Lutherbibel 1984 (LU84)
6

Achior wird nach Betulia gebracht

61Nun wurde auch Holofernes sehr unwillig und sagte zu Achior: 2

6,2
2. Kön 18,28-35
Wie kannst du uns weissagen, dass das Volk Israel von seinem Gott beschützt wird? Ich werde dir zeigen, dass nur Nebukadnezar Gott ist und sonst keiner. Wenn wir sie nun alle schlagen wie einen Mann, so sollst auch du mit ihnen durch das Schwert der Assyrer sterben und ganz Israel soll mit dir umkommen. Dann wirst auch du erkennen,
6,2
Kap
dass Nebukadnezar der Herr aller Welt ist. 3Und das Schwert meiner Leute soll dich durchbohren, und du wirst unter den Verwundeten Israels liegen und musst sterben und verderben. 4Meinst du aber, dass deine Weissagung gewiss ist, so brauchst du nicht zu erschrecken; und wenn du glaubst, dass diese meine Worte nicht erfüllt werden können, so brauchst du nicht so blass zu werden. 5Du sollst aber wissen: Wie es ihnen ergeht, so wird es dir auch ergehen; denn ich will dich jetzt zu ihnen schicken, damit du mit ihnen die verdiente Strafe durch mein Schwert empfängst.

6Da befahl Holofernes seinen Knechten, dass sie Achior ergreifen, nach Betulia führen und in die Hände Israels geben sollten. 7Und die Knechte des Holofernes ergriffen ihn und führten ihn über die Ebene. Als sie ins Gebirge kamen, zogen die Schleuderer ihnen entgegen. 8Da wichen sie vom Abhang des Berges zurück und banden Achior mit Händen und Füßen an einen Baum; so gefesselt verließen sie ihn und zogen wieder zu ihrem Herrn.

9Aber die Israeliten kamen von Betulia zu ihm herunter, banden ihn los und brachten ihn nach Betulia hinein; dort stellten sie ihn mitten unter das Volk und fragten ihn, was geschehen wäre, dass die Assyrer ihn gebunden zurückgelassen hätten. 10Zu dieser Zeit waren Usija, der Sohn Michas, vom Stamm Simeon, und Karmi, der auch Otniël hieß, die Obersten in der Stadt. 11Vor diesen Ältesten und vor dem ganzen Volk sagte Achior alles, was ihn Holofernes gefragt und was er geantwortet hatte, und dass ihn die Leute des Holofernes wegen seiner Antwort töten wollten; aber Holofernes habe voll Zorn befohlen, man sollte ihn aus diesem Grunde den Israeliten übergeben. Sobald er Israel geschlagen hätte, wollte er ihn, den Achior, auch martern und umbringen lassen, 12weil er gesagt hatte, der Gott des Himmels würde ihr Schutz sein.

13Als Achior dies alles berichtet hatte, fiel das ganze Volk aufs Angesicht; sie beteten den Herrn an, klagten und weinten alle zugleich und beteten inständig zum Herrn: 14Herr, Gott des Himmels und der Erde, blicke auf ihren Hochmut und sieh unser Elend an, sei deinen

6,14
Ps 37,28
Tob 2,17
Heiligen gnädig und zeige, dass du nicht verlässt, die auf dich trauen, aber
6,14
Lk 1,52
die stürzt, die auf sich vertrauen und auf ihre Macht.

15So weinten und beteten sie den ganzen Tag. Und sie trösteten Achior und sagten: 16Der Gott unsrer Väter, dessen Macht du gepriesen hast, wird dir’s vergelten, sodass nicht sie auf dich herabsehen, sondern dass du siehst, wie sie geschlagen und vernichtet werden. 17Und wenn uns der Herr, unser Gott, errettet, so sei Gott auch mit dir unter uns. Und willst du, so sollst du mit all den Deinen bei uns wohnen. 18Als nun das Volk wieder auseinanderging, führte ihn Usija mit sich in sein Haus, bereitete ein großes Gastmahl für ihn 19und lud alle Ältesten dazu ein. Sie ließen sich’s wohl sein, nachdem sie so lange gefastet hatten. 20Danach wurde das ganze Volk wieder zusammengerufen, und

6,20
Ps 42,9-10
Apg 12,5-12
die ganze Nacht waren sie versammelt und beteten um Hilfe von dem Gott Israels.

