Lutherbibel 1984 (LU84)
1

Artaxerxes befiehlt, das jüdische Volk auszurotten

(zu Est 3,13)

11So lautete aber das Schreiben: Der Großkönig Artaxerxes1,1 Während das hebräische Buch Ester den König Ahasveros (griechisch = Xerxes, 485–465 v. Chr.) nennt, sprechen die griechische Übersetzung des Buches wie auch die Stücke zum Buch Ester von König Artaxerxes. entbietet den Statthaltern der hundertundsiebenundzwanzig Provinzen vom Indus bis zum Nil und den Fürsten, die seiner Herrschaft untertan sind, seinen Gruß.

2Obwohl ich über viele Völker herrsche und über die ganze Erde Gewalt habe, wollte ich doch nicht überheblich werden in meiner Macht, sondern war darauf bedacht, meine Untertanen gnädig und mild zu regieren, damit ein jeder ohne Furcht

1,2
1. Tim 2,2
in Ruhe leben und den lieben Frieden genießen könnte, nach dem jedermann verlangt. 3Daher überlegte ich mit meinen Ratgebern, wie das geschehen könnte. Da wies mich Haman, mein besonnenster, ergebenster und getreuester Ratgeber, der nach dem König der Höchste ist, darauf hin, dass es ein Volk gibt, über die ganze Erde zerstreut, das seine besonderen Gesetze hält und dadurch überall zu Land und Leuten im Gegensatz steht, die Gebote der Könige unablässig missachtet und Frieden und Einigkeit im Reich durch seinen Eigensinn verhindert.

4Wir vernahmen also, dass sich ein einziges Volk gegen alle Welt stellt,

1,4
5. Mose 4,8
verkehrte Gesetze hält und
1,4
Dan 3,8-12
unsern Geboten ungehorsam ist, wodurch es großen Schaden tut und
1,4
2. Makk 14,6-10
Apg 17,6
Frieden und Einigkeit in unserm Reich stört. Deshalb haben wir befohlen: Alle, die Haman,
1,4
1. Mose 41,4043
der Höchste nach dem König, der über alle Provinzen gesetzt ist und den wir wie einen Vater ehren, benennen wird, sollen mit Weib und Kind durchs Schwert der Feinde ohne alles Erbarmen umgebracht und niemand verschont werden, und zwar am vierzehnten Tag im Adar, dem zwölften Monat, in diesem Jahr. So sollen diese ruchlosen Menschen an einem einzigen Tag erschlagen werden und damit unserm Reich den Frieden zurückgeben, den sie gestört haben.

2

Das Gebet Mordechais

(zu Est 4,17)

21Und Mordechai betete zum Herrn und

2,1
Ps 105,4-5
dachte an alle seine Wunderwerke und sprach: Herr, Herr, du bist der allmächtige
2,1
Ps 93,1
König; es steht alles in deiner Macht, und deinem Willen kann niemand widerstehen, wenn du Israel retten willst. 2Du hast Himmel und Erde gemacht und alles, was unter dem Himmel ist. 3Du bist Herr über alle, und niemand kann deiner Herrlichkeit widerstehen.
2,3
2. Chr 20,6

4Du

2,4
Joh 21,17
weißt alle Dinge; du, Herr, weißt auch, dass es weder aus Hochmut noch aus Stolz noch aus Ehrgeiz geschehen ist, wenn ich vor diesem überheblichen Haman nicht niedergefallen bin; denn
2,4
Röm 9,3
ich wäre bereit, ihm sogar die Fußsohlen zu küssen, wenn ich Israel damit retten könnte. Ich habe es vielmehr aus Furcht davor getan,
2,4
Dan 3,17-18
Apg 5,29
die Ehre, die meinem Gott gebührt, einem Menschen zu geben und einen andern anzubeten als meinen Gott.

5

2,5-6
5. Mose 9,26
Und nun, Herr, Gott, König, Gott Abrahams, erbarme dich über dein Volk! Denn unsere Feinde wollen uns vertilgen und dein Erbe ausrotten, das von Anfang an dir gehört hat. 6Verachte dein Eigentum nicht, das du dir aus Ägypten erlöst hast! 7Erhöre mein Gebet und sei deinem Erbteil gnädig und verwandle unser Trauern in Freude, damit wir leben und deinen Namen, Herr, preisen; und lass denen nicht den Mund gestopft werden, die dich loben!

