Gute Nachricht Bibel (GNB)
7

VISIONEN UND AUSWEISUNG DES PROPHETEN

(Kapitel 7–9)

Drei Visionen: Die Strafe ist unabwendbar

71Hört, was der Herr, der mächtige Gott, mich schauen ließ: Ich sah, wie er einen Heuschreckenschwarm schuf. Es war nicht lange, nachdem das Gras für den König gemäht worden war; die Sommersaat ging gerade auf.

7,1-2
Joel 1,4
2Die Heuschrecken machten sich daran, alles Grün aufzufressen.

Da sagte ich: »Herr, du mächtiger Gott, vergib doch deinem Volk!7,2 deinem Volk: wörtlich Jakob (= Israel; vgl. Gen 32,29; 35,10); so auch in Vers 5. Wie kann es sonst überleben? Es ist ja so klein!«

7,2b.5
Ex 32,11-13
Jer 7,16

3Dem Herrn tat es leid und er sagte: »Gut, es soll nicht geschehen.«

4Dann ließ der Herr, der mächtige Gott, mich etwas anderes sehen: Er rief eine Gluthitze herbei, die zehrte alles Wasser auf. Als sie anfing, auch das Ackerland zu verzehren,

7,4
Joel 1,17-20
5sagte ich: »Herr, du mächtiger Gott, halt doch ein! Wie kann dein Volk sonst überleben? Es ist ja so klein!«

6Dem Herrn tat es leid und er sagte: »Gut, es soll nicht geschehen.«

7Dann ließ der Herr mich wieder etwas anderes sehen: Er selbst stand auf einer Mauer aus Zinn und hielt einen Klumpen Zinn in der Hand.7,7 Zinn (und nicht Blei) ist durch neuere Forschungen eindeutig als Sinn des hebräischen Wortes erwiesen. Das Metall erinnert als Bestandteil der Bronzelegierung an Kriegswaffen und hat offenbar auch bei magischen Riten eine Rolle gespielt; es hat von daher die Bedeutung eines schlimmen Vorzeichens. 8Er fragte mich: »Amos, was siehst du?«

»Einen Zinnklumpen«, antwortete ich.

Da sagte er: »Ja, ich werfe einen Zinnklumpen mitten in mein Volk Israel! Ich werde es jetzt nicht mehr verschonen.

7,8 (siehst)
Jer 1,11
9Die Opferstätten der Nachkommen Isaaks und die Staatsheiligtümer Israels sollen verwüstet werden und gegen das Königshaus Jerobeams werde ich mit dem Schwert vorgehen.«

Amos wird aus dem Reich Israel ausgewiesen

10Amazja, der oberste Priester in Bet-El, ließ Jerobeam, dem König des Reiches Israel,7,10 Es handelt sich um Jerobeam II. (siehe Zeittafel im Anhang), nicht um den Begründer des Nordreiches Israel desselben Namens (vgl. 1 Kön 12). melden: »Amos zettelt mitten in Israel eine Verschwörung gegen dich an! Was er redet, ist unerträglich.

7,10
1 Kön 12,28-32
2 Kön 14,23-29
Jer 38,4
11Er hat gesagt: ›Jerobeam wird durchs Schwert umkommen und das Volk Israel wird aus seinem Land in ein anderes verschleppt.‹«
7,11
5,27

12Zu Amos aber sagte Amazja: »Du Prophet, flieh von hier und geh nach Juda! Rede dort als Prophet; sie werden dir dort sicher zu essen geben.

7,12 (zu essen)
Num 22,717-18
1 Sam 9,6-7
1 Kön 14,3
2 Kön 4,42
Mi 3,511
13Hier in Bet-El darfst du nicht mehr auftreten; denn dies ist ein Reichsheiligtum, das dem König von Israel gehört.«

14Amos erwiderte: »Ich bin kein berufsmäßiger Prophet und gehöre auch zu keiner Prophetengemeinschaft. Ich bin unabhängig; ich besitze Rinder und Maulbeerfeigenbäume. 15Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und gesagt: ›Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!‹

7,15
1,1
3,3-8
2 Sam 7,8

16So höre nun das Wort des Herrn! Du sagst: ›Rede nicht als Prophet gegen Israel; verkünde den Nachkommen Isaaks keine Drohbotschaften!‹

7,16
2,12
17Deshalb sagt der Herr: ›Deine Frau wird hier in der Stadt zur Hure gemacht, deine Söhne und Töchter werden im Krieg umkommen, dein Grundbesitz wird verteilt und du selbst wirst in der Fremde sterben, in einem unreinen Land.‹ Denn das Volk Israel muss sein Land verlassen und in die Verbannung gehen.«
7,17
5,27

8

Erneute Vision vom kommenden Strafgericht

81Noch etwas ließ der Herr, der mächtige Gott, mich sehen: einen Erntekorb voll Obst.

