes gehandelt. 6Er wird schrecklich und schnell über euch kommen, denn es ergeht ein strenges Gericht über die Machthaber.
6,6
Dan 5,30
7Denn dem Geringsten kann wohl Erbarmen widerfahren, aber die Gewaltigen werden mit Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden.
6,7
Jer 39,6-10
8Denn der Herr des Alls wird niemand begünstigen noch irgendeine Macht scheuen. Er hat die Kleinen und die Großen geschaffen und
6,8
Kap
sorgt für alle gleich. 9Die Mächtigen aber werden streng verhört werden.

10An euch nun, ihr Herrscher, ergehen meine Worte, damit ihr Weisheit lernt und nicht in Sünde fallt. 11Denn wer das Heilige heilig hält, der wird geheiligt werden, und wer darin unterwiesen ist, der wird im Gericht bestehen. 12Verlangt also nach meinen Worten; begehrt sie, so werdet ihr Belehrung empfangen!

13Die Weisheit ist strahlend und unvergänglich und

6,13
Kap
lässt sich gern erkennen von denen, die sie lieb haben, und lässt sich von denen finden, die sie suchen. 14Sie kommt denen entgegen, die sie begehren, und gibt sich ihnen zu erkennen. 15Wer sich früh zu ihr aufmacht, braucht nicht viel Mühe; denn er findet sie vor seiner Tür sitzen.
6,15
Spr 8,1-3
16Denn über sie nachdenken, das ist vollkommene Klugheit, und wer ihretwegen sich wach hält, wird bald ohne Sorge sein. 17Denn sie geht umher und sucht, wer ihrer wert ist, und erscheint ihm freundlich auf seinen Wegen und begegnet ihm immer, wenn er über sie nachsinnt.

18Denn da ist Anfang der Weisheit,

6,18
Kap
wo einer aufrichtig nach Unterweisung verlangt; wer aber nach Unterweisung trachtet, der hat die Weisheit lieb; 19wer sie lieb hat, der hält ihre Gebote; wo man aber
6,19
Spr 4,4-8
Joh 14,15
die Gebote hält, da ist
6,19
Mt 19,16-17
unvergängliches Leben gewiss; 20unvergängliches Leben aber bewirkt, dass man Gott nahe ist. 21So führt das Verlangen nach Weisheit zu rechter Herrschaft.

22

6,22-23
Spr 16,12
Habt ihr nun Gefallen an Thron und Zepter, ihr Herrscher der Völker, 23so haltet die Weisheit in Ehren, damit ihr für immer die Herrschaft behaltet. 24Was aber
6,24
Spr 8,22-31
die Weisheit ist und wie sie entstand, will ich verkündigen und euch ihre Geheimnisse nicht verbergen, sondern nach ihr forschen
6,24
Kap
von Anfang der Schöpfung an und will die Kenntnis von ihr ans Licht bringen und will an der Wahrheit nicht vorbeigehen. 25Denn ich will mit dem giftigen
6,25
Jak 3,14-17
Neid nichts zu tun haben; denn er hat nichts gemein mit der Weisheit. 26Viele Weise aber sind Heil für die Welt, und
6,26
Pred 5,8
ein kluger König ist das Glück seines Volks. 27Darum lasst euch unterweisen durch meine Worte, so werdet ihr Nutzen haben.

7

Salomo empfängt und erfährt die Weisheit

71Auch ich bin ein sterblicher Mensch wie alle andern, ein Nachkomme des ersten aus Erde geschaffenen Menschen, 2und bin Fleisch,

7,2
Ps 139,13
Hiob 10,10-11
im Mutterleib zehn Monate lang gebildet, im Blut zusammengeronnen aus Mannessamen und der Lust, die im Beischlaf dazukam. 3Auch ich habe, als ich geboren war, Atem geholt aus der Luft, die allen gemeinsam ist, und bin gefallen auf die Erde, die alle in gleicher Weise trägt; und Weinen ist wie bei den andern mein erster Laut gewesen 4und bin in Windeln gelegt und voll Fürsorge aufgezogen worden. 5Denn auch kein König hatte jemals einen andern Anfang seines Lebens, 6sondern sie haben alle denselben Eingang in das Leben und auch den gleichen Ausgang.
7,6
Hiob 1,21
7Deshalb betete ich und mir wurde Einsicht gegeben; ich rief den Herrn an und der Geist der Weisheit kam zu mir.
7,7
1. Kön 3,5-12

