Lutherbibel 1984 (LU84)
4

Die Juden wollen sich wehren und tun Buße

41Als die Israeliten, die im Lande Juda wohnten, dies hörten,

4,1
Kap
fürchteten sie sich sehr vor ihm 2und es befiel sie Angst und Zittern,
4,2
Jes 10,10-11
dass er Jerusalem und dem Tempel des Herrn das Gleiche antun könnte, was er den andern Städten und ihren Götzentempeln angetan hatte. 3Darum sandten sie Leute durch ganz Samarien bis nach Jericho und besetzten alle Berghöhen 4und bauten Mauern um ihre Dörfer und legten Vorräte für den Krieg an. 5Und der Priester Jojakim schrieb an alle,
4,5
Kap
die bei Jesreël wohnten, der großen Ebene in der Nähe von Dotan, und an alle, bei denen die Feinde durchziehen konnten, dass sie die Zugänge ins Gebirge, die nach Jerusalem führen, besetzen und an den Stellen, wo der Weg durch Engpässe zwischen den Bergen geht, bewachen sollten. 6Und die Israeliten taten, was ihnen Jojakim, der Priester des Herrn, befohlen hatte.

7

4,7-8
St zu Est 3,2
2. Makk 3,19
Das ganze Volk schrie inständig und anhaltend zum Herrn, und sie und ihre Frauen demütigten sich mit Fasten und Beten. 8Die Priester zogen Bußgewänder an, die Kinder warfen sich vor dem Tempel des Herrn nieder, und den Altar des Herrn verhüllte man mit einer Bußdecke. 9Und sie schrien einmütig zum Gott Israels, dass ihre Kinder und Frauen nicht den Feinden zum Raub und zur Beute gegeben, ihre Städte nicht zerstört werden sollten und dass ihr Heiligtum nicht entweiht und von den Heiden nicht geschmäht und verspottet werden sollte.

10Und Jojakim, der Hohepriester des Herrn, ging umher,

4,10
5. Mose 20,2-4
ermutigte ganz Israel 11und sprach: Das sollt ihr wissen,
4,11
Sir 35,21
dass der Herr euer Gebet erhören wird, wenn ihr nicht ablasst
4,11
Mk 9,29
vom Fasten und Beten vor dem Herrn. 12Denkt an
4,12
2. Mose 17,11
Mose, den Diener des Herrn, der nicht mit dem Schwert, sondern mit heiligem Gebet die Amalekiter schlug, die sich auf ihre Kraft und Macht, auf ihr Heer, auf Schild, Wagen und Reiter verließen. 13So soll es auch allen Feinden Israels ergehen, wenn ihr so fortfahrt, wie ihr angefangen habt. 14Nach dieser Ermahnung blieben sie weiterhin im Gebet vor dem Herrn. Auch die
4,14
Joel 1,13
Priester trugen Bußgewänder und hatten Asche auf dem Haupt, wenn sie dem Herrn Brandopfer darbrachten. Und sie beteten alle zum Herrn von ganzem Herzen,
4,14
Joel 2,18
er möge sein Volk Israel gnädig heimsuchen.

5

Der Ammoniter Achior gibt Bericht über die Juden

51Und es wurde dem Holofernes, dem Feldhauptmann von Assyrien, gesagt, dass die Israeliten sich rüsteten und sich wehren wollten und die Wege im Gebirge gesperrt hätten. Da entbrannte sein grimmiger Zorn und er rief alle Obersten und Hauptleute der Moabiter und Ammoniter zu sich und fragte sie: 2Sagt mir: Was ist das denn für ein Volk, das im Gebirge wohnt? Wie viel Städte haben sie? Was haben sie für ein Heer und wie groß ist es? Welcher König führt ihr Heer? Warum sind sie die Einzigen im Morgenland, die uns verachten und uns nicht

5,2
Kap
entgegengekommen sind, um uns in Frieden zu empfangen?

3Da antwortete Achior, der Oberste aller Ammoniter, und sagte: 4Will mein Herr mich anhören, so will ich dir die Wahrheit sagen über dies Volk, das im Gebirge wohnt, und dich nicht belügen. 5

5,5-6
1. Mose 11,31
Dies Volk stammt von den Chaldäern ab. 6Es hat zuerst in Mesopotamien gewohnt. Weil sie aber nicht den Göttern ihrer Väter in Chaldäa folgen wollten, 7
5,7
Jos 24,14
verließen sie die Bräuche ihrer Väter, die viele Götter verehrten, um dem einzigen Gott des Himmels zu dienen,
5,7
1. Mose 12,1
der ihnen auch gebot, fortzuziehen und in Kanaan zu wohnen. 8Als nun über das ganze Land eine
5,8
1. Mose 41,54
Hungersnot kam,
5,8
1. Mose 46,5-6
zogen sie nach Ägypten hinab. Dort sind sie in
5,8
1. Mose 15,13
vierhundert Jahren
5,8
2. Mose 1,7
so viele geworden, dass man sie nicht mehr zählen konnte.

