Lutherbibel 1984 (LU84)
11

Judit redet mit Holofernes

111Darauf sagte Holofernes zu ihr: Sei getrost und fürchte dich nicht; denn ich habe nie einem Menschen etwas zuleide getan, der sich dem König Nebukadnezar ergeben hat.

11,1
Jer 21,9
2Hätte mich dein Volk nicht verachtet, so hätte ich nie meinen Spieß gegen sie erhoben. 3Aber nun sage mir, warum du von ihnen weggegangen und zu uns gekommen bist.

4Judit antwortete ihm: Höre deine Magd gnädig an. Wirst du tun, was deine Magd dir vorschlägt, so wird sicherlich gelingen, was der Herr mit dir vorhat. 5So wahr Nebukadnezar lebt, der König über die ganze Erde, und so wahr er dir seine Macht gegeben hat, alle Ungehorsamen zu bestrafen: Nicht nur die Menschen werden ihm durch dich unterworfen, sondern auch alle Tiere auf dem Felde werden ihm gehorchen.

11,5
Dan 2,37-38
6Deine mutigen Taten sind hochberühmt in aller Welt und jeder weiß, dass du der mächtigste Fürst in seinem ganzen Königreich bist und deine Kriegskunst überall gepriesen wird. 7Wir wissen auch, was Achior geredet und wie du ihn behandelt hast.
11,7
Kap
8Denn es ist wahr: Unser Gott ist so erzürnt über unsre Sünden, dass er
11,8
2. Kön 17,13
21,10-15
durch seine Propheten verkündet hat, er wolle das Volk um seiner Sünden willen dahingeben.

9Weil nun das Volk Israel weiß, dass sie ihren Gott erzürnt haben, sind sie voll Furcht vor dir. 10Dazu leiden sie großen Hunger und müssen vor Durst verschmachten 11und haben jetzt vor, ihr Vieh zu schlachten und sein

11,11
3. Mose 3,17
Blut zu trinken. Sie
11,11
3. Mose 22,15-16
wollen sogar Korn, Wein und Öl, das dem Herrn geweiht ist, für sich verwenden und das essen, was sie nicht einmal berühren dürfen. Weil sie das tun, müssen sie ganz gewiss umkommen. 12Als ich, deine Magd, das erkannte, bin ich von ihnen geflohen. So hat mich der Herr zu dir gesandt, um es dir zu berichten.

13Denn obwohl ich zu dir gekommen bin, so bin ich doch nicht von Gott abgefallen, sondern will meinem Gott auch jetzt bei dir dienen. Darum wird deine Magd hinausgehen und zu Gott beten; der wird mir offenbaren, wann er die Strafe für ihre Sünde an ihnen vollziehen will. Dann will ich kommen und dir’s berichten. Mitten durch Jerusalem will ich dich führen, und das ganze Volk Israel wird dir gehören

11,13
1. Kön 22,17
wie Schafe, die keinen Hirten haben, und kein Hund wird dich anbellen. Denn das ist mir durch Gottes Vorsehung offenbart, 14und weil er über sie erzürnt ist, hat er mich gesandt, dass ich dir’s berichte.

15Diese Rede gefiel Holofernes und seinen Knechten; sie bewunderten ihre Klugheit und sagten zueinander: 16Diese Frau hat auf Erden nicht ihresgleichen an Schönheit und Klugheit. 17Und Holofernes sagte zu ihr: Das hat Gott gut gefügt, dass er dich vorausgesandt hat, um durch dich das Volk in meine Hand zu geben. Wenn dein Gott tut, was du versprichst, so

11,17
Dan 6,26-27
soll er auch mein Gott sein; du sollst hoch angesehen sein im Hause Nebukadnezars, und dein Name soll berühmt werden in aller Welt.

12

Judit darf jede Nacht das Lager zum Gebet verlassen

121Da ließ er sie in seine Schatzkammer hineinführen und bestimmte, dass sie dort bleiben sollte, und

12,1
2. Kön 25,30
ordnete an, was man ihr von seinem Tisch auftragen sollte. 2Aber Judit antwortete ihm:
12,2
Dan 1,8
Tob 1,12
Ich darf noch nichts von deiner Speise essen, damit ich mich nicht versündige; ich habe aber ein wenig mit mir genommen; davon will ich essen. 3Da sagte Holofernes zu ihr: Wenn das aufgegessen ist, was du mitgebracht hast, woher sollen wir dir dann anderes beschaffen? 4Judit antwortete: So gewiss mein Herr lebt: Bevor deine Magd alles verzehren wird, so wird Gott durch mich ausrichten, was er vorhat.

