Lutherbibel 1984 (LU84)
3

Das Gebet der Königin Ester

(zu Est 4, Fortsetzung des vorigen Stückes)

31

3,1-12
Esra 9,3-15
Dan 9,3-19
Auch die Königin Ester nahm in Todesangst zum Herrn ihre Zuflucht 2und legte ihre königlichen Kleider ab und zog Trauerkleider an, und statt der kostbaren Salben tat sie Asche und Staub auf ihr Haupt und demütigte ihren Leib durch Fasten, und wo sie früher fröhlich gewesen war, raufte sie sich jetzt die Haare.

3Und sie betete zum Herrn, dem Gott Israels, und sprach: 4Du mein Herr, der du allein unser König bist, hilf mir; denn ich bin allein und habe keinen andern Helfer als dich und muss mich nun in Gefahr stürzen. 5Ich habe von meinem Vater gehört, dass du, Herr, Israel von allen Heiden abgesondert hast und

3,5
1. Mose 12,1
unsere Väter von all ihren Vorfahren, damit sie dein ewiges Erbe sein sollten, und
3,5
5. Mose 6,20-23
dass du ihnen gehalten hast, was du zugesagt hattest. 6Wir haben vor dir gesündigt; darum hast du uns in die Hände unserer Feinde gegeben, weil wir ihre Götter geehrt haben; Herr, du bist gerecht! 7Aber nun genügt es ihnen nicht, uns in harter Knechtschaft zu halten; sondern sie
3,7
5. Mose 32,26-27
schreiben die Gewalt, die sie üben, der Macht ihrer Götzen zu, wollen deine Verheißungen zunichtemachen und dein Erbe ausrotten und denen den Mund stopfen, die dich loben, und deinen herrlichen Tempel und Altar zerstören. Das Maul der Heiden aber wollen sie auftun, die Macht der Götzen preisen und einen sterblichen König rühmen immer und ewig.

8Herr, gib nicht dein Zepter denen,

3,8
Ps 62,10
die doch nichts sind; lass sie nicht spotten über unsern Untergang, sondern lass ihr Vorhaben auf sie zurückschlagen und brandmarke den, der das gegen uns angezettelt hat! 9Denk an uns, Herr, und zeige dich in unsrer Not und gib mir Mut, du König aller Götter und Herrscher über alle Gewalt! Lehre mich,
3,9
Mt 10,19
wie ich recht reden soll vor dem
3,9
Spr 20,2
Löwen, und verwandle sein Herz, dass er unserm Feinde feind wird, damit der samt all seinen Anhängern umkommt! 10Uns aber errette durch deine Hand und hilf mir; denn ich habe keine andre Hilfe als dich, Herr, allein, der du alle Dinge weißt 11und erkennst, dass ich die Ehre hasse, die ich bei den Gottlosen habe, und die Ehe mit dem Unbeschnittenen wie überhaupt mit einem Fremden verabscheue.

Du weißt, welche Not es mir macht, dass ich das stolze Zeichen meiner Herrlichkeit, das ich verabscheue, doch auf meinem Haupte trage, wenn ich mich zeigen muss; ich verabscheue es wie einen beschmutzten Lappen und trag’s nicht, wenn ich mich nicht zu zeigen brauche. Auch

3,11
Dan 1,8
Jdt 12,2
hab ich nie an Hamans Tisch gegessen noch an einem Gelage des Königs Gefallen gehabt noch vom Opferwein getrunken. Und deine Magd hat sich
3,11
Ps 137,1
niemals gefreut, seit ich hierher gebracht worden bin, bis auf diesen Tag, 12außer an dir allein, Herr, du Gott Abrahams.

Erhöre, Gott, der du Macht hast über alle, die Stimme derer, die keine andre Hoffnung haben, und errette uns aus der Hand der Gottlosen und befreie mich aus meinen Ängsten!

4

Ester geht zum König

(zu Est 5,1)

41

4,1-3
Jdt 10,1-6
Und am dritten Tage zog sie die Bußkleider aus und legte ihren königlichen Schmuck an. 2Und als sie in ihrer Herrlichkeit erschien, rief sie Gott, den Heiland, an, der alles sieht, und nahm zwei Dienerinnen mit sich und lehnte sich vornehm auf die eine; die andere aber folgte ihr und trug ihr die Schleppe. 3Und sie erstrahlte in voller Schönheit, und ihr Angesicht war heiter und lieblich, aber ihr Herz war wie abgeschnürt vor Angst und Sorge.

4Und als sie alle Türen durchschritten hatte, trat sie vor den König, der auf seinem königlichen Thron saß in seinen königlichen Kleidern, übersät von Gold und Edelsteinen; und er war furchterregend anzusehen. 5Als er nun aufblickte und sie in höchstem Zorn ansah, erblasste die Königin und sank in Ohnmacht und ließ das Haupt auf die Dienerin sinken.

6Da wandelte Gott dem König das Herz zur Milde und ihm wurde angst um sie, und er sprang auf von seinem Thron und umfing sie mit seinen Armen, bis sie wieder zu sich kam, und sprach sie freundlich an: Was ist dir, Ester?

4,6
1. Kön 20,32
Ich bin dein Bruder; fürchte dich nicht! Du sollst nicht sterben. Denn dies Verbot betrifft alle andern, aber doch nicht dich! 7Tritt heran! 8Und er
4,8
Est 4,11
hob das goldene Zepter auf und legte es auf ihre Schulter, küsste sie und sagte: Sprich doch!