9

5,9
2. Mose 1,1114
Als aber der König von Ägypten ihnen die Zwangsarbeit auferlegte, aus Ton Ziegel zu streichen, um seine Städte zu bauen, schrien sie zu ihrem Gott.
5,9
2. Mose 7,14–12,30
Der schlug ganz Ägypten mit vielen Plagen. 10
5,10-11
2. Mose 12,33
14,5-31
Als nun die Ägypter sie aus ihrem Land gestoßen hatten und die Plage von ihnen abließ und man sie wieder fangen und zu ihrem Dienst zurückholen wollte, tat ihnen der Gott des Himmels auf ihrer Flucht das Meer auf, sodass das Wasser auf beiden Seiten stand wie eine Mauer und sie trockenen Fußes auf dem Grund des Meeres gingen und hindurchkamen. 11Als aber die Ägypter ihnen mit einem unzählbaren Heer nacheilten, wurden sie im Meer ersäuft, sodass kein Einziger übrig blieb, der es den Nachkommen hätte sagen können.

12

5,12-13
2. Mose 15,22-25
16,2-35
Und als dies Volk aus dem Roten Meer kam, lagerte es sich in der Wüste des Berges Sinai, wo vorher kein Mensch wohnen noch sich aufhalten konnte. 13Dort wurde das bittre Wasser süß, sodass sie es trinken konnten, und sie bekamen Brot vom Himmel vierzig Jahre lang; 14und wohin sie auch zogen ohne Bogen, Pfeil, Schild und Schwert, da
5,14
2. Mose 17,8-13
stritt ihr Gott für sie und siegte. 15Niemand konnte diesem Volk Schaden tun,
5,15
4. Mose 14,40-45
außer wenn es vom Dienst des Herrn, seines Gottes, abwich.

16

5,16-17
Ri 2,11-18
Sooft sie aber außer ihrem Gott einen andern anbeteten, wurden sie weggeführt, erschlagen oder in Schande gebracht. 17Sooft sie es aber bereuten, vom Dienst ihres Gottes abgefallen zu sein, gab ihnen der Gott des Himmels wieder die Kraft, ihren Feinden zu widerstehen. 18So
5,18
Jos 12,7-24
erschlugen sie die Könige der Kanaaniter, der Jebusiter, der Perisiter, der Hetiter, der Hiwiter, der Amoriter und alle Mächtigen von Heschbon und nahmen ihr Land und ihre Städte ein. 19Und es ging ihnen gut, solange sie sich nicht an ihrem Gott versündigten; denn ihr Gott hasst das Unrecht. 20Weil sie in früheren Zeiten von dem Weg abgewichen waren, auf dem sie gehen sollten, wie Gott ihnen geboten hatte, darum
5,20
2. Kön 24,10-16
25,8-11
wurden sie von vielen Völkern im Kampf besiegt, und die meisten von ihnen wurden gefangen in ein fremdes Land geführt. 21Aber nachdem sie sich zu ihrem Gott bekehrt hatten, sind sie jüngst
5,21
Esra 1,1-5
aus den Ländern heimgekehrt, in die sie zerstreut waren, und sind in dies Gebirge hinaufgezogen und wohnen jetzt wieder in Jerusalem, wo ihr Heiligtum steht.

22Darum, mein Herr, versuche zu erfahren, ob sie sich an ihrem Gott versündigt haben; dann wollen wir hinaufziehen, und ihr Gott wird sie dir gewiss in die Hände geben, sodass du sie bezwingst. 23Haben sie sich aber nicht an ihrem Gott versündigt, so richten wir nichts gegen sie aus; denn ihr Gott wird sie beschirmen, und wir werden vor aller Welt zum Gespött werden.

24Als Achior seine Rede beendet hatte, wurden alle Hauptleute des Holofernes zornig und dachten daran, ihn zu töten, und sagten zueinander: 25Wer wagt zu sagen, dass die Israeliten sich wehren könnten gegen den König Nebukadnezar und sein Heer? Das sind doch nur waffenlose Leute ohne Macht und Kriegserfahrung! 26Damit aber Achior sieht, dass er gelogen hat, wollen wir ins Gebirge hinaufziehen; und wenn wir ihre besten Leute gefangen nehmen, so werden wir mit ihnen auch Achior erstechen,

5,26
Kap
damit alle Völker erkennen, dass Nebukadnezar der Gott des Landes ist und sonst keiner.

