Lutherbibel 2017 (LU17)
4

Ester geht zum König

(zu Est 5,1)

41

D,1
Jdt 10,1-6
Als sie am dritten Tage ihr Gebet beendet hatte, zog sie die Bußkleider aus und legte ihren königlichen Schmuck an. 2Und als sie wieder strahlend schön war, rief sie Gott, den Retter, an, der alles sieht. Dann nahm sie zwei Dienerinnen mit sich 3und stützte sich vornehm auf die eine; 4die andere aber folgte ihr und trug ihr die Schleppe. 5 Sie strahlte in voller Schönheit, und ihr Angesicht war heiter und lieblich, doch ihr Herz war wie abgeschnürt vor Angst.

6 Und als sie alle Türen durchschritten hatte, trat sie vor den König, der auf seinem königlichen Thron saß in seinen glänzenden Gewändern, übersät von Gold und Edelsteinen; und er war furchterregend anzuschauen. 7 Als er nun aufblickte und sie glühend vor Zorn ansah, erblasste die Königin, sank dahin und musste sich auf die Dienerin stützen, die vorausging.

8 Da besänftigte Gott den Geist des Königs. Voller Sorge sprang er auf von seinem Thron und umfing sie mit seinen Armen, bis sie wieder zu sich kam, 9und sprach sie freundlich an: Was ist mit dir, Ester? Ich bin dein Bruder; fürchte dich nicht! 10Du sollst nicht sterben. Denn dieser Befehl betrifft nur gewöhnliche Menschen! 11 Tritt herzu! 12 Und er hob das

D,12
Est 4,11
goldene Zepter auf und legte es auf ihre Schulter, küsste sie und sagte: Sprich doch!

13 Und sie antwortete: Als ich dich sah, Herr, war mir, als sähe ich einen Engel Gottes, sodass mein Herz vor deiner Majestät erschrak. 14 Denn du bist bewundernswürdig, Herr, und dein Angesicht ist voller Huld. 15 Als sie aber so redete, sank sie zu Boden. 16 Der König aber erschrak, und all seine Diener trösteten sie.

5

Artaxerxes befiehlt, dem jüdischen Volk beizustehen

(zu Est 8,12)

51 Dies ist die Abschrift des Briefes: Artaxerxes, der Großkönig, entbietet den Statthaltern der hundertsiebenundzwanzig Provinzen von Indien bis Äthiopien und den Fürsten, die uns wohlgesonnen sind, seinen Gruß.

2Viele, die durch die überreiche Güte ihrer Wohltäter hoch geehrt wurden, sind immer noch stolzer geworden, 3sodass sie nicht nur versuchen, unsere Untertanen zu bedrücken, sondern auch ihren Überfluss nicht ertragen können und sich anschicken, gegen ihre eigenen Wohltäter die Hand zu erheben. 4 Sie verweigern nicht nur den Menschen die Dankbarkeit, sondern werden überheblich durch das Prahlen derer, die vom Guten nichts wissen, und meinen sogar, sie könnten der Strafe Gottes entgehen, der doch alles wahrnimmt und das Böse hasst.

5 Schon viele Herrscher haben ihren untergebenen Beratern vertraut und wurden so zu ihren Verbündeten, dass sie unschuldiges Blut vergossen und sich in unheilbares Unglück gestürzt haben. 6Durch Lüge, Trug und Berechnung hat man das arglose Wohlwollen der Herrscher getäuscht. 7 Solches findet ihr nicht nur in Erzählungen aus unseren alten Überlieferungen, sondern viel klarer, wenn ihr untersucht, was vor euren Augen geschieht – wie unwürdige Statthalter in ihrer Niedertracht Verbrechen begehen. 8 Wir nehmen uns nun vor, künftig darauf zu achten, dass alle Menschen im Königreich in Ruhe und Frieden leben können. 9 Wir werden Änderungen einführen und künftig über das, was uns vor Augen kommt, stets mit größter Sorgfalt urteilen.

10 So hat nun

E,10
Kap B,3-5
Haman, der Sohn Hammedatas, ein Makedonier, der in Wahrheit nicht persischen Blutes ist und keinen Anspruch auf unsre Großmut hat, bei uns gastliche Aufnahme gefunden. 11Er hat unsere Menschenfreundlichkeit erfahren, die wir jedem Volk erweisen in so reichem Maße, dass wir ihn unsern VaterE,11 Hoftitel. genannt haben und er von jedermann als Zweiter am königlichen Thron geehrt worden ist. 12Doch er konnte seine Überheblichkeit nicht zügeln, sodass er danach trachtete, uns um Herrschaft und Leben zu bringen. 13 Er hat Mordechai, unseren
E,13
Est 2,19-23
Retter und treuen Wohltäter, und Ester, die untadelige Gefährtin des Königs, samt ihrem ganzen Volk hinterlistig verleumdet und angeklagt, um sie ins Verderben zu stürzen. 14Auf diese Weise gedachte er, uns allein und machtlos dastehen zu lassen und das Reich der Perser an die Makedonier zu bringen.

