BasisBibel (BB)

Gott hat sein Volk nicht verstoßen

111Nun frage ich: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen?Auf keinen Fall! Ich selbst bin ja ein Israelit11,1 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen.,ein Nachkomme Abrahams11,1 Abraham: Stammvater des Volkes Israel, vgl. 1. Mose/Genesis 12–25. aus dem Stamm Benjamin.2Gott hat sein Volk nicht verstoßen,das er einst erwählt hat.Oder wisst ihr nicht,was in der Heiligen Schrift11,2 in der Heiligen Schrift: Zitat aus 1. Könige 19,10. über Elija11,2 Elija: Prophet, der im Auftrag Gottes gegen 850 Propheten anderer Gottheiten antritt; vgl. 1. Könige 18,17-40. berichtet wird?Er führte vor Gott Klage gegen Israel11,2 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.). und sagte:3»Herr11,3 Herr: Bezeichnung für Gott. Das griechische Alte Testament verwendet das Wort »Herr« an den Stellen, an denen im hebräischen Text der Gottesname steht., sie haben deine Propheten11,3 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. getötetund deine Altäre11,3 Altar: Eine Art Tisch oder Podest, auf dem einer Gottheit Opfergaben dargebracht wurden. niedergerissen.Ich allein bin übrig geblieben,und jetzt wollen sie mich auch noch umbringen.«4Und wie lautete die Antwort Gottes11,4 Antwort Gottes: Zitat aus 1. Könige 19,18.?»Ich habe mir 7000 Mann übrig behalten,die nicht vor Baal auf die Knie gefallen11,4 vor Baal auf die Knie fallen: Die Anbetung eines fremden Gottes war für Israeliten verboten. sind.«5Das Gleiche geschieht jetzt in diesem Augenblick:Aus Gnade11,5 Gnade: Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt. hat Gott einen Rest ausgewählt.6Wenn es aber aus Gnade geschah,dann spielen die eigenen Taten dabei keine Rolle.Sonst wäre die Gnade ja nicht wirklich Gnade.

7Was bedeutet das?Israel11,7 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen. hat nicht erreicht,worum es sich so sehr bemüht hat.Nur diejenigen, die Gott ausgewählt hat,haben es erreicht.Bei den Übrigen hat er dafür gesorgt,dass sie sich vor ihm verschließen.8So steht es ja auch in der Heiligen Schrift11,8 in der Heiligen Schrift: Das Zitat setzt sich zusammen aus 5. Mose/Deuteronomium 29,3 und Jesaja 29,10.:»Gott hat ihren Geist in tiefen Schlaf versetzt.Er hat ihnen Augen gegeben, die nichts sehen,und Ohren, die nichts hören.Das ist so bis zum heutigen Tag.«9Und David sagt11,9 David sagt: Zitat aus der griechischen Übersetzung von Psalm 69,23-24. David, ein bedeutender König Israels, gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete.:»Ihr Tisch soll zur Falleund zum Fangnetz für sie werden.Sie sollen daran Anstoß nehmen,und er wird ihnen zum Verhängnis werden.10Lass ihre Augen dunkel werden,damit sie nichts mehr sehen können.Und lass ihren Rücken gebeugt sein für immer!«

Rettung für Israel und die anderen Völker

11Ich frage also: Sind die Juden11,11 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. am Ende gestolpert,um in ihr Verderben zu stürzen? Auf keinen Fall!Es ist vielmehr so:Ihr Fehltritt11,11 Fehltritt: Meint, dass sie Gottes Angebot zur Rettung ausgeschlagen haben. brachte den anderen Völkern die Rettung.Das sollte sie eifersüchtig machen.12Ihr Fehltritt hat der Welt reichen Gewinn gebrachtund ihre geringe Zahl den Völkern:Wie unermesslich wird der Reichtum erst sein,wenn sie wieder zu voller Zahl angewachsen sind?

