Lutherbibel 1984 (LU84)
2

Vom Bel zu Babel

(Zusatz am Schluss des Buches Daniel)

21Nach dem Tod des Königs Astyages kam das Königreich an

2,1
Dan 6,29
Kyrus aus Persien. Und Daniel war stets um den König und angesehener als alle »Freunde des Königs«. 2Nun hatten die Babylonier einen Götzen, der hieß
2,2
Jer 50,2
Bel; dem musste man täglich opfern zwölf Sack Weizenmehl und vierzig Schafe und sechs Eimer Wein. 3Selbst der König diente dem Götzen und ging täglich hin, um ihn anzubeten; aber Daniel betete seinen Gott an.

4Und der König sagte zu ihm: Warum betest du nicht auch den Bel an? Er aber sagte: Ich diene nicht den Götzen, die mit Händen gemacht sind, sondern dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und ein Herr ist über alles, was lebt.

2,4
Ps 115,3-9
Bar 6,4-6
5Da sagte der König zu ihm: Hältst du denn den Bel nicht für einen lebendigen Gott? Siehst du nicht, wie viel er täglich isst und trinkt? 6Aber Daniel lachte und sagte: Mein König, lass dich nicht täuschen; denn dieser Bel ist innen nur Ton und außen nur Kupfer und hat noch nie etwas gegessen oder getrunken.
2,6
1. Kön 18,27

7Da wurde der König zornig und ließ seine Priester rufen und sprach zu ihnen: Werdet ihr mir nicht sagen, wer dies Opfer verzehrt, so müsst ihr sterben! 8Könnt ihr aber beweisen, dass der Bel es verzehrt, so muss Daniel sterben; denn er hat den Bel gelästert. Und Daniel sprach zum König: Es geschehe, wie du gesagt hast.

9Es gab aber siebzig Priester des Bel, ohne ihre Frauen und Kinder. Und der König ging mit Daniel in den Tempel des Bel. 10Da sagten die Priester des Bel: Siehe, wir wollen hinausgehen; und du, König, sollst die Speise selbst hinstellen und den Trank selbst mischen und hinsetzen und die Tür hinter dir zuschließen und mit deinem eignen Ring versiegeln. 11Und wenn du morgen früh wiederkommst und findest, dass der Bel nicht alles verzehrt hat, so wollen wir gern sterben; sonst muss Daniel getötet werden, der uns verleumdet hat. 12Sie verließen sich aber darauf, dass sie einen geheimen Gang bis unter den Opfertisch gemacht hatten; durch den gingen sie immer wieder hinein und verzehrten, was da war.

13Als nun die Priester hinausgegangen waren, ließ der König dem Bel die Speise vorsetzen. Aber Daniel befahl seinen Dienern, Asche zu holen, und ließ sie durch den ganzen Tempel streuen vor dem König, als er nur noch allein drin war. Danach gingen sie hinaus und schlossen die Tür zu und versiegelten sie mit dem Ring des Königs und gingen davon. 14Die Priester aber gingen in der Nacht hinein nach ihrer Gewohnheit mit ihren Frauen und Kindern und aßen und tranken alles, was da war.

15Und früh am Morgen stand der König auf und Daniel mit ihm. 16Und der König fragte: Ist das Siegel unversehrt, Daniel? 17Er aber antwortete: Ja, mein König. Und sobald die Tür aufgetan war, sah der König auf den Tisch und rief mit lauter Stimme: Bel, du bist ein großer Gott, und bei dir gibt es keinen Betrug, auch nicht einen!

18Aber Daniel lachte und hielt den König zurück, damit er nicht hineinging, und sagte: Sieh auf den Boden und erkenne, wessen Fußtapfen das sind. 19Der König sagte: Ich sehe die Fußtapfen von Männern, Frauen und Kindern. 20Da wurde der König zornig und ließ die Priester mit ihren Frauen und Kindern ergreifen. Und sie mussten ihm die geheimen Gänge zeigen, durch die sie ein und aus gegangen waren und verzehrt hatten, was auf dem Tisch lag. 21Und der König ließ sie töten und gab den Bel in Daniels Gewalt; der zerstörte ihn und seinen Tempel.

Vom Drachen zu Babel

(Fortsetzung des Vorigen)

22Es gab da auch einen großen Drachen, den die Babylonier anbeteten. 23Und der König sagte zu Daniel: Wie? Willst du von dem auch behaupten, dass er nichts als ein eherner Götze ist? Siehe, er lebt ja, denn er isst und trinkt, und du kannst nicht behaupten, dass er kein lebendiger Gott ist. Darum bete ihn an! 24Aber Daniel antwortete: Ich will den Herrn, meinen Gott, anbeten; denn er ist

2,24
Jes 37,17-20
der lebendige Gott. 25Du aber, mein König, erlaube es mir, dann will ich diesen Drachen umbringen
2,25
1. Sam 17,45
ohne Schwert und Spieß. Und der König sagte: Ja, es sei dir erlaubt. 26Da nahm Daniel Pech, Fett und Haare und kochte es zusammen, machte Fladen daraus und warf sie dem Drachen ins Maul; und der Drache barst davon mitten entzwei. Und Daniel sagte: Seht, das sind eure Götter!