7

Holofernes belagert Betulia

71Am nächsten Tag befahl Holofernes seinem Heer, gegen Betulia hinaufzuziehen. 2Und

7,2
Kap
er hatte hundertzwanzigtausend Mann zu Fuß und zwölftausend Reiter, dazu die
7,2
Kap
Hilfstruppen, die er in den unterworfenen Gebieten ausgehoben und die man ihm aus der gesamten waffenfähigen Jugend der Länder und Städte zugeführt hatte. 3Dies ganze Heer rüstete sich zum Kampf gegen Israel; sie zogen am Abhang des Gebirges entlang bis zu einer Anhöhe; von dort sieht man
7,3
Kap
Dotan und blickt von Belma bis Chelmon, das gegenüber
7,3
Kap
Jesreël liegt.

4Als nun die Israeliten das große Heer der Assyrer sahen, warfen sie sich auf die Erde,

7,4
Est 4,3
streuten sich Asche aufs Haupt und
7,4
Kap
beteten alle miteinander, dass der Gott Israels seine Barmherzigkeit beweisen wolle an seinem Volk. 5Dann nahmen sie ihre Waffen und besetzten die Engpässe der Gebirgswege und bewachten sie Tag und Nacht.

6Als aber Holofernes um die Stadt herumzog, entdeckte er südlich davon eine Quelle, die durch eine Wasserleitung in die Stadt floss. Diese Wasserleitung ließ er zerstören. 7Sie hatten jedoch unweit der Mauer kleine Quellen, aus denen sie heimlich Wasser holen wollten; doch war es nicht genug, um den Durst damit zu stillen. 8Doch

7,8
Zef 2,8
die Ammoniter und Moabiter kamen zu Holofernes und sagten: 9Die Israeliten wagen nicht, offen zum Kampf anzutreten, sondern sie verteidigen das Gebirge und befestigen die Hügel, an deren Steilhang sie sitzen. 10Damit du sie aber kampflos überwinden kannst, lass nur die Quellen bewachen, sodass sie kein Wasser holen können; dann müssen sie ohne Schwertstreich sterben oder die Not bringt sie dazu, ihre Stadt zu übergeben, von der sie meinen, dass man sie nicht erobern kann, weil sie in den Bergen liegt. 11Dieser Rat gefiel Holofernes und seinem Gefolge und er legte hundert Mann an jede Quelle.

12Als man nun zwanzig Tage die Quellen bewacht hatte, hatten alle Bewohner von Betulia kein Wasser mehr, weder in Zisternen noch anderswo, sodass es nicht mehr ausreichte, um auch nur einen Tag den Durst richtig zu stillen; denn man hatte ja täglich den Leuten das Wasser zugemessen. 13Da kamen alle, Mann und Frau, Jung und Alt, zu Usija und den Ältesten und klagten: Gott sei Richter zwischen euch und uns.

7,13
2. Mose 5,21
Ihr habt uns in diese große Not gebracht, weil ihr nicht mit den Assyrern Frieden schließen wolltet; darum hat uns Gott nun in ihre Hände gegeben 14und wir haben keine Hilfe zu erwarten, sondern müssen vor ihren Augen vor Durst verschmachten und jämmerlich umkommen. 15Darum ruft die ganze Stadt zusammen, damit wir uns alle den Leuten des Holofernes freiwillig ergeben. 16Denn
7,16
Kap
es ist besser, dass wir uns ergeben und am Leben bleiben und darin Gott loben, als dass wir umkommen und vor aller Welt zuschanden werden und sehen müssen, wie unsre Frauen und Kinder so jämmerlich vor unsern Augen sterben. 17Wir
7,17
5. Mose 4,26
bezeugen heute vor Himmel und Erde und vor dem Gott unsrer Väter, der uns jetzt um unsrer Sünden willen bestraft, dass wir euch gebeten haben, die Stadt dem Heer des Holofernes zu übergeben, und dass wir lieber rasch durchs Schwert umkommen als langsam vor Durst verschmachten.