9Und sie antwortete: Als ich dich ansah, Herr, war mir, als

4,9
2. Sam 14,1720
sähe ich einen Engel Gottes; darum erschrak ich vor deiner Majestät. 10Denn du bist bewundernswürdig, Herr, und dein Angesicht ist voller Huld. 11Und als sie so redete, sank sie abermals in Ohnmacht und fiel zu Boden. 12Der König aber erschrak und all seine Diener sprachen ihr Mut zu.

5

Artaxerxes befiehlt, dem jüdischen Volk beizustehen

(zu Est 8,12)

51Artaxerxes, der Großkönig, entbietet den Statthaltern der hundertundsiebenundzwanzig Provinzen

5,1
Est 1,1
vom Indus bis zum Nil samt den Fürsten, die unserm Befehl gehorsam sind, seinen Gruß.

2Wir befinden, dass viele die Gnade ihrer Fürsten missbrauchen und von der Ehre, die ihnen widerfährt, so übermütig werden, dass sie nicht allein darauf ausgehen, die Untertanen ihrer Könige zu bedrücken, sondern auch nicht mehr ertragen können, dass ihnen Ehren verliehen worden sind, und deshalb sogar denen Schlingen legen, denen sie alles verdanken. 3Und sie begnügen sich nicht damit, den empfangenen Wohltaten gegenüber undankbar zu sein und das zu verletzen, was unter Menschen recht und billig ist, sondern sie meinen sogar, sie könnten dem Urteil Gottes entgehen, der doch alles wahrnimmt. 4Sie betrügen auch arglose Fürsten, um unschuldiges Blut vergießen und diejenigen, die treu und redlich dienen, in alles Unglück bringen zu können.

5,4
Dan 6,5

5Davon findet man Beispiele nicht allein in den alten Überlieferungen, sondern auch in dem, was sich täglich ereignet, wie viel Unrecht solche ungetreuen Würdenträger in ihrer Verderbtheit anrichten. 6Uns aber gebührt, darauf zu sehen, dass hinfort Friede im Reich bleibe. 7Dabei

5,7
Est 1,19
müssen wir je nach den Umständen und Notwendigkeiten des Augenblicks unsere Anweisungen ändern und über das, was uns vor Augen kommt, mit größter Sorgfalt urteilen.

8So hat nun

5,8
Kap
Haman, der Sohn Hammedatas, ein Mazedonier, der in Wahrheit nicht persischen Blutes ist und daher keinen Anspruch auf unsre Großmut hat, bei uns gastliche Aufnahme gefunden und all die Leutseligkeit erfahren, die wir allen Nationen erweisen, und das so sehr, dass wir ihn unsern Vater genannt haben und er von jedermann als der Erste nach dem König geehrt worden ist. Da ist er so anmaßend geworden, dass er darauf ausging, uns um Königreich und Leben zu bringen. 9Denn er hat
5,9
Est 2,19-23
Mordechai, der durch seine Treue und sein Verdienst unser Leben errettet hat, und unsere untadelige Gemahlin, die Königin Ester, samt ihrem ganzen Volk mit einem Netz hinterlistiger Anschläge verklagt, damit sie umgebracht würden. Wenn sie dann beseitigt und wir ohne Stütze wären, gedachte er, auch uns nachzustellen und das Reich der Perser an die Mazedonier zu bringen.

10Wir befinden aber, dass die Juden, die dieser Erzfrevler töten lassen wollte, völlig unschuldig sind, vielmehr

5,10
5. Mose 4,6-8
nach gerechten Gesetzen leben und Kinder des höchsten, größten und ewigen Gottes sind,
5,10
Dan 4,14
5,18
der unsern Vorfahren und uns dies Reich gegeben hat und noch erhält. 11Darum sollt ihr euch nicht verhalten nach dem
5,11
Kap
Schreiben, das Haman ausgesandt hat. 12Denn um solcher Untat willen ist er mit seinem ganzen Geschlecht vor den Toren von Susa
5,12
Est 7,10
an den Galgen gehängt worden; und so hat ihm Gott sehr bald vergolten, wie er’s verdient hat.

13Aber dies Gebot, das wir euch jetzt zuschicken, sollt ihr in allen Städten verkünden, damit die Juden frei nach ihren Gesetzen leben können. 14Und wo man ihnen am Tag ihrer Not,

5,14
Est 3,13
am dreizehnten Tage des zwölften Monats, des Adar, Gewalt antun will, da sollt ihr ihnen beistehen, dass sie sich an eben diesem Tage wehren können. Denn diesen Tag, an dem sie, das
5,14
Jes 41,8
auserwählte Volk, umkommen sollten, hat ihnen der allmächtige Gott zur Freude gemacht. 15Darum sollt auch ihr neben den andern Feiertagen diesen Tag feiern mit aller Freude, damit er uns und allen, die den Persern treu sind, Heil bedeute, aber denen, die gegen uns Ränke schmieden, eine Mahnung sei an ihren sicheren Untergang.

16Jedes Land aber und jede Stadt, die dies Gebot nicht halten, die sollen mit Schwert und Feuer vertilgt werden, sodass

5,16
Zef 1,3
weder Mensch noch Tier noch Vogel hinfort darin wohnen können, zum warnenden Beispiel, wie Verachtung und Ungehorsam bestraft werden.