27

2,27-41
Dan 6,15-28
Als nun die Babylonier das hörten, verdross es sie sehr, und sie machten einen Aufruhr gegen den König und sagten: Unser König ist ein Jude geworden; denn er hat den Bel zerstört und den Drachen getötet und die Priester umgebracht. 28Und sie traten vor den König und sagten: Gib uns Daniel heraus; sonst werden wir dich und dein ganzes Haus umbringen!

29Als nun der König sah, dass sie mit Gewalt auf ihn eindrangen, musste er ihnen Daniel herausgeben. 30Und sie warfen ihn zu den Löwen in den Graben; darin lag er sechs Tage lang. 31Und es waren sieben Löwen im Graben; denen gab man täglich zwei Menschen und zwei Schafe. Aber während dieser Tage gab man ihnen nichts, damit sie Daniel fressen sollten.

32Es war aber ein Prophet, Habakuk, in Judäa; der hatte einen Brei gekocht und Brot eingebrockt in eine tiefe Schüssel und ging damit aufs Feld, um es den Schnittern zu bringen. 33Und der Engel des Herrn sprach zu Habakuk: Bring das Essen, das du trägst, zu Daniel nach Babel in den Löwengraben. 34Und Habakuk antwortete: Herr, ich habe die Stadt Babel nie gesehen und weiß nicht, wo der Graben ist.

35Da

2,35
Hes 8,3
fasste ihn der Engel des Herrn beim Schopf, trug ihn im Windesbrausen an den Haaren nach Babel und setzte ihn oben am Graben nieder. 36Und Habakuk rief: Daniel, Daniel, nimm das Essen, das dir Gott gesandt hat!
2,36
Jer 15,16
Hab 2,4
Mt 4,4
37Und Daniel sprach: Gott, du denkst ja noch an mich und
2,37
Sir 2,12
verlässt die nicht, die dich lieben! 38Und er stand auf und aß. Aber der Engel Gottes brachte Habakuk sogleich wieder an seinen Ort.

39Und der König kam am siebenten Tage, um Daniel zu beklagen. Und als er zum Graben kam und hineinschaute, siehe, da saß Daniel mitten unter den Löwen. 40Und der König rief laut: Herr, du Gott Daniels, du bist ein großer Gott, und es gibt keinen andern außer dir! 41Und er ließ ihn aus dem Graben ziehen; aber die andern, die seinen Tod gewollt hatten, ließ er in den Graben werfen; und sie wurden sofort vor seinen Augen von den Löwen verschlungen.

3

Das Gebet Asarjas

(Zusatz zu Dan 3,23)

31Und

3,1
Dan 1,7
Asarja stand mitten im glühenden Ofen und tat seinen Mund auf und betete:

2

3,2
Apg 16,25
Gelobt seist du, Herr, du Gott unsrer Väter,

und dein Name soll gepriesen

und verherrlicht werden ewiglich!

3

3,3-9
Dan 9,5-12
Denn du bist gerecht in allem, was du an uns getan hast;

alle deine Werke sind beständig,

und deine Wege sind gerade,

und alle deine Gerichte sind gerecht.

4Du tust uns recht, dass du uns bestraft hast

mit all den Strafen, die du über uns hast ergehen lassen

und über Jerusalem, die heilige Stadt unsrer Väter;

ja, du tust recht und billig mit alledem um unsrer Sünden willen.

3,4
Neh 9,33

5Denn wir haben gesündigt und böse gehandelt,

weil wir von dir gewichen sind.

Und wir haben in allem schwer gesündigt

6und deinen Geboten nicht gehorcht noch sie bewahrt

und haben nicht getan, wie du uns befohlen hast,

damit es uns gut gehen sollte.

7Darum hast du recht daran getan,

dass du das alles über uns hast kommen lassen

und uns das alles angetan hast

8und uns übergeben hast den Händen unsrer Feinde,

der gottlosen, abtrünnigen Widersacher,

und dem ungerechten,

grausamsten König auf Erden.

9Und nun dürfen wir unsern Mund nicht auftun:

so sehr sind deine Knechte und alle, die dich fürchten, zuschanden und zu Spott geworden.

10Aber dennoch verstoße uns nicht ganz um deines heiligen Namens willen,

und

3,10
3. Mose 26,4245
verwirf deinen Bund nicht,

11und nimm deine Barmherzigkeit nicht von uns

um

3,11
2. Chr 20,7
Jes 41,8
Abrahams, deines geliebten Freundes, willen

und deines Knechtes Isaak

und Israels, deines Heiligen,

12denen du verheißen hast, ihre Nachkommen zu

3,12
1. Mose 22,17
26,4
28,14
mehren

wie die Sterne am Himmel

und wie den Sand am Ufer des Meers.

13Denn, Herr, wir sind geringer geworden als alle Heiden

und sind heute die Verachtetsten auf Erden um unsrer Sünden willen.