18Darauf weinte und heulte das ganze Volk viele Stunden lang und sie schrien zu Gott: 19Wir haben gesündigt samt unsern Vätern; wir haben unrecht getan und sind gottlos gewesen.

7,19
1. Kön 8,47
Ps 106,6
20Aber du bist barmherzig, darum sei uns gnädig oder bestrafe du selbst uns; und weil wir dich bekennen, übergib uns nicht den Heiden, die dich nicht kennen,
7,20
Ps 79,10
damit sie nicht sagen: Wo ist nun ihr Gott?

21Als sie sich nun müde geschrien und geweint hatten und es ein wenig still geworden war, stand Usija auf und sagte unter Tränen: 22Liebe Brüder, habt doch Geduld und

7,22
1. Sam 11,3
lasst uns noch fünf Tage auf Hilfe von Gott warten, 23ob er uns nicht seine Gnade erweisen und
7,23
2. Makk 8,15
seinen Namen herrlich machen will. 24Wird uns in diesen fünf Tagen nicht geholfen, so wollen wir tun, was ihr erbeten habt.

8

Judit ruft auf zum Warten auf Gottes Hilfe

81Davon hörte Judit. Sie war eine Witwe, eine Tochter Meraris, des Sohnes des Uz, des Sohnes Josefs, des Sohnes Usijas, des Sohnes Hilkijas, des Sohnes Jamnors, des Sohnes Gideons, des Sohnes Rafains, des Sohnes Ahitubs, des Sohnes Malkijas, des Sohnes Enans, des Sohnes Natanjas, des Sohnes Schealtiëls, des Sohnes Simeons, des Sohnes Rubens. 2Ihr Mann hatte Manasse geheißen und war zur Zeit der Gerstenernte gestorben. 3Denn als er auf dem Felde die Arbeiter beim Garbenbinden beaufsichtigte, machte ihn die Hitze krank und er starb in seiner Stadt Betulia und wurde dort bei seinen Vätern begraben.

4Der hinterließ Judit; die war nun seit drei Jahren und sechs Monaten eine Witwe. 5

8,5-6
Dan 6,11
1. Tim 5,5
Sie hatte sich oben in ihrem Hause einen besonderen Raum hergerichtet, in dem sie sich mit ihren Mägden eingeschlossen hielt. 6Sie war bekleidet mit einem Trauergewand und fastete täglich, außer am Sabbat, am Neumond und an den andern Festen des Hauses Israel. Sie war wunderschön, und ihr Mann hatte ihr großen Reichtum und einen stattlichen Hausstand und ausgedehnten Besitz mit Rinder- und Schafherden hinterlassen. 7Auch hatte sie bei allen einen guten Ruf, da sie den Herrn fürchtete; und niemand konnte etwas Schlechtes über sie sagen.

8Als Judit nun hörte, dass Usija zugesagt hatte, die Stadt nach fünf Tagen den Assyrern zu übergeben, sandte sie eine Botschaft an die Ältesten Kabri und Karmi. 9Als diese zu ihr kamen, sagte sie zu ihnen: Was soll das sein? Hat Usija eingewilligt, die Stadt den Assyrern zu übergeben, wenn euch in fünf Tagen nicht geholfen wird? 10Wer seid ihr, dass ihr

8,10
5. Mose 6,16
den Herrn versucht? Das dient nicht dazu, Gnade zu finden, sondern vielmehr Zorn und Ungnade. 11Wollt ihr dem Herrn nach eurem Gefallen
8,11
Mt 24,36
Zeit und Tag bestimmen, wann er helfen soll? 12
8,12-13
Ps 103,8-9
Hos 11,9
Tob 3,14
2. Kor 5,19
Doch der Herr ist geduldig; darum wollen wir das bereuen und seine Gnade suchen mit Tränen. 13Denn Gott zürnt nicht wie ein Mensch, der sich nicht versöhnen lässt. 14Darum wollen wir uns von Herzen vor ihm demütigen und ihm dienen und mit Tränen zum Herrn beten, dass er nach seinem Gefallen Barmherzigkeit an uns erweisen wolle.

