Lutherbibel 1984 (LU84)
9

Judit betet um Gottes Hilfe

91Danach

9,1
Kap
ging Judit in ihre Kammer und zog ein Bußgewand an,
9,1
Kap
streute Asche auf ihr Haupt und fiel nieder vor dem Herrn, schrie zu ihm und sprach: 2Herr, du Gott meines Vaters Simeon,
9,2
1. Mose 34,1-225-29
du hast ihm das Schwert gegeben, die Heiden zu bestrafen, die seine Schwester vergewaltigt und geschändet hatten, du hast ihre Frauen und Töchter gefangen nehmen und ihre Habe plündern lassen durch deine Knechte, die der Eifer um dich getrieben hat. Hilf mir armen Witwe, Herr, mein Gott! 3Denn
9,3
Ps 74,12
alle Hilfe, vorzeiten und immer wieder, hast du erdacht und gebracht, und
9,3
Ps 33,9
was du willst, das muss geschehen. 4Wenn du helfen willst, so kann’s nicht fehlgehen; und du weißt gut, wie du die Feinde bestrafen sollst.

5

9,5-7
2. Mose 14,5-924-28
Schau jetzt auf das Heer der Assyrer, wie du vorzeiten auf das Heer der Ägypter geschaut hast, als sie schwer bewaffnet deinen Knechten nachjagten und sich auf ihre Wagen, Reiter und ihr großes Kriegsvolk verließen. 6Als du sie aber ansahst, wurde es finster um sie, und sie wurden verzagt, 7die Tiefe des Meeres hielt sie fest, und das Wasser ersäufte sie. 8So geschehe jetzt auch denen, Herr, die auf ihre große Zahl vertrauen und auf ihre Wagen, Spieße, Pfeile und Lanzen pochen, aber nicht wissen, dass du selbst, Herr, unser Gott, es bist,
9,8
Ps 46,10
der den Kriegen wehrt von Anfang an, und dass du mit Recht
9,8
Ps 83,19
›Herr‹ heißt. 9
9,9
Ps 79,1-13
Strecke deinen Arm aus wie vorzeiten, und zerschmettere die Feinde durch deine Macht; lass sie umkommen durch deinen Zorn, die damit drohen, dein Heiligtum zu zerstören und
9,9
Ps 26,8
den Ort, wo deine Ehre wohnt, zu entheiligen und mit ihrem Schwert das Horn deines Altars abzuhauen.

10Herr, bestrafe ihn, den Hochmütigen, durch sein eignes Schwert; lass ihn durch seine eignen Augen gefangen werden, wenn er mich ansieht, und lass ihn durch meine freundlichen Worte betrogen werden. 11Gib mir die Festigkeit, keinen Ekel zu zeigen, und die Kraft, ihn zu stürzen. 12Das wird deinem Namen Ehre bringen, dass ihn eine Frau getötet hat.

9,12
Ri 4,9
5,26
9,53
13Denn du, Herr, bist stark auch ohne Heeresmacht, und
9,13
Ps 33,16-18
147,10
du hast keine Freude an der Stärke der Rosse; die Hoffärtigen haben dir noch nie gefallen; aber allezeit hat dir gefallen das Gebet der Elenden und
9,13
1. Petr 5,5
Demütigen. 14Du Gott des Himmels, Schöpfer der Wasser und Herr aller Dinge,
9,14
Kap
erhöre das Gebet einer armseligen Frau, die allein auf deine Barmherzigkeit vertraut. 15Denke, Herr, an deinen Bund, und gib mir ein, was ich reden und wie ich vorgehen soll, und gib mir Glück dazu, damit dein Haus nicht entweiht wird und
9,15
2. Kön 19,19
alle Heiden erkennen, dass du Gott bist und sonst keiner.

10

Judit geht zu Holofernes

101Als sie ihr Gebet beendet hatte, stand sie auf von dem Ort, an dem sie sich vor dem Herrn niedergeworfen hatte, 2rief ihre Magd und ging hinunter ins Haus, legte das Bußgewand ab und zog ihre Witwenkleider aus, 3wusch sich und salbte sich mit kostbarem Balsam, flocht ihr Haar und setzte sich einen Kopfputz auf, zog ihre schönen Kleider an und tat Schuhe an ihre Füße, 4schmückte sich mit Armbändern und Spangen, Ohrringen und Fingerringen und legte all ihren Schmuck an. 5Dazu gab ihr der Herr noch besondere Anmut; denn sie schmückte sich nicht aus böser Lust, sondern aus Gottesfurcht. Und der Herr machte ihre Schönheit so groß, dass sie allen unsagbar lieblich schien. 6Und sie gab ihrer Magd einen Schlauch voll Wein und einen Krug mit Öl und einen Sack, in dem sie Feigenkuchen, Mehl und Brot hatte; so ging sie fort.

7Und am Tor trafen die beiden Usija und die Ältesten der Stadt, die auf sie warteten. 8Sie bewunderten sie sehr, weil sie so schön war. 9Doch fragten sie nicht, was sie vorhätte, sondern ließen sie hinaus und sprachen: Der Gott unsrer Väter gebe dir Gnade und lasse dir gelingen, was du dir vorgenommen hast, damit Israel sich über dich freut und dein Name zu den

10,9
Ps 149,5-9
Heiligen und Gerechten gezählt wird. 10Und alle, die dort waren, sagten laut: Amen, Amen. 11Aber Judit betete und ging mit ihrer Magd zum Tor hinaus.