14Wir haben jetzt keinen Fürsten,

Propheten noch Vorsteher mehr

und weder Brandopfer

noch Schlachtopfer noch Speisopfer noch Räucherwerk

und haben keine Stätte, wo wir vor dir opfern

und Gnade finden könnten;

3,14
Hos 3,4

15sondern

3,15
Ps 51,19
mit betrübtem Herzen und demütigem Geist

kommen wir vor dich,

16als brächten wir Brandopfer von Widdern und Rindern

und viel tausend fetten Schafen.

So wollest du unser Opfer heute vor dir gelten

und wohlgefällig sein lassen;

denn du lässt nicht zuschanden werden,

die auf dich hoffen.

17Und nun kommen wir

3,17
Jer 29,13-14
mit ganzem Herzen

und suchen dein Angesicht mit Furcht.

18Darum lass uns nicht zuschanden werden;

sondern tu mit uns, Herr, nach deiner Gnade

und nach

3,18
Dan 9,18
deiner großen Barmherzigkeit!

19Und errette uns nach deinen Wundertaten

und gib deinem Namen die Ehre,

dass sich alle schämen müssen,

die deinen Knechten Leid antun,

20und alle zuschanden werden mit ihrer großen Macht

und ihre Gewalt zerstört wird,

21

3,21
Jes 37,20
damit sie erfahren, dass du, Herr, allein Gott bist,

herrlich auf dem ganzen Erdkreis.

22Und die Diener des Königs, die sie in den Ofen geworfen hatten, hörten nicht auf, ihn mit Erdharz, Pech, Werg und dürren Reisern zu heizen, 23und die Flamme, etwa neunundvierzig Ellen hoch, schlug oben aus dem Ofen, 24fraß um sich und
3,24
Dan 3,22
verbrannte die Chaldäer, die sie vor dem Ofen erreichte. 25Aber der Engel des Herrn war zugleich mit Asarja und denen, die bei ihm waren, in den Ofen gestiegen;
3,25
Dan 3,24-25
26hatte die Feuerflamme aus dem Ofen herausgestoßen und ließ es mitten im Ofen so sein, als ob ein Wind wehte, der kühlen Tau bringt. So rührte das Feuer sie überhaupt nicht an und fügte ihnen weder Schmerz noch Schaden zu.

Der Gesang der drei Männer im Feuerofen

(Fortsetzung des Zusatzes zu Dan 3,23)

27Da fingen die drei wie mit einem Munde an zu singen, priesen und lobten Gott in dem Ofen und sprachen:

28Gelobt seist du, Herr, du Gott unsrer Väter,

und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

29Gelobt sei dein herrlicher und heiliger Name

und soll gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

30Gelobt seist du in deinem heiligen, herrlichen Tempel

und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

31Gelobt seist du, der du

3,31
Ps 80,2
sitzt über den Cherubim und siehst in die Tiefen,

und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

32Gelobt seist du auf deinem königlichen Thron

und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

33

3,33-63
Ps 148,1-14
Gelobt seist du in der Feste des Himmels

und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

34Lobt den Herrn, alle seine Werke,

und preist und rühmt ihn ewiglich!

35Ihr Himmel, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

36

3,36
Ps 103,20
Lobt den Herrn, ihr Engel des Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

37Alle Wasser droben am Himmel, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

38Alle Heerscharen des Herrn, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

39Sonne und Mond, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

40Alle Sterne am Himmel, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

41Regen und Tau, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

42Alle Winde, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

43Feuer und Hitze, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

44Frost und Kälte, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

Tropfen und Flocken, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

45Tag und Nacht, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

46Licht und Finsternis, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

47Eis und Frost, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

48Reif und Schnee, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

49Blitze und Wolken, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

50Die Erde lobe den Herrn,

sie preise und rühme ihn ewiglich!

51Berge und Hügel, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

52Alles, was auf der Erde wächst, lobe den Herrn,

preise und rühme ihn ewiglich!

53Ihr Quellen, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

54Meer und Wasserströme, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

55Walfische und alles, was sich im Wasser regt, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

56Alle Vögel unter dem Himmel, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

57Alle zahmen und wilden Tiere, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

58Ihr Menschenkinder, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

59Israel, lobe den Herrn,

preise und rühme ihn ewiglich!

60Ihr Priester des Herrn, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

61Ihr

3,61
Ps 134,1
Knechte des Herrn, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

62Ihr

3,62
Ps 103,1-5
Lk 1,46
Geister und Seelen der Gerechten, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

63Ihr Heiligen und die ihr

3,63
Mt 11,29
von Herzen demütig seid, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

64Hananja, Asarja und Mischaël, lobt den Herrn,

preist und rühmt ihn ewiglich!

Denn er hat uns erlöst aus dem Totenreich

und uns errettet vom Tode,

er hat uns befreit aus dem glühenden Ofen

und hat uns mitten aus dem Feuer gerissen.

65

3,65-66
Ps 136,1-26
Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

66Alle, die den Herrn fürchten, lobt den Gott aller Götter,

preist ihn und rühmt, dass seine Güte ewiglich währt!