8Ich achtete sie höher als Zepter und Throne, und Reichtum hielt ich ihr gegenüber für nichts. 9

7,9
Hiob 28,15-19
Im Vergleich zu ihr sah ich jeden Edelstein für wertlos an; denn alles Gold ist vor ihren Augen nur geringer Sand, und Silber wird vor ihr für Schmutz gehalten.
7,9
Phil 3,8
10Ich hatte sie lieber als Gesundheit und schöne Gestalt und zog sie sogar dem Licht vor; denn der Glanz, der von ihr ausgeht, erlischt nicht. 11Zugleich aber kamen mit ihr alle Güter zu mir, und
7,11
1. Kön 3,13
unermesslicher Reichtum war in ihrer Hand. 12Ich wurde über alle diese Dinge fröhlich, weil die Weisheit sie mit sich führte; ich wusste aber noch nicht, dass sie auch ihre Schöpferin ist.

13Arglos habe ich sie gelernt, neidlos teile ich sie aus; ich will ihren Reichtum nicht verbergen. 14Denn sie ist für die Menschen ein unerschöpflicher Schatz; die ihn erwarben, erlangten

7,14
Gottes Freundschaft, weil die Gaben sie empfahlen, die die Unterweisung verleiht.

15Gott aber gebe mir, nach seinem Sinn zu reden und so zu denken, wie es solcher Gaben würdig ist. Denn er ist’s, der auch die Weisheit den Weg führt und den Weisen zurechthilft. 16Denn in seiner Hand sind wir selbst und unsre Worte, dazu alle Klugheit und Kenntnisse in mancherlei Fertigkeiten.

17Denn er gab mir sichere

7,17
Sir 17,6-8
Erkenntnis dessen, was ist, sodass ich den Bau der Welt begreife und das Wirken der Elemente: 18Anfang, Ende und Mitte der Zeiten; wie die Tage zu- und abnehmen; wie die Jahreszeiten wechseln 19und wie das Jahr umläuft und wie die Sterne stehen; 20die Natur der Tiere und die Kraft der Raubtiere; die Macht der Geister und die Gedanken der Menschen; die Vielfalt der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln.
7,20
1. Kön 5,13
21So erkannte ich alles, was verborgen und was sichtbar ist; denn die Weisheit, die alles kunstvoll gebildet hat, lehrte mich’s.

22

7,22-23
Kap
Denn es wohnt in ihr ein Geist, der verständig ist, heilig, einzigartig, vielfältig, fein, behänd, durchdringend, rein, klar, unversehrt, freundlich, scharfsinnig, ungehindert, wohltätig, 23menschenfreundlich, beständig, gewiss, ohne Sorge; sie vermag alles, sieht alles und durchdringt selbst alle Geister, die verständig, lauter und sehr fein sind. 24Denn die Weisheit ist regsamer als alles, was sich regt, sie geht und dringt durch alles – so rein ist sie.

25Denn sie ist ein Hauch der göttlichen Kraft und ein reiner Strahl der Herrlichkeit des Allmächtigen; darum kann nichts Unreines in sie hineinkommen. 26Denn sie ist ein

7,26
Hebr 1,3
Abglanz des ewigen
7,26
1. Joh 1,5
Lichts und ein fleckenloser Spiegel des göttlichen Wirkens und ein Bild seiner Güte. 27Obwohl sie nur eine ist, kann sie doch alles. Und obwohl sie bei sich selbst bleibt, erneuert sie das All, und von Geschlecht zu Geschlecht geht sie in heilige Seelen ein und macht sie zu
7,27
Jak 2,23
Freunden Gottes und zu Propheten. 28Denn niemanden liebt Gott außer dem, der mit der Weisheit lebt.
7,28
Sir 4,15

29Denn sie ist herrlicher als die Sonne und übertrifft alle Sternbilder. Verglichen mit dem Licht hat sie den Vorrang. 30Denn das Licht muss der Nacht weichen, aber die Bosheit kann die Weisheit nicht überwältigen.