5Als die Knechte sie in das Gemach führen wollten, wie er befohlen hatte, 6bat sie, dass man ihr erlaubte, nachts,

12,6
Weish 16,28
ehe es hell wird, hinauszugehen und zum Herrn zu beten. 7Da befahl Holofernes seinen Kammerdienern, dass man sie drei Tage frei aus und ein gehen lassen sollte, um zu ihrem Gott zu beten. 8
12,8-9
Apg 16,13
So ging sie nachts hinaus in das Tal vor Betulia und wusch sich in einer Quelle. 9Danach betete sie zum Herrn, dem Gott Israels, er möge sie so führen, dass ihrem Volk die Freiheit geschenkt werde. 10Dann ging sie wieder in das Zelt, vermied, sich unrein zu machen, und aß nichts bis zum Abend.

Holofernes lässt Judit zum Festmahl holen

11Am vierten Tage machte Holofernes ein Festmahl für sein Gefolge und sagte zu seinem Kämmerer Bagoas: Geh hin und überrede die Hebräerin, zu mir zu kommen; 12denn es gilt als Schande bei den Assyrern, wenn eine solche Frau uns unberührt entgehen und einen Mann zum Narren gehalten haben sollte. 13Da kam Bagoas zu Judit und sagte: Schöne Frau, mein Herr will dich ehren; verweigere es ihm nicht und komm, um mit ihm zu essen, zu trinken und fröhlich zu sein. 14Da sagte Judit: Wie dürfte ich meinem Herrn das abschlagen? 15Alles, was ihm lieb ist, das will ich von Herzen gern tun mein ganzes Leben lang. 16Sie stand auf und schmückte sich, ging hinein und trat vor ihn.

17Da schlug das Herz des Holofernes schneller und er entbrannte vor Begierde nach ihr.

12,17
Sir 9,9
18Darum sagte er zu ihr: Lass dich nieder, trink und sei fröhlich; denn du hast bei mir Gnade gefunden. 19Und Judit antwortete: Ja, Herr, ich will fröhlich sein, denn ich bin in meinem ganzen Leben nicht so hoch geehrt worden. 20Und sie aß und trank mit ihm, aber nur, was ihre Magd ihr bereitet hatte. 21Und Holofernes war fröhlich mit ihr und trank so viel, wie er in seinem Leben noch nie getrunken hatte.

13

Judit tötet Holofernes

131Als es nun sehr spät geworden war, ging sein Gefolge fort in seine Zelte; und sie waren alle betrunken. 2Bagoas aber machte die Kammer des Holofernes zu und ging auch fort. Und Judit blieb allein bei ihm in der Kammer. 3Als nun Holofernes auf seinem Bett lag, betrunken war und schlief, 4sagte Judit zu ihrer Magd, sie sollte draußen vor der Kammer warten. 5Und Judit trat vor das Bett und betete im Stillen unter Tränen: 6Herr, Gott Israels, stärke mich; blick in dieser Stunde gnädig auf das Tun meiner Hände und

13,6
Neh 1,11
lass gelingen, was ich mir im Vertrauen auf dich vorgenommen habe, damit du
13,6
2. Kön 19,34
Tob 13,22
deine Stadt Jerusalem erhöhst, wie du zugesagt hast.

7Nach diesem Gebet trat sie zu der Säule oben an seinem Bett und griff nach seinem Schwert, das dort hing, 8zog es heraus, ergriff ihn beim Schopf und betete abermals: 9Herr, Gott Israels, stärke mich in dieser Stunde! Darauf stach sie ihn zweimal mit ganzer Kraft in den Hals und schnitt ihm den Kopf ab. Danach wälzte sie den Körper aus dem Bett und nahm das

13,9
Kap
Netz von den Säulen herunter. 10Kurz darauf ging sie hinaus und gab das Haupt des Holofernes ihrer Magd, damit sie es in ihren Sack steckte. 11Und sie gingen miteinander hinaus und durch das Lager hindurch, wie es ihre Gewohnheit war, als wollten sie zum Beten gehen, bogen dann aber ab durchs Tal und kamen ans Tor der Stadt.