13Euch aber, den Völkern, sage ich:Gerade weil ich Apostel11,13 Apostel: Wörtlich »Ausgesandter«. Mensch, der dazu berufen ist, die Gute Nachricht von Jesus Christus zu verkünden. für die Völker bin,danke ich Gott für meinen Dienst.14Vielleicht trage ich ja gerade dadurch dazu bei,mein eigenes Volk11,14 mein eigenes Volk: Für Paulus das jüdische Volk. eifersüchtig zu machen.So könnte ich wenigstens einige von ihnen retten.15Schon dass sie verloren gingen,hat der Welt die Versöhnung gebracht.Was wird dann erst sein,wenn Gott sie wieder annimmt?Nicht weniger als neues Leben11,15 Leben, neues Leben: Durch den Glauben an Gott von ihm bereits in dieser Welt geschenktes Leben in Gemeinschaft mit ihm. aus dem Tod!

Das Bild vom Olivenbaum

16Ist nicht schon der Teigaus dem ersten Getreide11,16 erstes Getreide: Der erste Teil der Ernte und daraus hergestellte Lebensmittel waren für Gott bestimmt, vgl. 4. Mose/Numeri 15,19-20. jeder Ernte heilig11,16 heilig: Menschen oder Dinge, die zu Gott gehören und mit ihm in Verbindung stehen.?Dann ist doch auch jeder weitere Teig daraus heilig.Und wenn die Wurzel heilig ist,dann sind es auch die Zweige.17Einige Zweige sind aus demedlen Olivenbaum11,17 Olivenbaum: Paulus verwendet das Bild vom edlen Olivenbaum in diesem Gleichnis für die Juden. Mit dem wilden Olivenbaum meint er die Nicht-Juden. herausgebrochen worden.Dann hat man dich als Zweig vom wilden Olivenbaumin den edlen eingepfropft11,17 einpfropfen: Das Einsetzen eines fremden Zweigs in eine Pflanze. So kann die Wirtspflanze bessere Früchte tragen..Jetzt wirst du vom Saft aus seiner Wurzel miternährt.18Aber meine nicht,dass du den anderen Zweigen überlegen bist!Wenn du es trotzdem tust,dann denke daran:Nicht du trägst die Wurzel,sondern die Wurzel trägt dich!19Du wirst vielleicht einwenden:»Die Zweige wurden doch herausgebrochen,damit ich eingepfropft werde.«20Ganz recht: Sie wurden herausgebrochen,weil sie nicht zum Glauben11,20 Glaube, glauben: Meint das tiefe Vertrauen auf Gott, das zu einem Leben nach seinem Willen führt. gekommen sind.Du hast ihren Platz eingenommen,weil du zum Glauben gekommen bist.Aber deshalb darfst du nicht überheblich werden.Vielmehr hast du Grund, dich zu fürchten.21Gott hat schon die ursprünglichen Zweigenicht verschont.Dann wird er dich erst recht nicht verschonen.

22So verhält es sich mit der Güte und Strenge Gottes:Zu denen, die zu Fall gekommen sind, ist er streng.Zu dir ist er gütig,vorausgesetzt, du hältst an seiner Güte fest.Andernfalls wirst auch du wiederaus dem Olivenbaum11,22 Olivenbaum: Im östlichen Mittelmeerraum weitverbreiteter Baum, aus dessen Früchten Öl hergestellt wird. Es gehörte in der Antike zu den Grundnahrungsmitteln. herausgeschnitten.23Umgekehrt werden die anderen wieder eingepfropft11,23 einpfropfen: Das Einsetzen eines fremden Zweigs in eine Pflanze. So kann die Wirtspflanze bessere Früchte tragen.,wenn sie nicht an ihrem Unglauben festhalten.Denn Gott hat sehr wohl die Macht dazu,sie wieder einzupfropfen.24Gott hat dich jaaus dem wilden Olivenbaum herausgeschnitten,auf dem du gewachsen bist.Dann hat er dich in den edlen Olivenbaum eingepfropft,auf dem du nicht gewachsen bist.Also kann er erst rechtdie ursprünglichen Zweige wieder in ihren eigenen,edlen Olivenbaum einpfropfen.