15Und wie wir jetzt trauern müssen wegen des Hochmuts der Assyrer, so wollen wir beten, dass wir uns nach diesem Jammer wieder freuen können, weil wir nicht der Sünde unsrer Väter gefolgt sind, die ihren Gott verließen und fremde Götter anbeteten;

8,15
Kap
darum wurden sie ihren Feinden übergeben und von ihnen erschlagen, gefangen und misshandelt. 16Wir aber kennen keinen andern Gott als ihn allein und wollen mit Demut von ihm Hilfe und Trost erwarten. 17So wird er, der Herr, unser Gott, uns das Leben retten vor unsern Feinden und alle Heiden, die sich gegen uns erheben, demütigen und zuschanden machen.

18Und weil ihr, liebe Brüder, die Ältesten des Volkes Gottes seid und ihr Leben in eurer Hand ist, tröstet das Volk mit eurem Wort, dass sie bedenken, wie unsre Väter auch

8,18
5. Mose 8,2
versucht wurden, damit sie sich darin bewährten, dass sie Gott von Herzen dienten. 19Erinnert sie, wie unser Vater Abraham
8,19
1. Mose 22,1-19
1. Makk 2,52
versucht und
8,19
Jak 2,21-23
Gottes Freund geworden ist, nachdem er sich durch viele
8,19
Tob 12,13
Anfechtungen bewährt hatte. 20Ebenso sind
8,20
1. Mose 26,12-22
Isaak,
8,20
1. Mose 27,29-32
Jakob,
8,20
2. Mose 2,1-15
Mose und alle, die Gott lieb gewesen sind, standhaft geblieben und
8,20
2. Mose 17,1-7
4. Mose 16,1-35
haben viel Trübsal überwinden müssen. 21Andere aber wollten die Trübsal nicht mit Gottesfurcht annehmen, sondern haben in ihrem Leiden gegen Gott geklagt und gelästert und sind darum vom Verderber und durch die Schlangen umgebracht worden.
8,21
4. Mose 14,1-326-30
21,4-6
1. Kor 10,9-10
22Darum lasst uns nicht ungeduldig werden in diesem Leiden, sondern erkennen, dass es
8,22
Hiob 11,5-6
Weish 11,9-10
eine viel geringere Strafe ist, als wir mit unsern Sünden verdienen, und glauben, dass wir wie Knechte
8,22
Hebr 12,4-11
vom Herrn gezüchtigt werden zur Besserung und nicht zum Verderben. 23Darauf antworteten Usija und die Ältesten: Es ist alles wahr, was du gesagt hast, und an deinen Worten ist nichts zu tadeln. 24Darum bete für uns; denn du bist eine heilige Frau, die den Herrn fürchtet.

25Und Judit sagte: Wenn ihr erkennt,

8,25
1. Joh 4,1
dass von Gott kommt, was ich gesagt habe, so prüft nun, ob auch das von Gott kommt, was ich vorhabe, und betet, dass Gott es gelingen lässt. 26In dieser Nacht wartet am Tor, wenn ich mit meiner Magd hinausgehe, und betet, dass der Herr in diesen fünf Tagen, wie ihr gesagt habt, sich seinem Volk Israel zuwendet. 27Ihr sollt aber nicht dem nachforschen, was ich vorhabe, sondern nur für mich beten zum Herrn, unserm Gott; unternehmt sonst nichts, bis ihr wieder von mir hört. 28Und Usija, der Fürst Judas, sagte zu ihr: Geh hin in Frieden; der Herr sei mit dir und bestrafe unsre Feinde! Und sie gingen wieder von ihr weg.