8,1-3
7,1-9
9,1-4
2Er fragte mich: »Amos, was siehst du?«

Ich antwortete: »Einen Korb mit reifem Obst.«

Da sagte der Herr: »Ja, reif ist mein Volk – zum Gericht! Ohne Erbarmen will ich alles abernten.

8,2
Jer 1,11
24,1
Joel 4,13
3Dann werden die Sängerinnen im Königspalast Klagelieder anstimmen. An allen Orten liegen Leichen herum, niemand begräbt sie, überall Totenstille.«

Das sagt der Herr, der mächtige Gott.

8,3
5,16-17
6,10
Jer 9,21

Gegen Unrecht und Ausbeutung

4Hört her, ihr Unterdrücker und Ausbeuter! Euer ganzes Tun zielt darauf ab, die Armen im Land zu ruinieren!

8,4-6
2,6-8
5Ihr sagt: »Wann ist endlich das Neumondfest vorbei, wann ist endlich der Sabbat vorüber? Dann können wir unsere Speicher öffnen und Korn verkaufen, das Getreidemaß kleiner machen und das Gewicht, mit dem wir das Silber zur Bezahlung abwiegen, größer, die Waagbalken verstellen
8,5
Lev 19,35-36
Hos 12,8
Mi 6,10-11
6und sogar noch den Abfall mit Gewinn loswerden.«

Die Armen macht ihr zu euren Sklaven, auch wenn sie euch nur ein Paar Sandalen schulden.

8,6b
2,6
7Aber der Herr, auf den ihr Nachkommen Jakobs so stolz seid, hat geschworen: »Nie werde ich ihnen diese Untaten verzeihen!«

8Wen wundert es da, dass die Erde bebt und alle ihre Bewohner erschrecken? Sie hebt und senkt sich wie der Nil in Ägypten.

8,8
1,1
9,5

Der Tag des Gerichts: Gott schweigt

9»An jenem Tag geht die Sonne am Mittag unter und am helllichten Tag wird es finster«, sagt der Herr, der mächtige Gott.

8,9
5,18
Joel 2,10
10»Ich verwandle eure Freudenfeste in Leichenfeiern; statt fröhliche Lieder zu singen, werdet ihr weinen und klagen. Ihr werdet euch die Köpfe kahl scheren und den Sack um die Hüften binden und so verzweifelt klagen wie beim Tod des einzigen Sohnes. Das Ende dieses Tages wird bitter und trostlos sein!«
8,10
Tob 2,6
Hos 2,13
Jer 16,6
6,26

11Weiter sagt der Herr, der mächtige Gott: »Es kommt die Zeit, da werde ich eine Not über das Land kommen lassen, die schlimmer ist als Hunger und Durst: Die Leute werden nicht nach Brot hungern oder nach Wasser lechzen, sondern verzweifelt darauf warten, von mir das rettende Wort zu hören.

8,11-12
1 Sam 3,1
28,6
Spr 1,28
Ps 74,9
Hos 5,6
Mi 3,6-7
12Sie werden im Land umherirren, vom Toten Meer bis zum Mittelmeer und vom Norden bis zum Osten. Überall werden sie nach einem Wort des Herrn fragen, aber keines zu hören bekommen.

13An jenem Tag werden selbst die blühenden jungen Mädchen und die kräftigen jungen Männer verdurstet umsinken. 14Sie werden fallen und nicht mehr aufstehen – alle, die bei dem abscheulichen Götzen von Samaria schwören oder beim Pilgerweg nach Beerscheba oder die sagen: ›So gewiss dein Gott lebt, Dan!‹«

8,14
Hos 8,5-6
Am 5,5

9

Eine letzte Vision: Niemand entrinnt dem Gericht

91Ich sah den Herrn in Bet-El riesengroß am Altar vor dem Tempel stehen. Er gab einem Engel den Befehl: »Schlag auf die Kapitelle der Tempelsäulen, dass der ganze Bau bis in die Fundamente erzittert! Zerschmettere die Säulen, dass sie diesen Leuten auf den Kopf fallen! Und wer das überlebt, soll durch das Schwert des Feindes umkommen. Niemand wird sich retten können, niemand mit dem Leben davonkommen.

9,1
Jes 6,1
Am 2,14-16

2Selbst wenn sie sich in der Totenwelt vergraben, ich werde sie von dort zurückholen; selbst wenn sie in den Himmel hinaufsteigen, ich werde sie von dort herunterholen.