8Und ganz Israel rief mit aller Kraft zum Herrn; denn sie hatten den sicheren Tod vor Augen.

3

Das Gebet der Königin Ester

(zu Est 4, Fortsetzung des vorigen Stückes)

31

3,1-12
Esra 9,3-15
Dan 9,3-19
Auch die Königin Ester nahm in Todesangst zum Herrn ihre Zuflucht 2und legte ihre königlichen Kleider ab und zog Trauerkleider an, und statt der kostbaren Salben tat sie Asche und Staub auf ihr Haupt und demütigte ihren Leib durch Fasten, und wo sie früher fröhlich gewesen war, raufte sie sich jetzt die Haare.

3Und sie betete zum Herrn, dem Gott Israels, und sprach: 4Du mein Herr, der du allein unser König bist, hilf mir; denn ich bin allein und habe keinen andern Helfer als dich und muss mich nun in Gefahr stürzen. 5Ich habe von meinem Vater gehört, dass du, Herr, Israel von allen Heiden abgesondert hast und

3,5
1. Mose 12,1
unsere Väter von all ihren Vorfahren, damit sie dein ewiges Erbe sein sollten, und
3,5
5. Mose 6,20-23
dass du ihnen gehalten hast, was du zugesagt hattest. 6Wir haben vor dir gesündigt; darum hast du uns in die Hände unserer Feinde gegeben, weil wir ihre Götter geehrt haben; Herr, du bist gerecht! 7Aber nun genügt es ihnen nicht, uns in harter Knechtschaft zu halten; sondern sie
3,7
5. Mose 32,26-27
schreiben die Gewalt, die sie üben, der Macht ihrer Götzen zu, wollen deine Verheißungen zunichtemachen und dein Erbe ausrotten und denen den Mund stopfen, die dich loben, und deinen herrlichen Tempel und Altar zerstören. Das Maul der Heiden aber wollen sie auftun, die Macht der Götzen preisen und einen sterblichen König rühmen immer und ewig.

8Herr, gib nicht dein Zepter denen,

3,8
Ps 62,10
die doch nichts sind; lass sie nicht spotten über unsern Untergang, sondern lass ihr Vorhaben auf sie zurückschlagen und brandmarke den, der das gegen uns angezettelt hat! 9Denk an uns, Herr, und zeige dich in unsrer Not und gib mir Mut, du König aller Götter und Herrscher über alle Gewalt! Lehre mich,
3,9
Mt 10,19
wie ich recht reden soll vor dem
3,9
Spr 20,2
Löwen, und verwandle sein Herz, dass er unserm Feinde feind wird, damit der samt all seinen Anhängern umkommt! 10Uns aber errette durch deine Hand und hilf mir; denn ich habe keine andre Hilfe als dich, Herr, allein, der du alle Dinge weißt 11und erkennst, dass ich die Ehre hasse, die ich bei den Gottlosen habe, und die Ehe mit dem Unbeschnittenen wie überhaupt mit einem Fremden verabscheue.

Du weißt, welche Not es mir macht, dass ich das stolze Zeichen meiner Herrlichkeit, das ich verabscheue, doch auf meinem Haupte trage, wenn ich mich zeigen muss; ich verabscheue es wie einen beschmutzten Lappen und trag’s nicht, wenn ich mich nicht zu zeigen brauche. Auch

3,11
Dan 1,8
Jdt 12,2
hab ich nie an Hamans Tisch gegessen noch an einem Gelage des Königs Gefallen gehabt noch vom Opferwein getrunken. Und deine Magd hat sich
3,11
Ps 137,1
niemals gefreut, seit ich hierher gebracht worden bin, bis auf diesen Tag, 12außer an dir allein, Herr, du Gott Abrahams.

Erhöre, Gott, der du Macht hast über alle, die Stimme derer, die keine andre Hoffnung haben, und errette uns aus der Hand der Gottlosen und befreie mich aus meinen Ängsten!