12Und als sie frühmorgens den Berg hinabging, begegneten ihr die Wächter der Assyrer, hielten sie an und fragten sie, woher sie käme und wohin sie wollte. 13Da antwortete sie: Ich bin eine hebräische Frau und bin vor ihnen geflohen; denn ich weiß, dass sie euch in die Hände fallen werden, weil sie euch verachtet haben und nicht um Gnade bitten und sich freiwillig ergeben wollen. 14Darum hab ich mir vorgenommen, zum Fürsten Holofernes zu gehen, um ihm ihre Geheimnisse zu offenbaren und ihm zu sagen, wie er sie leicht überwältigen kann, sodass er nicht einen einzigen Mann verliert. 15Als die Männer das hörten, betrachteten sie die Frau näher und waren ganz betroffen, dass sie so wunderschön war, 16und sagten zu ihr: Das rettet dir das Leben, dass du dich entschlossen hast, zu unserm Herrn herabzukommen. 17Denn wenn du vor ihn trittst, wird er dich gewiss gut behandeln und du wirst seinem Herzen sehr gefallen. 18Sie führten sie zum Zelt des Holofernes und sagten ihm von ihr.

19Als sie vor ihn trat, war Holofernes sogleich von ihr eingenommen. 20Und seine Diener sagten zueinander: Die Hebräer sind gewiss nicht zu verachten, wenn sie so schöne Frauen haben. Lohnte es sich für uns nicht schon um ihretwillen, diesen Krieg zu führen? 21Als nun Judit den Holofernes unter seinem Mückennetz sitzen sah, das aus Purpur- und Goldfäden gewirkt und mit Smaragden und Edelsteinen verziert war, verneigte sie sich und fiel vor ihm nieder. Aber Holofernes befahl seinen Dienern, sie wieder aufzurichten.

11

Judit redet mit Holofernes

111Darauf sagte Holofernes zu ihr: Sei getrost und fürchte dich nicht; denn ich habe nie einem Menschen etwas zuleide getan, der sich dem König Nebukadnezar ergeben hat.

11,1
Jer 21,9
2Hätte mich dein Volk nicht verachtet, so hätte ich nie meinen Spieß gegen sie erhoben. 3Aber nun sage mir, warum du von ihnen weggegangen und zu uns gekommen bist.

4Judit antwortete ihm: Höre deine Magd gnädig an. Wirst du tun, was deine Magd dir vorschlägt, so wird sicherlich gelingen, was der Herr mit dir vorhat. 5So wahr Nebukadnezar lebt, der König über die ganze Erde, und so wahr er dir seine Macht gegeben hat, alle Ungehorsamen zu bestrafen: Nicht nur die Menschen werden ihm durch dich unterworfen, sondern auch alle Tiere auf dem Felde werden ihm gehorchen.

11,5
Dan 2,37-38
6Deine mutigen Taten sind hochberühmt in aller Welt und jeder weiß, dass du der mächtigste Fürst in seinem ganzen Königreich bist und deine Kriegskunst überall gepriesen wird. 7Wir wissen auch, was Achior geredet und wie du ihn behandelt hast.
11,7
Kap
8Denn es ist wahr: Unser Gott ist so erzürnt über unsre Sünden, dass er
11,8
2. Kön 17,13
21,10-15
durch seine Propheten verkündet hat, er wolle das Volk um seiner Sünden willen dahingeben.

9Weil nun das Volk Israel weiß, dass sie ihren Gott erzürnt haben, sind sie voll Furcht vor dir. 10Dazu leiden sie großen Hunger und müssen vor Durst verschmachten 11und haben jetzt vor, ihr Vieh zu schlachten und sein

11,11
3. Mose 3,17
Blut zu trinken. Sie
11,11
3. Mose 22,15-16
wollen sogar Korn, Wein und Öl, das dem Herrn geweiht ist, für sich verwenden und das essen, was sie nicht einmal berühren dürfen. Weil sie das tun, müssen sie ganz gewiss umkommen. 12Als ich, deine Magd, das erkannte, bin ich von ihnen geflohen. So hat mich der Herr zu dir gesandt, um es dir zu berichten.

13Denn obwohl ich zu dir gekommen bin, so bin ich doch nicht von Gott abgefallen, sondern will meinem Gott auch jetzt bei dir dienen. Darum wird deine Magd hinausgehen und zu Gott beten; der wird mir offenbaren, wann er die Strafe für ihre Sünde an ihnen vollziehen will. Dann will ich kommen und dir’s berichten. Mitten durch Jerusalem will ich dich führen, und das ganze Volk Israel wird dir gehören

11,13
1. Kön 22,17
wie Schafe, die keinen Hirten haben, und kein Hund wird dich anbellen. Denn das ist mir durch Gottes Vorsehung offenbart, 14und weil er über sie erzürnt ist, hat er mich gesandt, dass ich dir’s berichte.

15Diese Rede gefiel Holofernes und seinen Knechten; sie bewunderten ihre Klugheit und sagten zueinander: 16Diese Frau hat auf Erden nicht ihresgleichen an Schönheit und Klugheit. 17Und Holofernes sagte zu ihr: Das hat Gott gut gefügt, dass er dich vorausgesandt hat, um durch dich das Volk in meine Hand zu geben. Wenn dein Gott tut, was du versprichst, so

11,17
Dan 6,26-27
soll er auch mein Gott sein; du sollst hoch angesehen sein im Hause Nebukadnezars, und dein Name soll berühmt werden in aller Welt.