Judit kehrt heim

12Judit rief den Wächtern auf der Mauer schon von Weitem zu: Macht die Tore auf; denn

13,12
Ps 46,8
Jes 8,10
Gott ist mit uns; er hat an Israel Großes getan! 13Als nun die Wächter ihre Stimme hörten, riefen sie die Ältesten der Stadt. 14Da kamen alle herbei, Klein und Groß; denn sie hatten schon die Hoffnung aufgegeben, dass sie wiederkommen würde. 15Sie zündeten Fackeln an und alle umringten sie.

16Sie aber trat auf einen erhöhten Platz und forderte sie auf zu schweigen. Und als alle still waren, sprach Judit: 17Dankt dem Herrn, unserm Gott,

13,17
Kap
der die nicht verlässt, die auf ihn trauen. Er hat uns durch mich, seine Magd,
13,17
Lk 1,68-74
Barmherzigkeit erwiesen, wie er dem Hause Israel verheißen hatte, und hat in dieser Nacht den Feind seines Volkes durch meine Hand umgebracht.

18Dann zog sie das Haupt des Holofernes aus dem Sack, zeigte es ihnen und sagte: 19Seht, dies ist das Haupt des Holofernes, des Feldhauptmanns der Assyrer; und seht, das ist das Netz, unter dem er lag, als er betrunken war.

13,19
Kap
Da hat ihn der Herr, unser Gott, durch Frauenhand umgebracht. 20So wahr der Herr lebt, hat er mich
13,20
Dan 3,28
Tob 5,22-23
durch seinen Engel behütet, als ich hinging, als ich dort war und als ich zurückkam; der Herr hat nicht zugelassen, dass seine Magd unrein wurde, und er hat mich ohne sündige Befleckung zu euch zurückgebracht mit großer Freude, dass er gesiegt, mich herausgeführt und euch befreit hat. 21Wir wollen ihm alle danken;
13,21
Ps 106,1
denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

22Da dankten sie alle dem Herrn und sprachen zu ihr: Gelobt sei der Herr, der heute durch dich unsre Feinde zuschanden gemacht hat. 23

13,23-24
Ri 5,24-27
Lk 1,28-33
Und Usija, der Fürst des Volkes Israel, sprach zu ihr: Gesegnet bist du, Tochter, vom Herrn, dem höchsten Gott, mehr als alle Frauen auf Erden; 24und gelobt sei der Herr, der Himmel und Erde geschaffen hat! Er hat dir Glück gegeben, dass du dem Feldhauptmann unsrer Feinde den Kopf abschlagen konntest. Er hat heute deinen Namen so herrlich gemacht, dass dich jederzeit alle preisen werden, die an die Macht des Herrn denken; denn du hast dein Leben nicht geschont in der Trübsal und Not deines Volks, sondern es im Angesicht Gottes vor dem Untergang gerettet. 25Und alles Volk sprach: Amen, Amen.

26Danach rief man Achior herbei und Judit sagte zu ihm:

13,26
Kap
Der Gott Israels, von dem du bezeugt hast, dass er sich an seinen Feinden rächen wird, hat heute Nacht das Oberhaupt aller Ungläubigen durch meine Hand umgebracht. 27
13,27-28
Kap
Damit du siehst, dass es so ist – sieh hier den Kopf des Holofernes, der den Gott Israels in trotzigem Hochmut verachtet und dir den Tod angedroht hatte, als er sagte: 28wenn das Volk Israel gefangen würde, so wollte er mit ihnen auch dich erstechen lassen. 29Als Achior den Kopf des Holofernes sah, entsetzte er sich, wurde bleich vor Schrecken und stürzte vornüber zu Boden. 30Als er wieder zu sich kam, fiel er ehrfürchtig ihr zu Füßen und sprach: 31Gepriesen seist du zur Ehre deines Gottes in allen Hütten Jakobs; denn der Gott Israels wird deinetwegen verherrlicht werden bei allen Völkern, die deinen Namen hören.