Zuletzt wird ganz Israel gerettet

25Brüder und Schwestern11,25 Bruder, Schwester: Wörtlich »Bruder«. Das griechische Wort bezeichnet männliche und weibliche Mitglieder der Gemeinde.,ich will euch über folgendes Geheimnisnicht in Unkenntnis lassen.Denn ihr sollt euch nicht selbsteinen Reim auf die Sache machen:Tatsächlich hat Gott dafür gesorgt,dass sich ein Teil von Israel11,25 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen. vor ihm verschließt.Das soll aber nur so lange dauern,bis alle Völker sich ihm zugewandt haben.26Und auf diese Weise wird schließlichganz Israel gerettet werden.In der Heiligen Schrift11,26 in der Heiligen Schrift: Das Zitat setzt sich zusammen aus Jesaja 27,9 und Jesaja 59,20-21. heißt es ja auch:»Vom Zion11,26 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. her wird der Retter kommenund alle Gottlosigkeit von Jakob11,26 Jakob: Bezeichnung für das Volk Israel. Der Stammvater Jakob wird in 1. Mose/Genesis 32,29 in Israel umbenannt. nehmen.27Das ist der Bund11,27 Bund: Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten.,den ich, der Herr11,27 Herr: Bezeichnung für Gott. Das griechische Alte Testament verwendet das Wort »Herr« an den Stellen, an denen im hebräischen Text der Gottesname steht., mit ihnen geschlossen habe.Er wird erfüllt, wenn ich ihre Sünden11,27 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. von ihnen nehme.«

28Betrachtet man es von der Guten Nachricht11,28 Gute Nachricht: Wörtliche Übersetzung von »Evangelium«. Botschaft, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind. her,dann sind sie Gottes Feinde geworden.Und das kommt euch11,28 euch: Meint Nicht-Juden. zugute.Betrachtet man es aber von daher,dass Gott sie erwählt hat,dann bleiben sie von Gott geliebt.Es waren ja ihre Vorfahren,die er einst erwählt hat.29Denn was Gott aus Gnade11,29 Gnade: Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt. geschenkt hat,das nimmt er nicht zurück.Und wen er einmal berufen hat, der bleibt es.30Früher habt ihr Völker Gott nicht gehorcht.Aber weil die Juden11,30 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. ungehorsam waren,hat Gott jetzt euch sein Erbarmen geschenkt.31Genauso gehorchen sie jetzt Gott nicht,weil er euch sein Erbarmen geschenkt hat.Dadurch werden künftig auch siesein Erbarmen finden.32Denn Gott hat alle im Ungehorsam festgehalten,weil er allen sein Erbarmen schenken will.

Lobpreis der unergründlichen Weisheit Gottes

33Wie unerschöpflich ist doch der Reichtum Gottes,wie tief seine Weisheit und Erkenntnis!Wie unergründlich sind seine Entscheidungenund wie unerforschlich seine Wege!3411,34 Vers 34: In Vers 34 findet sich ein Zitat aus der griechischen Übersetzung von Jesaja 40,13. Wer kennt die Gedanken des Herrn11,34 Herr: Bezeichnung für Gott. Das griechische Alte Testament verwendet das Wort »Herr« an den Stellen, an denen im hebräischen Text der Gottesname steht.?Wer ist sein Berater gewesen?35Wer hat ihm je etwas gegeben,sodass er es von ihm zurückfordern könnte?36Denn alles hat in ihm seinen Ursprung.Durch ihn besteht alles und in ihm hat alles sein Ziel.Denn er regiert in Herrlichkeit11,36 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor. für immer.Amen11,36 Amen: Das hebräische Wort bedeutet »So ist es! / So soll es sein!«.