15 Wir befinden aber, dass die Juden, die dieser dreifach verfluchte Frevler töten lassen wollte, keine Übeltäter, sondern Bürger mit sehr

E,15
5. Mose 4,6-8
gerechten Gesetzen 16und Kinder des höchsten, größten und lebendigen Gottes sind, der uns und
E,16
Dan 4,14
5,18
unsern Vorfahren das Königreich gegeben hat und aufs Beste erhält. 17 Ihr tut also gut daran, wenn ihr euch nicht nach dem
E,17
Kap B,3-4
Schreiben richtet, das Haman, der Sohn Hammedatas, ausgesandt hat. 18 Er, der diese Untat begangen hat, ist mit seinem ganzen Haus vor den Toren Susas an den Galgen gehängt worden. So hat der allmächtige Gott ihm sehr bald die verdiente Strafe geschickt.
E,18
Est 7,10

19 Die Abschrift dieses Briefes sollt ihr überall bekannt machen, damit die Juden nach ihren eigenen Gesetzen leben können. 20 Und ihr sollt ihnen beistehen, damit sie sich in ihrer Not wehren können, wenn ihnen Gewalt droht – an eben

E,20
Est 3,13
diesem Tag, am dreizehnten Tage des zwölften Monats, des Adar. 21Denn diesen Tag, an dem das
E,21
Jes 41,8
auserwählte Volk umkommen sollte, hat der allmächtige Gott ihm zum Freudentag gemacht. 22 Darum sollt auch ihr neben euren Feiertagen diesen besonderen Tag mit aller Freude begehen, 23damit er von nun an uns und allen treuen Persern Heil bedeute, denen aber, die gegen uns Ränke schmieden, eine Erinnerung sei an den Untergang.

24 Jedes Land aber und jede Stadt, die dies Gebot nicht halten, die sollen ohne Gnade mit Speer und Feuer vertilgt werden – nicht nur von

E,24
Zef 1,3
Menschen verlassen, sondern allezeit verhasst bei Tieren und Vögeln.

6

Mordechai deutet seinen Traum

(zu Est 10,3)

61 Und Mordechai sagte: Gott hat das alles geschickt. 2Ich denke an den Traum, in dem ich diese Ereignisse gesehen habe; denn nichts davon ist unerfüllt geblieben. 3Die kleine Quelle, die zum Strom wurde und die Licht, Sonne und das große Wasser war – dieser Fluss ist Ester, die der König zur Gemahlin genommen und zur Königin gemacht hat. 4Die beiden Drachen aber sind ich und Haman. 5Die Völker, die zusammenkamen, sind die, die den Namen der Juden austilgen wollten. 6Mein Volk, das ist Israel, das zu Gott rief; und der Herr half seinem Volk und erlöste uns aus allen diesen Nöten. Und Gott tat große Zeichen und Wunder, wie sie keinem Volk widerfahren sind.

7Denn Gott hat zwei LoseF,7 In dem Wort »Lose« (hebräisch: »Purim«) liegt eine Anspielung auf das Purimfest vor (vgl. Vers 11; Est 9,24). gemacht, eins für das Volk Gottes und das andere für alle übrigen Nationen. 8Und diese beiden Lose kamen zur Zeit und zur Stunde und zum Tag des Gerichts vor Gott und mitten unter alle Völker. 9Und Gott gedachte seines Volkes und gab seinem Erbteil recht.

10 Und diese Tage soll man halten im Monat Adar, am vierzehnten und fünfzehnten Tag desselben Monats: mit Jubel und Freude soll das Volk vor Gott zusammenkommen; und es soll fortan so gehalten werden von Geschlecht zu Geschlecht in seinem Volk Israel.

Die Nachschrift zur griechischen Übersetzung

11 Im vierten Jahr des Königs Ptolemäus und der Kleopatra brachten Dositheus, der sich als Priester aus dem Stamm Levi vorstellte, und Ptolemäus, sein Sohn, dies Schreiben über das Purimfest und sagten, dass es echt wäre und dass Lysimachus, ein Sohn des Ptolemäus, es in Jerusalem übersetzt hätte.