9,2
Ps 139,7-12
3Verstecken sie sich auf dem Berg Karmel, so werde ich sie auch dort ausfindig machen; verbergen sie sich auf dem Meeresboden, so befehle ich der Seeschlange, sie zu beißen. 4Und wenn sie von ihren Feinden in die Verbannung geführt werden, lasse ich sie dort mit dem Schwert umbringen. Ich behalte sie im Auge, aber nicht, um ihnen zu helfen, sondern um sie zu vernichten.«
9,4
5,27

Gott der Schöpfer und Richter

5Der Herr, der Herrscher über die ganze Welt:9,5 Wörtlich Der Herr, der Herr Zebaot (berührt die Erde).

berührt er die Erde, so bebt sie,

sie hebt und senkt sich wie der Nil in Ägypten,

und überall trauern ihre Bewohner um die Opfer,

die unter den Trümmern begraben sind.

9,5-6
4,13
5,8-9
9,5
8,8
Ps 104,32

6Er hat über der Erde das Himmelsgewölbe errichtet

und sich droben im Himmel seine Wohnung gebaut.

Er ruft das Wasser aus dem Meer

und lässt es auf die Erde herabregnen.

»Herr« ist sein Name!

9,6
Ps 104,3

Es gibt kein Sonderrecht für Israel

7Der Herr sagt: »Meint ihr Israeliten, ihr wärt in meinen Augen etwas Besseres als die Leute von Kusch, die am Ende der Welt wohnen?9,7 die am Ende ...: verdeutlichender Zusatz. Gewiss, ich habe euch aus Ägypten herausgeführt, aber ebenso die Philister aus Kreta und die Syrer aus Kir.

9,7
3,1-2
1,5
Jer 47,4
8Ich, der Herr, der mächtige Gott, sehe genau, was man in Israel, diesem verdorbenen Königreich, treibt. Deshalb lasse ich es spurlos von der Erde verschwinden.

Aber ich werde die Nachkommen Jakobs nicht völlig ausrotten, das verspreche ich, der Herr.

9,8 (nicht völlig)
5,15
Jer 4,27
9Ich werde den Befehl geben, sie zu sichten. – Das wird geschehen, wenn sie unter alle Völker zerstreut werden. – Die Schuldigen werden ausgesiebt, so wie man verunreinigtes Korn im Sieb schüttelt, bis nur noch die Steine zurückbleiben. 10Alle, die jetzt so selbstsicher sagen: ›Du, Herr, wirst kein Unglück an uns herankommen lassen‹, werden dann durch das Schwert des Feindes umkommen.«
9,10
6,3
Jer 7,410
Mi 2,7
3,11

Die Wiederherstellung Israels nach der Katastrophe

11Der Herr sagt: »Es kommt der Tag, an dem ich die verfallene Hütte Davids9,11 Das Bild von Hütte und Haus lässt an die Dynastie (das »Königshaus«) Davids denken, an sein Reich nur als Folge (Vers 12). wieder aufrichten werde. Ich maure die Risse zu und ziehe die eingestürzten Mauern hoch, sodass das Haus Davids in alter Pracht wieder ersteht.

9,11-12
Apg 15,16-18
12Die Leute von Israel werden dann den Überrest von Edom in Besitz nehmen und ebenso alle Nachbarländer, über denen einst mein Name ausgerufen wurde.9,12 Ausgerufen zum Zeichen der Besitzergreifung. G versteht Edom als Adam (=Mensch/Menschen; gleiche Konsonanten); so kommt es zu dem Wortlaut in Apg 15,17. Ich, der Herr, sage das und werde es auch tun.

13Es kommt eine Zeit – sagt der Herr –, da werden die Schnitter schon zur Ernte antreten, kaum dass der Pflüger seine Arbeit beendet hat, und an die Weinlese schließt sich sogleich die nächste Aussaat. Es wird so viele Trauben geben, dass ihr Saft die Berge und Hügel herabfließt.

9,13
Lev 26,5
Joel 4,18
14Dann werde ich für mein Volk alles wieder zum Guten wenden. Die Leute von Israel werden die zerstörten Städte wieder aufbauen und auch darin wohnen, sie werden Weinberge anpflanzen und den Wein davon trinken, werden Gärten anlegen und essen, was darin wächst.
9,14-15
Ez 36,33-36
9,14
Jer 29,13-14
31,5
Jes 65,21-22
Hos 14,8
15Ich werde mein Volk wieder in das Land einpflanzen, das ich ihm gegeben habe, sodass es niemand mehr herausreißen kann.«

Das sagt der Herr, euer Gott.

9,15
Jer 24,6