6

Achior wird nach Betulia gebracht

61Nun wurde auch Holofernes sehr unwillig und sagte zu Achior: 2

6,2
2. Kön 18,28-35
Wie kannst du uns weissagen, dass das Volk Israel von seinem Gott beschützt wird? Ich werde dir zeigen, dass nur Nebukadnezar Gott ist und sonst keiner. Wenn wir sie nun alle schlagen wie einen Mann, so sollst auch du mit ihnen durch das Schwert der Assyrer sterben und ganz Israel soll mit dir umkommen. Dann wirst auch du erkennen,
6,2
Kap
dass Nebukadnezar der Herr aller Welt ist. 3Und das Schwert meiner Leute soll dich durchbohren, und du wirst unter den Verwundeten Israels liegen und musst sterben und verderben. 4Meinst du aber, dass deine Weissagung gewiss ist, so brauchst du nicht zu erschrecken; und wenn du glaubst, dass diese meine Worte nicht erfüllt werden können, so brauchst du nicht so blass zu werden. 5Du sollst aber wissen: Wie es ihnen ergeht, so wird es dir auch ergehen; denn ich will dich jetzt zu ihnen schicken, damit du mit ihnen die verdiente Strafe durch mein Schwert empfängst.

6Da befahl Holofernes seinen Knechten, dass sie Achior ergreifen, nach Betulia führen und in die Hände Israels geben sollten. 7Und die Knechte des Holofernes ergriffen ihn und führten ihn über die Ebene. Als sie ins Gebirge kamen, zogen die Schleuderer ihnen entgegen. 8Da wichen sie vom Abhang des Berges zurück und banden Achior mit Händen und Füßen an einen Baum; so gefesselt verließen sie ihn und zogen wieder zu ihrem Herrn.

9Aber die Israeliten kamen von Betulia zu ihm herunter, banden ihn los und brachten ihn nach Betulia hinein; dort stellten sie ihn mitten unter das Volk und fragten ihn, was geschehen wäre, dass die Assyrer ihn gebunden zurückgelassen hätten. 10Zu dieser Zeit waren Usija, der Sohn Michas, vom Stamm Simeon, und Karmi, der auch Otniël hieß, die Obersten in der Stadt. 11Vor diesen Ältesten und vor dem ganzen Volk sagte Achior alles, was ihn Holofernes gefragt und was er geantwortet hatte, und dass ihn die Leute des Holofernes wegen seiner Antwort töten wollten; aber Holofernes habe voll Zorn befohlen, man sollte ihn aus diesem Grunde den Israeliten übergeben. Sobald er Israel geschlagen hätte, wollte er ihn, den Achior, auch martern und umbringen lassen, 12weil er gesagt hatte, der Gott des Himmels würde ihr Schutz sein.

13Als Achior dies alles berichtet hatte, fiel das ganze Volk aufs Angesicht; sie beteten den Herrn an, klagten und weinten alle zugleich und beteten inständig zum Herrn: 14Herr, Gott des Himmels und der Erde, blicke auf ihren Hochmut und sieh unser Elend an, sei deinen

6,14
Ps 37,28
Tob 2,17
Heiligen gnädig und zeige, dass du nicht verlässt, die auf dich trauen, aber
6,14
Lk 1,52
die stürzt, die auf sich vertrauen und auf ihre Macht.

15So weinten und beteten sie den ganzen Tag. Und sie trösteten Achior und sagten: 16Der Gott unsrer Väter, dessen Macht du gepriesen hast, wird dir’s vergelten, sodass nicht sie auf dich herabsehen, sondern dass du siehst, wie sie geschlagen und vernichtet werden. 17Und wenn uns der Herr, unser Gott, errettet, so sei Gott auch mit dir unter uns. Und willst du, so sollst du mit all den Deinen bei uns wohnen. 18Als nun das Volk wieder auseinanderging, führte ihn Usija mit sich in sein Haus, bereitete ein großes Gastmahl für ihn 19und lud alle Ältesten dazu ein. Sie ließen sich’s wohl sein, nachdem sie so lange gefastet hatten. 20Danach wurde das ganze Volk wieder zusammengerufen, und

6,20
Ps 42,9-10
Apg 12,5-12
die ganze Nacht waren sie versammelt und beteten um Hilfe von dem Gott Israels.